18:49 Uhr
Häusliche Gewalt
Manchmal steckt hinter dem schönen Schein heilen Familienlebens das Grauen. Die Opfer sind nicht selten Ehefrauen und Partnerinnen, aber auch die eigenen Kinder, deren Scham über die Misshandlung und die Angst vor weiterem Terror so stark wirkt, dass sie sich nur schwer jemandem offenbaren können und nach Hilfe suchen. Die Täter können oft über lange Zeit unentdeckt bleiben, was diese Form der Gewalt nur noch verstärkt.
Eine soziale Kampagne mit Namen “Hit the bitch” von “The NGO for Children exposed to Violence at Home” aus Dänemark macht mit harten Bildern und einer interaktiven Microsite nun auf Gewalt gegenüber Teenagern aufmerksam. Da meine Dänischkenntnisse leider absolut rudimentär sind, kann ich nur andeuten, welche Dialoge sich im Laufe der “Battle” entwickeln: Das Mädchen (Bitch) provoziert mit Worten und Gesten, während der User (Gangsta) dieses Mädchen mit einer “virtuellen rechten Hand” schlagen soll.
Über diesen Weg nimmt der Nutzer somit die “Sicht” des Täters ein und kommt an die Kernbotschaft der Kampagne nur, wenn er dieses Mädchen bis zu einem 100% Zähler fortwährend misshandelt. Schon dieser virtuelle Akt ist hart anzuschauen, wird aber durch die Rollenzuweisung “Bitch vs. Gangsta” zunächst moralisch “teillegitimiert”: verbale Attacken eines Mädchens kann ein cooler Gangsta ja nicht auf sich sitzen lassen…
Am Ende (100%) hat der “Gangsta” jeglichen Wiederstand und somit das Mädchen als ganze Person “gebrochen” und nimmt die Auflösung der Kampagne entgegen: 100% Gangsta. 100% Idiot.
Wie so oft bei sozialen Kampagnen für NGOs ist die polarisierende Kommunikation ein elementares Aufmerksamkeitsinstrument. Gerade das Schweigen und das Wegsehen “der anderen” sind oft Gründe, warum den Opfern nicht geholfen werden kann. Außerdem scheint den Machern besonders wesentlich in diesem Problemfeld zu sein, den “Code” des coolen Wannabe-”Gangsta” in Jugend-Gangs zu offenbaren und anzuprangern.
Trotzdem wirkt gerade die Microsite und der Einstieg über das “Gewaltspiel” auf mich wenig gelungen. Zuviele Menschen dürften zudem nicht bis “zum Schluss” durchhalten, um den ganzen Kontext zu erfassen. Außerdem fehlt mir eine internationale bzw. englische Sprachversion, um alles wirklich genau zu verstehen.
Wer also Dänisch spricht und versteht, kann also gerne in den Kommentaren Infos ergänzen, die viele wegen der Sprachbarriere nicht aufnehmen können. Dänen vor!
5 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 19. November 2009 um 00:38 Uhr
wie schlecht kann es noch werden. hätte man vielleicht mit java script abfangen können, wenn jemand den tab schließt und da dann charmant die aktion retten können. aber so kommt der payoff der kampagne gar nicht richtig raus. umsetzung mangelhaft.
Am 19. November 2009 um 14:11 Uhr
Tja, wegen Trafficüberschreitung z.Zt. für Nicht-Dänen gesperrt.
Am 19. November 2009 um 16:29 Uhr
Frauen sind ausschließlich Opfer, Männer sind ausschließlich Täter? Hmm. Na gut, wenn das so sein soll (hab die Seite jetzt
nicht besucht und weiß nicht ob es da differenzierter ist, aber
ist wohl nicht so).
Am 19. November 2009 um 18:56 Uhr
Boah, wie mühselig. Bis ich die Frau feritg verprügelt hatte, verging eine halbe Ewigkeit. Außerdem wurde immer nur die gleiche Animation gezeigt (ob das Absicht ist oder an mir oder dem Interface liegt, kann ich nicht sagen.)
Gerade weil die Botschaft das vorhergehende “Action-game” ins Gegenteil verkehrt, müsste das viel zügiger durchlaufen.
So ist es echt langweilig. Wenn ich zufällig auf die Seite gestoßen wäre, hätte ich mich mit dem Kommentar “kranker Scheiß!” abgewendet. Und nichts von der Botschaft mitbekommen.
Idee: Provokativ, diskussionswürdig
Umsetzung: Miserabel.
Am 20. November 2009 um 04:41 Uhr
[...] hat in seinem gestrigen Eintrag “Häusliche Gewalt” bereits eine Reihe von Einwänden gegen diese Kampagne formuliert, denen ich mich [...]