15.02.10
09:58 Uhr

Die Hirschen im Visier. Eine Agentur unter Beschuss.

Seit einigen Tagen füllt sich unser Pressemeldungs-Postfach mit Nachrichten und Hintergründen über die Agentur ZgH (Zum goldenen Hirschen). Ihr wird vorgeworfen, in 2009 die eigenen Mitarbeiter in Kurzarbeit dennoch in vollem zeitlichen Umfang eingesetzt zu haben, während der Bezug öffentlicher Gelder in Anspruch genommen wurde. Eine Razzia in den Hamburger Geschäftsräumen mit einem Großeinsatz von Beamten des LKA und der Polizeibereitschaft war die Folge.

Zweifellos entsteht der Agentur bereits jetzt, unabhängig vom Ausgang der Ermittlungen, ein erheblicher Reputations- und Imageschaden. Hinzu kommt, dass möglicherweise ein ehemaliger Mitarbeiter der Hirschen selbst den initialen Hinweis gegeben hat. Öffentlich wurde die ganze Story durch die Hamburger “PAZ” (Preussische Allgemeine Zeitung), die mir bisher vollkommen unbekannt war. Diese verschickt nun erneut eine Pressemeldung mit aktuellen Erkenntnisssen zu dem Fall:

[...]Die durch eine anonyme Anzeige eines ehemaligen Mitarbeiters ins Rollen gebrachten Ermittlungen gegen die “Hirschen” könnten sich ausdehnen. Wie die PAZ erfuhr, sind auf staatsanwaltschaftlichen Beschluss vom 11. Dezember 2009 auch die private Wohnungen der ZgH-Geschäftsführer Klaus Sielker und Marcel Loko in Hamburg durchsucht worden. Geschäftsunterlagen sowie private Rechner wurden beschlagnahmt. Sielker selbst war für eine Stellungnahme gegenüber der PAZ nicht zu erreichen. Noch gestern hatte er gegenüber dem Medienmagazin “Werbung und Verkaufen” (W&V) behauptet, die Vorwürfe seien “komplett haltlos”.[...]

Zu den konkreten Vorwürfen will ich zu diesem Zeitpunkt gar nicht weiter eingehen, denn es bleibt derzeit und solange keine konkreten Beweise vorliegen, reine Spekulation.

Aber was geht jetzt wohl in den Köpfen der Mitarbeiter vor? Wie mussten sie sich fühlen, als sie sich während ihrer Arbeitszeit plötzlich einer Razzia ausgesetzt sehen? Welche Kreativität kann sich bei einer derartigen Unruhe im Unternehmen jetzt noch frei entfalten?

Die “Enthüllungen” der PAZ erscheinen zudem so detailliert, dass ihr Informant “den Hirschen” und ebenso der “PAZ” sehr nahe stehen könnte oder zumindest gestanden hatte, was Mitarbeiter und Geschäftsführung der Hirschen ebensowenig beruhigen dürfte. So liegen z.B. nach Angaben der PAZ bereits Auszüge aus dem Arbeitszeiterfassungssystem “Spirit” der Hirschen vor, die Unregelmäßigkeiten belegten.

Auf mich persönlich wirkt diese mediale Konstellation und der Stil dennoch irgendwie befremdlich, zumal die PAZ neben der üblichen Veröffentlichung ihrer Beiträge zusätzlich Pressemitteilungen als eMail verschickt, um auf ihre “Story” aufmerksam zu machen, was eher ungewöhnlich ist. Horizont formuliert es so:

[...]Bemerkenswert ist, wer als erstes über die Durchsuchung bei den Hirschen berichtet hat. Laut einem Eintrag bei Wikipedia ist die “Preussische Allgemeine Zeitung” eine Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft, die sich selbst als wertkonservativ einschätzt. Das in Hamburg erscheinende Blatt wird von der Landsmannschaft Ostpreußen herausgegeben und setzt sich für Vertriebene ein. Es ist davon auszugehen, dass sich Zeitung und Agentur nicht sehr nahe stehen.[...]

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7 Kommentare

  1. AndreasK

    “… zumal die PAZ neben der üblichen Veröffentlichung ihrer Beiträge zusätzlich Pressemitteilungen als eMail verschickt, um auf ihre “Story” aufmerksam zu machen, was eher ungewöhnlich ist.”

    Darüber bin ich gestolpert. Weil ich weiß, dass “unsere” Tageszeitung sowas auch macht. Keine Ahnung, wie das im Norden gehandhabt wird, aber für Westfalen isses eher normal ;o) – siehe:
    presseecho.de/presse...

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @AndreasK: Ja, auf Presseportale zu vö, klar. Aber als direkte email… hmm. Moment, ich sehe gerade, dass der Absender der email freenet als Provider-Absender hat. Könnte also sein, dass ich auf einem Mail-Presseverteiler gelandet bin. Aber wieso jetzt freenet?
    Und wieso vorher keine Mitteilungen über Beiträge der PAZ…?

  3. Julia

    “Wie mussten sie sich fühlen, als sie sich während ihrer Arbeitszeit plötzlich einer Razzia ausgesetzt sehen? Welche Kreativität kann sich bei einer derartigen Unruhe im Unternehmen jetzt noch frei entfalten?”

    Ach, ich weiß nicht. So ein bisschen Unruhe ist für die Kreativität sicher besser als Alltagstrott und ritualisiertes Kickern. Für den Seelenfrieden aber bestimmt weniger, und ich beneide die Mitarbeiter nicht.

    Das mit der Zeitung ist verwunderlich. Vielleicht haben die im Gegensatz zu größeren Zeitungen keine Angst vor Werbeverlusten. Oder jemand bei oder hinter der PAZ ist sauer auf die Hirschen. Vielleicht ist das aber auch alles Quatsch.

  4. Icke

    Ich weiß aus erster Hand von einer weiteren Agentur, die so praktiziert. Und keiner traut sich was zu sagen.
    Im Zweifel ist im Agenturgeschäft immer zuerst der Mitarbeiter der Arsch, also sollte man die Sache ernstnehmen.

  5. M.

    … und ich weiß aus erster Hand, dass das ganze absoluter Bullshit ist. Die Hamburger Hirschen WAREN in Kurzarbeit, die war kein Fake – und hinter dieser seltsamen Veröffentlichung aus dem rechtsradikalen Umfeld steckt meiner Meinung nach etwas ganz ganz anderes. Wollen wir hoffen, dass die Wahrheit noch ans Licht kommt!

  6. sannchen

    Über den konkreten Fall kann ich natürlich nichts sagen, da ich als Außenstehende keinen Einblick in die Verhältnisse habe.
    Aber Fakt ist, dass die Gewährung von Kurzarbeitergeld von einigen Unternehmen auf kriminelle Art und Weise ausgenutzt wird. Kriminell, weil es sich um Betrug handelt, wenn Kurzarbeitergeld ausgezahlt wird und die Mitarbeiter dennoch voll weiterarbeiten.
    Wer mir Leid tut sind die Mitarbeiter. Bekommen weniger Geld, sind dennoch gezwungen (von Freiwilligkeit kann uter Entlassungsdruck keine Rede sein) ihre volle Leistung zu erbringen und machen sich dann auch noch selber strafbar wegen Beihilfe zum Betrug. Und das Letztere ist den meisten nicht einmal bewusst.

  7. dear.2

    die wahrheit wird schon noch ans licht kommen! fraglich ist, für wen das dann positiv ausfällt.

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  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
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