03.03.10
14:07 Uhr

Ryanair vs. Easyjet. Von langen Nasen im Wettbewerb.

Billig-Airlines werfen förmlich alles über Bord, was nicht für die zugesagte Kernleistung (Personentransport) notwendig ist. “Fliegen tun sie ja alle”, könnte man meinen und hoffen, dass für die Airlines auch in Punkto Sicherheit alles in Butter ist, wenn die Erträge auch schwinden. Das Problem ist nur: Wie grenzt man sich im Wettbewerb dann überhaupt noch ab? Der Preis als Hebel hat ein natürliches “unteres Ende” bei Flugticket-Preisangeboten in investiver Größenordnung einer lokalen Taxifahrt.

Konsequenz: man arbeitet sich werblich-kommunikativ am Wettbewerber ab. Vorbildlich in dieser Disziplin verhalten sich die beiden Airlines “Ryanair” aus Irland und “Easyjet” aus England, die zudem zwei Länder repräsentieren, die sich auch historisch nicht immer sehr nah standen. Der Deutsche Flugkunde kann zwar wenig mit den beiden Kontrahenten anfangen, aber aus Markensicht können wir ja einmal ein bisschen “einsteigen”.

easyjet

Am heutigen Tag wurde von der “ASA” bekannt gegeben, dass Easyjet ihre aktuelle Billboard-Kampagne einstellen muss. Easyjet hatte damit geworben, im Gegensatz zu Ryanair auch tatsächlich die Flughäfen anzufliegen, die der Kunde gebucht hat. Easyjet spielt damit auf die Strategie von Ryanair an, bevorzugt billigere Airports im regionalen Umfeld der beworbenen Reiseziele anzufliegen, bei denen der Reisende im Anschluss an die Flugreise mehr Zeit und Geld für den Weitertransport kalkulieren muss.

232Aber auch Ryanair teilt aus, indem sie den Chef von Easyjet, Stelios Haji-Ioannou, mit einer Pinocchio-Nase zeigen und ihn bzw. seine Airline auffordern, aktuelle Pünktlichkeitsstatistiken zu veröffentlichen. Ryanair vermutet, dass die gelebte Realität von Easyjets Credo “Pünktlichkeit ist eine Top-Priorität” ganz anders aussieht als in der Werbung versprochen.

Und so hangeln sich zwei Billig-Airlines mit PR- und Werbepossen durch die Öffentlichkeit, während bei beiden Carriern das Markenimage erschreckend brach liegt. Denn trotz ihrer Discount-Positionierung können sie zumindest die Deutschen Kunden nicht für sich gewinnen:

“Besonders interessant ist, dass es den Anbietern Ryanair und Easyjet trotz ihrer aggressiven Preispolitik nicht gelingt, die Deutschen im Hinblick auf das Preis-Leistungs-Verhältnis zu überzeugen. Im Vergleich zu anderen Airlines wird das Preis-Leistungs-Verhältnis der beiden Billigflieger von den Befragten mit Abstand am schlechtesten bewertet.”

Vielleicht ist es einmal eine gute Idee und an der Zeit für die beiden Streihähne im “vereinigten” Königreich, wieder ihre Kraft in den Kern ihrer Produkte und Leistungsversprechen zu stecken. Dann klappt´s auch mit den Nachbarn.

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3 Kommentare

  1. J. Martin

    easyJet ist in Bekanntenberichten und auf meinem Presseradar bislang nicht aufgetaucht, Ryanair schon oft. Kein Wunder, denn prominente Kritiken wie diese sind ja kaum zu überhören:

    It’s not really any wonder that this airline would start issuing “fines” to passengers—they already treat them like prisoners.

    Darüber, die Bordtoiletten kostenpflichtig zu machen, wird bei Ryanair ja auch alle paar Monate laut nachgedacht, und was die Niedrigstpreise betrifft, fand ich hier einen interessanten Kommentar. Überhaupt, verschiedentlich hörte ich, wie Leute Ryanair bereits den neuen „Fliegenden Gulag“ nennen: WoM-Marketing vom Feinsten!

  2. DL

    Ich finde das Sujet großartig. Mit besseren Flugzeiten und Strecken, und etwas Sympathie-Aufbau, könnten sie sicherlich
    auch bei deutschen Kunden punkten.

  3. Billigflieger: Was am Boden nicht geht, funktioniert auch nicht in der Luft » Markentechnik-Blog.de

    [...] Leistungsanteil ihres Preis-Leistung-Verhältnisses herauszustellen – was bisher nicht allen Wettbewerbern gelingt. Tags: Billigairlines, Billigflieger, Fluggesellschaften, Guerillawerbung, Jetblue, [...]

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