15:50 Uhr
Noch Journalist oder bald PRler?
Die Krisenzeit in der Verlagsbranche lässt so manche Journalisten bei Fragen über ihren zukünftigen beruflichen Weg ins stille Gebet gehen. In dem Maße, in welchem die Verlage ihre Redaktionen ausdünnen, wächst nicht ganz zusammenhanglos zudem die Nachfrage nach Journalisten, die sich für die bezahlte Öffentlichkeitsarbeit eines Unternehmens oder einer Organisation einstellen lassen.
Laut ZAPP kommt auf jeden zweiten Journalisten schon ein PRler. Damit hat die PR einen “dominierenden Einfluss auf die Konstruktion von Öffentlichkeit” (Zitat Thomas Leif im Beitrag des Zapp Medienmagazins), und nicht immer ist es selbstverständlich, dass PR mit “offenem Visier” agiert. Der Deutsche Rat für Public Relations (DRPR) setzt zwar auf eine freiwillige Selbstkontrolle bei Fragen der verdeckten PR und schön formulierte Statuten; es bleibt allerdings fraglich, welche selbstregulierende Wirkung eine im “medialen Nachhinein” durch die DRPR erteilte Rüge tatsächlich auslöst.
Weiterhin sind Kampagnenformen von Public Relations im partizipativem Web der “sozialen Medien” zunehmend auch Mischformen von viralem Marketing, beauftragtem bzw. inszeniertem Storytellings oder kommerziell angeschobener “Mundpropaganda”, bei der der medial involvierte Konsument als zentraler (viraler) Kampagnenbestandteil auch einmal in die Irre geführt oder über die kommerziellen Motivstränge im Unklaren gelassen werden soll.
Schmal ist der Grat, auf dem PRler und “Werber” wandern. Einerseits lösen sich die alten Mechaniken zur Aufmerksamkeitsschaffung mehr und mehr auf, andererseits darf und muss ein Agenturkunde natürlich von professionellen Dienstleistern grundsätzlich erwarten, dass die an die Kommunikations-Dienstleister beauftragten Kampagnen auch eine Aufmerksamkeitsschwelle überschreiten.
Eine immer zentralere Rolle erhält in diesem Kontext die Beratungsaufgabe einer Agentur bzw. Beraters. Es gilt, öfter einmal “Nein” zu sagen bei allzu forschen Forderungen der eigenen Kunden, deren Vorstellungen vielleicht Aufmerksamkeit schaffen könnten, aber zugleich eben nicht positiv auf das Markenbild insgesamt einzahlen. Vor allem dann, wenn die Menschen und potenziellen Kunden erfahren, wie sie gelegentlich an der Nase herumgeführt werden.
Im ungünstigsten Fall ist die Agentur natürlich den Kunden los, was sich nicht jeder Kommunikations-Dienstleister in wirtschaftlich schwierigeren Zeiten leisten will und kann.
Bericht des ZAPP Medienmagazins vom 30.11.2009:
7 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 30. November 2009 um 16:59 Uhr
Man sollte bei aller Liebe zur fachlichen und inhaltlichen Trennung von Werbung, PR und redaktionellen Kompetenz immer bedenken: Der Nutzer ist mittlerweile mündig geworden und trägt durch sein eigenes Verhalten in Social Media viel zu der öffentlichen Wahrnehmung von Marken und Markenbotschaften bei. Nutzer besitzen meiner Meinung nach genügend Selbstdisziplin, um zwischen werblich-kommunikativen und objektiv-informativen Inhalten zu unterscheiden. Gewiss mag dies nicht auf alle Schichten der Bevölkerung zutreffen, und ältere Generationen werden diesen schmalen Grat noch nicht als klare, rote Linie erkennen. Übung macht aber bekanntlich den Meister.
Ach, der Vollständigkeit halber gesagt – nun bin ich zwar der PR verschrieben, einen verdeckten Lobbyisten stelle ich aber nicht dar. :)
Am 30. November 2009 um 19:34 Uhr
Hi Mike, hilf mir mal auf die Sprünge: anhand welcher eindeutigen Zeichen (außer ‘Anzeige’, ‘Werbung’, etc. über dem Artikel oder am Bildschirmrand) kann man “werblich-kommunikativ” von “objektiv-informativ” unterscheiden?
Ich stehe da selbst auch immer ein wenig auf dem Schlauch.
(Man könnte fast ein Gesellschaftsspiel draus machen ;-)
Am 30. November 2009 um 22:47 Uhr
Wer ist jetzt wohl abgestumpfter, die die sich die Medien reinziehen oder doch die die sie machen!?
Sind wir doch mal ehrlich um so spektakulärer um so besser. Ich weiß echt nicht wem man den “schwarzen Peter” zuschieben kann.
Am 1. Dezember 2009 um 09:24 Uhr
@Ralf – Eindeutige Zeichen sehe ich keine. Mir ging es vielmehr um Tonalität, Aufmachung und inhaltlicher Darstellung eines Artikels. Das ist natürlich meine persönliche Einschätzung, aber ich erkenne relativ häufig, ob sich hinter einem Artikel ein inhaltlicher Mehrwert oder reine Werbung versteckt – auch ohne die kleine Kennzeichnung am Rand/Ecke.
Dennoch bin ich fest davon überzeugt, dass z.B. ein Print-Artikel zum Thema “Hautcremes”, wo ein spezielles Produkt hoch gelobt wird und andere Produkte unter den Tisch fallen, durch den Leser eindeutig werblich empfunden werden kann.
Gut, als Medienmensch hat man da vielleicht ein Auge für. :)
Am 1. Dezember 2009 um 14:37 Uhr
Na, dann hab ich Dich zwischen den Zeilen doch richtig verstanden. Thx.
Am 2. Dezember 2009 um 16:34 Uhr
[...] Nicht nur kann die Wirtschaft nur funktionieren, wenn Produkte verkauft werden, und Produkte nur verkauft werden, wenn Menschen auch wissen, daß es sie gibt. Nein, viele fundamentale gesellschaftliche Instanzen und Institutionen sind darüber hinaus vollständig abhängig von der aktuellen Gesundheit und Überlebensfähigkeit der Werbewirtschaft als „Meta-Werbung“ — und wenn die am Tropf hängt, sind die Instanzen und Institutionen gleich moribund. Wofür das beste und aktuellste Beispiel die Presse ist. Und welche Medikamente werden hier verabreicht? Dreimal darf geraten werden. [...]
Am 13. Januar 2010 um 23:40 Uhr
[...] verloren haben und Social Media an ihre Stelle treten, bemängeln andere wie der Werbeblogger, dass im Social Web die Trennung zwischen Werbung und User generated content immer schwieriger [...]