02.02.10
15:06 Uhr

Spritztouren

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Österreichisches Bundesheer—Spritztour

Mittlerweile hat jedes Blog und sein Bruder über das österreichische Rekrutierungsvideo berichtet, ausgehend von diesem Bericht auf sueddeutsche.de. Der Spot für die ukrainische Armee, der diesem Clip zugrunde lag, hatte letztes Jahr nach einer Leserabstimmung den begehrten Jackie Brown Preis des Werbebloggers gewonnen, gegen die harte Konkurrenz von Rafael Aero India. Ich muß sagen, ich kann mich weder den harschen Verurteilungen des österreichischen Spots anschließen, noch der Ansicht des auf sueddeutsche.de zitierten Oberst Johann Millonig von der Heeresmarketingabteilung, der Spot sei „so deppert, dass er wieder genial ist“. „Deppert“ allerdings trifft es schon sehr gut. Vulgärsexualisiert? Auf jeden Fall. Aber darüber hinaus bin ich mir nicht einmal sicher, ob der Streifen überhaupt sexistisch ist — abgesehen natürlich von vererbten Residuen aus dem Spot für die ukrainische Armee.

Zwischen diesen beiden Trash-Werbefilmchen besteht ein klarer konzeptueller Unterschied. Der ukrainische Spot war darauf angelegt, Kerle für die Armee zu rekrutieren, weil sich’s als Macho im Panzer so gut Frauen abschleppen läßt. Der österreichische Spot war darauf angelegt, Frauen für die Armee zu rekrutieren, weil sie es geiler finden, Panzer zu steuern, als sich in flotten Flitzern bespritztouren zu lassen. Zumal die Kerle im österreichischen Panzer, wenn sie nicht gerade am Rohr herumspielen, auch gar nicht so wahnsinnig macho rüberkommen, wie alle anzunehmen scheinen. Wenn überhaupt, wird hier ein männliches Klischee, „Kerle fahren gerne dicke Dinger“, auf Frauen projiziert, was zwar „deppert“ ist, aber allein dadurch noch nicht herabwürdigend — zumal die Behauptung, Frauen würden nicht gerne dicke Dinger fahren (weil sie eben Frauen sind), bloß das verdeckte Zwillingsklischee des ersten ist. Insofern kehrt die Kritik am Clip sich oft gegen sich selbst: Entweder wird gar nicht erkannt, daß es darum geht, Frauen statt Kerle zu rekrutieren, oder es wird kritisiert, daß männliche Klischees auf Frauen projiziert werden. Beides ist, auf unterschiedliche Weise, Sexismus über Bande. Ist der Clip grottenschlecht? Kein Zweifel. Ist er sexistisch? Da sollten wir ein bißchen aufmerksamer sein. (Und weil’s grad paßt: Die New York Times hatte einen hervorragenden Artikel und eine Audio-Photo-Slide-Show zum Thema G.I.Jane Breaks the Combat Barrier / Women at Arms: In Their Own Words), in der es unter anderem um wirklichen Sexismus geht und nicht um Deppenspielchen.)

Zum Vergleich: Im Dezember legte sich Toyota Australien mit dem folgenden Beitrag zur Förderung der Objektifizierung der Frau auf die Nase:


Toyota Yaris—Clean Getaways

Dies war der erste Ausflug von Toyota Australien in die große, bunte Welt der Social Media. Der Spot war der Gewinner der Clever Film Comp(etition) (now closed), veranstaltet von Saachi & Saachi, Australien, für den Toyota Yaris, “a small car sold mainly to young female buyers”.

Dazu The Age:

The video, entitled “Clean Getaways” includes phrases such as “I’m here to take Jennifer’s virginity out tonight,“ “I’m coming,” “She can take a good pounding in any direction,” “I’m ready to blow,” and ends with “I’ll have her on her back by 11.”

One of the conditions listed in the competition’s rules is that videos submitted for the $7000 first prize must “not be immoral.”

After a tally of viewer votes pushed the ad into the top ranking, the competition’s Facebook page filled with remarks describing the winning film as juvenile, offensive, and promoting incest.

Von besonderer Güte finde ich die Verteidigung des Produzenten:

I thought it was funny—a bit of a boy’s joke. And then my mum read it and she laughed out loud, and I thought maybe this is sort of universal humor […] Obviously some people said it was a little bit racy, but no one in my circles was offended. That was never my intention.

Woran erinnert mich das, ich komme gleich drauf.

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7 Kommentare

  1. Thies

    Mit hat besonders das unverkennbare Reifenquietschen gefallen, als der Panzer vor den Mädels bremste. Super. Und „Heer4you“ ist einfcah Klasse. Danke, Österreich!

  2. Ina Schlemmer

    Hi, hi, hi … ein Panzer bei dem die Reifen quitschen, leider hat vor mir noch keiner halt gemacht!

  3. maxauthority

    Also der 2. spot ist ja echt witzig :) Haett ich nicht gedacht, dass der fuer so ein fades auto wie dem Yaris gemacht wird.

  4. Peter

    mhh da gabs ein Clip vor Ewigkeiten von der russischen Armee der war genauso dick aufgetragen …nur kein link zur hand

  5. Spritztouren: Dicke-Dinger-Update | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Spritztouren: Dicke-Dinger-Update

    […] Nachtrag zum zweiten Absatz dieses Eintrags: Kein Klischee ist je zu alt oder zu blöd, um nicht die Fenster der Düsseldorfer […]

  6. We want you for Bundesheer « Feuilleton Arkaden

    […] Werbeblogger ist übrigens auch der Meinung: Sexismus wäre nicht enthalten. Schließlich würde es ja darum […]

  7. We want you for Bundesheer « Neue deutsche Kulturwissenschaft

    […] Werbeblogger ist übrigens auch der Meinung: Sexismus wäre nicht enthalten. Schließlich würde es ja darum […]

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