17.02.10
13:42 Uhr

Coca-Cola: Der Hegemann unter den Softdrinks?

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Auch als größter israelischer Milchproduktehersteller ist Yotvata im Vergleich zu Coca-Cola ein Floh auf einem Zwerg, aber ich finde es doch schon recht mutig von Wieden+Kennedy, in Zeiten des Internets (THX, Liat!) einen fremden Spot derartig ungeniert zu hegemannen — und das noch für eine Superbowl-Ad.

Das folgende nennt Coca-Cola “coincidental similarities”:


Yotvata—Sleepwalker (Shalmor Avnon Amichay Y&R, 2002)


Coca Cola—Sleepwalker (Wieden+Kennedy, 2010)

Die Identität von Grundidee und Musik sind für mich keine “coincidental similarities”.

Die Ähnlichkeiten in den Details dagegen lassen sicherlich unterschiedliche Schlüsse zu, weil die Grundidee bestimmte Elemente nahelegt. Trotzdem, es summiert sich:

Die Stellungnahme von Coca-Cola:

“When we created the Coca-Cola ‘Sleepwalker’ commercial, we and our agency were unaware of this other ad,” said Coke spokeswoman Susan Stribling. “Now that we’ve seen the ad, we think both commercials are equally entertaining. While the two share a few common elements, any similarities are coincidental and unintended.”

Ms. Stribling added that the use of the same song in the ad is an “interesting coincidence” but the selection of the tune for “Sleepwalker” is “consistent with how we’ve chosen music for ads we’ve aired during the Super Bowl for the past three years.”

„Konsistent“ gewählte Musik? Wer Spaß daran hat, darf sich mal an einer Erklärung versuchen, was Ravels Bolero mit Prokofievs Peter und der Wolf und der Overtüre aus Rossinis Wilhelm Tell gemeinsam haben, außer daß sie zur Überklasse „Ernste Musik“ gehören und ihre Komponisten weiß, männlich und Europäer waren. Auch die „drei Jahre“ wären sicher ein zündenderes Argument, wenn der Yotvata-Spot nicht bereits acht Jahre alt wäre. Oder meint Ms. Stribling vielleicht: Nein, wir haben nicht abgekupfert, sondern wir produzieren für die Superbowl-Ads so konsistent generischen Müll, daß Ähnlichkeiten mit anderen Werbespots nahezu zwingend sind? Auch möglich, und passend zu Bob Garfields Beurteilung auf Advertising Age, “Sleepwalker” sei “like a warmed-over Pepsi spot from the ’80s, minus even a glimmer of wit or relevance”.

Während Pepsi, nebenbei, ihr Superbowl-Budget diesmal in sinnvollere Aktivitäten steckte wie das Refresh Community Project.

Diese Geschichte mit den „oberflächlichen Ähnlichkeiten“ erinnert mich auch an die Auseinandersetzung, die Marcus „Der Kaiser“ Brown letztes Jahr mit der belgischen Agentur Nascom führte. Die Dokumentation der gegenseitigen Stellungnahmen ist nicht verlinkbar, weil das Blog von Marcus Brown sich dauerhaft im Maintenance Mode befindet, aber die fraglichen Spots sind hier:

SMEBS Watch—Meet Andrew (Marcus Brown)

S.M.A.A. Meeting—Sony Vaio (Nascom)

Plagiatsverdächtige Beispiele fürs kontextuelle Lokalkolorit gibt es sicherlich genug, aber das Beispiel Brown vs. Nascom schirrmachert gerade so schön.

5 Kommentare

  1. reinhard

    na, wenn man sich mal auf coloribus.com/admirr... anschaut, wieviel „coincidental similarities“ sich über alle produktgrenzen hinweg ereignen, dann gibt es eh nur etwa 200 ideen – und die in allen spielarten.

  2. J. Martin

    @reinhard Ja, ne? Für eine „Kreativindustrie“ ganz erstaunlich. Gibt es vielleicht doch nur „(3, 7, 12 …) Typen von Geschichten auf der Welt“?

    LOL.

  3. Björn

    Tut mir leid aber bei beiden Ideen gibt es sicherlich X-Spots, die inhaltlich nah dran sind.

    Therapiegruppenplots sind nichts Neues.
    Schlafwandleder-/Traumplots ebenfalls nicht.

    Ganz ehrlich: Dumm gelaufen. Doofer Zufall.
    Hätte Wieden den Film gekannt, hätten sie ihren 100 %ig nie umgesetzt. Jedem Kreativen ist das schon passiert bzw. er hat Filmscripts, die plötzlich am anderen Ende der Welt als echte Filme auftauchen. Schlimmstenfalls am anderen Ende der Straße.

    Die Gemeinsamkeit der Musik würde ich eher so beschreiben: Mainstream Klassik für die Masse.

    Schönen Tag noch

  4. Greta

    naja, ganz so einfach wie Björn sehe ich das nicht.

    Mich würde sehr interessieren, ob hinter den Kulissen nicht Coca Cola nicht doch Kontakt aufnimmt. Kenne das aus der FMCG Branche nur zu gut.
    Finde die Imitatsidee auf jeden Fall gut, da quasi jeder schon irgendwann den Coke Spot gesehen hat und somit stark daran erinnert wird.
    Und wer weiß, vielleicht färbts am Ende wieder positiv auf Coke ab?

    Liebe Grüße

  5. Nicolas

    Wäre ja passend, wenn Coca Cola pseudoszenig auch im Tresor ne Sause machen würde.

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