21.01.10
11:16 Uhr

Coca Cola: Viraler Spot oder PR Stunt?

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Ihr habt bestimmt auch die Nachricht bei MarketingVox gelesen: „712,000 Views and Counting for New Coca-Cola Happiness Video“. Und wir hatten es hier ja auch schon kurz gezeigt.

Das freute mich ja, allein konnte ich mir nicht vorstellen, daß gerade Coke das mit einem Video schaffen sollte. Coke und Viral? Zwei Welten prallen aufeinander!

Erstens wollen sie jedem gefallen, und zweitens wird Atlanta (die weltweite Coke-Zentrale) alles stoppen bzw. erst gar nicht erlauben, was auch nur im geringsten zu einem Aufschrei in der weltweiten Bevölkerung führen könnte – beides widerspricht diametral den Erfolgsgeheimnissen eines viralen Spots.

Die ersten Sekunden erinnerten mich dann auch eher an Clip-Logik und ‚Versuchsaufbau‘ der FunTheory-Virals – wir berichteten: „Schluß mit lustig nach nur 2 Monaten?“. Aber seht selbst:

So richtig viral, im Sinne innovativ, polarisierend, einzigartig, Grenzen hinausschiebend, Traditionen verunordnend, etc. ist er nun überhaupt nicht. Eher brav, artig bis langweilig. Fast übertrieben ‚happy‘.

Ich zum Beispiel finde die Studenten und ihr Lachen gar nicht so authentisch. Das Lachen ist mir zu viel, die Szene wirkt gestellt, die Studenten sind einfach zu nett, sauber, langweilig, unterschiedlicher Nationalitäten.

Schaut man sich die Berichte zum ‚Viral‘ ein wenig genauer an, fällt besonders ein zeitliches Problem auf:

„A new happiness-themed marketing campaign by Coca-Cola has gone viral, getting more than 712,000 views within its first 24 hours.“ schreibt MarketingVox am 20. Januar. In den ersten 24 Stunden, nicht schlecht.

Die Pressemitteilung („So far the video has been very well received – everyone is asking us to send the Happiness Machine to their town.“) der Agentur datiert allerdings vom 14. Januar! Hm. Nun gut, 712.000 Views mal 6 (Tage) macht knapp 4 Millionen. Das müßte YouTube doch jetzt zeigen, oder?

Aber YouTube zeigt heute, am 21. Januar – also 7 Tage nach Start – 757.893 Aufrufe! Sollte der virale Erfolg so schnell abgebrochen sein? Oder wird hier – nach 6 Tagen nur versucht, den viralen Erfolg mit PR-Maßnahmen herbeizureden? Vielleicht hat MarketingVox sich auch nur verschrieben mit den 24 Stunden.

Bei MarketingDaily steht dann auch ’nur‘ noch: „Within a week … has already racked up more than 645,000 views.“ (Hervorhebung durch mich).

Also: Ist dieses Video viral genug, um ‚viral‘ gennant zu werden? Wird es ein viraler Erfolg? Geht es euch beim Ansehen so wie Pat McCarthy von womma.org: „The video is powerful because of the real reactions from real people. Seeing them so happy made me happy.“? Ich bin sehr unentschieden.

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19 Kommentare

  1. Alex

    Hmmm – ich finde den Spot nicht mal „Viral“ – hätte keinen Grund den an jemanden zu leiten – einmal ansehen und das reicht… Das Lachen nervt mich und er hat auch nichts lustiges / trauriges oder überraschendes, so dass man bei Freunden und Bekannten irgendwie eine Emotion hervorrufen kann… Und wenn der Spot hätte gut werden sollen, dann viel viel kürzer und wirklich irgendwo hinstellen – so wie Comedy-Street oder in diese Richtung gehen – sooo wirkt das auf mich nur peinlich…

  2. Lenn

    Hm, viral. Bei dem Begriff bleibt für mich immer ein bisschen fader Beigeschmack. Ähnlich wie mit „hip“ damals, erinnert sich noch jemand? ;) Sich selbst als hip zu bezeichnen war armselig. Von einem guten Freund als hip bezeichnet zu werden, war irgendwie unglaubwürdig. Wenn aber der ganze Schulhof sagte, dass man hip sei, dann hatte das irgendwann schon Gewicht.

    Genauso geht mir das bei diesen ganzen viralen Videos. Eine Firma, die ihren eigenen Spot viral nennt oder eine Agentur, die diesen Spot produziert hat und ihn viral nennt, ist für mich kein Maßstab. Wenn Werbeblogger.de sagt, der Spot sei viral, ist das schon okay, aber für mich eigentlich irrelevant. Erst, wenn der Spot mich wirklich begeistert und ich sage: ‚Hey, coole Sache, das muss ich jemandem zeigen!‘, spreche ich dem Spot Viralität zu.

    Das ist natürlich aus Marketingsicht ziemlicher Blödsinn, weil Viralität nicht auf meiner subjektiven Meinung basiert sondern auf der Durchsetzungsfähigkeit in der gesamten Internetcommunity (oder so, bitte nicht drauf festnageln). Aber um die Frage beantworten zu können, ob dieses Video ‚viral‘ genannt werden darf und ob es ein ‚viraler Erfolg‘ wird, kann ich nur auf mein subjektives Gefühl zurückgreifen. Und das deckt sich mit der Meinung von Ralf und Alex:

    Zu glatt, zu künstlich, zu gewollt, zu vorhersehbar. Entweder ich stehe dazu, dass das Video professionell erstellt wurde, dann sollte ich das auch entsprechend rüberbringen, oder ich setze alles daran, es so amateurhaft wie möglich aussehen zu lassen. Dazu gehören dann aber auch keine Schärfeverlagerung in die Tiefe, keine zwei Dutzend Kamerawinkel ohne Qualitätsveränderung etc., sondern verwackelte, manchmal pixelige, teils zu dunkle Kamerahandy-Aufnahmen. Dadurch gewönne der Spot an Glaubwürdigkeit.

    So ist’s letztlich nur ein weiterer netter Versuch, der zumindest bei mir nicht in Erinnerung bleiben wird.

  3. eddi goes viral

    Ist „Viral“ nicht mittlerweile zum Synonym für „online gestellt“ mutiert?

  4. ralf schwartz

    @Lenn
    „Das ist natürlich aus Marketingsicht ziemlicher Blödsinn, weil Viralität nicht auf meiner subjektiven Meinung basiert sondern auf der Durchsetzungsfähigkeit in der gesamten Internetcommunity (oder so, bitte nicht drauf festnageln).“

    Wow, in einem einzigen Satz faßt Du die ganze Geschichte des Marketings zusammen! ;-)
    Früher mußte Marketing/Kommunikation sich (vermeintlich) in einer amorphen, gesichtslosen, nur von MaFo-Daten beschriebenen Masse durchsetzen. Heute ist es (endlich) akzeptiert, daß Kommunikation und Marketing sich bei jedem Einzelnen durchsetzen müssen.
    Jedes Individuum hat seine Meinung, Einstellungen, Vorlieben, Sehnsüchte, Bedürfnisse. Diesen allen müssen Marke und Produkt ‚gefallen‘.
    Das Treffen des individuellen ‚Geschmacks‘, der individuellen RELEVANZ macht das erfolgreiche Produkt aus, nicht aber der kleinste gemeinsame Nenner – der wohl im Coke-Video Maß aller Dinge war und prompt getroffen wurde.

  5. Roland

    Ich seh das völlig anders: Das Video ist Teil einer größeren Kampagne, die ich auch im Werbeblogger schon vorgestellt habe.
    werbeblogger.de/2009...
    Es gehtCoke um den Spaß-Faktor, unkompliziert, unintellektuell, direkt und ohne sozialkritisches Nebengebimmel im Kontext der sich wandelnden Konsumgesellschaft. Es ist fast das Bacardi Feeling aus den 80ern und frühen 90en, welches hier vermittelt wird.Das Video IST banal, adressiert den Fun-Faktor für die kleine Pause zwischendurch, die auch diese Studenten sich gerade nehmen.

    Was die Beurteilung der Viralität betrifft, halte ich mich an die Fakten. Mehrere Hunderttausend Menschen schauen sich das Teil im Web an, sicher eher die 20something und vielleicht noch die 30ties, die sich im Kontext dieser schlichten Heiterkeit erfreuen, aber den konspirativen PR-Bluff kann ich nicht erkennen.

    Ich persönlich würde den Clip übigens auch nicht weiterleiten, aber ein viraler Trigger ist selbstverständlich enthalten und der ist so alt wie die Menschheit selbst: Spaß, Freude, Lachen.

    Habe ich morgens schlechte Laune, stelle ich mich vor den Spiegel und lache mich an. Kaum zu glauben, aber es hilft ;-)

    Vielleicht ist dieser Clip so viral für die eine Generation wie es einst die Wildecker Herzbuben für die andere waren. Jedem Tierchen sein Plaisierchen.

  6. Raoul

    Ob nun viral oder nicht, wahrscheinlich gehöre ich mit Mitte 40 einfach nicht zur Zielgruppe des Spots. Mindestens 1 Minute zu lang und der Gag mit dem Getränkeautomat war schon vor langem bei „Verstehen sie Spass“ auch nicht so wirklich witzig.

  7. Andreas

    Eben, Raoul. Fehlt nur noch Kurt Felix. Oder Frank Elstner.
    Definitiv ein Spot, für dessen Verbreitung ich keinen Finger krumm machen würde.

  8. Timo

    Und dann zehren die Vertreter aller Nationen zusammen in selbstzufriedener Vergessenheit und lachender Einheit vom Coca Cola Gigantomaniesandwich in der klinischen Reinheit einer universitären Bildungsstätte. Huaa, mich gruselts – das ist das „Brave New World“ unserer Tage.

    (Man verzeihe mir den unqualifizierten Kommentar)

  9. ralf schwartz

    Ja, Roland, vielleicht muß ich mich mit Mitte 40 Raouls Einsicht zur Zielgruppe anschließen ;-)

    Lassen wir uns überraschen, welche Höhen der Clip noch erklimmt. In den letzten Stunden sind knapp 20.000 Aufrufe hinzugekommen.

    Timo, da ist nichts unqualifiziert. Gerne weiter so.

  10. Roland

    Wir müssen einfach zwischen persönlichem Geschmack und offensichtlicher Wirkung auf andere unterscheiden. Mitte 40 ist übrigens ein grundsolides Alter ;-)

  11. Katja

    Also ich bin 25 und finde das auch nicht so witzig. Aber ich fände es klasse, wenn das auch mal bei uns in der Mensa passiert wäre. Mundpropaganda wäre auf jeden Fall Gewiss gewesen. :-)

  12. ramses101

    Ich finde die Diskussion „ist etwas viral oder nicht“ eher müßig. TV ist TV. Ob das nachts um 3 auf AngelTV 200 Leute sehen oder zur Primetime auf Pro7 2 Millionen. Wo steht denn, dass ein Viral nach der Produktionsweise, an der „edgyness“ oder so kategorisiert wird?

    Viral ist, was sich viral verbreitet. Deshalb heißt das so. Und ob das jetzt ein Spot ist oder die Dokumentation einer Ambient-Aktion, wen interessiert es? 700 000+ Klicks, Buzz auf Twitter, Facebook usw. machen es viral. Ein Viral wird ja nicht viral, weil es auf der Präsentation so genannt worden ist.

    Genau so wenig kann etwas, das sich viral verbreitet hat, seine Viralität abgesprochen werden. Man kann natürlich darüber diskutieren, ob es viral genug ist. Aber ein Virus, der von einem (!) auf den anderen übertragen wird, ist viral. Da gibt es eigentlich nichts zu diskutieren.

    Und ganz lustig fand ich es auch ;-)

  13. kloni

    Virale Videos sind schon lange nicht mehr das, was sie mal waren. Ursprünglich ging es um Videos, die nach Amateuraufnahmen aussahen und auch die dahinter steckende Firma gab sich nicht preis. So wurde das Video dann gezielt in Foren etc. verbreitet und eher unbewusst wurde damit für die Firma oder deren Produkte geworben.
    Gutes Beispiel: Videos, die „zufällig“ nacheinander im Inet auftauchten und allesamt zeigten, dass man mit Handys Popcorn machen kann ( youtube.com/watch?v=... )

    Jetzt ist halt die Frage: Hat sich der Begriff „virales Video“ verändert? Oder ist der Begriff einfach verkommen und jeder meint, das Video, nur weil es ganz gut ist, sei viral.

    Halt eine Definitionssache, die mühselig ist auszudiskutieren. Ob viral oder nicht viral … letztendlich kommt es doch darauf an, dass das Video so gut ist, dass es sich verbreitet. Wie man es dann nennt ist vollkommen irrelevant :)

  14. ralf schwartz

    Gut gesprochen, ramses101. ;-)

  15. Daniel

    Seh hier auch nix virales.

    Übrigens kann man mit dem „neuen“ YouTube nun auche eine View-Statistik aufklappen. In 5 Tagen wurden rund 400k views erreicht. Da liegt wohl MarketingVox falsch…

  16. ralf schwartz

    Na, jetzt haben wir ja die ‚offizielle Antwort‘ von Viral Friday ;-)

    „This week’s Viral Friday #1 position goes to Coca-Cola: Happiness Machine.“
    viralblog.com/viral-...

    In diesem Sinne: Happy weekend!

  17. seo pilot

    sehe es ähnlich wie ramses lasse mal einen lieben gruß hier an den blog gruß der seo pilot

  18. Von viralen Nebenwirkungen. Warum Virales nicht automatisch auch erfolgreich ist. | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Von viralen Nebenwirkungen. Warum Virales nicht automatisch auch erfolgreich ist.

    […] weitergereicht werden. DSDS ist also ein Erfolg, genauso wie der Coke-Spot bzw. Getränkeautomat, der in einer Mensa Gratis-Catering offeriert. Und auch der folgende Walmart-Clip ist ein Erfolg, weil er sich […]

  19. darkmoon

    Tja so iss’es nun. Erfolg macht halt neidisch!

    -> Geiler Spot -> wird weitergeleitet -> wirkt. Viral hin oder her.

    Bin 35. =:)

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