16:08 Uhr
Die Pest des digitalen Zeitalters
Geldverdienen auf Knopfdruck oder genauer per Mausklick; für manche business-pubertierende Web-Yuppies ist das der allabendliche feuchte Traum, für andere der Untergang “anständiger” Arbeit.
Fest steht jedenfalls, dass Spam in Zeiten sozialer Netzwerke und Plattformen auch dadurch genährt wird, dass “Märkte Gespräche” sind und diese nun einmal wunderbar im Netz maschinell verfolgt, infiltriert und manipuliert werden können. Email-Spam ist also dabei erst der Anfang. Der Branchenverband Bitkom schätzt, dass rund 90%! aller weltweiten Emails bereits reiner Spam sind.
Social Spam oder was sind meine Freunde wert?
Nun verhält es sich in der Regel bei Spam Emails so, dass Absender und Empfänger sich persönlich unbekannt sind bzw. keinerlei sozialer Konnektor besteht. Ganz anders sieht es da schon im Social Media”-Umfeld aus, das von der hohen und sichtbaren Vernetzungsbreite sozialer Verbindungen, allseits einsehbarer “Lifestreams” und archivierter Netzdialoge wie bei Facebook oder Twitter lebt. Für die Spammer dieser Netzgesellschaften ist der Beziehungsfundus nämlich ein wunderbarer Nährboden, um via Mausklick Geld zu verdienen. John Chow, kommerzieller Netztummler und Blogger “versorgte” seine Twitter-Follower unlängst mit Werbebotschaften und kommentierte lapidar seine letzten Monatseinnahmen für Twitter-Werbung von ca. 3000 US$: “I get paid for pushing a button.”
Selbst Schuld also, wenn man seinem Twitter-Account folgt?! Einfach defollowen und gut ist´s? So einfach ist die Angelegenheit dann aber doch nicht. Meedia verweist auf Paul Carr bei Techcrunch:
Parr ließ sich überreden, an einem Panel zum Thema “marketing within ‘real-time streams’” teilzunehmen und berichtet konsterniert, es gebe eine neue Generation von Marketingleuten, die “ihren Lebensunterhalt bestreiten, in dem sie Werbebotschaften in unsere täglichen Gespräche einschleusen.”
Professionell viral verseuchen
Das Problem ist natürlich nicht, dass bestimmte, einzelne Marketingleute über ihre eigenen Social-Web-Kanäle auf harte Werbegelder aus sind. Diese Anzahl ist überschaubar und sie sind -mit einem gesunden, kritischen Blick- schnell auszumachen. Viel beschädigender ist der Versuch eben dieser Marketingleute, Dienste und Portale zu eröffnen um einer breiten Masse an Webusern anzubieten, ihre eigenen Freundesnetze zu monetarisieren.
Dann doch lieber gleich direkt: 10 Freunde für einen Whopper.
Paul Carr führt bei Techcrunch aus, was sicher nicht nur aus seiner Sicht und nicht nur bei Twitter das Problem ausmacht:
A tweet isn’t a “piece of content”. It isn’t editorial. No matter whether we’re talking about what we’re having for lunch or suggesting a new movie or sharing a piece of news, what we’re really doing is having a good old-fashioned conversation. Following people on Twitter is like organising the world’s largest cocktail party – we’ve decided who’s opinions we trust, and we’ve invited them to come into our homes and talk to us about things they are genuinely interested in. The moment people start screwing around with that principle, the whole system collapses.
Dort liegt für mich auch der Hund begraben, wenn es um degenerative Formen “viralen Marketings” und WOMM (Word of Mouth Marketing) geht. In unserer Branche gibt es einen Haufen Leute, die einen feuchten Kehricht auf Ethikgrundsätze bei WOMM geben. Sie besetzen wegelagernd Dienste und Portale mit ihrem Spam-Modellen unerwünschter und allzuoft nicht deklarierter und transparent gemachter Werbebotschaften unter der “ehrenvollen” Begriffswelt des Social Media Marketings.
Somit gehen auch diejenigen, die ernsthaft interessante und seriöse Werbemodelle entwickeln (wollen), im Sog der ganzen Spam-Seuche unter. Kein Wunder also, dass Twitter (und auch Facebook) jetzt an genau diesem Problem steht.
Twitter will und muss endlich Geld verdienen, aber der “Spam-Verseuchungsgrad” im eigenen Dienst fördert nicht gerade das Vertrauen in kommende (und vielleicht auch interessante) Geschäftsmodelle.
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6 Kommentare
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- J. Martin: @hobbystatistiker Dein Kommentar in Youtube-Qualität — und unter Mißachtung all dessen, was Roland und ich bereits zum Thema...
- hobbystatistiker: Allmählich ist das ein Gadget-und I-irgendwas-Blog und ihr solltet euch Gadgetblogger nennen. Statt Werbeblogger. Das Geplänkel...
- Bastian: Erst mehr oder weniger aufwändig eine eigene Welt & Story erschaffen und dann auf der Microsite doch ganz banal auf die...
- Georg: Guter Artikel! Ich glaube übrigens nicht, dass das Messen des RoI lediglich eine Schwierigkeit bei Social-Media ist. Schon immer gab es...
- Malik: Die Slow-Media Idee ist ja schon ganz gut durchdacht und auch jetzt nichts so revolutionäres. Multitasking ist ja in gewisser Weise auch...
- ralf schwartz: Ich auch. Vor allem sollte man hier die Chance nutzen, den RoI/E zu überdenken und die Erkenntnisse auf die Erfolgsmessung der...
- Micha: @Ralf Ich folge auch Dir, dass das rein Quantitative nicht ausreicht. Aber dieses Problem hat nicht nur Social Media: Wenn durch eine...
- J. Martin: @Six LOL! Deinen Kommentar sehe ich ja erst jetzt, sorry. Genau. An positiven Beispielen fällt mir nur Lurchis Abenteuer ein.

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Am 23. November 2009 um 17:44 Uhr
Das ist wahrlich ein Elend > twitter.com/mediacli...
All diese Typen mit 17-52.000 Followern und einer 26-52 (Geburtsdatum? Anzahl der Versuche?) hinter dem Namen, oder die Girls mit 1 Tweet und offener Hose, etc.
Am 24. November 2009 um 10:30 Uhr
Mal nix gegen Zahlen hinter dem Namen. Das kann auch eine Aussage sein ;-)
Am 24. November 2009 um 11:11 Uhr
Das Internet frisst seine Kinder.
(Ähm, war das jetzt auch Spam…, da platt und fies?)
Am 24. November 2009 um 11:24 Uhr
@ramses101 Fan eines Disney-Films mit einer gleichlautenden Anzahl Tölen? ;-)
@vroni: Platt und fies ist ganz und gar kein eindeutiges Kriterium für Spam.
Und so platt und fies fand ich dein Kurzstatement nun auch wieder nicht. :-)
Am 24. November 2009 um 12:25 Uhr
Schön ist das natürlich nicht, aber im Prinzip folgen auch die so genannten sozialen Medien nur einem Prozess, den jedes Medium durchläuft. Egal ob Buchdruck, Radio, Fernsehen, Internet oder eben Statusmeldung: Wenn Medien Massen zugänglich sind, werden sie einfach “vulgär”. (Wobei man sich auch immer mal wieder fragen muss, wer den eigentlich bestimmt was jetzt “vulgärer” Spam/Content ist und was eben nicht.) Aber damit muss man sich ja nicht abfinden :-)
Am 24. November 2009 um 12:30 Uhr
@Tim: Ja, es ist ein “normaler” Prozess, und nein, man muss sich damit nicht abfinden. Volle Zustimmung :-).