11.01.10
13:35 Uhr

Ist es ein Wasser? Ist es ein Bier? Nein, es ist …

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Heute also startet eine neue Kampagne für … aber sehet selbst:

Der Spot

Die dunkle Schönheit geht an einem klaren Morgen nur in Decken gehüllt auf einen ebenso klaren Bergsee zu. Die Decken sind sehr weich, schmeicheln ihrer Haut. Wenn das kein neuer Lenor-Duft ist!

01geberitLenor

Sekunden später – alles erinnert an diesen Bier-Spot, der uns erklärt, wie frisch, wie klar, wie rein dieses Wasser ist.

02geberitWasser

Wie ein junges Fohlen gallopiert sie über die romantische Holzbrücke.

„Wasser ist Urkraft“, erkennt sie. Ihre tiefe Stimme sagt uns, dies kann nur Barbara Becker sein. Aber Bierwerbung?

03geberitBier

„Nichts ist so perfekt wie Wasser“, sagt sie leise. Dahingehaucht. Kein Bier also, vielleicht ein 12 Jahre alter Whiskey.

„Ich werde sein Geheimnis nie verstehen.“ fährt sie fort, und stürzt sich delphin-ähnlich in die Fluten. Das muß Whiskey sein – und sie hat ihn gekostet: das Geheimnis des Wassers nie verstehen?

„Aber umso mehr genießen.“ Genuß! Ein teures Mineralwasser aus den Bergen hinter den 7 Zwergen?

Elfenartig dreht sie sich im erfrischenden, kühlen Nass: „Ich liebe Wasser.“ Hm, sie liebt Wasser – schwimmt aber mit einem Kleid und einem Umhang?

Ein schöner Spot. Ein Spot, der für alles wirbt – nur nicht für / Schnitt:

„Geberit AquaClean – Das WC, das Sie mit Wasser reinigt.“

Der Abbinder

Ein schwieriges Thema – auf ästhetische Weise transportiert. Der Spot macht aufmerksam, wenn man ihn nur nicht nach Sekunden unter Bier, Whiskey, Mineralwasser oder Lenor in die Schublade steckt. Und diese Gefahr ist immens groß.

Und dann wird man auch schon alleingelassen! Denn was tue ich nun mit meinem Wissen, daß Geberit AquaClean mich „mit Wasser reinigt“?
Eine Website wird mir nicht angeboten. Zum Händler werde ich nicht geschickt. Im 20%-auf-alles-außer-Tiernahrung-Baumarkt um die Ecke wird es das WC auch nicht geben.
Was tun? Googeln? Wo die doch die Verlage kaputt machen und unsere Straßen und Häuser photographieren?

Die Website

Die Website – hat man sie dann gefunden (fröhliches Suchen im kleingedruckten geberit.de), ist sehr schön gestaltet: Modern, reibungslos. Es gibt ein Making-Of, einen weiteren Spot, die obligatorische E-Card (die ein Schmankerl für sich ist und für weissgarnix schon bei der Vorstellung die Ideenlosigkeit der Agentur bewies).

Mich begeistert vor allem die fehlende Interaktivität, die man in diesem Jahrtausend Social Media nennt. Wenigstens darf man die Garantiekarte bequem online ausfüllen. Bequem!? Früher passierte das im Handel, darum mußte man sich nicht auch noch selbst kümmern.

Die Produktleistung

Zum Abschluß der Reise solltet Ihr Euch die Clips ansehen, die einem erklären, was Geberit so besonders macht – aber zuvor müßt Ihr Euch entscheiden, ob Ihr Männlein oder Weiblein seid!

Ich empfehle den Clip für die Damen. Denn dort kommt man zur Sache und erklärt die selbige. Der Mann tut sich natürlich schwer mit solch einem Thema. Tipp: zuerst den Mann, dann seine Frau ansehen (auch wenn sie in ihrem weißen Bademantel etwas von einer Zahnarzthelferin hat).

Fazit

Gerade wir Deutschen tun uns schwer mit solchen Themen, haben wir zu allem Überfluß auch nicht den Humor erfunden, der uns manches erleichtern könnte.

Ein zu zögerlicher Ansatz wie hier kann die Kommunikation des gesamten Themas im Keime ersticken – weil es niemand als Thema und Botschaft identifiziert, da letztere sich hinter den falschen Bilder schamhaft versteckt. Eine allzu brave Umsetzung.

Ein wenig mehr Mut im Spot dagegen könnte das Thema zum Selbstläufer machen. Zum Word of Mouth eigent es sich hervorragend.

Und ob TV überhaupt das richtige Medium ist, möchte ich hier gar nicht erst fragen.

Oder was meint Ihr?

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16 Kommentare

  1. Peter Schweizer

    Das geht je gar nicht. Ein Hinterteil in Herzform? Fällt den Kreativen nix mehr ein? Auch die Webseite ist grauslich, gerade die Wartezeit (ich surfe hier über eine 25 MBit-Leitung) ist unerträglich und dann sieht man mal wieder nur Emotionen, Emotionen, aber kein Produkt. Hab es nach 5 Minuten plätscherndem Wasser und hilflosem Geklicke gelassen.

  2. Henning Meyer

    Der Spot hat kein virales Potenzial, erklärt das Produkt nicht -und die Markenanbindung ist auch noch mangelhaft. Aufgabe verfehlt. Null Punkte.

  3. ralf schwartz

    @Peter und Henning
    Tragisch, oder?
    Wie weit doch manche Agentur und mancher Werbungtreibende vom Durchschnitt, geschweige von den Möglichkeiten entrückt ist.

    Ich sehe aber vor meinem inneren Auge, mit welcher Verve dies alles dem CEO verkauft wurde …

  4. Six

    ich mach mich an vor Lachen

  5. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Werbespots haben bei Geberit eine preisgekrönte, lange Tradition. „Geberit. Die kleine Dusche danach.“
    youtube.com/watch?v=...

  6. Vroni

    Sagen wir es mal so: Bidets sind in D nicht sonderlich bekannt und verbreitet (so wie in Frankreich).

    Daher kann ich mir gut vorstellen, dass man das den Deutschen nicht so direkt ratzfatz vekaufen kann (der sich oft nach dem Klogang nicht einmal die Hände mit Wasser reinigt (grade 30% der D-Männer und 60% der D-Frauen tun das). Daher der langatmige, umständliche generic approach (was ich für Wörter kenn’….) und Gesäusel über Reinheit und Klarheit mit Klaviersonate D-Dur, der wie Mineralwaser rüberkommt und leider austauschbar wirkt.

    Ich überlege drade, wie ich einen Bidet-Spot machen würde. für Frankreich fiele mir da schon was Freches ein, für D fühle ich mich anal^^ blockiert :-)

  7. ralf schwartz

    @Vroni
    „Bidets sind in D nicht sonderlich bekannt und verbreitet.“
    > Deshalb wundert mich auch die Entscheidung, ins TV zu gehen.

  8. Vroni

    Mich nicht.
    TV wohl, um zu missionieren (= in der Breite überhaupt erst bekannt zu machen). Mir erscheint das nachvollziehbar. Obs geklappt hat, dass jetzt deutlich mehr Menschen wissen, was man mit Wasser noch alles anstellen kann, wird man sehen.

    (Lyrics:

    „Wasser ist zum Waschen da…, falleriundfallera,
    auch zum Zähnputzen…
    kann man es benutzen“,
    … Auch bei manchen Füßen würde mans begrüßen!!

    von den DREI PEHEIROS)

  9. Pit

    Tja, wie will man so ein Thema gut rüberbringen? Ich würde ja die Holzhammermethode empfehlen:

    Szene:
    Ein ungepflegter Typ steht im Bad vor’m Spiegel, um sein mit nur einer Unterhose bedecktem Hinterteil schwirren Fliegen…
    -SCHNITT-
    Ein großer Wasserstrahl schießt durchs leere Bild
    -SCHNITT-
    Der Mann lächelt.

    Sprecher: „Schmutzige und streng riechende Popos müssen nicht sein: Geberit reinigt Sie sanft mit Wasser, wo es Papier allein nicht schafft!“

    Na, ist das gut oder ist das gut? ;)

  10. ralf schwartz

    @Vroni
    Bei mindestens 1200 Euro (von 1700 reduzierter(!) Großhandelspreis(!))
    megabad.com/geberit-...
    bzw. 1700 Euro (von 2400 reduzierter(!) Großhandelspreis(!))
    megabad.com/geberit-...
    für die sinnvollen Varianten mit Fön(!) würde ich nicht zur Missionierung ins Fernsehen gehen.
    Da würde ich mein Budget effektiver einsetzen wollen.
    (Und zur Missionierung reicht meist ein Hersteller alleine sowieso nicht – gerade wenn sich, wie Du eingangs sagtest, die Leute nicht mal in der Breite die Hände waschen. ;-)

  11. vroni

    Budget.
    Wer weiß, vielleicht war die TV-Schaltung ein Schnäppchen…?

    Aber egal. Aus meiner guten alten Werbe-Reptilienzeit ist mir in Erinnerung: Wenn der Herstellerboss ins TV rein will und wenn er Barbara Becker will oder Holly Golightly, dann will er ins TV rein. Und will mal neben BB oder HG stehen…
    :-

    Wie würdest du Media planen?
    Exklusives Dialog Marketing an die in D, die schon mal mit dem denkwürdigen Luxus aufgefallen sind, eine Villeroy & Boch-, oder schlimmer noch, eine Ralph-Lauren-Phil-Starck-Angeber-WC-Schüssel zu kaufen? Oder im Internet kontextsensitive Anzeigen? (Tauchen dann wohl auch auf Seiten auf, die Mineralwässer besprechen oder Waschzwänge behandeln… öhm^^

    Mann, wenn die halt’n Film wollen. :-) Welcher Texter/Art Direktor würde sich DA ernsthaft querstellen…
    [/irony off]

  12. AlBo Raine

    ich finde diese gesamte kampagne sehr altbacken. das problem: die „toiletten“-branche ist ja nicht für kreativität bekannt, da das thema „intim“waschvorgang oder „baumwolle“ für die naturverbundenen unter uns ja nicht unbedingt in die zeit passt, wenn die familie zu abend ist. gibt es bald auch eine „schleuder“-funktion? :)

    und was denkt sich barbara becker? ich wasche mich und meinen körper mit mineralwasser rein vom bum bum boris stigmata oder ich will mal wieder ins fernsehen. aber eines haben die herr/damschaften der agentur geschafft: wir reden drüber! und egal ob virales potential oder nicht: bad publicity ist auch publicity. dann mal angenehmen strahl!

  13. eva

    interessant, dass frau ex-becker sowas nötig hat…

  14. ralf schwartz

    @eva
    Sie will ja nur helfen …

  15. J. Martin

    Geht auch simpler:

    We Love Your Tush | Electronic Bidets Coway

    No-nonsense-Werbung aus Korea.

  16. Peter

    Zitat AlBo Raine:
    „bad publicity ist auch publicity“

    Nettes Wortspiel. :-)

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