25.01.10
15:33 Uhr

Von Kooperation zur Kollaboration

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Einzelkämpfer passen nicht mehr in die Internet-Ökonomie. Sogar große Einzelkämpfer werden früher oder später einsehen müssen, dass ihre eingezäunten Gärten, Denkmuster und Business-Modelle nicht in der Lage sind, Ertragsstrukturen einer alten Zeit zu neuer Blüte zu verhelfen. Wer in der digital vernetzten Gesellschaft und globalen Systemen überleben will, muss kooperieren.

Erstaunlicherweise teilen viele Einzelkämpfer grundsätzlich diese Meinung, allerdings stehen sie sich bei der Umsetzung oft selbst im Weg. Kooperation ist nämlich weit mehr als ein taktisches Zweckbündnis. Kooperation ist eine Geisteshaltung, die die innere Bereitschaft der Beteiligten impliziert, teilen zu wollen, um gemeinsam mehr zu gewinnen. Dieser Gewinn ist durchaus nicht nur auf Bares beschränkt, er beinhaltet die Erweiterung von Wissen und Sichtweisen, den Ausbau des sozialen Netzes, ganz allgemein den „Anschluss“, den Menschen ebenso wie die politischen und wirtschaftlichen Organe eben nicht verlieren sollten.

Ein Lippenbekenntnis zur Kooperation ist also schnell ausgesprochen, die aktive und wertschöpfende Beteiligung in einer Kooperation aber weitaus folgenreicher für jeden Teilnehmer. Warum ist es zum Beispiel den Blogs in Deutschland nicht wirklich gelungen, sich in Modellen zusammenzuschließen, die mehr sind als ein bloßer Werbeverbund? Wenn so viele Blogs täglich die deutschen Verlage und ihre absurden Forderungen nach Staatsprotektionismus kritisieren, warum gelingt es ihnen dann selbst seit Jahren nicht, ein alternatives Modell auf die Beine zu stellen?!

Vermutlich sind viele Blogger auch deshalb Blogger, weil sie ihre eigene Parzelle und Unabhängigkeit mehr lieben als Formen von Kooperation, die ihnen immer auch ein Stück ihrer „Freiheit“ nehmen. Viele Freelancer und Kleinunternehmer haben ganz bewusst -sofern sie nicht durch die aktuelle Wirtschaftslage in diese Situation hineingetrieben wurden- diesen Weg gewählt, weil sie davon überzeugt sind, besser als der Wettbewerb zu sein. Sie verzichten auf eine abhängige Beschäftigung und glauben daran, sich mit ihrem Angebot bzw. ihrer Person am Markt durchsetzen zu können. Da passt es nicht immer in das selbstbestimmte Berufsbild bzw. selbstbewusste Eigenbild, sich in kooperative Strukturen zu begeben, zu öffnen und schlimmstenfalls etwas abzugeben, was man doch eigentlich für sich beanspruchen wollte.

Nicht wirklich unterschiedlich verhalten sich auch die großen Player mit Managern, deren innere Alpha-Tiere ihnen sagen, dass Kooperation als Zeichen von Schwäche ausgelegt werden könnte.

Kooperation alleine ist aber nur ein erste Schritt. Er beschreibt eher den Willensakt eines gemeinschaftlichen Systems und sagt noch nichts über seine Effizienz und den gelebten Nutzen der Beiteiligten aus, so wie eine zusammengewürfelte Fussballmannschaft aus guten Einzelspielern nicht zwingend zu einer ebenso guten und erfolgreichen Manschaftsleistung führt. Der Erfolgsfaktor ist vielmehr die Kollaboration, also die gelebte, operative Zusammenarbeit, am besten von Einzelspielern mit großen Individualfähigkeiten.

Nicht der kleinste gemeinsame Nenner (Werbung) darf alleine für das kollaborative Bindeglied von z.B. Blogkooperationen stehen. Das Bindeglied von Blogs ist eben nicht die Werbung oder eine PI-gesteuerte Summenreichweite als kollektives Verkaufsargument, sondern der Inhalt, der im Idealfall themenverwandt präsentiert wird und damit eine Leserschaft pflegt. Nicht der vordergründige und kurzfristige pekuniäre Eigennutz kann die Triebfeder für eine Teilnahme sein, sondern die Erkenntnis, dass auf vielen Ebenen in einer freiwilligen Kollaboration mehr erreicht werden kann als es der Einzelne alleine vermag.

Werbung und andere Verwertungsmöglichkeiten wie E-Commerce, Veranstaltungen oder Bildung können und dürfen gerne folgen, als primäres Kooperationsfundament sind sie hingegen ungeeignet.

Damit ergibt sich auch die nächste Anforderung an das Kooperationsmodell: die einzelnen Teilnehmer dürfen nicht akut wirtschaftlich notleidend sein und ihre gesamte existenzielle Hoffnung auf die Gemeinschaft projizieren. Damit wäre jede Kooperation überfordert und kann nicht generisch wachsen. Es geht vielmehr darum, frühzeitig die Saat für einen potenziellen Zusatznutzen der Teilnehmer zu sähen, die der Einzelne in seinem Garten nicht beackern kann.

Daher ist jede Form von Kooperation und Kollaboration auch immer ein Experiment, von dem wir heute nicht wissen, ob es funktionieren wird. Als organisches Gebilde von Menschen muss es sich außerdem laufend ausformen können und dürfen bzw. sich den Marktgegebenheiten und Anfordernissen anpassen und wachsen, ohne das System durch unmittelbaren wirtschaftlichen Druck der Einzelmitglieder zu überfordern und zu überfrachten.

(In diesem Kontext ist übrigens auch das Werbeblogger & Friends Netzwerk zu verorten, welches beim bevorstehenden Relaunch des Werbeblogger noch eine wichtige Rolle spielen wird.)

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6 Kommentare

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