18.12.09
09:03 Uhr

Accenture: Das Spiel mit dem Tiger

Wer seine gesamte Außendarstellung bzw. werbliche Unternehmenskommunikation auf einen Promi abstellt, begibt sich durchaus in ein Imagerisiko, wenn die Werbe-Ikone durch ihren privaten Lebenswandel und die öffentliche Diskussion nicht mehr so recht zu den erwünschten Unternehmensbotschaften passt. So wie bei der Unternehmens- und Managementberatung “Accenture“, die voll auf das Image des bekannten Star-Golfers Tiger Woods gesetzt hat.

Bis vor kurzem und seit Jahren inszenierte Accenture den erfolgreichen Leistungssportler auf der Firmenwebsite, etlichen Print-Motiven und in TV-Spots.

Come on. Be a tiger” verlautet es dort in Richtung potenzieller Neukunden von Accenture, was sich wohl auch Tiger Woods selbst mit seinen Eskapaden etwas zu sehr zu Herzen genommen hat. Es ist dabei aber gar nicht relevant und moralisch von den Menschen zu bewerten, wie Tiger Woods sein Privatleben gestaltet. Generell taugen von Medien inszenierte “Vorbilder” eben nur bedingt, denn sie sind Menschen -mit allen Fehlern. Selbst US-Präsidenten der jüngeren Vergangenheit haben die moralischen Vorbildansprüche eines großen Teils der Amerikaner nicht erfüllen können, aus unterschiedlichen Gründen.

Die strategischen Fehler liegen eher bei Accenture, die die Marke “Tiger Woods” zu einem integralen und allzu symbiotischen Bestandteil ihrer eigenen Marke gemacht haben. Stolpert Woods, stolpert auch die Marke “Accenture”.

Der persönliche Schaden für Tiger Woods mag erheblich sein; für Accenture steht nun die eigene Unternehmensreputation ggf. inkl. vieler Arbeitsplätze auf dem Spiel. Ähnlich wie Architekten, die nicht selbst in baufälligen Büros beheimatet sein sollten oder Zahnärzte, die ihre Patienten besser nicht mit einer maroden Kauleiste empfangen, ist es für Unternehmensberatungen besonders imagerelevant, die eigenen Unternehmensentscheidungen auch im Marketing möglichst um- und weitsichtig zu fällen.

Nun löst sich der in vielen Print-Ads verwendete Auspruch “We know what it takes to be a tiger” sicher nicht so auf, wie Accenture ihn ursprünglich verstanden wissen wollte. Und im Gegensatz zu Zeiten, zu denen man einfach Plakate wieder abhängen, Kampagnen wirksam stoppen und vieles schnell aus dem Sichtfeld der Kunden entfernen konnte befinden wir uns nun im Web, welches nicht so einfach porentief löschbar ist.

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9 Kommentare

  1. leo

    hallo,

    verwunderlich finde ich das gillette nach wie vor mit tiger (zwar als animierte figur) wirbt. auf comedy central läuft der spot rauf und runter. jedoch hat meiner meinung nach das neue bad boy image von tiger nicht einmal so negative auswirkungen auf ein männerprodukt.

  2. JMK

    Dass es von Accenture unklug war auf eine, nun ehemalige Ikone zu setzen ist unbestritten, warum sollten nun gar Accentures Image oder gar Arbeitsplätze auf dem Spiel stehen. Werbeempfänger können ganz zwischen Unternehmen, Image und Werbeclips unterscheiden. Durch Woods’ Ausfall wird Accenture wohl nicht einmal messbare Umsatzeinbrüche erleiden. Lediglich eine neue Marketingstrategie steht nun an, die nochmals Geld und Ressourcen verschlingt.

  3. Patrick Breitenbach

    Sehe ich wie JMK.

    Es wird sogar das Gegenteil eintreffen, Accenture wird noch bekannter und da sie sich gleich sauber und schnell trennen behalten sie ihren moralingetränkten Saubermannanstrich.

    Die Marke hat – wenn sie weiterhin aalglatt sein will – alles richtig gemacht.
    Das kostet jetzt wieder jede Menge Geld, aber wahrscheinlich auch nicht viel mehr als soeiso eine neue Kampagne mit dem Tiger.

  4. Accenture und das Problem des Imageschadens « LOGOLOOK

    [...] Eigentlich arbeitet das Unternehmen weltweit als Managementberatung, Technologie- und Outsourcing-Dienstleister für Industrie und den öffentlichen Sektor. Und bis dato hatten sie auch nie Probleme. Sie machen einen vernünftigen Job, hatten keine negativen Nachrichten in der Presse und eine bis dato super und vorbildliche Werbeikone! Aber genau das ist jetzt das große Problem. Roland kühl von Puttkamer, bekannt durch den Werbeblogger schreibt dazu, Accenture: Das Spiel mit dem Tiger [...]

  5. Britta Stahl

    Ehrlicherweise muss man zugeben, dass ja nur allein deswegen so ein Skandal gemacht wird, weil der Tiger im öffentlichen Leben steht. Machen das andere, kräht kein Hahn danach. Hier kann man mal in aller Deutlichkeit sehen, dass so ein Saubermann-Image nur künstlich hergestellt ist und nichts mit der realen Welt zu tun hat.

  6. derherold

    Die Frage sollte doch zunächst sein, warum Accenture mit Tiger Woods warb.

    Nach Meinung des publizierenden Managers von John Hancock, d´Alessandro, befriedigt(e) “Golf” mehr das Promi-Bedürfnis div. Wirtschatsverantwortlicher als das eine Verknüpfung große positive Wirkung für das eigene Unternehmen realisierte.

  7. Kalliey

    @Britta Stahl

    Sehe ich absolut genauso. Kein Mensch ist perfekt und schon garkeiner der so im Rampenlicht steht. :)

  8. Kollaborative Kommunikation | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Kollaborative Kommunikation

    [...] Regel völlig unsinnigen Welt des Celebrity Endorsement — in der es, oh Wunder!, immer wieder böse Überraschungen gibt. Und in Japan, dem Land der Split Accounts, ist es sogar in der Regel kein Problem, daß [...]

  9. Peta plädiert für Kastration. Mit Tiger Woods. | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Peta plädiert für Kastration. Mit Tiger Woods.

    [...] Accenture und andere hatten ja schon auf die weiteren Dienste von Tiger Woods als Werbefigur verzichtet, andere wie Nike stehen nach wie vor wie ein Mann zu ihm. [...]

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  • Brian: Der Titel ist genial. Danke :).
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