24.03.10
14:32 Uhr

Die Botschaft der Werbeblocker an die Werbewirtschaft

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Ich kann es nur wiederholen: Menschen können nicht “gezwungen” werden, Werbung anzuschauen. Werbeblocker sind auch nicht in erster Linie eine Technologie oder Software, es sind Menschen und damit potenzielle Kunden, die einer bestimmten, überzogenen Form von Werbepenetranz ihren persönlichen Riegel vorschieben. Täten sie es nicht, würde sich die allzu aufdringliche Werbeform wohl noch viel stärker kontraproduktiv gegen den Werbenden (Marke und Produkt) bzw. u.U. auch gegen die Publikation selbst richten.
An anderer Stelle schrieb ich:

Werbung braucht die Menschen vermutlich mehr, als die Menschen die Werbung brauchen…

Diese eigentlich selbstverständliche Erkenntnis in gesättigten Märkten lässt aber ein “Jammern” und Mäklen an (Teilen) der eigenen Klientel nicht zu. Es lässt ebensowenig den Schluss zu, dass die Menschen alles umsonst und grundsätzlich werbefrei haben wollen. Wohl aber kann der Anbieter- und Werbemarkt aus diesem Nutzer- und Kundenverhalten webaffiner Leser (welches sich ähnlich auch beim TV u.a. mit “Ad-Skipping” dokumentiert, aber weniger messbar ist) erkennen, dass bestimmte Werbeformen nicht akzeptiert werden, ja sogar ggf. das Gegenteil von dem provozieren, wofür sie eigentlich eingesetzt werden.

Werbung kann nicht gegen den Markt antreten. Sie ist gefordert, sich einzufügen in das, was der Konsument akzeptiert. Es ist nämlich durchaus so, dass der Kunde bei einer etwas “zurückgenommenen” Form der Werbung auch einen grundsätzlichen Nutzen erkennen kann. Online-Werbung darf nur nicht durch allzu blinkende Aufdringlichkeit, ressourcenfressende Displayformen und datenschutzrelevante Schnüffeleien den Versuch unternehmen, die friedliche Koexistenz mit den Inhalten zu torpedieren.

Die Ausführungen von Jan Schejbal geben einen guten Hinweis darauf, wo eine mögliche Grenze liegt, die die Werbetreibenden mit ihren Werbeformen im Web nicht überschreiten sollten:

# Keine Animationen. Gar keine. Dezente Animationen wären zwar OK, aber weil ich bezweifle, dass Werbefritzen da irgendwelche Maße kennen, lieber erstmal gar keine.

# Kein Sound. NEIN. GAR KEINER. NIE! Denkt nicht mal dran.

# Kein Flash für Werbung. GAR KEINS. Nein. Überhaupt nicht. Auch nicht für irgendwas ganz tolles. NEIN! Flash ist ein weiteres Einfallstor für Viren und frisst Speicher und CPU-Ressourcen, zumindest wenn es schlecht programmiert ist. Und weil eine einzige kaputte Flashwerbung in einem von 20 Browser-Tabs reicht, um meinen CPU-Lüfter anzuwerfen, gehe ich das Risiko nicht ein, diese Werbung suchen zu müssen. Alles zu blockieren ist viel einfacher. Mal abgesehen davon, sobald die Werbung sich nicht mehr bewegt und keinen Lärm mehr macht (siehe oben), braucht ihr Flash gar nicht mehr.

# Keine Werbung, die sich über Inhalt legt. Keine Pop-Ups. Nein, auch keine Pop-Unders. Nein, auch keine Werbung die sich erst über den Inhalt legt wenn man sie versehentlich mit der Maus berührt.

# Keine Schnüffelei. Die Werbung hat keine Cookies zu setzen, zumindest solange sie nicht angeklickt wird. GAR KEINE. NEIN. WIRKLICH NICHT. Die Zugriffe haben nicht protokolliert zu werden. Wenn man unbedingt Doppelaufrufe vermeiden will, dann von mir aus die IP speichern, aber nur für max. 24h und ohne Info, was für Seiten besucht wurden. Am Besten liefert ihr die Werbung von eurer eigenen Seite statt von irgendwelchen Werbeverteilnetzwerken aus.

# Keine Viren. Es muss sichergestellt sein, dass keine Viren mit der Werbung ausgeliefert werden, was bereits mehrfach passiert ist. D.h. keine iframes, kein vom Werbekunden bereitgestelltes Javascript. Die Bilder (sind ja jetzt nicht animierte, statische Bilder, also ist das richtig einfach) müssen vom Werbeanbieter immer umgerechnet werden, um Exploits zu verhindern. Das bedeutet: die Bilder werden dekomprimiert (in ein Bitmap-artiges Format) und dann mit vertrauenswürdiger Software wieder in PNG oder JPG gewandelt.

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8 Kommentare

  1. tim

    Wenn man die Ausführungen auf die Spitze treibt hat man auf der Internetseite überhaupt keine nervigen Banner mehr, sondern nur noch eine Handvoll an Logos, die sich bestenfalls auch noch farblich ins Seitendesign einpassen.

    “This site is sponsored by…” ;)

  2. Wolfgang

    Ich hab eben im Supermarkt eine völlig neue Form der Werbeblocker gesehen. Eine große Pappkiste direkt neben dem Zeitungsregal in die alles reinfallen soll was aus Zeitungen und Zeitschriften rausfallen soll.

    Kann man unter Umständen behaupten, dass zuviel Werbung geistige Umweltverschmutzung ist?

    Aber wird das jemanden interessieren, bei immer günstigeren Druckpreisen für Flyer und Beilagen? Oder auch immer einfacheren Möglichkeiten Banner und sonstiges zu basteln und zu schalten?

    Am Ende ist jede Werbebotschaft vielleicht auch nur Teil eines insgesamt übersättigten Marktes und die Macher sollten von sich aus ein gesteigertes Interesse entwickeln, “nicht zu viel und zu aufdringlich” zu sein. Wie will man sich denn sonst noch abheben im Pool der Sensationen und Superlative.

    Also Schlechte und aufdringliche Werbung einfach verbieten wäre dann das einfachste, oder wie? :)

  3. Christian

    Dein Wort in des Konsumenten Ohr.

    Meine persönliche Lösung, die ich als fair betrachte: Ein aktiver Flashblocker reicht, um die penetrantesten Werbeformen auszuschließen. Der Adblocker bleibt aus, um meist weniger störende GIFs oder JPGs durchzulassen (klar gibt es Ausnahmen). Und Werbecookies werden beim Beenden des Browsers automatisch gelöscht.

  4. spackblog

    Werbeblocker sind kein guter Stil, aber nötig…

    Frank Patalong hat auf Spiegel Online eine Dsikussion über Werbeblocker losgetreten, die ich schon länger vermisse. Seine Behauptung lautet kurzgefasst: Die immer zahlreicher werdenden Leser mit Adblockern gefährden die Finanzierung des (Qualitäts-)Jou…

  5. Wolfgang

    Ja, und all die Fußgänger gefährden die Autoindustrie. :)

  6. Wenn Werbung einfach zu viel wird! | Werbespotter

    [...] so oft für mich hat mich der Werbeblogger mal wieder zu einem spannenden Gedankenexperiment angeregt, welches ich nicht vorenthalten [...]

  7. peter

    jedes # kann ich nur unterstreichen!
    vielen dank! :)

  8. Zubin

    Ich finde, Werbung sollte einigermassen “neutral” aufgemacht sein. Ist sie zu aggressiv auf der Website untergebracht, wird man schon “blind”, ignoriert die Werbung und geht zur nächsten Homepage. Verlorene Besucher für den Blog-Betreiber.

Eure Kommentare

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  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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