02:27 Uhr
Auf der falschen Liste?
Rebel Virals haben ihre Weihnachtsgrußkarte herausgebracht, die Rebel Christmas Card 2009, und es will mir nicht gelingen, sie lustig zu finden. Ich bin nicht zimperlich in diesem Sinne und ein großer Fan sowohl von Don Siegels ’71er Klassiker Dirty Harry als auch von 24. Und ich habe auch kein Verständnis für ritualisierte Beschwerden von der Sorte, daß Blutiges „nicht in die Weihnachtszeit gehöre“, insbesondere nicht von Seiten derer, die meinen, daß blutige Folter und Hinrichtung statt dessen in die Frühlingszeit gehören, aber dann tagelang und pausenlos auf jedem öffentlichen Kommunikationskanal.
Aber jenseits erzählerischer Zusammenhänge, die ja auch oft die implizite Aufforderung zur Kritik und/oder Reflexion beinhalten, empfinde ich den spielerisch-verspielten Umgang mit Folter in werblichen Zusammenhängen als problematisch. Und die Grußkarte ist ja nicht bloß ein Weihnachtsgruß, sondern ganz offensichtlich als viraler Spot für die eigenen viralen Dienstleistungen konzipiert, was den Retweets nach zu urteilen auch genau so verstanden wird.
Hier ein weiteres vorweihnachtliches Exemplar, aus Portugal:
Superbock—A Tortura
“It is impossible to resist an authentic taste!”
Und gleich noch eins — das Thema Verhör/Folter ist diese Weihnachten mächtig in Mode — aus Griechenland, zwar völlig unblutig, aber so bescheuert, daß die Folterleistung aufs Publikum überspringt:
Vielleicht liegen mir auch, mit all unseren regierungssanktionierten Folterskandalen in den letzten Jahren, bei diesem Thema zu sehr meine neopragmatisch trainierten Nerven blank, gut möglich.
Ich frage mich, wie ihr das seht.
8 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 16. Dezember 2009 um 11:48 Uhr
Die Grundidee wurde schon IIRC fünf bis sechs Jahren auf toostupidtobepreside... (inzwischen leider offline) als politischer Flash-Cartoon verwendet (die Fragen kamen dabei von John Ashcroft).
Am 16. Dezember 2009 um 12:47 Uhr
Also ich finde die “Karte” von den Rebel Virals schon sehr geil, dann geht das Niveau aber relativ schnell in ungeahnte Tiefen.
Am 16. Dezember 2009 um 12:54 Uhr
@Mr Grudenko Oh, Ashcroft. Den Namen hatte ich so erfolgreich verdrängt, daß er mir nur noch in den Sinn kommt, wenn ich die Worte “Eagle” und “soar” höre. Schade, daß der Flash-Clip nicht mehr zu finden ist.
Am 16. Dezember 2009 um 20:50 Uhr
Erinnert mich irgentwie an “die Geister die ich rief” mit Bill Murray, wo der als böser Fersehmogul auch Gewalt in der Weihnachtszeit verbreitete…
Am 16. Dezember 2009 um 21:36 Uhr
@Gerdchen Als Francis Xavier Cross, ja der war klasse.
Am 17. Dezember 2009 um 11:20 Uhr
Folter gehört für den Zuschauer nicht in einen Zusammenhang mit Komik. Das haben schon viele Dramatiker festgestellt, dass sie ihrem Publikum nicht etwas Grausames zeigen können und einen Bruchteil einer Sekunde später etwas Komisches. Sobald ein wenig Zeit dazwischen verstreicht, sieht es anders aus.
Am 17. Dezember 2009 um 13:18 Uhr
@Gerdchen: guter Film. Wir sollten uns jedoch (frei zitiert) nicht auf diesen Film freuen, wir sollten panische Angst haben ihn zu verpassen!
“Saurer Regen. Drogensucht. Internationaler Terrorismus. Autobahnmörder. Jetzt ist es mehr denn je Zeit sich der wahren Bedeutung von Weihnachten bewusst zu werden. Versäumen sie nicht Charles Dickens unsterblichen Klassiker SCROOGE. Ihr Leben könnte vielleicht davon abhängen.”
Am 18. Dezember 2009 um 11:57 Uhr
[...] Weihnachtsgruß ins Netz gestellt, und dieser polarisiert wohl ein wenig. Zumindest findet der Werbebblogger diesen nicht lustig. Ich bin mir jetzt auch nicht sicher, ob ich bei der Beurteilung das Wort [...]