11.01.10
12:42 Uhr

Werbe-Illusionen

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Harry_Houdini

Werbung gehört zum Leben. Damit meine ich zunächst nicht die kommerziellen Systeme des 20. Jahrhunderts und des jungen 21. Jahrhunderts. Gemeint ist die Werbung, die die allermeisten Menschen im sozialen Miteinander gelernt haben und praktizieren. Klassische Tugenden wie Höflichkeit, Respekt, zuhören können oder Freundlichkeit sind im gesellschaftlichen Umgang Eigenschaften mit „werblichem Charakter“ -wenn sie denn authentisch und nicht gespielt oder aufgesetzt sind. Dabei verübelt es in der Regel kein Mensch dem anderen, wenn auch die eigenen Äußerlichkeiten in das rechte Licht gerückt werden. Ein bisschen Tuning in eigener Sache ist eben erlaubt, auch bei der eigenen Rhetorik.

Die entstehende Sympathie verfällt aber in krasse Antipathie, wenn das Persönlichkeitsbild dem reinen egozentrischen Eigennutz folgt und durch Zynismus begleitet wird.

Ethische Grundsätze, die in vielen Kulturkreisen als praktisch angewandte Philosophie den gesellschaftlichen Umgangscode prägen, haben eine wichtige Lenkungswirkung für unser gesellschaftliches Miteinander. Vertrauen ist dabei nicht nur das soziale sondern auch das politische und ökonomische Fundament einer Gesellschaft.

Nicht nur die Finanzbranche, sondern viele Elemente unserer Wirtschaft beschädigen mit Dauerfeuer das Vertrauen der Menschen in das System. Stellvertretend für viele Bereiche der Wirtschaft nehmen Investmentbanker wieder am Roulettetisch mit fremdem Geld Platz aber auch die Werbebranche zeigt sich im Grundsatz nicht wirklich lernfähig.

Weiterhin dominiert das Verkaufsprinzip des Trojanischen Pferdes, der Kriegslist, der Täuschung. So interessant  die neuen Aufmerksamkeitstechniken um „virale Werbung“ oder Guerilla-Aktionen auch sein mögen, so sehr füttern sie den Zynismus einer Branche, die in diesen Werbeformen vor allem wieder eine neue Chance sieht,  ihre Botschaften mit Trick und Kalkül in die Köpfe der Menschen einzuschleusen. Spiegel Online zitiert David Eicher von den Webguerillas:

Werbung bildet selten die Realität ab. Wo liegt der Unterschied zwischen einem am Computer geschönten Kampagnenbild, welches eine Scheinrealität abbildet, und einer Mary Woodbridge? Werbung verkauft nun mal Illusionen.

Diese Schlussfolgerung ist so formuliert purer Zynismus und impliziert die Grundhaltung des Werbers nach dem Motto: „Schön blöd, wenn der Verbraucher alles glaubt, was wir ihm an Werbung so präsentieren“. Was wäre denn, wenn die Werbung statt kalkulierter Sinnestäuschung tatsächlich mehr auf „Realität“ setzt, auf emotional eingebetteten, aber dennoch real nachvollziehbaren Produkt- und Markennutzen, auf den Mehrwert für die Menschen?!

Wer so argumentiert, darf sich nicht wundern, wenn er dazu beiträgt, dass die Werbebranche im Ansehen der Menschen bald stabil an letzter Stelle liegt. Es ist zweifellos eine enorme Herausforderung für die Kommunikationsprofis, sich für die Kunden Konzepte auszudenken, die nicht sofort wieder in der medialen Dunstglocke verschwinden. Andererseits nährt die Branche mit dieser Haltung ihr ureigenes Problem: Die Branche bzw. Werbung an sich wird von den Menschen und Konsumenten nicht mehr ernst genommen. Als Konsequenz nimmt die aktive Abwehrhaltung gegenüber Werbung weiter zu.

Um Missverständnissen vorzubeugen: virales Marketing und die Prinzipien der Mundpopaganda sind wichtige und wirksame Mechanismen, die auch die Werbung nutzen kann und sollte. Allerdings befürchte ich, dass die neuen Schläuche für einige Werber nur dafür da sind, den alten Wein durchzudrücken, um anschließend den Ge- und Enttäuschten sagen zu können: „Schön blöd, dass ihr das Zeug trinkt und auf uns hereinfallt.“

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18 Kommentare

  1. Patrick Breitenbach

    Werbung ist nunmal Werbung und minimaler Teil eines möglichen Mixes.

    Ich lade sehr herzlich zum Marketing ein. Da geht noch was! ;-)

    So wie ich es an anderer Stelle bereits formulierte:
    buena-la-vista.de/bu...

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Stimmt absolut, Pedde. Aber nur, wenn man Werbung so abgetrennt zum Marketing verstehen will, was sicher nicht mehr zeitgemäß ist und Werbeagenturen sich selbst ja auch erweitert definieren.
    werbeblogger.de/2009...

  3. Patrick Breitenbach

    Naja der abgrenzende Begriff ist ja nicht umsonst eingeführt. Markenführung ist für mich bsp. auch keine Werbung.

    Werbung ist das Marktgeschreie, die große Show – aber eben nicht die Marktbude, das Produkt, der Service und schon gar nicht der Marktschreier als Mensch.

  4. AndreasK

    Das Thema liegt wohl grade in der Luft …

    blog.blokey.de/archi...

  5. David Eicher

    Lieber Roland Kühl-v.Puttkamer. Estmal vielen Dank dafür, dass diese spannende Diskussion „Wie werblich-verfälschend darf, wie ehrlich muss Werbung sein?“ im werbeblogger eine Plattform findet. Gern beteilige ich mich daran. Möchte jedoch zuvor eine Sache richtig stellen: Es ist unlauter Ihrerseits mir aufgrund meiner Beschreibung eines Sachverhalts (Zitat) zu unterstellen, ich hielte Verbraucher für blöd und hätte nur im Sinn, diese zu täuschen. Ich würde mich freuen, wenn Sie zukünftig solche unsachlichen Äußerung unterließen und wir sachlich diskutieren können.

    Zum Thema:
    Werbung bietet selten ein neutrales Abbild der Realität, sondern versucht eine Marke, ein Produkt, eine Dienstleistung oder ein Anliegen möglichst positiv ins Licht zu rücken. Speziell im Bereich der Lebensmittel-, der Automobil- und der Mode-Werbung ist die Diskrepanz zwischen Schein und Sein auffallend hoch: versucht man mit allen technischen Tricks, das reale Produkt aufzupeppen. Ob das gut ist, sei dahin gestellt. Gibt es Möglichkeiten dies zu reglementieren? Mir fallen adhoc keine praktikablen Lösungen ein.

    Fakt ist, die Tiefkühl-Pizza, die ich aus dem Karton ziehe, hat auch nach nach angegeben Garzeit nichts mit dem fotografischen Abbild zu tun. Fakt ist, jedes Auto wird tagelang mit Glanzlichtern und anderen Tricks für Anzeigen und Spots aufgepeppt. Fakt ist, meine Haare werden niemals so glänzen und so geschmeidig sein, wie mir dies die Kosmetik-Werbung suggeriert.

    GENAU DAS HABE ICH MIT DEM O.G. ZITAT BESCHRIEBEN! Nicht mehr und nicht weniger. und vor allem nicht so, dass ich dies gut hieße.

    Wie weit die Werbun gehen darf? Ich weiß es nicht. Sagen Sie es mir bitte, Herr Kühl-v.Puttkamer! Darf Werbung alle zur Verfügung stehenden Mittel ausnutzen – wohl wissend, dass sich das Endprodukt immer weiter vom realen Produkt entfernt? Darf Werbung etwas anpreisen, das es in Wirklichkeit nicht gibt? Sollte man den Korridor für mögliche „Retuschen“ reglementieren: wenn ja, wie? Oder besitzt Werbung einen Freibrief, weil ja eigentlich jeder wissen sollte, dass man sie sowieso nicht für bare Münze nehmen kann?

    Spannende Diskussion, die wir aber nicht dadurch lösen, indem wir polemisch werden.

  6. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Lieber David Eicher,
    zunächst einmal vielen Dank, dass Sie sich hier zum Thema äußern.
    Ich stimme Ihnen zu, was die Polemik betrifft, wobei „die Grundhaltung des Werbers“ nicht direkt auf Sie persönlich bezogen sein sollte, sondern „den Werber“ im Allgemeinen meinte, im Zweifel also auch mich selbst ;-).
    Sie gaben mir mit Ihrem Zitat allerdings den Anlass, dieses Thema noch einmal auf die Werbeblogger-Agenda zu setzen. Mea Culpa also, denn ich habe es nicht trennscharf formuliert.

    Zum Thema: Wie weit darf „Werbung“ gehen, fragen Sie. Ich weiß es nicht, Herr Eicher, ich beobachte nur, wie der Mensch, Verbraucher und Konsument zu einem großen Teil sehr kritisch der Werbung und ihren Machern gegenüber steht. Es liegt ganz sicher auch darin begründet, dass Leistungsversprechen aus der Werbung, egal ob via gepimptem Bild oder Text, zu häufig regelrecht „realitätsentrückt“ sind.
    Jeder Kunde, jede Agentur muss natürlich für sich selbst ausloten und bestimmen, was sie für „vertretbar“ hält. Letzlich entscheidet aus kaufmännischer Sicht im Einzelprojekt der „Erfolg“ der Kampagne, wobei ich die große Frage der Werbeerfolgskontrolle und langfristigen Markenwirkung hier nicht weiter ausführen will.

    In Summe interessiert mich die Frage, was eben diese beim Verbraucher regelmäßig durch Werbung ausgelösten „Double-Bind“-Effekte mittel- und langfristig bewirken. Wollen wir, dass die Menschen uns zunehmend und im wörtlichen Sinn „nichts mehr abnehmen“? Was bedeutet das für die Unternehmenskommunikation insgesamt?

    Aus Markenführungssicht kann ich es übrigens nicht nachvollziehen, wenn eine Marke allzu eifrig und irreführend an der eigenen werblichen Darstellung ihrer Produkte herumfeilt. Ich meine damit ausdrücklich „nicht“ das Inszenieren eines Produktes im rechten Licht, sondern wenn eine entscheidende Produkteigenschaft irreführend oder missverständlich dargestellt wird. Die Fragen berühren oft das Verpackungsrecht aber auch die Ingredenzien.
    werbeblogger.de/2009...
    Auf einer ganz anderen Ebene geht es aber auch um die Frage, wie wir mit verdeckten Werbebotschaften umgehen und ob es- wieder aus Markensicht- die richtige Entscheidung ist, nicht mit „offenem Markenvisier“ zu sprechen, gerade bei Guerilla- und viralem Marketing.
    Es scheint im Moment ziemlich in Werbemode zu sein, das Storytelling zu überfrachten und vollkommen fiktionale Geschichten als reale Themen zu lancieren und professionell zu seeden, ohne die Marke bzw. Ross und Reiter zu nennen. Meine persönliche Meinung übrigens zur Horst-Schlämmer Geschichte können Sie hier nachlesen:
    werbeblogger.de/2008...

    Wenn Sie Lust und Zeit haben, veröffentliche ich gerne eine Stellungnahme von Ihnen dazu als Gastartikel im Werbeblogger.

  7. David Eicher

    Okay, Herr Kühl-v.Puttkamer, lassen Sie uns doch, bevor wir uns den neuen von Ihnen aufgeworfenen Fragen widmen, vielleicht erstmal den ersten Themenkomplex abschließen:

    Können wir uns 1. darauf einigen, dass jede Form von Werbung per se suggestiv, illusionär, ja vielleicht sogar verfälschend ist? Dies oder aufgrund gewisser visueller, textlicher, animationstechnischer oder musikalischer Effekte, welche genutzt werden, das Produkt möglichst attraktiv, möglichst „lecker“ darzubieten? Im anderen fall würden wir über Gebrauchsanweisungen reden.

    2. Offensichtlich geht es Ihnen genauso wie mir: Wir haben beide kein Patentrezept, das dazu beiträgt, festzulegen, wie „ehrlich“ Werbung sollte? Die Grenzen zwischen „etwas aufpeppen“ und „Verfälschung“ sind fließend, die Wahrnehmung dessen, was erträglich ist und was nicht, ist bei den Menschen unterschiedlich. – Nur, wenn wir es, wie Sie sagen den Kunden und Agenturen überlassen, wie kommen wir dann weiter? De Zustand haben wir doch jetzt?

    Ich glaube, so weit herrscht doch erstmal Konsens, oder?

    Dann nur so viel zu Ihrem letzten Kommentar: Ich denke, man darf bei der ganzen Diskussion einen Aspekt nicht vergessen: Viele Menschen sehen in Werbung nicht allein eine Produktinformation. Sie erwarten von Werbung Unterhaltung, Ablenkung, ja manchmal sogar den Sprung in eine Traumwelt. Die Menschen gehen nicht ins Kino oder Theater, um dort die Geschichte zu sehen, die sie zu Hause erleben. Und sie kaufen sich Produkte nicht nur, weil sie einen Zweck erfüllen. – Ähnlich ist es bei Werbung!

    Werbung erfüllt für den Konsumenten immer auch einen psychologischen Zweck: nämlich z. B. den, ein Stück der gezeigten Lebenswelt zu seiner eigenen zu machen und/oder sich mit dem Kauf des Produktes selbst zu incentivieren. Insofern ist „Storytelling“ nicht nur wichtig, sondern tragendes Element viele funktionierender Werbekonzepte und keinesfalls, das ist zumindest meine Auffassung, überflüssig. Das man hier leicht übers Ziel hinaus schießen kann, Marken/Absender nicht mehr erkenntlich sind, bemerken Sie hier zu recht! Das hat aber nix mit „verdeckten Werbebotschaften“ zu tun. Die, so wie wir Guerilla- und Viral-Marketing praktizieren, auch gar nicht gewollt sind. Man will natürlich den Absender bekannt geben, auch wenn man dafür zunächst nicht „komplett die Hose runter lässt“. Aber das kennen wir doch schon aus der Klassik: heißt da für gewöhnlich „Teaserkampagne“ und ist deshalb nix Subversives.

    So weit, so gut: Das war mein Gastartikel ;-)

  8. Roland

    Hallo Herr Eicher, ich sehe: Der frühe Vogel fängt den Wurm…
    Gerne will ich Ihnen noch einmal antworten:
    zu 1: nein, tut mit leid, das ist mir erneut zu pauschal und allumschlingend. Suggestion eher ja, Illusion eher nein, und schon gar nicht immer und überall (per se bei jeder Form von Werbung).

    Zu 2: doch, ich persönlich habe meinen inneren Kompass, andere haben einen ähnlichen oder anderen. Tausende, wenn nicht hunderttausende von Werbetreibenden und Unternehmen bestimmen in einem ziemlich komplexen Gebilde, wie sich Werbung weiterentwickelt. Von allzu „moralischen“ Verordnungen und Richtlinien halte ich aber prinzipiell wenig. Wir sollten uns eher gemeinsam die Frage stellen, welchen Teil wir selbst dazu beitragen können, diesem „Vertrauensverlust“ entgegenzuwirken, den auch Amir Kassaei anspricht. Seine Beobachtungen halte ich für vollkommen richtig:
    „Die Werbebranche sollte langsam aber sicher anfangen, sich und ihre Denk- und Arbeitsweise in Frage zu stellen. Denn unser schlechtes Image in der Gesellschaft – aber auch zunehmend bei unseren Auftraggebern – ist zur Gänze selbst verschuldet. Der Grund: Wir entwickeln kein Verständnis für das Leben und die Sorgen und Wünsche der Verbraucher, stattdessen nerven wir sie mit immer banalerer und langweiliger Reklame, die sie nicht wollen.
    Und wir lösen keine Probleme mehr für unsere Auftraggeber, weil wir immer noch und immerzu Werbeideen produzieren statt kreative Lösungen für Marketing- und Business-Probleme.“

    Banal und langweilig für den Menschen ist nämlich auch die Vorhersehbarkeit von immer gleichen „Werbemustern“, die er zunehmend mit einer Abwehrhaltung „abwinkt“.

    Storytelling ist übrigens für mich dabei EIN Weg, um der „Langeweile“ und „Banalitäten“ in der Werbung zu begegnen und das ganze Gegenteil von „überflüssig“. Aber nicht, um dieses Instrument sogleich mit alten Werbedenkmustern zu inkorporieren. (was ich Ihnen und Ihrer Arbeit damit nicht persönlich unterstellen möchte.)

    Es ist schon stellenweise absurd: Mundpropaganda, also die Empfehlung von Menschen untereinander, nimmt in dem Maße zu, in welchem der Werbung im Allgemeinen nicht mehr vertraut wird. Jedenfalls beobachte ich das so. Und wir, bzw. ziemlich große Teile der Branche, springen auf den Hype auf, um dieses Vertrauensfundament auch wieder durch Infiltration, Irreführung und teilweise Täuschung zu vereinnahmen.

    werbeblogger.de/2008...

    werbeblogger.de/2007...

  9. ralf schwartz

    @David Eicher
    „Sie erwarten von Werbung Unterhaltung, Ablenkung, ja manchmal sogar den Sprung in eine Traumwelt.“
    Ja, aber nur, wenn die Menschen genau wissen, daß es sich um einen bewußten Sprung handelt und die Traumwelt als solche von der realen unterscheidbar ist.
    Ist die reale Welt nicht mehr von der Traumwelt unterscheidbar, wird einem also eine Realität vorgegaukelt, beginnt das Problem der Werbung, nämlich den Menschen etwas vorzumachen, etwas vorzutäuschen, was objektiv und de facto nicht im Produkt verfügbar oder von diesem als Proposition leistbar ist.

    Werbung, die dies unterstützt, schießt sich selbst und dem Produkt ins Knie, denn sie hinterläßt enttäuschte Konsumenten, die sich entsprechend mehr oder weniger öffentlich – gerade in den heutigen Zeiten der Social Media – äußern werden.

  10. Suggestion, Illusion, Irreführung, Täuschung. Muss Werbung so sein? | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Suggestion, Illusion, Irreführung, Täuschung. Muss Werbung so sein?

    […] meines letzten Artikels über den Vertrauensverlust der Menschen und Verbraucher gegenüber Werbung bzw. der […]

  11. Unwahrscheinliche Botschaften: Muji | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Unwahrscheinliche Botschaften: Muji

    […] zumindest auf Seiten der Consumer-Philosophie, in gewisser Weise natürlich auch eine Art von Illusionen. Aber wenn solche Illusionen tatsächlich von einem ökologisch tragfähigen […]

  12. nilsn

    Ehrlich gesagt kann ich den Kommentar von dir, lieber Ralf Schwartz, nicht ganz nachvollziehen. Das ganze Leben suggeriert einem eine Welt, die es so nicht gibt, was auf Musik(videos), Filme und auch auf Werbung und mehr zutrifft. Und letztlich steckt hinter dem Gros ein kommerzielles Interesse.

    Präziser erwarte ich als Konsument diesen (Image)-Sprung, wenn ich z.b. eine Sonnenbrille einer bestimmten Marke aufsetze. Beliebtes Beispiel ist auch Apple, was nun wirklich nicht nur aufgrund der Qualität verkauft. So ist das Mindeste was Werbung leisten kann, mich zu Unterhaltung, mich Abzulenken, und mich in eine Traumwelt zu führen. Was ich auch von Filmen und Musik erwarte.
    Was du im Bezug auf Reaktionen über soziale Medien ansprichst, da gebe ich dir absolut recht. Das passiert aber nur wenn Unternehmen lügen, verarschen, und falsch Informieren. Und genau in diesem Grau verläuft aus meiner Sicht die Trennlinie zwischen „gut“ und „böse“.

  13. Täuschen vs. Unterhalten « Nummer 15

    […] Hinterlasse einen Kommentar » Wer sich schon mal Gedanken gemacht hat, was Werbung darf, was sie vielleicht aber auch kann, oder eher sollte, dem sei empfohlen den Artikel und den noch viel interessanteren Diskussion auf dem Werbebbloger zu folgen. […]

  14. ralf schwartz

    @nilsn
    Nun, Werbung dient dazu, Produkte anzupreisen und schließlich die Menschen zu bewegen, sie zu kaufen. Wenn dies nur einmal funktioniert, weil die Werbung den Konsumenten hinters Licht führt und dann das Böse Erwachen kommt, hat die Werbung versagt. Punkt.

    Ob die Werbung dies mit Unterhaltung, Traumwelten oder verläßlicher Information versucht, ist ihre eigene Entscheidung. Sie wird sich an den Ergebnissen messen lassen müssen.

    In einer Welt, die immer partizipierender und transparenter wird, wird Authentizität immer wichtiger und erfolgsrelevanter. Produkten und Werbung wird nicht mehr alles geglaubt.
    Die ‚Traumwelten‘ müssen sozusagen im Produkt geerdet sein…

    Ansonsten sind wir ja sowieso einer Meinung.

  15. Yann Kuhlmann

    Der einzige weg werbung interessant, erträglich, untoxisch und vertrauenswürdig zu machen, ist imho aus dem „Herzen“ heraus zu kommunizieren.
    Warum Illusionen kreieren, die leicht in Frage gestellt werden, sobald der Kunde das Produkt in Händen hält? Warum nicht ein wahres Erlebnis, ein echte Fantasie, einen realen Traum kommunizieren, der mit der Realität der erbärmlichen Seiten eines Produktes wzB der Diskrepanz zwischen dem Foto der Tiefkühlpizza und dem Anblick der gegarten Pizza, nichts zu tun hat.
    Die „wahren“ positiven Seiten eines Produktes zu kommunizieren und in Glanz und Schein zu stellen erzeugt mehr Glaubwürdigkeit, als dem Produkt manipulativ etwas Gleissendes anzudichten, das früher oder später auf der einen oder anderen Wahrnehmungsebene ohnehin nur zerfallen kann zu Staub aus Lug und Trug.
    Die Vorteile einer Tiefkühlpizza liegen auf der Hand. Und es sind kaum die Reminiszenzen eines unglaublichen Italienurlaubs, die den Käufer – wie per Werbeslogan verbreitet – berühren werden, wenn er dieses erhitzte Rund vor ihm liegen sieht.
    Die Enttäuschung ist vorprogrammiert, die Glaubwürdigkeit verloren.
    Der Kunde wird immer selbst entscheiden müssen, ob er sich der Diskrepanz hingibt (er ist ja nicht blöd und glaubt, daß die Pizza tatsächlich wie abgebildet aussehen wird) oder sich einfach eine frische Pizza in der Pizzeria bestellt. Hauptsache, er fühlt sich nicht hintergangen.
    Wenn er die „wahren“ Vorteile kommuniziert bekommen hat, kann er sich authentisch und aus ganzem Herzen darüber freuen, wenn er seine erwählte Kost geniesst.
    Es ist und bleibt die Gesinnung des Werbers, wie auch die des Produktherstellers, die darüber entscheidet ob das produkt RUNDUM positiv aufgenommen wird und überhaupt werden kann.
    Es ist die Gesinnung, die Einfluss darauf hat, ob Vertrauen entsteht, oder der aufgedeckte Verrat dem Produkt wie dem Hersteller und damit auch seinem Werbekommunikator und seinem Schwert die Glaubwürdigkeit und damit die Durchschlagskraft und die Option der überzeugenden Nachhaltigkeit entzieht.
    Private Storytelling. Menschengerechte Authentizität ohne der Notwendigkeit die Mystik eines Produktes auffliegen zu lassen oder die Schwächen desselbigen darzustellen.
    Positivismus mit Gefühlsechtheit.
    Diese Art von Haltung wird automatisch „gute“ Stories hervorbringen, sensible Messages verkünden, gehaltvolle Bilder generieren und berührende Musik erzeugen.
    Werbung ist nicht per se schlecht, nur der Werber oder der Hersteller, der sich ausschliesslich bereichern will, egal was für einen Scheiss er seinen Kunden auf egal welche Art verkauft, ohne etwas von sich selbst preiszugeben.
    His private story – erträumt oder gelebt. Denn nur die bewegt andere Menschen.

    Warum gibt sich zB der Mercedes-Manager der Angst hin, sein neues Produkt müsse so schnell wie möglich auf den Markt, um so schnell wie möglich mit der Konkurrenz vermeintlich mithalten zu können, ohne die Zeit gehabt zu haben all seine Neuerungen zu prüfen und eine Rückrufaktion garantiert zu vermeiden – all das während er sich in der Sonne seiner vergangenen Errungenschaften badet.
    Doch auch er wird sich fragen müssen wie er „wahre“ Nachhaltigkeit und anhaltendes Kundenvertrauen erzeugt.
    Will er einen schnellen Hype erzeugen, sein Produkt geschwinde in beachtliche Zahlen umwandeln und eher der Fall kommt, sich mit gefülltem Konto seiner „wahren“ Verantwortung entziehen? Oder will er das verlorene Vertrauen zurückgewinnen und weitaus tiefenentspannter am Ende des Tages sich zurücklehnen und vor seinem Werke kontemplieren? Es bleibt seine Entscheidung.
    Es waren immer die Kreativen, die die Welt bewegten. Wohin, bleibt ihnen selbst überlassen.

  16. ralf schwartz

    @Yann Kuhlmann
    Dem kann ich uneingeschränkt folgen.
    Wer – als Marketing-Verantwortlicher, Agentur oder Berater – die Marke als ‚Persönlichkeit‘ wahrnimmt, kann eigentlich nicht anders handeln wollen.
    Würde ich mir viel öfter wünschen, denn hier verbirgt sich für mich auch noch sehr viel Neuland / unentdecktes Potential für Differenzierung und Distinction von Marke und Produkt.

  17. Die Illusion in der Illusion in der Werbung | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Die Illusion in der Illusion in der Werbung

    […] Thema „Täuschung und Illusionen in der Werbung” durch lancierte Falschmeldungen und pseudovirale Blendgranaten hätte ich […]

  18. Im Visier: Amir Kassaei kritisiert die Konsumgläubigkeit der eigenen Branche | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    […] Nerven. Aber im Kern hat er Recht, egal ob es um das Ansehen und die Positionierung von Agenturen, werbliche Verführung bzw. Täuschung oder die Beliebigkeit von Markenarbeit und Produkten geht. Trackback-URL […]

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