04.01.10
23:53 Uhr

Vintage 2010

vintageadbrowser

Nun auch von mir: Herzlich Willkommen zum Werbeblogger 2010!

Alle meine Tage entlang der 2009er Jahresendfestserie waren auf verschiedene Weisen toll und wunderschön, wenn auch sicherlich nicht so entschleunigt & relaxt wie die von Roland — aber das liegt bei mir nicht am Offline- oder Online-Sein, sondern daran, daß ich eigentlich immer irgendwie im Vollgasmodus bin. Und das galt besonders für das vergangene Jahrzehnt (das ja genaugenommen erst am Ende dieses Jahres endet).

Eine Dekade, welche für mich persönlich geradezu extravagant aufregend und erfolgreich war. Und in der, weltweiten Katastrophen und Malaisen jeder Art zum Trotz, auch durchaus global Fortschritte erzielt wurden auf Gebieten wie Versorgung und Gesundheit. Aber selbst diese Fortschritte waren in letzter Zeit, im WHO Jargon, “uneven”, und die dramatischen Polarisierungen dieses Jahrzehnts, welches Time Magazine die “Decade of Hell” taufte, verheißen für die Zukunft in zahlreichen Arenen nicht | viel | Gutes.

Werbung, von Non-Profit-Werbung abgesehen, ist sicherlich keine Kraft, die Visionen hat oder Gesellschaften vorantreibt. Im Gegenteil: Oft verbündet Werbung sich gerade durch den intendierten und ja auch durchaus notwendigen “mass appeal” mit gesellschaftlichen Beharrungskräften, um zeitgeistigen Unsinn, Rollenkonventionen und alle möglichen und unmöglichen Formen organisierten und unorganisierten Aberglaubens zu normalisieren und zu zementieren. Nicht nur in dieser Hinsicht finde ich es durchaus positiv, daß ebenjener “mass appeal” zwar nicht aus dem letzten, aber immerhin schon aus den ersten Löchern pfeift — abzuwarten bleibt allerdings, ob ein maßgeschneidertes, bidirektionales, social-webbiges Marketing der Zukunft tatsächlich über die jeweilige Kollektion gesellschaftlicher Basisnenner hinaus gleichzeitig progressiv und umsatzfördernd agieren können wird.

Gerade aufgrund dieser Aspekte und durch ihre Ubiquität ist Werbung aber wie fast kein anderes Medium geeignet, sehr plastisch und oft auch zugespitzt-dramatisierend den jeweiligen Zeitgeist zu dokumentieren. In diesem Sinne möchte ich die Zukunft und das Jahr mit einem Rückblick beginnen durch die Brille des brandneuen Vintage Ad Browsers von Philipp Lenssen, um von dort aus als Vorausblick darüber nachzudenken, wie wir im neuen Jahr 2010 Werbung machen können, die beim Vintage-Browsen im Jahr 2020 oder 2030 immer noch als frisch, intelligent und vielleicht sogar — ich wage es kaum zu erwähnen — als visionär empfunden werden kann.

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3 Kommentare

  1. Diamonds Are Forever — genau wie sexistische Klischees | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Diamonds Are Forever — genau wie sexistische Klischees

    [...] und Meme aufzunehmen und ungeachtet ihrer etwaigen Schädlichkeit zu zirkulieren. Um aus meiner Neujahrsansprache ;-) zu zitieren: Werbung, von Non-Profit-Werbung abgesehen, ist sicherlich keine Kraft, die Visionen [...]

  2. Die Ästhetische Gesellschaft - Session.Three: Ein Wavetank VideoCast | between drafts

    [...] führen, und Beharrungskräftezuarbeiter wie die Werbung, worüber ich zeitnah zu Neujahr und zum Thema Diamantenwerbung auf dem Werbeblogger [...]

  3. Update: Stayfree und die Feuchtigkeit, die nicht aufkommen will | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv

    [...] Aufschlußreiche Aspekte bezüglich der Gesetzlichkeiten des „Genres“ Slip- und Tampon-Werbung finden sich vor allem in Helgas Blogpost „Bei diesen heißen Typen kommt keine Feuchtigkeit auf“ auf Mädchenmannschaft und dem von dort verlinkten “Watch Hot Men Play With Maxi Pads” von Margaret Hartmann auf Jezebel. Zu diesen Gesetzlichkeiten gehört, daß die Demonstrationsfarbe stets in einem schönen Blau statt Rot gehalten ist, daß die Flüssigkeit stets Wasser- statt Schleimhautkonsistenz hat und daß stets der Eindruck erweckt wird, maximale Trockenheit im weiblichen Intimbereich sei maximal gesund. Dazu, ebenfalls in der Tradition zumindest nordamerikanischer “feminine hygiene” ads, wird das Wort „Menstruation” nicht einmal erwähnt. Wie Margaret Hartmann es formuliert: “We aren’t looking for flirty period innuendo from a sexy man, but ads that don’t treat our normal bodily functions like an unmentionable affliction.” Es ist manchmal verwunderlich, wie wenig sich in bestimmten Bereichen tatsächlich verändert hat — obwohl dies nicht überraschen sollte. Das Thema, daß Werbung sich prinzipiell eher im Umfeld gesellschaftlicher Beharrungskräfte und Rollenkonventionen heimisch fühlt, streifte ich letztens hier. [...]

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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