22.02.10
13:25 Uhr

Das Schneeball-System der digitalen Kommunikation am eigenen Beispiel

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Im folgenden habe ich -exemplarisch für die meisten Posts und Artikel, die mir so begegnen- versucht, die Kommentar-Diskussion eines  beliebigen Blog-Artikels in eine Graphik zu übertragen. Die Wahl fiel auf Thomas Knüwers „Das Schneeball-System der digitalen Kommunikation“ vom 19. Februar, 2010*.

Nicht erst seit Uwes Text „Digitale Avantgarde und Mediennutzungskompetenz“ stören (auch) mich die ausufernden Kommentare, die meiner Ansicht nach -mehr oder weniger aktiv- schnell vom eigentlichen Thema weg gesteuert werden.

Allgemein: Menschen subjektivieren Themen – unabhängig von der Anzahl der Kommentare, es passiert einfach. Oft ist das auch gut so.
Die Kunst jedoch ist, beim Thema zu bleiben bzw. etwas zur Diskussion beizutragen. Nur damit ist man wertvoll für die Diskussion. Ansonsten sollte man einfach auch mal schweigen können. Besonderen Verdienst erwerben sich in diesem Zusammenhang diejenigen, die eine Diskussion wieder versachlichen, zum Thema zurückbringen, den Fokus wieder
herstellen.

schneeball580

Anmerkung: Ein Klick auf die Graphik vergrößert sie. Die Zahlen bezeichnen die Kommentare unter dem Post von Thomas, idealerweise öffnet Ihr den parallel. Die Textfelder zeigen mein Verständnis des Kommentar-Inhaltes (ebenso subjektiv wie der Kommentar selbst, ich weiß).

Vielleicht erkennt ihr Muster, wenn ihr meine Graphik mit euren Erfahrungen vergleicht. Meiner Meinung nach schwankt das Muster mit der Anzahl der Leser bzw. Diskutanten. Je mehr Leser, desto extremer die Ausschläge. Je kontroverser das Thema, desto extremer die Ausschläge.

Ändern kann das nur der Einzelne, er muß seine Prioritäten setzen. Sozial bedeutet (in diesem Zusammenhang, weil wir so oft drüber reden und weil es hier paßt) lt. Wikipedia:

„… die Fähigkeit (zumeist) einer Person, sich für andere zu interessieren, sich einfühlen zu können, das Wohl Anderer im Auge zu behalten (Altruismus) oder fürsorglich auch an die Allgemeinheit zu denken. … Unsozial in diesem Sinne handelt, wem all das abgeht.“

Wir sollten die Möglichkeiten des Austausches, der Partizipation und Kollaboration viel öfter und reflektierter nutzen. Sie bergen ein immenses Potential.

Viel Vergnügen bei der Verfolgung des Diskurs-Pfades!

*Die Entscheidung kam durch den Tweet von Christian zustande, der meiner Meinung nach vorbildlich handelt, indem er 01 – publiziert, daß er 02 – vor Ort kommentiert hat. Damit bleibt die Diskussion, wo sie hingehört, kann aber überall bekannt -und auch weitergeführt- werden.

12 Kommentare

  1. Nicole

    Aha, so würde das also aussehen, wenn ein Blog bzw. dessen Artikel so richtig schön in die Diskussion gerät ;)

  2. mark793

    So, als erstes bekommt der Ralf mal ein Fleißbienchen für die schöne Graphik. ;-)

    Ich habe mir den Thread jetzt nochmal angeschaut mit der Fragestellung dieses Beitrags im Hinterkopf. Und ich muss gestehen, ich finde nicht, dass die Diskussion allzu weit vom eigentlichen Thema abgedriftet wäre. Jedes Posting und jeder Vorkommentar liefert ja mehrere Ansatzpunkte für nachfolgende Antworten, da brauche ich gar nicht mit linguistischen Zeichenmodellen von Bühler oder Saussure kommen. Insofern reproduzieren Kommentare auch das Gesprächsverhalten im realen Leben. wo ja auch nicht immer nur on topic debattiert wird (wie man z.B. aus Meetings weiß, wenn sich manche nur zu Wort melden, um auch mal was gesagt zu haben).

    Wer als Kontrast zu dem Knüwer-Beitrag samt Thread mal eine mäandernde und driftende Diskussion sehen will, kann ja mal bei mir auf der dunklen Seite (ich verlinks jetzt mal nicht) die > 80 Kommentare zu meiner Kritik eines FAZ-Blogbeitrags von Michael Seemann lesen. Mit dem Echo, das nicht immer bierernst und sachlich war, hatte ich jedenfalls sehr viel Spaß.

  3. Rainer Helmes

    Aus meiner Sicht hat Ralf die gen. Diskussion treffend analysiert. Dies sagt m.E. aber noch nichts über ‚gut‘ oder ’schlecht‘ bzw. ‚richtig‘ oder ‚falsch‘ aus. So eine Blog-Diskussion lässt sich sicher nicht mit einem straff organisierten ‚Business-Meeting‘ vergleichen.

    Ralf, ich verstehe, dass Dich ausufernde Kommentare stören, die von Thema wegführen. Das kann man so sehen, ich sehe es etwas anders: auch ‚Off-Topic-Beiträge‘ können eine Diskussion weiterführen, evtl. neu beleben und auch in einen neuen Artikel mit eigenständiger Diskussion münden …

    Als Autor und Moderator kann ich natürlich die Diskussion mehr oder weniger straff führen. Ralf, wie sieht der Befund aus, den Du aus Deiner Analyse ableitest?

  4. ralf schwartz

    @mark793 & rainer

    – Ich wollte auch keine Aussage über gut oder schlecht machen. Die Roten führen halt am weitesten weg.
    – Für mich war dort ein schöner Durchschnitt einer (durchschnittlichen) Diskussion entstanden.
    – Off Topic zur rechten Zeit ist etwas Wundervolles.
    – über den neuen Artikel hätte ich mich bei Christian (als 3. Schritt, nach den beiden von mir schon oben gelobten) gefreut.
    – Befund: siehe oben: Der Einzelne muß entscheiden, inwieweit er zum Thema und zur Qualität der Diskussion beitragen möchte (oder einfach schweigt), dazu gehört Selbsterkenntnis, Selbstführung, Priorisierung und ‚Professionalisierung‘. Wichtig dabei bleibt, daß der Spaß nicht zu kurzkommt, den mark793 anspricht!

  5. Rainer Helmes

    Danke Ralf, genau so hatte ich es verstanden :-) – wobei der Faktor „Spaß“ nicht zu kurz kommen darf. Ich habe leider immer öfter den Eindruck, dass die Diskussionen sehr ‚verbissen‘ geführt werden – und oft wird auch unter der Gürtellinie zugebissen :( – dies führt m.E. auch dazu, dass viele ‚Neuankömmlinge‘ Kleinbloggersdorf fluchtartig wieder verlassen…

  6. ralf schwartz

    Nun, Platzhirsche sind eben ‚Hirsche‘, die viel Platz brauchen – sonst platzen sie.
    Das ist natürlich kontraproduktiv zum Bloggen im Speziellen und zu Social Media allgemein …

    Vielleicht hängt das aber auch mit unserem Deutschsein zusammen (von den regionalen Unterschiedne mal abgesehen: wir setzen uns halt auch lieber an den letzten unbesetzten Tisch, statt unkompliziert nette Leute an den anderen Tischen kennenzulernen.

  7. Rainer Helmes

    Mit dem ‚Platzhirsch‘ liegst Du vielleicht gar nicht so weit daneben … und jetzt ist Brunftzeit in Kleinbloggersdorf :-) …

    … und wie kommen wir jetzt wieder zum Ausgangspunkt zurück?

    Vielleicht mit den zwei Kernfragen „was erwarten wir von einer interessanten, offenen, spannenden und weiterführenden Diskussion?“ und „wie können wir diese Diskussion über die Grenzen von Weblogs und sozialen Netzwerken und Plattformen hinaus führen?“.

  8. ralf schwartz

    Gute Frage(n)!
    Hat jemand da draussen eine Antwort, oder zwei!?

  9. Seezunge

    Genau so funktioniert das, liebe Freunde!

    Deshalb ein neuer Anstoß aus Hamburg – viral, Fisch, Wut, Männer. Habt Spaß!

    youtube.com/watch?v=...

  10. Matthias Schwenk

    Ich sehe die Problematik, kann der Argumentation aber nicht ganz folgen. Wenn eine Diskussion in den Kommentaren zu einem Blogpost auf einem bestimmten Pfad bleiben soll, muss dafür in erster Linie der Blogger selbst durch Moderation sorgen. Im Zweifelsfall ist das sehr zeitaufwendig, meiner Ansicht nach aber nicht anders machbar.

    Von den Lesern und Kommentatoren hier (mehr) Einfühlungsvermögen und Altruismus zu fordern, sehe ich als frommen Wunsch (leider).

  11. Ein bisschen Spaß muss sein. Irre auf dem Fischmarkt. | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Ein bisschen Spaß muss sein. Irre auf dem Fischmarkt.

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  12. Ein bisschen Spaß muss sein. Irre auf dem Fischmarkt. | CYPERIOR - Web Gazette

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