22.01.10
10:37 Uhr

Calvin Klein: Facebook Fan Marketing mit Haiti-Spendenaufruf

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facebook_ckone_haitiUpdate aus einem Kommentar:

„Offensichtlich war die Aktion ursprünglich bis 31.01. ausgeschrieben (siehe eflomi.de/calvin-kle…), und wurde aufgrund der zahlreichen Aufrufe in Social Media, gezielt nur wegen dieser Aktion Fan zu werden (auch auf Plattformen mit mehreren hunderttausend Fans/Followern), auf 21.01. verkürzt, weil man wahrscheinlich befürchtete, der Spendenbetrag würde in die Hunderttausende Euro gehen.“

Für einige Facebook-Nutzer scheint diese Aktion pure Heuchelei zu sein.
Sollte also ein Unternehmen, welches sich mit Spenden in Hilfsprojekten engagiert, zugleich darauf zielen, wie man mit dieser Spende neue Facebook-Fans für das eigene Produkt rekrutiert? Der Hinweis errreichte uns via Kontakt-Formular, in welchem sich ein Leser ziemlich aufgebracht darüber äußert, wie „unverhohlen heuchlerisch“ er diese Aktion empfindet und daher verurteilt.

Neben wenigen kritischen Stimmen wird die Aktion auf der CK one Fanpage allerdings eher positiv bewertet und die Fanbase hat sich von rund 8.700 seit Beginn der Aktion auf aktuell 13.200 Personen erweitert.

Ist also das Ziel (Spende) entscheidend und die werbliche Verknüpfung für ein kommerziell denkendes Unternehmen mehr als zulässig oder sollte CK one seine „Charity-Brötchen“ anders backen und publizieren?

Hintergrund: Seit einem Jahr läuft eine ziemlich aufwändige Kampagne mit dem Namen „We Are One“, die nun offensichtlich ihren „charity shift“ im Kontext der Erdbeben-Katastrophe von Haiti erhält.

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15 Kommentare

  1. SocialMediaNaut

    Die Aktion ist umstritten, auch unter unseren Lesern:
    – Die einen sagen, dass man Charity nicht mit einer Handlungsaufforderung, Fan einer kommerziellen Fanseite zu werden, verknüpfen soll
    – Die anderen meinen, dass es die einfachste Möglichkeit ist, 1 EUR für Haiti zu spenden: Mit 1 Klick und nicht mal dafür zahlen müssen, sondern ein großes Unternehmen dafür zahlen zu lassen. Und nach der Aktion das Fan-Abonnenement wieder kündigen.

    Genau da liegt im Konzept der Haken: Was bringen Fans für eine Fanseite, die nicht am Produkt, der Marke oder den Inhalten der Fanseite interessiert sind? Nichts, außer kurzfristig hohe Fanzahlen. Die ganze Aktion bringt mediale Resonanz, das ja.

    Was aktuell einigen Usern aufgefallen ist: Offensichtlich war die Aktion ursprünglich bis 31.01. ausgeschrieben (siehe eflomi.de/calvin-kle...), und wurde aufgrund der zahlreichen Aufrufe in Social Media, gezielt nur wegen dieser Aktion Fan zu werden (auch auf Plattformen mit mehreren hunderttausend Fans/Followern), auf 21.01. verkürzt, weil man wahrscheinlich befürchtete, der Spendenbetrag würde in die Hunderttausende Euro gehen.

    Unserer Meinung nach müsste man sich so etwas vorher überlegen und das Risiko abwägen, bevor man so eine Aktion in Social Media startet, wo es schon genug Beispiele dafür gibt, wie mächtig der Schneeballeffekt sein kann. Social Media halt.

  2. Armin

    Ist das nicht immer die gleiche Frage?

    Wenn ein Unternehmen (oder eine Person, siehe z.B. Bill Gates) etwas tut, wird gesagt, das tun die doch nur um Werbung fuer sich zu machen und zu zeigen wie gut sie doch sind.

    Tun sie nichts, heisst es wieso tun die mit ihren Millionen nichts, die koennten doch mit ihrem Geld/Wissen/Macht so viel schaffen.

    Damned if you do, damned if you don’t.

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    „Damned if you do, damned if you don’t.“ word. Oft genug ist es genau so!
    Allerdings geht es hier nicht um das Verdammen von reichen Menschen, die spenden und es dann Leute gibt, die daraus noch einen versteckten Neidvorwurf ableiten.
    In diesem Fall ist die Aktion klar in Verbindung mit Facebook Community Building in Abhängigkeit gebracht worden, auch was die Spendensumme betrifft. Und wenn es stimmt, dass viele Facebook-Nutzer nur für die Aktion „Fan“ werden, um danach das Weite zu suchen, dann verfehlt die Aktion auch aus Markensicht das Ziel.

    Ob CK one wirklich aus Angst eines inflationären Missbrauchs dieser Aktion den Termin vorverlegt hat? Das wäre schon ein Ding, denn selbst wenn 100.000 Fans zusammengekommen wären, die via CK mitmachen, dann schreckt das Budget eigentlich nicht wirklich ab.

    Irgendwo kursierte einmal eine -abstrakte- Erhebung, dass Twitter-Follower (vergleichbar mit Facebook Fans) so rund einen Euro „wert“ wären. Gibt man diesen gleich wieder an die Spende ab und behält aber nur den kleinsten Teil als verbleibende Fans, dann könnte es aber dennoch sein, dass CK genau aus diesem Grund die Aktion verkürzt. Wenn es so wäre… Puh.

  4. bugsierer

    es ist nicht zu übersehen, dass charity immer mehr zum bestandteil im mediamix wird. im showbiz ist schon bald jedes zweite projekt mit irgend einem charity projekt aufgegimpt und die wirtschaft zieht mit grossen schritten nach. erinnert sich noch jemand an die red kampa?

    ob dieser fall hier okay ist oder nicht, will ich nicht beurteilen, da ich mich zu wenig damit befasst habe. es gibt aber immer mehr fälle, in der die relationen überhaupt nicht stimmen, ich hab darüber schon öfters gebloggt, kürzlich gerade zum fall der tennisasse, die in melbourne lausige 200’000 piepen für haiti zusammengebracht haben (bei einem „anwesenden“ kapital der asse von rund 1 milliarde dollar):
    henusodeblog.blogspo...

  5. Matze

    Wenn es wirklich eine Zeitraumverkürzung aus Angst vor zu hohen Kosten ist, finde ich das natürlich schade.
    Aber ich finde es immer noch viel besser als die ärmliche Aktion von Haribo, die nur 1cent spenden und das pro verkaufter Tüte (also im gegensatz zu CK sogar echter Umsatz) und dafür auch noch mit einem riesiegen Mediavolumen rausgehen um das anzupreisen.

    Auch ärmlich, bzw. moralisch nur bedingt i.O. finde ich Leute, die Fan werden, um es dann gleich wieder zu löschen, anstatt selber mal zu spenden – und dann ggf. auch noch über die im Grunde gute Aktion der Marke zu meckern.

  6. Koray Kapon

    Ich bin Admin der Facebook Seite “Jeder Fan bedeutet eine Kerze für die Opfer in Haiti. Mach mit!”
    Meine Seite hat fast 400.000 Fans, die ich (nachdem ich von der Aktion erfuhr) dazu aufgerufen habe, Fan von ‘ck one germany’ zu werden. Innerhalb weniger Stunden sind auch viele tausende User dieser Aufforderung gefolgt.
    Und nun sowas!
    Ich weiss nicht was CK ONE sich dabei denkt, die Aktion zu stoppen, nachdem mein Beitrag inzwischen 6000 mal in Facebook geteilt wurde.
    Das ist eine laecherliche Aktion für solch ein Unternehmen. Ich finde das ausserdem Peinlich und sehr unverantwortungslos, so eine Marketing Kampagne zu starten, ohne vorbereitet zu sein.
    Social Networks sind ein Muss für Unternehmen und Marken. Aber wenn man keine Marketing Experten beauftragt oder keine Ahnung hat, sollte man vielleicht weiter in der Zeitung inserieren…
    Riesen ‘FAIL’!

  7. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Koray Kapon: Danke für die erweiterten Einsichten über die Hintergründe. Deinen Ärger kann ich gut nachvollziehen.

  8. Michael

    Was mich an der Aktion fast am meisten verwundert, wie erschreckend wenige kritische Stimmen es gibt. Auf der Pinnwand folgt ein Lob dem anderen. Ich hätte mit einem zumindest kleinem Sturm der Entrüstung gerechnet (gehofft)
    Vielleicht gibt es den Usern ein gutes Gefühl, nur mit einem Klick einen Euro fremd-zu-spenden – was Gutes zu tun, ohne in die eigene Tasche zu greifen.
    Jedenfalls sehe ich ganz klar das Kalkül der cK Marketingabteilung, mit wenig (finanziellem) Aufwand die Facebook Fanbase von heute auf morgen zu vervielfachen – ist die Spende sogar nicht noch steuerlich absetzbar?

  9. BrothelPianist

    alles auch eine frage des (marken)kontexts, leute (vulgo zielgruppen), die so eine marke (und schreckliche kampagne) ernst nehmen, werden sich eher weniger an der aufgeworfenen fragestellung stossen, sondern wahrscheinlich eher ganz toll davon berührt sein, dass CK ihnen die gelegenheit bietet, ihren ablass € so einfach ins hohle klingelbeutelchen des gereinigten (marken)gewissens zu werfen…

  10. Philipp

    Roland,

    kann es nicht vielleicht auch sein, dass die Aktion aufgrund anderer Umstände abgebrochen wurde?

    Eventuell ist es rechtlich problematisch? Kennt sich da jemand aus? Vielleicht unlauterer Wettbewerb?

    Ich beurteile die Aktion eher positiv, sollte die Aktion allerdings aufgrund der von euch genannten Gründe abgebrochen worden sein, dann ist das ein Armutszeugnis.

    Grüße

  11. Online Affairs

    Wir haben auf unserem Blog online-affairs.com/2... die Marketing Aktion ebenfalls recht kritisch bewertet. Social Charity Marketing ist im Prinzip eine gute Sache, wenn es darum geht, Hildbedürftige zu unterstützen. Nur wenn eine Katastrophe aus Eigeninteresse genutzt wird (in diesem Fall seine Recihweite zu vergrößern), ist das ethisch mehr als umstritten.

    Grüße

  12. SN-Fanpage « Medienrestaurant

    […] aus der Hand gibt. Man muss sich also auch negativer Kritik stellen, wie an Beispielen, wie Calvin Klein von KitKat oder BP gut zu sehen […]

  13. Social-Media-Marketing- „Fan-Seiten“ in Ergänzung zur Unternehmenshomepage? « Coffee in a box

    […] beachten, eher Stellung nehmen.  Zwei populäre Negativbeispiele sind u.a. die Fanpages von Calvin Klein und KitKat (lest […]

  14. medienMITTWEIDA ::: Artikel » Mehr Mut zur Kreativität

    […] mehrere tausend Fans hatten, haben alle eines gemeinsam: Entweder spricht der Inhalt der Seite die Emotionen der Nutzer an, es gibt einen lohnenden Mehrwert oder es handelt sich dabei um eine sehr starke […]

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