12.01.10
15:44 Uhr

Unwahrscheinliche Botschaften: Google

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Wer die Unternehmens- und Marketingpolitik von Google nicht verfolgt, könnte bereits die offene E-Mail von Jonathan Rosenberg (Senior Vice President, Product Management) vom letzten Monat für die im Eintragstitel angekündigte „unwahrscheinliche Botschaft“ halten. In dieser E-Mail an alle Google-Mitarbeiterinnen und -Mitarbeiter, die ich vollständig zu lesen empfehle, beschreibt Rosenberg das Bekenntnis zu, und Engagement für, offene Systeme und offene Standards.

Daraus eine Handvoll Zitate:

To understand our position in more detail, it helps to start with the assertion that open systems win. This is counter-intuitive to the traditionally trained MBA who is taught to generate a sustainable competitive advantage by creating a closed system, making it popular, then milking it through the product life cycle. The conventional wisdom goes that companies should lock in customers to lock out competitors. […]

Open systems are just the opposite. They are competitive and far more dynamic. In an open system, a competitive advantage doesn’t derive from locking in customers, but rather from understanding the fast-moving system better than anyone else and using that knowledge to generate better, more innovative products. The successful company in an open system is both a fast innovator and a thought leader; the brand value of thought leadership attracts customers and then fast innovation keeps them.

Ein Einwand liegt nahe, der oft wie zwei aussieht: 1) Alle diese tollen offenen Systeme und Standards sind nicht Googles Kerngeschäft und 2) Googles Suchmaschinen-Algorithmen sind alles andere als ein offenes System. Zu letzterem nimmt Rosenberg auch Stellung (im E-Mail-Text nach der Phrase [ While we are committed ] suchen), und darüber läßt sich diskutieren. Zu ersterem wäre einzuwenden, daß Suchmaschinen im wirtschaftlichen Sinne nicht Googles „Kerngeschäft“ darstellen.

Am treffendsten drückte es Gruber im Mai letzten Jahres aus:

I don’t think there’s any question that Google has a monopoly on search. But I don’t see how they’ve abused their success in anti-competitive ways. And they certainly don’t have a monopoly on advertising, which is what they’re actually selling.

Hier sind wir bei Googles eigentlichem Kerngeschäft, und damit kommen wir auch gleich zur eigentlichen unwahrscheinlichen Botschaft. Noam Cohen machte in seinem Artikel “In Allowing Ad Blockers, a Test for Google” in der New York Times darauf aufmerksam, daß Google im Zuge der Bekenntnisse zu offenen Standards auch Werbeblocker zuläßt für Google Chrome:

With the Chrome browser, however, Google’s inclusive principles are being put to the test: a new version of the browser allows, one might even say encourages, users to stop Google ads from appearing.

Whoa!

Nun wäre dies zwar, bei der augenblicklichen Verbreitung von Chrome, selbst dann nicht lebensbedrohlich für Google, wenn alle Chrome-User diese Erweiterung tatsächlich auch benutzten. Aber in einem Markt, der jahrzehntelang von den paranoiden Seitenreflexen bis an die Zähne mit Patenten bewaffneter Quasi-Monopolisten geprägt war, fällt da im ersten Moment schon mal die Kinnlade herunter.

Aber das ist immer noch nicht die „unwahrscheinliche Botschaft”, die ich meine.

Die unwahrscheinliche Botschaft von Google ist diese:

[…] Linus Upson, engineering director at Google, said there were many discussions before allowing ad-blocking programs “because Google makes all of its money from advertising.”

But he explained that the prevailing thinking was that “it’s unlikely ad blockers are going to get to the level where they imperil the advertising market, because if advertising is so annoying that a large segment of the population wants to block it, then advertising should get less annoying.”

Exactly.

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Ein Kommentar

  1. Google, The Guardian und RSS-Feeds: Werbung als Mehrwert | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Google, The Guardian und RSS-Feeds: Werbung als Mehrwert

    […] meinem Eintrag „Unwahrscheinliche Botschaften: Google“ zitierte ich Linus Upson, Engineering Director bei Google, mit der Aussage, “if advertising is so […]

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