14:32 Uhr
Die Botschaft der Werbeblocker an die Werbewirtschaft
Ich kann es nur wiederholen: Menschen können nicht “gezwungen” werden, Werbung anzuschauen. Werbeblocker sind auch nicht in erster Linie eine Technologie oder Software, es sind Menschen und damit potenzielle Kunden, die einer bestimmten, überzogenen Form von Werbepenetranz ihren persönlichen Riegel vorschieben. Täten sie es nicht, würde sich die allzu aufdringliche Werbeform wohl noch viel stärker kontraproduktiv gegen den Werbenden (Marke und Produkt) bzw. u.U. auch gegen die Publikation selbst richten.
An anderer Stelle schrieb ich:
Werbung braucht die Menschen vermutlich mehr, als die Menschen die Werbung brauchen…
Diese eigentlich selbstverständliche Erkenntnis in gesättigten Märkten lässt aber ein “Jammern” und Mäklen an (Teilen) der eigenen Klientel nicht zu. Es lässt ebensowenig den Schluss zu, dass die Menschen alles umsonst und grundsätzlich werbefrei haben wollen. Wohl aber kann der Anbieter- und Werbemarkt aus diesem Nutzer- und Kundenverhalten webaffiner Leser (welches sich ähnlich auch beim TV u.a. mit “Ad-Skipping” dokumentiert, aber weniger messbar ist) erkennen, dass bestimmte Werbeformen nicht akzeptiert werden, ja sogar ggf. das Gegenteil von dem provozieren, wofür sie eigentlich eingesetzt werden.
Werbung kann nicht gegen den Markt antreten. Sie ist gefordert, sich einzufügen in das, was der Konsument akzeptiert. Es ist nämlich durchaus so, dass der Kunde bei einer etwas “zurückgenommenen” Form der Werbung auch einen grundsätzlichen Nutzen erkennen kann. Online-Werbung darf nur nicht durch allzu blinkende Aufdringlichkeit, ressourcenfressende Displayformen und datenschutzrelevante Schnüffeleien den Versuch unternehmen, die friedliche Koexistenz mit den Inhalten zu torpedieren.
Die Ausführungen von Jan Schejbal geben einen guten Hinweis darauf, wo eine mögliche Grenze liegt, die die Werbetreibenden mit ihren Werbeformen im Web nicht überschreiten sollten:
# Keine Animationen. Gar keine. Dezente Animationen wären zwar OK, aber weil ich bezweifle, dass Werbefritzen da irgendwelche Maße kennen, lieber erstmal gar keine.
# Kein Sound. NEIN. GAR KEINER. NIE! Denkt nicht mal dran.
# Kein Flash für Werbung. GAR KEINS. Nein. Überhaupt nicht. Auch nicht für irgendwas ganz tolles. NEIN! Flash ist ein weiteres Einfallstor für Viren und frisst Speicher und CPU-Ressourcen, zumindest wenn es schlecht programmiert ist. Und weil eine einzige kaputte Flashwerbung in einem von 20 Browser-Tabs reicht, um meinen CPU-Lüfter anzuwerfen, gehe ich das Risiko nicht ein, diese Werbung suchen zu müssen. Alles zu blockieren ist viel einfacher. Mal abgesehen davon, sobald die Werbung sich nicht mehr bewegt und keinen Lärm mehr macht (siehe oben), braucht ihr Flash gar nicht mehr.
# Keine Werbung, die sich über Inhalt legt. Keine Pop-Ups. Nein, auch keine Pop-Unders. Nein, auch keine Werbung die sich erst über den Inhalt legt wenn man sie versehentlich mit der Maus berührt.
# Keine Schnüffelei. Die Werbung hat keine Cookies zu setzen, zumindest solange sie nicht angeklickt wird. GAR KEINE. NEIN. WIRKLICH NICHT. Die Zugriffe haben nicht protokolliert zu werden. Wenn man unbedingt Doppelaufrufe vermeiden will, dann von mir aus die IP speichern, aber nur für max. 24h und ohne Info, was für Seiten besucht wurden. Am Besten liefert ihr die Werbung von eurer eigenen Seite statt von irgendwelchen Werbeverteilnetzwerken aus.
# Keine Viren. Es muss sichergestellt sein, dass keine Viren mit der Werbung ausgeliefert werden, was bereits mehrfach passiert ist. D.h. keine iframes, kein vom Werbekunden bereitgestelltes Javascript. Die Bilder (sind ja jetzt nicht animierte, statische Bilder, also ist das richtig einfach) müssen vom Werbeanbieter immer umgerechnet werden, um Exploits zu verhindern. Das bedeutet: die Bilder werden dekomprimiert (in ein Bitmap-artiges Format) und dann mit vertrauenswürdiger Software wieder in PNG oder JPG gewandelt.
8 Kommentare
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- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...
- Brian: Der Titel ist genial. Danke :).

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Am 24. März 2010 um 22:25 Uhr
Wenn man die Ausführungen auf die Spitze treibt hat man auf der Internetseite überhaupt keine nervigen Banner mehr, sondern nur noch eine Handvoll an Logos, die sich bestenfalls auch noch farblich ins Seitendesign einpassen.
“This site is sponsored by…” ;)
Am 25. März 2010 um 10:07 Uhr
Ich hab eben im Supermarkt eine völlig neue Form der Werbeblocker gesehen. Eine große Pappkiste direkt neben dem Zeitungsregal in die alles reinfallen soll was aus Zeitungen und Zeitschriften rausfallen soll.
Kann man unter Umständen behaupten, dass zuviel Werbung geistige Umweltverschmutzung ist?
Aber wird das jemanden interessieren, bei immer günstigeren Druckpreisen für Flyer und Beilagen? Oder auch immer einfacheren Möglichkeiten Banner und sonstiges zu basteln und zu schalten?
Am Ende ist jede Werbebotschaft vielleicht auch nur Teil eines insgesamt übersättigten Marktes und die Macher sollten von sich aus ein gesteigertes Interesse entwickeln, “nicht zu viel und zu aufdringlich” zu sein. Wie will man sich denn sonst noch abheben im Pool der Sensationen und Superlative.
Also Schlechte und aufdringliche Werbung einfach verbieten wäre dann das einfachste, oder wie? :)
Am 25. März 2010 um 10:23 Uhr
Dein Wort in des Konsumenten Ohr.
Meine persönliche Lösung, die ich als fair betrachte: Ein aktiver Flashblocker reicht, um die penetrantesten Werbeformen auszuschließen. Der Adblocker bleibt aus, um meist weniger störende GIFs oder JPGs durchzulassen (klar gibt es Ausnahmen). Und Werbecookies werden beim Beenden des Browsers automatisch gelöscht.
Am 25. März 2010 um 12:12 Uhr
Werbeblocker sind kein guter Stil, aber nötig…
Frank Patalong hat auf Spiegel Online eine Dsikussion über Werbeblocker losgetreten, die ich schon länger vermisse. Seine Behauptung lautet kurzgefasst: Die immer zahlreicher werdenden Leser mit Adblockern gefährden die Finanzierung des (Qualitäts-)Jou…
Am 25. März 2010 um 14:35 Uhr
Ja, und all die Fußgänger gefährden die Autoindustrie. :)
Am 26. März 2010 um 10:36 Uhr
[...] so oft für mich hat mich der Werbeblogger mal wieder zu einem spannenden Gedankenexperiment angeregt, welches ich nicht vorenthalten [...]
Am 26. März 2010 um 21:44 Uhr
jedes # kann ich nur unterstreichen!
vielen dank! :)
Am 22. November 2010 um 11:43 Uhr
Ich finde, Werbung sollte einigermassen “neutral” aufgemacht sein. Ist sie zu aggressiv auf der Website untergebracht, wird man schon “blind”, ignoriert die Werbung und geht zur nächsten Homepage. Verlorene Besucher für den Blog-Betreiber.