18.04.10
02:43 Uhr

Die Resonanz eines angeregten Systems

Ja. Es ist ermüdend.

“Eine vollkommen überschätzte, eine nervige Debatte, ist die in Deutschland stets diskutierte Frage, ob Blogger Journalisten sind.”

Immer wieder die Litanei bzw. das mediale Getöse der Menschen darüber, wer denn nun (zukünftig) die “Hoheit der medialen Relevanz” hätte. Blogger vs. Journalisten? Pff. Offen gesagt kenne ich persönlich (in Deutschland) keinen einzigen Blogger, der sich aufschwingt, den klassischen Medien ihren Anspruch streitig zu machen. Wozu auch? Und wie sollte das auch funktionieren? Blogger (und Journalisten) sind alleine nichts, das Netz (und damit die Menschen) sind alles, mit allen Konsequenzen…

Meinungsführung wird nicht bestimmt durch ein paar Schreibmaschinen-, Tastatur- oder Cutter-Häuptlinge sondern in der Tat durch den Resonanzraum, den die Botschaft bei den Menschen erfährt -oder eben auch nicht. Das Netz ist (auch) ein enorm wachsender, neuer Kulturraum und dieser macht (auch) das Abbild heterogener Intelligenz und Rezeption öffentlich und sichbar.

Es tut unserer seit Jahrzehnten medial auf Mainstream-Trimmung gepegelten Gesellschaft gut, dem ursprünglich geordneten Vertrieb von Meinungen, Überzeugungen und  Einschätzungen eine ordentliche Portion sichtbares Gedankenchaos und Vielfalt hinzuzufügen. Wurscht, wie die Erkenntnisse zu uns kommen. Und geschenkt, dass vieles im Netz der Menschen für viele irrelevant ist. Jeder sucht und findet für sich seine Quelle(n) und trägt über das Netz dazu bei, bestimmte Informationen oder Meinungen in Schwingung zu bringen, ggf. bis es “klingelt”.

Es versteht sich von selbst, dass Massenmedien aus ihrer Historie und Verbreitung zu Beginn einer Veröffentlichung mehr potenzielle Schwungmasse mitbringen. Allerdings offenbart sich auch durch das Netz, was die Menschen und damit der relevante Resonanzraum über die Botschaften denken. Das ist die größte Chance für den professionellen Journalismus. Und sein größter Gegner.

Keine Tags vorhanden

3 Kommentare

  1. Luca

    Also ich persönlich habe einen Presseausweis und schreibe sowohl für Offline- als auch für Online-Medien. Meiner Meinung nach sind Blogger nicht unbedingt Journalisten (zum Beispiel die Leute, die einfach ein Online-Tagebuch schreiben). Das ist aber auch nicht weiter schlimm, wenn das Blog dann lesenwert ist.

    Ich verstehe die momentane Aufregung auf keinen Fall. Wen interessiert das, ob der Blog von einem Journalisten oder “normalen Menschen” geschrieben wird? Oftmals schreiben die Leute, die das Handwerk nicht erlernt haben, besser als die sogenannten “Qualitätsjournalisten”, die sich für bessere Menschen halten.

  2. Berkay Bay

    Ich finde, dass dies eine Ansichtsache ist und auch ganz besonders darauf ankommt, wo und wie Blogger ihre Artikel veröffentlichen. Geschieht dies in Form von “Tagebuch-Einträgen”, so kann man wirklich der Meinung sein, dass diese Blogger keine Journalisten sind. Ein Tagebuch-Eintrag kann schließlich auch Offline geschehen.

    Diejenigen, die aber PR-Arbeit betreiben und rechechieren, um einen ausführlichen und lesenswerten Artikel zu “produzieren”, dann würde ich diese Art von Blogger als Journalisten bezeichnen.

  3. GM

    Die Diskussion kann man ganz schnell abkürzen (auf einer anderen Ebene): Jeder ist Journalist, wenn er nur will. “Journalist” ist keine geschützte Berufsbezeichnung, genauso wenig wie “Redakteur” und “Fotograf”.

    Deshalb kann man sich ja auch so gut darüber streiten. Jeder hat so seine eigenen Kriterien. Sicher bleibt aber: wer recherchiert, dokumentiert, formuliert und redigiert, der arbeitet sehr wahrscheinlich (!) journalistisch.

    Im Prinzip aber nutzt diese Unsicherheit aber allen! Bedeutet dies doch, dass im Zweifel derjenige “Journalist” ist, der intelligent, investigativ, informativ und/oder interpretativ etc. schreibt – und nicht derjenige mit Zertifizierung.

    Kurz: Auch in der medialen Peripherie findet sich gelegentlich guter Journalismus. Natürlich viel seltener, kann man davon ja meist nicht leben.

    Lg und vielen Dank für den Beitrag.

Einen Kommentar schreiben

Eure Kommentare

Feed
  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
  • InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
Adscene: The Kaiser Report
Werbeblogger Late Night Podcast
Werbeblogger Podcast auf iTunes abonnieren



Wordpress-Blogsoftware
blogoscoop