19.02.10
22:58 Uhr

Skype – und die kombinierte On-/offline Viralität

Was tut man, wenn der man einen wegweisenden Web-Service betreibt, der viele Optionen bietet… von denen jedoch die überwiegende Mehrzahl der User nur die einfachste Gratis-Version nutzt? Nicht etwa, weil die kostenpflichtigen Optionen unverhältnismässig teuer wären – sie sind einfach nur weitgehend unbekannt.

Case in Point: Skype: Ein dominierender Marktanteil im PC-zu-PC-Geschäft konnte bisher nur eingeschränkt versilbert werden. Die Möglichkeit, von Skype aus Festnetzanschlüsse oder gar Mobiltelefone anzurufen, blieben weitgehend ungenutzt. Wie also nun den “Call-a-Mobile-Phone-Service” bewerben und dabei die Markenwahrnehmung von “simples Videochat-Tool für Computer” hin zu “universeller Telefon-Lösung fürs Festnetz und Mobiltelefone” ausdehnen?

Ganz einfach: Man stattet fünf Künstler in aller Welt mit Skype-Mobiltelefonen aus und fordert die Welt auf, bei ihnen anzurufen. Dabei winkt den Anrufern die Gelegenheit, in persönlicher und nachvollziehbarer Teamarbeit “die ganze Welt in ein Kunstwerk zu verwandeln” – und sich natürlich dabei selbst auf der gebotenen Bühne  inszenieren zu können.

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Die Grundmechanik referenziert dabei natürlich das Skype „Phoneboxexperiment“, welches vor Weihnachten erheblichen Buzz mit über 56.000 Google-Referenzen, fast 5.000 Facebook-Einträgen und diversen Adaptionen in klassischen Medien auslöste. Damals kampierte Rob Cavazos in einer Art Happening 10 Tage in der spanischen Wüste und telefonierte von dort aus mit jedem, der ihn anrief. Der besondere Clou seinerzeit: Er musste als reales “Subservient Chicken” alle verantwortbaren Handlungsanweisungen befolgen, welche ihm seine Anrufer gaben.

In der neuen Iteration bilden fünf internationale Künstler den Schnittpunkt zwischen On- und Offline-Kommunikation: Sie können an ihren fünf Aufenthaltsorten – Tokyo, Barcelona, Antalya, mitten in Australien und den USA jederzeit auf ihrem Handy angerufen werden. Der Anrufer kann eine Nachricht formulieren, die der jeweilige Künstler dann immer ganz individuell umsetzt – und zu einem Kunstwerk werden lässt. Ob die Anrufer ihre Nachricht durch eine Licht- und Schatten-Installation, Baumstamm-Skulpturen, Avantgarde-Kunst, oder ein Happening visualisieren lassen, entscheiden sie selbst und wählen den Künstler, der am besten zu ihrer Idee passt.

Dabei kann der User auch ganz persönliche Anforderungen stellen: Von der augenzwinkernden Erinnerung für den Liebsten, doch die Nudeln nicht zu vergessen,welche der Künstler dann in eine Performance verwandelt bis hin zum romantischen, öffentlichen Heiratsantrag – alles ist möglich. Die Stunts werden per Kamera dokumentiert und einer breiten Öffentlichkeit auf der Website und einem YouTube-Kanal zur Verfügung gestellt. So zeigen die aktuellen Videos bereits kreative Ideen – wie beispielsweise die strahlenden Geburtstagswünsche aus dem australischen Outback oder die flauschig-verrückten Liebesgrüße aus der Metropole Tokyo.

Zweifellos zeigt die Kampagne auf kreative Weise auf, dass Skype zu mehr in der Lage ist als zu simplen PC-zu-PC-Videokonferenzen. Auch die Einbindung der “Offline-Locations”, welche beim Umsetzen der web-generierten Ideen aufmerksamkeitsstarke Guerilla-Aktionen produzieren, erscheint gelungen.

Aber ist die Mechanik mit 5 Künstlern und vergleichsweise verschrobenen Ideen nicht etwas zu komplex, um die gewünschte Message im Unterbewusstsein der vielen Skype-Nutzer zu verankern? Reicht die simple “Demonstration am Objekt”, um Verhalten zu ändern? Ist die Kampagne zu “alltagsfern”?

Was meinen die Werbeblogger-Leser?

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8 Kommentare

  1. Manolo

    öfter mal was Neues! Die Idee an sich ist ja nicht verkehrt, aber solange diese nicht reichweitenstark kommuniziert wird, bleibt die Message auf der Strecke. Das Verhalten ändert sich erst dann wenn die sich das Angebot komplementärer Güter anpasst und die Situationen alltagstauglicher werden… Oder wer nutzt Skype für Kunst?

  2. Bertram

    Die Botschaft dieser Kampagne ist: “Skype ist herrlich verrückt und auch etwas kompliziert.”

    Nicht so originell, aber wirkungsvoller: 20 Euro Start-Guthaben für jeden Skype-Nutzer. Dann wird sich schnell herumsprechen, dass man mit Skype auch telefonieren kann.

    Wer es schafft, die 20 Euro innerhalb von einer Woche zu verbrauchen, kriegt nochmal 20 gutgeschrieben. Gilt nur für bereits exisierende Skype-Accounts.

  3. Markus Roder

    @Bertram:
    Man könnte auch sagen: Nicht so orignell UND teurer ;).

    Wie wäre denn folgendes Modell: 2,50 EUR Startguthaben… udn wer die innerhalb des ersten Tages ab Gutschrift nutzt, bekommt 25 weitere EUR für eine Woche? Damit würde man eine gewisse “Nutzungsdichte” seeden, die gewohnheitsbildend wirkt…

  4. Ali

    Ich finde die Idee ganz nett. Um die Möglichkeiten zu zeigen und zu verankern, sollte man diese prächtig präsentieren. Das Beispiel mit den Gutscheinen wäre langweiliger und würde weniger Aufmerksamkeit gewinnen, glaube ich.

  5. Malik

    Huch, ich musste dies erst 2 Mal lesen, um genau zu verstehen, was denn nun genau die Idee ist. ;-)
    Das Bruger King Hünchen war mir bis dato auch noch unbekannt. Aber nach rund 30 Sekunden ist dies doch sehr langweilig.

    Die Idee von vorhin mit den GUtscheinen ist, wie ich finde, dann aber eine ganz andere Herangehensweise. In dem Fall verstehe ich dies dann eher als Versuch kurzfristig Umsatz zu generieren bzw. den Kunden durch niedrige Preis zu erreichen.

    Diese Aktion von Skype sehe ich vielleicht eher als eine Art Imagekampagne mit einem viralen Aspekt, um mit dieser Mitmachaktion auf alle Funktionen von Skype hinzuweisen.

  6. Markus Roder

    Hallo Malik,

    Deiner strategischen Einschuatzung kann ich nicht ganz zustimmen. Klar, klassischerweise ist alles, was mit Preisen und Boni zu tun hat “VKF”… und hübsche Bildchen und Filme = “Image”.

    Aber ich denke, aus diesen Schemata sollten wir uns lösen. Was im Hirn des Konsumenten ankommt, ist doch sowohl bei der vorliegenden Kampagne als auch bei Bertrams Vorschlag: “benutze die kostenpflichtigen Features von SKYPE – wir geben Dir Anlass dazu, sie mal auszuprobieren”.

    Insofern sind die Herangehensweisen durchaus vergleichbar.

  7. Malik

    Hallo Markus,

    Ich persönlich finde, dass in den beiden Herangehensweisen schon ein gewisser Unterschied besteht, weil durch diese beiden Methoden vielleicht auch ganz andere Kundentypen angesprochen werden?
    Jetzt plakativ gesprochen: im ersten Fall sind es vielleicht hauptsächlich Schnäppchen- (oder besser gesagt Coupon-)Jäger und im anderen Fall potenzielle längerfristige User, bei denen schon von Anfang an das Involvement automatisch höher ist, da sie bereit sind bei dieser Aktion mitzumachen.

    Ausserdem: würde bei dieser jetzigen Aktion sofort mit Geld um sich schmeissen (sei es in Form von Coupons, Preisreduktionen oder Gratisaktionen) würde dies – zumindest auf mich – einen zweifelhaften Eindruck hinerlassen.
    Das sieht man doch so oft, dass einem hier und da ein “spezielles Angebot” unterbreitet wird, wenn man mitmacht oder sich anmeldet. Mich schreckt so etwas immer ab ;-)

  8. klara

    finde die idee interessant und auch zielgruppengerecht – wenn man davon ausgeht, dass das profil der skype-nutzer sich mit den nutzern sozialer netzwerke wie facebook oder studivz deckt ;)
    frage: ab wann startet denn die kampagne? habe als stündlicher skype-nutzer noch nichts davon gehört und wenn die ZG sie nix davon weiß, kann die aktion noch so toll sein ;)

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
  • Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
  • ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
  • ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
  • ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
  • Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
  • Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
  • Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!
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