14:52 Uhr
Immer schneller, höher, weiter. Und jetzt Slow Media?
Als Benedikt Köhler (@furukama), Sabria David und Jörg Blumtritt das neue Jahr 2010 mit einem “Slow Media Manifest” eröffneten, hatten wir sogleich wieder eine schöne Diskussionsgrundlage, angefüttert zudem durch diverse Publikationen und Veröffentlichungen von Frank Schirrmacher und Kollegen der journalistischen Zunft, die “Multitasking” für Körperverletzung halten.
Entschleunigung, Konzentration, Fokus, Aufmerksamkeit, inhaltliche Qualität sind aber in Zeiten medialer und informativer Dauerbeschallung sicher Aspekte, die wir nicht nur im Kontext der Grabenkampfdiskussion über versagende deutsche Verlagshäuser, ihre Geschäftsmodelle und disruptive Internet-Technologien eindampfen sollten.
Auch bei der Unternehmenskommunikation, Werbung und Produktentwicklung werden übrigens Forderungen nach einer Konzentration, nach Weißflächen und inhaltlich relevanter und wohldosierter Markenkommunikation als Gegenmodell zum massenpenetrierenden medialen “Gießkannenprinzip” laut. Interessanterweise, so scheint es mir, kommen diese Forderungen nicht selten von genau denjenigen Personen, die sich zugleich kräftig über die Ansätze aus dem “Slow Media Manifest” aufregen können.
Vielleicht ist es aber auch nur die erneute Verwendung des Begriffes “Manifest”, der Kritikern grundsätzlich missfällt. Oder der Grundtenor der Erklärung, sich gegen eine bestimmte mediale Entwicklung zu stemmen, statt ihre Chancen in den Vordergrund zu stellen. Oder der Umstand, dass immer wieder viel gelabert, aber scheinbar nicht konstruktiv gehandelt wird.
Wie auch immer, selbst die Web-Aktivisten stören sich mehr und mehr an Entwicklungen, die sie ursprünglich konzeptionell begrüßten:
Twitterwalls, einst als Bereicherung der Diskussionskultur auf Veranstaltungen angepriesen, werden verurteilt, die Hamburger Twittnites scheiterten mit dem Versuch, Vorträge mit erträglichen Lärmpegel und entsprechend respektvoller Aufmerksamkeit für die Vortragenden durchzusetzen und Protagonisten des digitalen Fortschritts und der Möglichkeiten omnipräsenter Vernetzung bekennen sich: “Ich bin an dem Punkt angekommen, an dem ich [vom Digitalen] beherrscht werde.”
Grund genug also, einen Werbeblogger Podcast zu genau diesem Themenfeld zu planen. Als Teilnehmer haben wir (J. Martin und ich) neben Dr. Benedikt Köhler auch meinen alten Weggefährten Patrick Breitenbach zur Diskussionsrunde eingeladen. Den Titel dieser Podcastausgabe habe ich bewusst auch in Richtung “Werbung” erweitert:
“Slow Media, Slow Ads. Mehr Genuss, weniger Fastfood?”
Der Podcast wird dann Mitte der nächsten Woche veröffentlicht. Vorab nehmen wir gerne eure Anregungen aus den Kommentaren auf.
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6 Kommentare
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- Roland Kühl-v.Puttkamer: @Ralf: Alleine schon aus Gründen eines bestimmten Markenprofils beim Brockhaus kann ich nicht empfehlen, jede Gratiskultur...
- Christian Schneider: Deiner Meinung nach ist der Brockhaus der Realität entrückt, weil er Geld kostet, während beispielsweise auf Wikipedia...
- Roland Kühl-v.Puttkamer: Hey Boogie, ja Fourtrack wird auch noch gefeatured hier. Klar. Gehört zum Westentaschenstudio absolut dazu.
- Boogie: Feine Sache, das kleine ThumbJam Studio. Ich bevorzuge in Sachen Studio auf dem iPhone jedoch die handgemachte Varriante:...
- Shermin: Sorry… muss mich gerade etwas erholen. Wurde beim Ansehen von Trevor, Ryan & Brad gerade von wilden Lachkrämpfen geschüttelt....
- Mathias Schindler: Deine Grundannnahme ist falsch. Die DVD “Brockhaus multimedial” ist nicht die Brockhaus-Enzyklopädie. Die Wurzeln...
- eddi ist wieder neidisch: deutlich spassiger als ein Standard Side by Side im werbeblock. und meine Frau hat mir direkt in den Schmerbauch gezwickt...
- Christian: Unter schwulen Männern wäre der Absatz sicher enorm, ob es bei Frauen funktioniert? Die Unterschiede zwichen Mann und Frau, in dem...

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Am 8. Februar 2010 um 16:15 Uhr
Ich lese gerade eure Beiträge so gerne, weil diese konzentriert, fokussiert, aufmerksam und von hoher inhaltlicher Qualität bestimmt sind. Außerdem glaube ich, dass schnelles wie langsames konsumieren und produzieren seine Vorteile hat; das hängt ganz von dem Anspruch an das jeweilig zu erreichende Ziel innerhalb eines Projektes ab, für das man wiederum die jeweiligen Medien nutzt. Das Slow Media Manifest habe ich sehr erfreut aufgenommen (liegt mir ja auch nahe, da ich immer noch ellenlange Beiträge verfasse :), ohne den manifesteren Ernst allzu sehr zu gewichten. Für mich bedeutet jenes unterm Strich (und sehr vereinfacht ausgedrückt): Lass den Rechner zwischendurch mal aus, schau in die Wolken, entwickle deine Gedanken und schreibe dann einen Beitrag, der inhaltlich wie auch formal hohen Ansprüchen gerecht wird…
Am 8. Februar 2010 um 20:17 Uhr
Die Slow-Media Idee ist ja schon ganz gut durchdacht und auch jetzt nichts so revolutionäres. Multitasking ist ja in gewisser Weise auch Körperverletzung. Es ist bewiesen, dass der Mensch eigentlich nicht fähig ist mehrere Sachen gleichzeitig und gleich gut zu machen. Wenn, dann sind es eher die Frauen, die es über einen längeren Zeitraum schaffen sich mit mehreren Themen gleichzeitig zu beschäftigen. Dies ist biologisch bedingt.
Man “Manifest” zu reden klingt natürlich wieder sehr revolutionär. Wenn ich mir die 14 Punkte aber durchlese, sind schon einige interessante Aspekte drin, die man aber als allgemein gültig ansehen muss, wenn man eine itensive Verbindung zu Konsumenten sucht.
Am 9. Februar 2010 um 23:28 Uhr
[...] Verfasser des Slow Media Manifests), J. Martin und Roland Kühl-v.Puttkamer (beide werbeblogger.de) in einem Podcast vertiefen. Ich freue mich schon drauf, denn es ist endlich mal ein lohnendes Gegenmodell zu all dem [...]
Am 10. Februar 2010 um 09:18 Uhr
[...] Immer schneller, höher, weiter. Und jetzt Slow Media?: Der werbeblogger über slow media [...]
Am 16. Februar 2010 um 11:23 Uhr
[...] manchen ist die Qualität gar negativ. So beschwert sich Mathias über eine nicht vorhandene (Twitterwall-)Netiquette und Besserwisserei: “Wenn ihr alle wisst, was Nico und Vodafone so alles falsch gemacht [...]
Am 18. Februar 2010 um 12:05 Uhr
[...] ich ursprünglich dieses Manifest las, hatte ich auch zunächst den Eindruck, hier würde in professoraler Manier ein Verhaltenscodex aufgestellt, der den Menschen vorgeben [...]