11.02.10
13:03 Uhr

Von Schwaflern und Machern in Groß Blogistan

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BergpredigtWarum ich nicht nur blogge? Es wäre mir viel zu wenig, viel zu akademisch, viel zu theoretisch. Eigentlich ist es genau umgekehrt: meine tägliche Arbeitspraxis liefert mir die thematischen Steilvorlagen, die ich erst dann im Werbeblogger zur Diskussion stelle. Alle Theorie über sich wandelnde Unternehmen und Märkte, Social Media Metrics, Markenführung, Abrechnungsverfahren, ethische Fragen rund um „gute Werbung“ oder den Umgang mit Projekten und Kunden ist nur dann interessant, wenn sie regelmäßig ihren Spiegel der Realität erfahren kann.

Idealismus ist gut und wichtig, aber da wir uns in einem wirtschaftlichen Kontext bewegen und zu einem großen Teil auch in der Kommunikationswirtschaft unsere Brötchen verdienen, muss dieser Idealismus immer wieder geerdet und mit der ökonomischen Realität abgeglichen werden. Daher schätze ich Blogger und Web-Publizisten als Leser besonders, von denen ich weiß, dass sie durch eine aktive berufliche Lebensrealität nicht nur „schwafeln“ sondern auch „machen“.

Im Gegensatz zu Berichten des Fachjournalismus sind nämlich Blogs von bestimmten Personen die „erste Quelle“, die ich entsprechend vorziehe, egal ob es sich jetzt um Jeff Jarvis, Alex Bogusky, Faris Yakob oder George Parker von Adscam und vielen mehr handelt. Das macht Blogs und die freie Form des Publishings unabhängig von Fachblättern so faszinierend und wertvoll.

Leider gibt es -wie so oft- aber auch die andere Seite der Medaille. Da sind (beispielhaft) SEO-Anbieter, die auf ihrem Blog vor allem über SEO schreiben und ihre Leistungen zugleich anpreisen, es gibt selbsternannte „Blogberater“, die selbstreferenziell Themen problematisieren, die gar keine sind, es gibt SocialmIdealisten, die noch nie eine Kundentür von innen gesehen haben, geschweige denn ein Projekt realisiert, welches zumindest in Teilen auch Social-Media Themen berührt.

Und dann gibt es noch diejenigen Publisher, die als abhängig Beschäftigte den Spagat hinbekommen müssen, ihrem beruflichen Auftrag und ihrer persönlichen Wunschvorstellung gerecht zu werden, was zweifellos manchmal etwas heikel sein kann.

In diesem Kontext ist auch mein Statement zu den ROI-Fragen bei Social Media zu verstehen:

Aus meiner Sicht gilt es, wie so oft, beide Seiten zu betrachten. Es wird eben sehr schwierig bis unmöglich, in einer von ökonomischen und quantitativen Zielen geprägten Wirtschaft gegen die allseits installierten “Windmühlen” zu laufen. Im Prinzip sprechen wir hier von einer völlig neuen Unternehmenskultur mit ziemlich großem Trägheitsfaktor, die, wie du ja in einem weiteren Artikel geschrieben hast, ihre DNA in früher Zeit prägt damit fortan unterwegs ist und sich nur langsam anpassen kann. Dass nun ausgerechnet Dienstleister von Unternehmen ihre Leistungen, Rechnungen und Erfolge auf Basis so noch nicht existierender Messgrundlagen formulieren sollen, ist natürlich etwas schwierig. Also muss auch ein Dienstleister, welcher (auch) im SM-Umfeld unterwegs ist, die wirtschaftliche Verkehrssprache des Kunden sprechen. Und die ist nun einmal eine stellenweise veraltete. Aber erst einmal besser irgendeine als gar keine…

Andererseits ist es natürlich schon wichtig, wenn eine bestimmte Fachöffentlichkeit darauf hinweist, dass Messverfahren aus alter Zeit nur unzureichend in der Lage sind, die neuen Dialog- und Bindungverfahren im Branding abzubilden.

Die Gefahr besteht zudem insbesondere bei Social Media, dass der Kern der Chancen nicht “erfasst” und eher wieder allein nach quantitativen Aufmerksamkeitskriterien wie Klicks, Followerzahlen oder Views bewertet wird. Und so kann eben schnell die “neue” Sprache eine schlichte Adaption der alten werden, die sich in den Köpfen der unternehmerischen Entscheider festsetzt.

Fazit: Wer heute Business auch im Social Media Umfeld machen will, muss also beide Aspekte berücksichtigen: Einerseits gilt es, trotz umfangreicher medialer Umwälzungen pragmatische Wege zu finden, Angebots-, Auftrags- und Rechnungsgrundlagen zu formulieren, die auch heute schon von Kunden wirtschaftlich verstanden werden können :-). Andererseits sollte man nicht müde werden zu erkennen und zu benennen, dass diese Basis für die neuen unternehmerischen Kommunikationsfelder allenfalls eine “Krücke” ist und brauchbare Metrics und “Währungen” sich nach und nach erst entwickeln. Daran sollten wir gemeinsam arbeiten.

3 Kommentare

  1. Nicole Haase

    Schöne Ausführung in puncto Idealismus.

    Und nicht nur deshalb eine gute Ergänzung zum Thema „Blogger und Journalisten“:
    http://bit.ly/b4Yh91

  2. Das Kürzen eines Feeds und die Aufreger in Bloghausen | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Das Kürzen eines Feeds und die Aufreger in Bloghausen

    […] würde man seine Nischenpublikation schlicht überfrachten und ggf. versäumen, an anderer Stelle besseres Geld zu verdienen, was einem den geduldigen und generischen wirtschaftlichen Aufbau eines Blogs erst […]

  3. Peter Krikels

    cool :-)

Eure Kommentare

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  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
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  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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