25.11.09
12:29 Uhr

Schmaler Grat, großer Graben: Einfach Clara und Windows 7

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Bei der „Viral“-Metapher für Kampagnen speziell im Social Web ist oft nicht völlig klar, wie sie gemeint ist. Steht die rasend schnelle Verbreitung von Inhalten im Vordergrund oder das Überlisten unseres Immunsystems gegen Werbung und PR? Je stärker letzteres ausgeprägt ist, um ersteres zu befördern, desto eher entsteht Irritation. Irritation aber nicht nur auf Seiten ahnungsloser Virenträger und -verbreiter, sondern auch für die Marke, die hinter der Viralkampagne steht. Selbst wenn es gelingt, das Produkt nachträglich über den selbstangelegten Graben springen zu lassen für seine Verheiratung mit dem viralen Inhalt: Kann es der Marke gut tun, in der initialen Kampagnenphase inkognito unterwegs zu sein und dabei auf dem schmalen Grat zu balancieren zwischen Viral und Astroturfing?

Diese und weitere Fragen sprechen wir in unserem Podcast zum aktuellen Thema www.einfach-clara.de an, der Social Media-Kampagne von vm-people zum Launch von Microsofts neuem Betriebssystem Windows 7, die mehr mit der zweiten als mit der ersten Viral-Komponente an den Start ging und für genau solche Irritationen sorgte. Als Gäste begrüßen Roland und ich zum einen Amos, Head of Creation bei vm-people, und Djure Meinen, den Kopf der „Werkstatt für Netzkommunikation“ 50hz.

Enjoy!

EDIT 27.11.09 01:05
Leseempfehlungen: Djure Meinen hat das Thema “Clara Einfach” und seine zahlreichen losen Enden in seinem Beitrag „Von wegen Clara: Microsoft auf Virus“ auf 50Hz noch einmal ausführlich aufgegriffen, und der Kommentarbereich beginnt sich ebenfalls zu füllen. Und nicht bloß tangential berüht das Thema auch Don Alphonso in seinem Eintrag „Die Stöcke in den digitalen Ärschen“ auf der Blogbar.

Interessante (und zuweilen amüsante) Links zum Thema:

ClaraEinfach, der YouTube-Channel zu Einfach Clara
Dobschat zum Diskettenlaufwerk
Martin Buss zum “crystal clear effect”

Schlagworte (Tags):

12 Kommentare

  1. 50hz

    Zunächst mal Lob und Anerkennung in Richtung vm people, sich der Kritik zu stellen. Ein paar grobe Schnitzer wurden zudem schnell behoben. Meine Zweifel an der Kampagne bleiben jedoch. Für Unbedarfte ist allenfalls auf den Dritten Blick zu erkennen, dass es sich um Werbung handelt. Gerade im Blogumfeld darf das meines Erachtens nach nicht sein. Auch die Rolle der Interviewpartner ist schwammig. Warum reden die mit einer Schauspielerin (Clara) über Absurdistan? Das macht doch ernsthaft niemand einfach so? Es sei denn, man stellt es als ideelle Leistung für ein tolles Kreativprojekt dar. Aber ohne Gegenleistung für Microsoft.
    Im Podcast werden ja „Shifts“ und Nachbesserungen in Aussicht gestellt. Man darf gespannt sein.

  2. Amos

    Hallo!

    Von meiner Seite möchte ich mich auch dafür bedanken, dass ich den Grundgedanken hinter der Inszenierung im Gespräch darlegen konnte. Wie gesagt: wir sehen das als dynamischen Prozess und wir werden versuchen, alle Anmerkungen zu berücksichtigen und einfliessen zu lassen. Auch im weiteren Verlauf der Geschichte bin ich für jede Form von Dialog offen. Wer möchte, kann mich direkt kontaktieren (twitter.com/amos_vm) oder sich im Rahmen der Inszenierung an die Diskette (die Metaebene der Kampagne, ergo: ich) wenden; twitter.com/floppy_disk

  3. Links anne Ruhr (26.11.2009) » Pottblog

    […] Microsoft: Schmaler Grat oder: Eine Viralkampagne für Windows 7 (Werbeblogger) – Momentan macht Microsoft mit einer viralen Kampagne rund um "einfach Clara" von sich reden. Im Werbeblogger-Podcast wird darüber von Machern und Kritikern diskutiert. […]

  4. 50hz – Werkstatt für Netzkommunikation » Blogarchiv » Von wegen Clara: Microsoft auf Virus

    […] bei vm people natürlich anders. Sie haben – vertreten durch Amos – gestern im Werbeblogger-Podcast versucht, die Kampagne zu erklären und zu rechtfertigen. Nur teilweise befriedigend, wie ich […]

  5. Amos

    Um das auch hier nochmal zu erwähnen:
    Wir haben Euer Feedback berücksichtigt
    (Ja. Das kann auch mal endlos lange 24 Stunden dauern)
    und alles zu diesem Thema findet sich nun hier:

    einfach-clara.de/beh...

    Wie gesagt. Wir sind für jede Form von Dialog offen.
    (Naja. wüste Beschimpfungen unter der Gürtellinie
    finde ich eher unangebracht)

    Amos

  6. mediaclinique | ralf schwartz

    Einfach schala Nachgeschmack oder Microsofts Kampagnen-Kollateralschäden…

    Der Elephant aus Redmond wird wieder mal vom Teufel durch den Porzellanladen geritten – als ob nicht schon genug zu Bruch gegangen wäre bei den vergangenen Kampagnen- und Kommunikations-Versuchen des Software-Monopolisten. Eines wissen wir nun zumindes…

  7. Noch Journalist oder bald PRler? | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Noch Journalist oder bald PRler?

    […] Web der “sozialen Medien” zunehmend auch Mischformen von viralem Marketing, beauftragtem bzw. inszeniertem Storytellings oder kommerziell angeschobener “Mundpropaganda”, bei der der medial involvierte […]

  8. Der selbst-induzierte Microsoft Abwärts-Loop | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Der selbst-induzierte Microsoft Abwärts-Loop

    […] hat mir die Geschichte mit Microsoft und einfach-clara keine Ruhe gelassen – dabei aber vor allem der Microsoft-Aspekt und die […]

  9. Thilo

    „Geschichten inszenieren“ ist eine Positionierung. Ok. Eine Geschäftsidee. Warum nicht? Andere behaupten, Joghurt mache gesund, ohne dass man ohne Joghurt Mangelerscheinungen hätte. Die Lüge wird in meinen Augen dadurch nicht besser, dass man dafür Geld bekommt.

    Fraglich ist aber auch, wie ein Softwarekonzern auf die Idee kommt, sein Geld für solche Späßchen auszugeben. Ich habe im Zuge der Vista-Katastrophe jede Menge Zeit und Geld verloren und bin wegen ziemlich viel Nervkram mit Acer/Windows/Debitel-Surfstick nun erstmals seit 2003 wieder auf Mac umgestiegen. Läuft. Ich bin ziemlich glücklich darüber, nichts mehr mit Windows zu tun zu haben.

    Ich würde mein Geld als Softwarekonzern mit diesem Image eher in Usability und Kundenzufriedenheit stecken als in modische PR-Spielchen von Kreativlingen, die sich in UdK-studentischer Manier über marketingphilosophische Fragen die Gehirne verknoten und hochvergeistigt die Realität der Nutzer draußen im Lande wegpriorisieren. Von einer Marketingaussage ausgehen und darauf etwas Fiktionales errichten ist sicher super im Deutschunterricht, aber im Business dabei die Realität zu unterschlagen, ist schon krass. Und mit einem Imageproblem, das aus Usability- und Kundenservice-Problemen herrührt, an der PR-Schraube zu drehen, dürfte auch aus Sicht von IT-Managern oberflächlich sein.

    Schöner wäre es zu hören, was um alles in der Welt diesen Softwarekonzern dazu bringt, an allen Kundenbedürfnissen vorbei digitales Storytelling mit (natürlich, was sonst) einer in Lankwitz Publizistik studierenden Kunstfigur zu betreiben und auch ansonsten irgendwelchen Klischees zu folgen, statt das Geld in die Kundenzufriedenheit zu stecken.

    Mein Eindruck ist, viele Leute draußen jenseits dieser kreativ-feuilletonistischen Theorie (wie muss man drauf sein, um das Wort „semi-invasiv“ zu verwenden?) ärgern sich über Microsoft. Nicht wegen irgendwelcher Fake-Blogs, sondern wegen ihrer Erfahrungen am Rechner, konkret, greifbar, beim Arbeiten, im Alltag. Menschen, deren Mittelpunkt nicht der IT-Bastelkeller ist, sondern die erwarten, dass ein Produkt funktioniert, für das sie Geld ausgeben.

    Die Leute werden sich fragen, weshalb der Konzern sein Geld für Schülertheater ausgibt, statt sich endlich mal zu überlegen, wie man den enormen Schaden mal ersetzen könnte, den die vielen Inkompatibilitäten und Probleme anrichten, die dadurch zustande kommen, dass die Industrie vom Kunden verlangt, sich in die Denkstrukturen der Industrie hineinzudenken und derentwegen ich jetzt wieder Mac-User bin. Ich beispielsweise brauche als Entschädigung für meine Vista-Katastrophe keine Internet-Operetten. Ein paar tausend Euro Schadenersatz für die verlorene Produktivität wären angemessen.

    Dass es in der Podcast-Episode heißt, man wundere sich, dass es „ins Negative geht“, bezeichnet für mich nur die Realitätsferne der Protagonisten in diesem Spiel. Klar geht es ins Negative, wenn man blind ist für die Realität und ihren Widerhall nicht voraussieht. Aber so sind sie halt drauf, die kreativen Jungs. Und wenn ein Konzern ihnen Geld gibt, damit sie sich was ausdenken, dann machen sie das eben. Und dann erzählen sie halt auch kindlich daher, die mangelnde erforderliche Transparenz der Fiktion liege am großen Monitor.

    Wer glaubt sowas? Für allzu viel Weitblick und die Fähigkeit zum Bedenken der Folgen des eigenen Handelns spricht das nicht. Und da fühle ich mich eher wieder an die Denkmuster des Softwarekonzerns erinnert, dessen Produkte ich aus genau diesem Grund des mangelnden Mitdenkens nicht mehr kaufe.

    Darum freue ich mich so über meinen Mac: Ein Gerät, das meinen Bedürfnissen entspricht und nicht umgekehrt. Der Hersteller verlangt nicht von mir, dass ich mich auf ein Gerät mit seinen vielen Unzulänglichkeiten einstelle und dafür Verständnis habe und wie selbstverständlich Stunden mit Basteleien zubringe. Was Apple hier macht, vom Kunden aus denken und nicht vom Ingenieur aus, geht nur mit Empathie. Manche haben sie, sehr viele aber haben sie nicht.

    Und genau diese Empathie fehlt, wenn jemand zu dieser merkwürdigen „Clara“-Klamotte sagt, der Fake sei nicht versteckt, sondern der Bildschirm sei halt zu groß gewesen. Man verkauft die Leute für blöd und geht außerdem noch davon aus, dass sie es sich gefallen lassen.

    Ich bin überzeugt: Marketing, das auf Lügen aufbaut, wird durchschaut.

  10. till1

    thilo: da kann ich nur applaudieren. danke für den ausführlichen kommentar. irgendwann müssen es die unternehmen raffen, auch wenn man es vermutlich leider noch 5 millionen mal sagen muss, bis sie tatsächlich zuhören.

  11. AFlo

    Der Werbeblogger entwickelt sich zur Enthüllungs-Journalisten Site oder Verbraucherschutz^^

  12. Dame

    Hallo Thilo,

    Du hast also tausende Euro Schaden erlitten durch die Katastrophe Vista. Durch die „vielen Inkompatibilitäten und Probleme, die dadurch zustande kommen, dass die Industrie vom Kunden verlangt, sich in die Denkstrukturen der Industrie hineinzudenken“ Findest Du die Aussage nicht ein wenig platt? Das, was Du kritisierst in Deinem Beitrag, machst Du doch selbst. Dazu noch dieses himmelhoch jubeln von Apple. Als wenn es mit Macs nie Probleme gebe. Wieviele Inkompatibilitäten hast Du denn auf der Plattform? Wieviel hardware und Software muss man dort neu kaufen, nur weil mit der neuen MacOS-Version alte Soft- und Hardware nicht läuft?

    An Deiner Stelle würde ich den Ball lieber etwas flacher halten…

    Just my 2 cents

Eure Kommentare

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