01.12.09
18:44 Uhr

Der selbst-induzierte Microsoft Abwärts-Loop

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Irgendwie hat mir die Geschichte mit Microsoft und einfach-clara keine Ruhe gelassen – dabei aber vor allem der Microsoft-Aspekt und die -Heritage.

I – Warum nur reagieren wir so allergisch, wenn Microsoft uns ‚hinters Licht führen‘ will?

01 Grundsätzlich reagieren wir so, wenn wir überhaupt hinters Licht geführt werden.

02 Echauffiert sind wir, wenn wir merken, eine Marke oder ein Unternehmen gar will uns für dumm verkaufen.

03 Wir sind aber noch ein gerüttelt Maß empörter, geschieht es durch ein Unternehmen, das schon einen wahren Track Record in dieser Disziplin hat.

04 Erschwerend kommt dann natürlich noch die David vs. Goliath Geschichte durch Apple hinzu, in der der Kleine fertiggemacht werden soll.

05 Und als ob das noch nicht reiche, ist Microsoft nicht ein normaler Multinational, sondern einer der weltgrößten Monopolisten.

Kein Wunder also, daß bei Noah Briers brandtags die folgenden Tags am höchsten scoren (Auswahl, in alphabetischer Reihenfolge):

big … bill gates … boring … computers …corporate … crap … evil … gates … giant … lame … microsoft … money … monopoly … office … pc … shit … software …sucks … windows … word …


II – Ist denn alles nur schlecht, was Microsoft macht?

Nein, nicht per se. Man schaut es sich an, gibt ihm eine Chance, hat jedoch inzwischen verdammt wenig Geduld. Zu oft schon wurde man enttäuscht. Zu oft hört man von anderen, die ebenfalls enttäuscht wurden. Zu oft tritt MS wieder und wieder ins Fettnäpfchen.
Schade eigentlich für einen solchen Konzern, der Gottweißwas bewegen könnte, mit seinem Geld und seinen Ressourcen.

Das gebrannte Kind scheut das Feuer, und wir warten immer länger ab, ehe wir ein neues MS-Produkt kaufen – wenn wir nicht längst zu Apple oder Linux gewechselt haben. Immer länger mißtrauen wir, immer akribischer suchen wir ersteinmal nach Fehlern, Fallen und Tricks.

Kann man uns das verdenken? Nein, das ist purer und notwendiger Selbstschutz. Wir sind ja nicht die Heilsarmee.

III – Hat Microsoft überhaupt eine Chance, jemals dieses Image abzustreifen? Warum macht Microsoft immer wieder die gleichen Fehler? Warum verfestigt es mit nahezu jeder Aktion dieses Image?

Ganz einfach: MS weiß, wie wir denken! Es weiß, was wir von ihm halten. MS ist davon überzeugt, daß es mit uns nicht mehr auf direktem Wege kommunizieren kann, weil wir der Meinung sind, MS wolle uns wiedermal etwas unterjubeln, uns hinters Licht führen, uns benachteiligen.

Und das einzige, was ihnen dazu einfällt, ist, wieder nur auf Umwegen und durch die Hintertür (heiße sie nun Seinfeld oder Clara) mit uns zu kommunizieren.

Das ist der Microsoft-Loop, der Teufelskreis, die Endlos-Schleife, Microsofts Murmeltier-Tag, den es anscheinend noch nicht oft genug durchlebt hat, um zu begreifen, daß es nur eine Möglichkeit gibt, ihm zu entfliehen: … (Ihr kennt ja den Film).

(Auch eine starke Agentur mit Rückgrat könnte beim Durchbrechen dieses Teufelskreises helfen! Aber das, was diese Agentur zu sagen hätte, will Microsoft nicht hören. Also wählt es Agenturen und Berater, die denken und handeln wie MS. Das aber ist keinesfalls die Lösung!)

Nur Microsoft selbst kann sich aus dem selbst-induzierten Microsoft-Loop befreien!

Schlagworte (Tags):

13 Kommentare

  1. Simone

    Mein Fazit: Mich würde es nicht wundern, wenn wir nach solchen Reaktionen die nächsten 500 Jahre mit bombardierender Plakatwerbung leben müssen, schade. Das was hier vorgeht macht MICH sprachlos aber JerikoOne hats auf Twitter schon zusammen gefasst: „JerikoOne Man könnte diese Einfach Clara Sache auch einfach ignorieren – aber das wäre ja zu einfach, deutsche Blogger müssen ja unbedingt draufhaun.“ Gute Nacht.

  2. Armin

    Und welche brand tags stehen bei Apple (von einigen der Standards wie Computer und aehnlichem mal abgesehen)?

    pretentious, awesome, overrated, expensive, annoying, creative, innovative, white, trendy

    Das mag ein kleines bisschen besser sein, aber ueberzeugen tut mich das auch nicht.

    Disclosure: Ich bin Windows-Benutzer auf einem langweiligen Dell-Laptop. Ich bin gerne uncool. Ich finde Leute laecherlich die in ihrer „Think different“ Welt genauso uniformiert wie alle anderen „Think different“-Protagonisten rumlaufen (oh, guck mal, weisse Kopfhoerer), alle so ziemlich das gleiche gut/schlecht finden und dabei noch nicht einmal merken wie uncool sie ebenfalls sind.

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @Simone: Ich habe es ja schon im Podcast gesagt. Aus meiner Sicht sollten wir die Initiative von Microsoft, sich dem wilden Social-Media-Leben nähern zu wollen, grundsätzlich erst einmal positiv zu bewerten.
    Methodische Hänger in einzelnen Kampagnen will ich da -jedenfalls bei der Clara-Nummer- auch nicht überbewerten, zumal in diesem Fall vmpeople sich direkt der Kritik gestellt und entsprechend gehandelt hat.
    Unabhängig von „Clara“ ist es andererseits in der Tat so, dass Microsoft´s werbliche Kommunikation und Markenentwicklung wohl nicht nur auf mich als Verbraucher ziemlich -sagen wir mal- durcheinander wirkt.

  4. Britta Stahl

    Problematisch für MS ist wirklich, dass sich viele Fehler und ein schlechtes Denken in den Köpfen der Nutzer manifestiert haben. Das Glück dieses Monopolisten sind eben das Monopol und damit verbundene Kooperationen, die dafür sorgen, dass die Produkte weiterhin große Verbreitung finden. Und für Aufnahme und Weiterverbreitung der Negativkrititk sorgen. Naja, und aus diesen festgefahrenen Kreisen wieder herauszukommen wäre auch für eine starke Agentur eine große Herausforderung.

  5. Blotto

    Microsoft hat neulich mit Ernie von Stromberg geworben, was macht dieser Ernie? Dreht völlig ab und versucht sich im Auto zu vergasen.
    Nicht so geschickt gelöst…

  6. Roland Kühl-v.Puttkamer

    In diesem Kontext durchaus passend, was Olaf Storbeck zu „trägen Marktführern“ niederschreibt:
    handelsblatt.com/pol...

  7. Tobias

    Oh Mann,

    frage mich, wie man sich persönlich so angegriffen fühlen kann. Microsoft sponsort ein Social-Media-Projekt, welches ich persönlich interessant und gut gemacht finde. Schlimmere Spektakel haben auf diesem Planeten statt gefunden. Über Microsoft zu schimpfen, anstatt auf die Inhalte zu schauen, ist keine analytische Meisterleistung.

  8. Nici

    Seit wann ist Microsoft ein Monopolist?
    Betriebssysteme gibt es doch „wie Sand am Meer“. Nur weil ein Großteil der Rechner auf unserem Planten mit MS Systemen laufen, hat Microsoft nun wirklich alles Andere als ein Monopol.

  9. ralf

    @tobias
    Ich glaube gar nicht, daß sich hier jemand persönlich von Microsoft angegriffen fühlt.
    Und gerade in obigem Text geht es um die Abstraktion vom aktuellen Projekt und um die Frage, warum viele Menschen bei Microsoft-Aktivitäten ersteinmal zucken.

    Unabhängig davon haben MS und Agentur doch durch Nachbesserung die Kritik akzeptiert. Langfristig ist es viel sinnvoller zu solchen Projekten zu stehen und die Fans offen für sich zu gewinnen.
    Ein guter Start, ein langer Weg (murmeltier-tag-mäßig).

  10. Philipp

    Ich finde, dass Microsoft sich in den letzten Jahren so dermaßen gebessert hat – das Darth Vader-Image von Windows 98 Zeiten ist über die Jahre immer positiver geworden (Vista war da noch mal ein Einbruch). Auch die Reaktionen auf Entwicklungen in der Netzgemeinde gehen mittlerweile schnell und unkompliziert: heise.de/open/meldun...

    Das hier dargelegte Auftreten ist mE noch ein Festhalten an einem festgefahrenen Klischee.

  11. ralf

    Ja, ich denke, es braucht eine lange Zeit, bis man als Marke solche Dinge abschütteln kann. Jeder neue Punkt weckt wieder die Erinnerungen.
    Aber ‚Clara‘ – nach ein wenig Reibung – kann jetzt durchstarten, oder?

  12. BrothelPianist

    Microsoft ist gefangen in Corporate Thinking.
    Und das braucht heute kein „Verbraucher“ (Mensch – sic!) mehr.

  13. ralf schwartz

    Microsoft macht sich gerade wieder Freunde!
    blog.fefe.de/?ts=b5e...

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  • Tom: Aus meiner Erfahrung kann ich sagen, dass ein guter Texter oder auch Grafiker meistens besser verdienen als bei gehalt.de geschrieben....
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  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
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