22.12.09
15:22 Uhr

Werbesquatting


Opticana—The $500 Campaign

Diese „Underdog“-Werbeaktion von McCann Erickson, Tel Aviv, für Opticana besticht nicht nur durch schamlose agenturseitige Eigenwerbung — warum würde McCann Erickson einen Auftrag annehmen für ein Budget, das nicht einmal die Overheadkosten für die Anfertigung dieses Videos deckt? — auf gehobenem Fake-Niveau, sondern brüstet sich auch damit, jene Praktik als tollen neuen Werbekanal zu erschließen, deren Instrumentalisierung wir längst von anderer Seite kennen: Spammer, Linkfarmen, Trojanerschleudern, Botnetze. Willkommen, McCann Erickson, in der ehrenwerten Gesellschaft des Typosquatting.

Um das Besetzen von Tippfehler-Domains auch als neues, tolles Guerilla-Marketing in Perspektive zu rücken, hier ein Auszug aus Benjamin Edelmans “Unintended Adventures in Browsing” (PDF/200KB) für McAfee:

The Scope of Typosquatting
With many users making a wide variety of errors, typosquatting has become remarkably widespread. [W]e found more than 80,000 domains typosquatting on just the top 2,000 web sites. Go deeper into the web, and typosquatting grows even more. [...]

Once a user arrives at a typosquatting site, the squatter wants to make as much money as possible. [...] These days, the typosquatters standard approach is advertising. Among the thousands of typosquatting domains I’ve examined in the past several years, it’s rare to find one not showing ads.

So viel zum Neuigkeitsfaktor. Aber wartet, es gibt noch mehr! Denn das alles ist ja nicht einmal zielgruppenmäßig sauber aufgestellt. Auch wenn Hand-Auge-Koordination eine große Rolle spielt: Seit wann wäre eine Sehschwäche verantwortlich für Tippfehler mit Ausnahme in solch extremen Fällen, wo die eigene Tastatur nicht mehr entziffern werden kann?

Diese Aktion ist wieder ein schönes Beispiel für den Versuch, den neuen medialen Bedingungen mit dem Brute Force-Ansatz der Ubiquität zu begegnen. Mit „Neuen Medien” hat das in diesem Sinne nur rein physikalisch etwas zu tun, und Typosquatting als Werbekanal ist nicht clever und kreativ, sondern zudringlich und abgestanden.

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3 Kommentare

  1. Michael

    ich find die Idee klasse, mittlerweile sehe ich allerdings immer error pages meines Providers…

  2. Michaelis

    Erbärmlich. Sich damit brüsten, (vermeintliche) Schwächen anderer auszunutzen, und das Ganze dann auch noch als innovativ bezeichnen…und es dann noch nicht mal sein, sondern lediglich in bereits erkundeten und als stinkend entlarvtem Gewässern fischen? Reichlich peinlich, würd’ ich sagen – aber damit reiht sich McCann Erickson auch nur in eine lange Schlange von Einfallslosen und Scheinheiligen ein.

  3. Burger 404 | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Burger 404

    [...] Gegensatz zum jämmerlichen Typosquatting von McCann Erickson, Tel Aviv, ist diese 404er-Werbung eine ziemlich pfiffige Idee. „Leider“, wie ich versucht bin [...]

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
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