16.12.09
13:53 Uhr

„Abstruse Fantasien von spätideologisch verirrten Web-Kommunisten“

Und welche Phantasien meint Springer-Chef Mathias Döpfner in einem Interview mit dem Manager Magazin, das am kommenden Freitag im Zusammenhang mit dem „Paid Content beim Abendblatt“ und seinen Irritationen in der Print-Ausgabe erscheinen wird?

Nun, es sind diese:

In scharfer Form wendet sich Döpfner gegen die Forderungen, nur Gratisinhalte im Internet anzubieten: Dies seien „abstruse Fantasien von spätideologisch verirrten Web-Kommunisten“.

Forderungen, nur Gratisinhalte im Netz anzubieten?

Die Mutter aller Strohmänner, aber nun ja, es ist halt Springer. Und das Thema Netzneutralität scheint in letzter Zeit bei solchen Erklärungen auch unermüdlich und bedrohlich mitzuschwingen wie eine Bordunquinte. Und damit die Mutter nicht so allein ist, wird der Vater aller Strohmänner auch gleich ausgepackt:

Google habe eine Marktmacht erreicht, „gegen die sich Rockefeller wie ein harmloser Kioskbesitzer“ ausnehmen würde, so Döpfner: Aber „es kann nicht sein, dass die dummen Old-Economy-Guys für viel Geld wertvolle Inhalte erstellen und die smarten New-Technology-Guys sie einfach stehlen und bei ihren Werbekunden vermarkten.“

Vierte Gewalt, my behind. (Siehe zu dem Thema auch Tims Kommentar.)

Aber bevor das gesamte Interview erschienen ist, möchte ich mir dazu nicht die Finger wundschreiben. Als eine gute Einführung zur Kritik der reinen Presse empfehle ich Stefan Niggemeiers „Aussichtslos, selbstmörderisch, unverschämt“.

Kurzkontrast:

„Wer an Eigenrecherche und Autorenintelligenz spart“ [warnt Döpfner], säge an dem Ast, auf dem er sitze. Es sei keine Antwort auf die Herausforderungen, „wenn man Selbstmord begeht aus Angst vor dem Tod“.

Anscheinend glauben die Verantwortlichen beim „Abendblatt“, die Redensart vom „Selbstmord aus Angst vor dem Tode” sei keine Warnung, sondern ein Ratschlag.

Schöne Neue Pressewelt.

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9 Kommentare

  1. Roland Kühl-v.Puttkamer

    Niemand fordert von Axel Springer, seine Inhalte gratis anzubieten. Es ist ein Markt und jeder kann teilnehmen und sich dem journalistischen Wettbewerb mit entsprechenden Angeboten stellen. Wo ist das Problem, Herr Döpfner?!
    Zum Leistungsschutzrecht allerdings gibt es etwas mehr zu sagen, ebenso wie zu einer ggf. marktbeherrschenden Stellung von Google, die durchaus ein Thema sein kann, aber sicher nicht, um Staatsprotektionismus für Marktversäumnisse der deutschen Verlage einzuführen.
    werbeblogger.de/2009...

  2. Vroni

    In der Tat ein Strohmann-Argument, dass “Gratis” eine unumstößliche Forderung im Netz sei.

    Es ist jedoch auch so: Es gibt eine gewisse Historie im Netz, die kann man nicht leugnen. Wenn Märkte/Gemeinschaften es gewohnt sind, dass es die Dinge “umsonst” gibt, dann ist der Weg, etwas anderes einzuführen, steinig. Nicht ohne Grund gibt es den Grundsatz für Branchen, sich nicht mit allzuviel Rabatten dermaßen nach unten zu kegeln. Denn bleibt man als Anbieter dann unten und das Tief kommt hinter Schleswig-Hostein mit dem Hintern nicht mehr hoch. Gar nicht mehr.

    Das Internet – weiland Usenet – hat(e) eben andere Basis-Traditionen als ausgerechnet hochlukrative Bezahlmodelle.

    Dass die Schreib- und Recherchequalität nach oben müsse, das ist allerdings zu begrüßen. Nur wie will BILD das bewerkstelligen? Ausgerechnet die BILD ist nicht gerade im Generalverdacht der Edelfederey. Da schreit der Teufel nach dem Weihwasser.

  3. andré

    Autorenintelligenz. Springer-Verlag!

  4. schmitz

    ich werde meine Webseite für Verlage sperren.

  5. Roland

    @schmitz: Du hast den Werbeblogger-Kurzkommentar des Tages ;-)

  6. J. Martin

    LOL!!!!

  7. vera

    pöh, döpfner. alte männer mit kugelschreibern. ich hab das problem schon längst gelöst.
    abgesehen davon, ist es langsam an der zeit, die netzneutralität mal in einer breiten öffentlichkeit zu diskutieren. das kommt nämlich garantiert als nächstes, und wenn das wieder gehandhabt wird wie bei zensursula, sehe ich rabenschwarz.

  8. peter

    ist doch alles sehr stringent. selbst keinen bis wenig durchblick haben, den leser/user (manchmal auch kunde genannt…) für dumm halten, auf beleidigt-bornierte art und weise exclusivität suggerieren und bezahlmodell einführen, bei dem die google-hintertür weit offen steht und diejenigen die fürs abo bezahlen auch noch für dumm verkauft werden.

    ehrlich gesagt freut mich diese offensichtliche realitätsverweigerung schon wieder, da sie hoffentlich der breiten masse (wenn sich denn mal ein paar populärmedien in print und tv der geschichte annehmen…) vor augen führt, wie unfundiert die google-kritik der verlage eigentlich ist. und nichts wirkt einprägsamer als ein beispiel, in dem leuten für etwas geld aus der tasche gezogen wird, was andere mit einem wirklich billigen völlig legalen trick umgehen.

    ich finds super.

  9. iPad, shmiPad (Update): Die Welt als Mogelpackung | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » iPad, shmiPad (Update): Die Welt als Mogelpackung

    [...] Döpfner sich und den Springer-Verlag — mit der iPad-App für Die Welt als Blasebalg — traditionsgerecht auf und erklärte Charlie Rose, wie im Zeitalter der Neuen Medien erfolgreich Zeitungen [...]

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
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