27.01.10
11:13 Uhr

Die Illusion in der Illusion in der Werbung

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2028—Trailer

Zum Thema „Täuschung und Illusionen in der Werbung” durch lancierte Falschmeldungen und pseudovirale Blendgranaten hätte ich auch noch etwas beizusteuern.

Der obige Trailer für den Film 2028 wurde vorbereitet und begleitet von weiteren Promotion-Maßnahmen wie TV- und Radio-Spots, Billboards, Plakate und Original Score (für den Film komponierter Soundtrack); osocio.org hat eine bebilderte Übersicht. Der dazugehörige Plot-Teaser:

Tormented by the demons of her past and burdened by this disturbing family development, Colleen Foy (There Will Be Blood) tries to make sense out of her newfound life, but a series of unfortunate events cause her world to spiral out of control.

Die Website 2028movie.com bietet neben dem Trailer auch Links zur Facebook-Fanpage und zum Wikipedia-Eintrag. Ganz erstaunlich ist, daß der Wikipedia-Artikel immer noch online ist in dieser Form, denn den Film 2028 gibt es überhaupt nicht. 2028 ist ein “elaborate hoax”, realisiert von SERVE Marketing für United Way of Greater Milwaukee als ein Public Service Announcement (PSA) gegen Teenager-Schwangerschaft.

Dazu Marc van Gurp auf osocio.org:

It was billed as an urban suspense thriller with a big twist. But teens in Milwaukee who have been anticipating the premiere of the new movie 2028 since late December, got a surprise they never saw coming. The movie they were expecting was really a psa about teen pregnancy.

Dazu der Gründer von SERVE, Gary Mueller:

We’re trying to combat the glamorization of teen pregnancy by Hollywood. So what better way to communicate that teen pregnancy is hard then by using a fake movie.

Während die Zahl der Teenager-Schwangerschaften in Milwaukee tatsächlich sinkt, wurde diese Kampagne “criticized by some and praised by others”, was ich durchaus verstehen kann. Die 2028-Facebook-Page ist immer noch voller Kids, die nicht mitbekommen haben, daß der Film 2028 gar nicht existiert (“when/where is this movie playing? i really want to see it!”; “Did you know the director is from milwaukee, thats why the movie is going to be played here?“), dazwischen die Stimmen derer, die es mitbekommen haben, und die zumeist nicht glücklich darüber sind (“If that was just a P.S.A. i’m goin be pissed. please tell me there is a movie?!”). Meine Ansicht dazu, sicher nicht überraschend:

SERVE, United Way, you screwed ’em good.

Selbst wenn es die Illusion einer Illusion ist in dem Sinne, daß die Existenz einer Geschichte vorgespiegelt wird und nicht die eines realen Ereignisses. Denn auch eine Geschichte ist auf mehrfache Art ein „Ereignis“. Der Trailer und das Promo-Material wecken nicht nur Erwartungshaltungen im Sinne einer Antizipation des Films, sondern Erwartungen im Sinne einer Antizipation der Story durch die angedeuteten Plot-Elemente, die audiovisuellen Signale zur Andeutung des dramatischen Bogens sowie die Identifikationsangebote über das Setting und die Charaktere. Und als “story-telling animals”, die wir Menschen sind, bauen wir in unseren Köpfen bereits Welten darauf auf. Oh ja, ich wäre sauer.

Zumal es auch anders geht. Niemand verlangt von einer gemeinnützigen Organisation, einen zweistündigen 100-Millionen-Dollar-Film zu drehen. Aber wie zum Beispiel der halbstündige walisische PSA-Films COW beweist, ist trotzdem eine ganze Menge machbar; COW hat die Postproduktion mittlerweile hinter sich und wurde laut WalesOnline am 18. Januar auf BBC Three erstgesendet.

Aber noch ist nicht alles verloren, gerade mit der gewonnenen Aufmerksamkeit. Mit gebündelten Anstrengungen und mit Kooperation und Kollaboration ließe sich viel bewegen. Den Initiatoren von 2028 kann ich nur empfehlen:

Go and make that fucking movie.

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2 Kommentare

  1. ramses101

    Die Idee, das als Filmtrailer zu verpacken, finde ich großartig. Was ich aber nicht ganz gerafft habe, ist, warum die das mit Wikipedia und Filmseite noch weiter stricken, obwohl die Auflösung doch schon am Ende des Clips kommt. (Wobei in der Kette die Homepage (theoretisch) am Anfang stehen könnte. Aber was soll der Wiki-Eintrag?)

  2. Verkehrssicherheitswerbung: Schock und Emotion | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Verkehrssicherheitswerbung: Schock und Emotion

    […] auf jeden Fall der halbstündige walisische PSA-Film COW, den ich bereits mehrfach | ansprach. In COW wird mittels Storytelling echter Kontext geschaffen mit Identifizierungsstrukturen für […]

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