15.03.10
18:32 Uhr

Google, The Guardian und RSS-Feeds: Werbung als Mehrwert

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Google—How Search Ads Work

In meinem Eintrag „Unwahrscheinliche Botschaften: Google“ zitierte ich Linus Upson, Engineering Director bei Google, mit der Aussage, “if advertising is so annoying that a large segment of the population wants to block it, then advertising should get less annoying”. Und über Werbung als Information mit entsprechendem Mehrwert schrieb ich unter anderem hier. Das obige Video ist eines von dreien aus einer relativ frischen Google-Erklärbär-Reihe, die mir heute auffiel. Google versteht Werbung — und Werbung ist das, womit Google Geld verdient — in der Tat als Mehrwert in diesem Sinne.

Nundu Janakiram, Product Manager bei Google:

The more that users [...] vote for [an] ad with [their] clicks, the more likely Google is to give it a prominent placement in future moments of relevance. At every step of the way, our system is designed to reward advertisers for creating ads that people actually find useful.

Das ist auch das Prinzip, das wir als tragfähige und nachhaltige Monetarisierung verstehen für Blogs im allgemeinen und für den Werbeblogger im speziellen, und woran wir, wie Roland unter dem Stichwort „Mehrwert“ ausführte, arbeiten. Wo diese Idee von Mehrwert, um ein aktuelles Thema aufzugreifen, beim Kürzen von RSS-Feeds steckt, verbirgt sich mir. Indem noch mehr Leserinnen und Leser mit noch mehr Anzeigen konfrontiert werden, die sie nicht interessieren? Apropos: Diskussionen zu diesem Thema gab es nicht nur im Umfeld der Feed-Kürzung bei Basic Thinking, sondern auch anläßlich des technischen Fehlers beim Atlantic und dem gekürzten Feed bei Gawker Media.

Zum Vergleich: Matt McAllister mit einem Kommentar zu den aktuellen Zahlen des Guardian und einer Bemerkung zu dessen Umstellung auf Full Content RSS Feed:

We moved The Guardian in the UK to full content RSS feeds in 2008. While it’s not easy to measure the direct impact of full content RSS feeds on traffic (which, in fact, has grown dramatically the last 18 months from 25M to 37M monthly uniques), we are very clear about how important it is strategically to be a relevant part of people’s digital experiences wherever that may be.

Über das innovative Open Platform-Geschäftsmodell des Guardian schrieb ich hier. In kürzlichen Diskussionen äußerte ich verschiedentlich meinen persönlichen Tip, daß der Guardian die erste große Zeitung wird, die sich radikal vom Print-Geschäft lösen könnte — eine Vermutung, die das gestrige, absolut lesenswerte Interview mit dem Chefredakteur des Guardian Alan Rusbridger im österreichischen derStandard.at durchaus nährt.

Werbung als Mehrwert: Die Richtung, in die wir gehen müssen. Und für solche werbeeinnahmenbasierte Geschäftsmodelle, für die das Prinzip „Werbung als Mehrwert“ nicht durchführbar erscheint, sehe ich die Lunte bereits brennen.

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8 Kommentare

  1. Armin

    Ist ja alles schoen und gut, nur macht der Guardian/Observer meines Wissens seit Jahren teilweise recht massive Verluste. Entlassungen gibt’s (wenn man Private Eye trauen darf) auch immer wieder.

    Irgendwie scheint es da auch irgendwie mit dem Geschaeftsmodell zu hapern.

  2. J. Martin

    @Armin Das kommt ganz darauf an, von welchem Ende aus Du es betrachtest. Von allen großen Zeitungen sucht der Guardian am offensivsten und mit den innovativsten Strategien nach neuen Geschäftsmodellen. Das ist natürlich kein Garant zum Überleben, da hast Du recht. Aber der Guardian wird sicherlich nicht deswegen untergehen, weil er sich mit Zähnen und Klauen in überholten Geschäftsmodellen verkrallt, staatliche Siechenhilfe für sich fordert oder mit stacheldrahtbewehrten Inhalten Krieg gegen seine Leserinnen und Leser führt.

  3. Armin

    Na ja, wenn man mal ein bisschen an der Oberflaeche kratzt kann es durchaus sein dass das Geschaeftsmodell moeglicherweise gar nicht so neu ist. Es nennt sich Quersubvention. Die Verluste des Guardians werden zumindest im Moment (und durchaus vorstellbar auch mittelfristig) ueber die Gewinne anderer Geschaeftsbereiche (Auto Trader, kommerzielles Radio usw) aufgefangen. Sagt natuerlich keiner so offen, aber wenn man ein bisschen zwischen den Zeilen liest hoert sich das durchaus danach an. Zumindest fuer mich.

  4. J. Martin

    @Armin Ich dachte speziell an Open Platform und die Partizipation an Werbeeinnahmen als Teil des Geschäftsmodells. Quersubventionen werden auf Dauer nicht funktionieren, denke ich, und ganz besonders in jenen Fällen nicht, wo Online-Medien Print-Medien subventionieren sollen. Nebenbei, zur Zeit ist die Profitabilität von Zeitungen nicht nur an der Validität von Geschäftsmodellen zu messen, sondern auch an den Auswirkungen der Rezession.

  5. Armin

    Ich weiss nicht, so furchtbar innovativ finde ich das “open platform” Modell auch nicht. Was ist das denn im Endeffekt? Ein Versuch die Reichweite und die PIs fuer die Werbung die im Guardian geschaltet wird zu vergroessern. Damit kann man dann eventuell die Werbeeinnahmen verbessern, durch teurere Werbung oder einfach mehr Impressions.

    Wenn dann alle Werbeblocker haben ist das dann wirklich noch so toll und innovativ? Und vor allem, sichert es dann wirklich noch die Einnahmen?

  6. Dr.-Schiwago-Mutter

    Ein Stuhl bleibt ein Stuhl. Mehrwert bleibt Mehrwert. Und Werbung bleibt Werbung.

  7. Raoul

    Um noch mal kurz auf google zu sprechen zu kommen. Das Problem der allermeisten Sites ist es doch, dass diese, analog zum Telemarketing, reines Outbounding betreiben. Die Zielgruppe des Werbenden wird schon irgendwie erreicht. Selbst wenn das Thema der Werbung und der Site passen, so bleibt immer noch die Fragestellung nach dem momentanen Interesse des Nutzers offen, ist also immer noch kein reines Inbounding. google vereint nun beides in perfekter Symbiose. Das Thema und das Interesse passt immer zusammen und die Werbung wird sogar noch “freudig” als Informationsquelle verwandt. Die spartanische Darstellung der werbung tut ihr übriges. google ist aber eine Ausnahme und kann meines Erachtens nach nicht als Beispiel herangezogen werden. Ich bin gespannt, welche Mehrwert-Modelle demnächst im Web zu sehen sind.

  8. Wertschöpfung statt Ringelreihen, oder: In eigener Sache — Social Media als Motor für Kollaboration und Kokreation | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Wertschöpfung statt Ringelreihen

    [...] im Gesamtgewebe zukünftiger Advertising- und Marketing-Modelle, auf deren Basis Werbung einen Mehrwert bieten und ökologisch und psychologisch tragbar bleiben kann. Daher freut es mich besonders, daß [...]

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  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
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  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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