04.01.10
12:54 Uhr

Entschleunigen. Beschleunigen.

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5 Tage war ich nahezu offline. Kein Festnetz, kein Breitband. Nur Echtzeitkommunikation vis-à-vis. Dazu das eine oder andere Buch im Handgepäck und Reisen im Interregio mit diversen Haltestationen im Niemandsland, die wohl eher der schmalbrüstigen Lokomotive ein wenig Auszeit gönnen sollten als neue Fahrgäste aufzunehmen.

Die vorbeigleitende Landschaft ist vollständig in weißes Puder gehüllt und ich ertappe mich, wie ich mich über die vereinzelten Schneeräumfahrzeuge ärgere, die aus der wunderbar geschlossenen Schneedecke lautstark den nassgrauen Asphalt und matschige Erde hervorbringen. Gelegentlich öffnet ein unruhiger Zugwanderer die Zwischentür und gibt meinem Transportmittel seine alternative Bedeutung zurück. Zug im Zug braucht kein Mensch, denke ich mir und so schließe ich in regelmäßigen Abständen die Tür, welche trotz anders lautender Aufschrift nicht automatisch funktioniert.

Von mir aus könnte der Zug aber dennoch etwas langsamer fahren, um mir die wundervolle Landschaft des Chiemgau noch etwas länger zu erhalten, bevor die Suburbs von München das nahe Ende meines Urlaubs ankündigt.

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Spätestens mit dem Um- und „Aufstieg“ in einen vollbesetzten Airbus 320, Reihe 22, Mittelplatz hat der Alltag mich dann aber wieder fest im Griff. Ich greife eine Bordausgabe des Handelsblatts, meine Frau mit Fensterplatz liest zu meinem Entsetzen die AZ, während mein Sitznachbar zur Gangseite sich darüber freut, dass ich ihm meinen ursprünglichen Platz überlassen hatte, um nah bei meiner Liebsten zu sitzen. Eigentlich hasse ich Mittelplätze, woraus sich aber wohl andererseits ableiten lässt, wie sehr ich die Nähe zu meiner Frau schätze.

Um 09.30 hat Hamburg und mein tiefgefrorenes Auto mich wieder. Eine weitere halbe Stunde später sitze ich an meinem Arbeitsplatz, Skype ist geöffnet, Mails noch nicht und ich schreibe diese Zeilen. Ich hätte auch über HTC und deren Sorgen schreiben können, ihre eigene Marke im Partnerkonstrukt des Google Phones zu profilieren. Oder über Schirrmachers letztes Werk „Payback“, in welchem er so unnachahmlich die richtigen Beobachtungen macht, aber gleichzeitig zu häufig die falschen Schlüsse daraus zieht. Oder ich hätte mit dem 59. Werbeblogger Werberätsel das neue Blogjahr eröffnen können. Das geht fix und frisst kein Brot. Oder. Oder.

Aber lieber hänge ich zumindest noch für heute den vergangenen Tagen nach und sichte im digitalen Fotoarchiv, was mir meine Kamera so vor die Linse zauberte…

Herzlich willkommen beim Werbeblogger im Jahr 2010 und bis später.

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7 Kommentare

  1. Stefan Evertz

    Das klingt sehr gut. Und entspannt. Und vor allem: Sehr verlockend ;)

  2. Arnd Greve

    Wie wunderbar. Schon bald sind wir wieder alle Marionetten des digitalen Zeitalters. Die Slots vor und nach den Feiertagen gilt es daher gut zu nutzen. Ein frohes Neues Jahr!

  3. Vintage 2010 | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Vintage 2010

    […] Weisen toll und wunderschön, wenn auch sicherlich nicht so entschleunigt & relaxt wie die von Roland — aber das liegt bei mir nicht am Offline- oder Online-Sein, sondern daran, daß […]

  4. Schirrmachers kalkulierte Abrechnung | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Schirrmachers kalkulierte Abrechnung

    […] ich ein Buch mit dem Titel “Payback” im eingeschränkten Urlaubsgepäck mit mir trage (und mich sowieso an der Gewichtsgrenze des erlaubten Bordgepäck-Gewichts großer […]

  5. Michael Gross

    Schöner Post, Roland! Ich denke, das von dir schön beschriebene Gefühl können wir alle sehr gut nachvollziehen. Wünsche dir und dem restlichen Werbeblogger ein frohes und inspiriertes neues Jahr. Viele Grüße aus Kalifornien!

  6. Wie hat das Internet mein Denken verändert? | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Wie hat das Internet mein Denken verändert?

    […] Andere nennen es “Internetdiät“, aber im Prinzip ist es der bewusste Rückzug in die Entschleunigung und Konzentration. Und in den […]

  7. Die fünfte Wand: Wo wir wohnen | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Die fünfte Wand: Wo wir wohnen

    […] dem einen oder anderen RL-Gehege für Old-School-Entspanner, das ist klar. So viel Raum muß sein :-) […]

Eure Kommentare

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  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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