12:12 Uhr
Kraftfahrzeugparade
Während Autos selbst mich nicht sonderlich interessieren, finde ich Autowerbung immer interessant — und sei es nur deswegen, weil Autowerbung oft so schweinebauchmäßg heruntergeschrubbt erscheint, als handelte es sich um schnelldrehene Produkte (aber vielleicht stimmt das ja inzwischen auch). Ich spiele schon länger mit dem Gedanken, mich einmal hinzusetzen und mir die Zeit zu nehmen, typische und untypische Ansätze in der aktuellen Automobilkommunikation zu kategorisieren, aber ich fürchte, daß das in diesem Jahr wohl nichts mehr wird. Zwei meiner Ansicht nach außergewöhnlich gute Spots hatte ich bereits vorgestellt, den technikbetonten Ansatz von Audi und den Storytelling-Ansatz von Seat. Vor meinem durchaus länglichen Urlaub hatte ich mir drei weitere interessante Ansätze bzw. interessante Umsetzungen bekannter Ansätze vorgemerkt, die ich ebenfalls vorstellen möchte, für Saab, Cadillac und Subaru.
Als Kategorienname für den Saab 9-3X-Spot von Lowe Brindfors, Stockholm, bietet sich vielleicht „Reißbrett-Ansatz“ an. So ganz neu ist der natürlich nicht, und gerade in den Bereichen Umwelt, Klima, Energien gehört er schon fast zum Standardrepertoire (siehe z. B. Gute Kernkraft, böse Kernkraft), aber ich bin nicht der Ansicht, daß Werbung immer nur dann gut sein kann, wenn sie das Rad neu erfindet:
Der zweite Spot, den ich mir vorgemerkt hatte, stammt von Modernista!, Boston, und bewirbt die neuen Cadillac-Modelle TS Sport Wagon und 2010 SRX Crossover sowie den Neustart von General Motors. Dies ist natürlich der gute, alte „Geschwindigkeits-Ansatz“ (auch bekannt unter dem Namen „Wir-haben-den-Längsten“), aber dieser Spot wird thematisch temperiert durch das Aufsetzen auf die Space-Age-Metapher für den Neustart/Aufbruch von General Motors und der U.S.-Automobilindustrie als solcher:
Nett fand ich den Kommentar auf YouTube von “cjlee11968” nach all dem re-invented, re-imagined, reinspired-Bombast, “They forgot to mention ‘re-financed’ with your tax dollars”, der aber relativ zügig von der YouTube-Meute heruntergewertet wurde.
Und als letztes hätte ich noch den “Drifter”-Spot von Leo Burnett, Sydney, für den Subaru Liberty zu bieten. Für den ist mir bislang keine rechte Kategorie eingefallen:
Kategorie? Aussage? Zielgruppe?
Discuss.
;-)
10 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 12. November 2009 um 14:47 Uhr
Saab! Der erste Film ist von/für Saab!
Und ja: Die Kommunikations-Idee muss/kann nicht immer neu sein, um gute Werbung zu sein. Die Umsetzung muss neu, frisch, überraschend und überzeugend sein… Sagte doch auch Jeff Goodby schon irgendwo im Interview (das ich jetzt leider nicht finde).
Und im vorliegenden Fall passt das auch über die verschiedenen Medien zusammen: TV als “Display” und Internet zur Interaktion. Einfach schön.
Am 12. November 2009 um 14:56 Uhr
@Tobsen THX, hab den Cut-&-Paste-Fehler im Video-Untertitel korrigiert! (Uh, und im Fließtext jetzt ebenfalls.) Ansonsten: Ja, so empfinde ich das auch.
Am 12. November 2009 um 15:50 Uhr
Den Spot von Subaru würde ich in dieselbe Kategorie wie den Seat “Monster-Spot” stecken: Storytelling, bzw. um eine Unterkategorie dazu aufzuspannen: Spielfilmsimulation. Nicht wenige Werbespots versuchen ja, durch die Machart klassische Filmgenres zu imitieren. In diesem Fall wohl am ehesten Thriller/Krimi.
Insgesamt finde ich die ganze Autowerbung ein spannendes Feld, weil sie komplett weg von den Fakten hin zu den Emotionen geschwenkt ist. War früher noch wichtig, möglichst viele Daten à la PS, U/min, Bremsweg, Airbags etc. einzubinden, sollen heute möglichst intensive Gefühle wie Lifestyle, Umweltbewusstsein, Prestige usw. induziert werden.
Leider klappt das – zumindest bei mir – nur selten. Viel zu häufig ist Autowerbung in meinen Augen primär Werbung für die Werbeagentur, nicht für das Produkt. Wer schafft es, möglichst tolle grafische Effekte einzusetzen? Wer kann noch abgefahrenere Geschichten erzählen? Wer macht die besten 3D-Animationen? Ich erinnere mich an Spots, die mich echt beeindruckt haben – ohne die geringste Erinnerung, für welches Produkt sie geworben haben.
In dieser Auswahl ist das Beispiel von Cadillac für mich der Verlierer. Völlig an den Problemen der Gegenwart vorbei (Umweltschutz, Verkehrstote, etc.) hin zum veralteten Geprotze. Und die Space-Age-Metapher offenbarte sich mir auch nur durch den Fließtext, nicht aus dem Spot selbst. Da geht’s mir ein bisschen wie bei den Gedichtinterpretationen im Schulunterricht: Wenn mich ein Gedicht nicht unmittelbar anspricht, habe ich keine Lust, nach einem tieferen Sinn zu suchen.
Ach ja, ich wollte ja gerne einen Diskussionsbeitrag zu den Fragen zum Subaru-Spot liefern…
Kategorie: Storytelling / Spielfilmimitation
Aussage: Selbst finstere Massenmörder haben Angst vor diesem Auto.
Zielgruppe: Ganz schwer einzuschätzen. Vielleicht am ehesten Mittvierziger, männlich, mittlere Führungsebene.
Am 12. November 2009 um 20:15 Uhr
Die Werbung von Saab ist gut gemacht gemacht. Schöne Animation.
Am 12. November 2009 um 20:25 Uhr
Was ist denn bei diesem Subaru Spot passiert??? Während Saab in 42 Sekunden mir Botschaften wie umweltfreundlich, neu, anders, besonders, clever etc. vermittelt, hab ich, obwohl ich mir den Subaru Spot 2mal angeschaut habe, sogar vergessen wie der Subaru aussieht. Und das nach 2 mal 2 min! Düstere Atmosphäre hin oder her, wenn ich das Produkt dann aber nicht erkenne…na ja
Und dann wird die ersten 30 sec. lang ein Character eingeführt, der nicht beim Anblick des Autos sondern des Fahrers keinen Bock mehr hat zu meucheln! Was soll mir der Spot denn über den typischen Subaru Fahrer vermitteln? Fährt nachts gern alleine durch die Gegend, damit er doch ein wenig Gesellschaft bekommt nimmt er auch gerne mal humpelnde Männer mit und blinkt, kurz vor seinem womöglichen Tod, immer noch links, damit der nachfolgende Verkehr nicht gestört wird….
Am 13. November 2009 um 04:35 Uhr
Da hast Du aber mal 3 außergewöhnlich ungalubwürdige Spots (für die jeweiligen Marken) zusammengetragen.
Am 13. November 2009 um 11:18 Uhr
Der erste Gedanke zum Subaru Spot: Teaser für Mad Max IV? Australischer Spot, das hinterherziehen des Beines in 00:20, die Strassenmarkierung ab 00:29 im dunkeln: Das sind Filmzitate aus dem ersten Mad Max. Kann das jemand weiterspinnen?
Am 13. November 2009 um 12:36 Uhr
@ @S_V_L_SS_ Sehr schön, gut getroffen! Ich persönlich glaube, dass es eigentlich ein Zombie-Slasher-Ad im Fahrwasser zu Zombieland werden sollte, die Produzenten dann jedoch Muffensausen bekamen und den Spot, der ursprünglich in einer wilden Blutorgie endete, zu dem nun vorliegenden blutleeren Pseudo-Suspense-Quatsch verschnitten.
“Not for the faint of Heart”.
Möglichkeit 2: Die Zielgruppe sind Frauen! Eine Frau fährt nachts die einsamen Landstraßen auf der Suche nach humpelnden, potentiellen Vergewaltigern ab. Erblickt sie einen solchen, bleibt sie stehen, um ihm zu zeigen, was mit Kerlen wie ihm passiert. In Wirklichkeit handelt es sich also um eine pädagogisch, jugendfreie Variante des rape/revenge films (Exploitation).
So langsam fängt der Spot sogar an mir zu gefallen, lädt die Leerstelle doch zu wilder Spekulation ein…
Am 13. November 2009 um 13:50 Uhr
THX, sehr nette Zielgruppenanalysen zum Subaru-Spot! :-) Mad Max, in der Tat, und darüber hinaus fiel mir schön öfter auf, daß Werbung in Australien etwas, uh, rustikaler ist als anderswo. Ein Kommentar auf australiancreative.com zum Spot lautete, “What is the point exactly? He is afraid of the big bad subaru. Please.” … LOL! Und „Spielfilmsimulation“, ja, das paßt sehr gut als Kategorie.
Zur „Glaubwürdigkeit“ des Cadillac-Spots und des Subaru-Spots (bei dem der Begriff sowieso nicht ganz greift) herrscht wohl weitgehend Einigkeit. Aber wie seht ihr das beim Saab-Spot, unabhängig davon, daß er gut gemacht ist? Seht ihr das wie @friedrich? Ich persönlich neige auch dazu, den Brückenbau zwischen Umweltbewußtsein und dem Saab-Modell als zu wenig authentisch zu empfinden; vor allem fehlt ein Hinweis (ein winziges Detail hätte ja schon genügt), wo sich der umweltbetonte Designprozeß auch in einem besonders umweltfreundlichen Feature niederschlägt. Ohne substantiierende Details erscheint das Thema schnell austauschbar und wirkt beliebig.
Am 13. November 2009 um 14:15 Uhr
Zum Thema „Feature“ ein Toyota-Spot von Saatchi & Saatchi, Sidney:
Toyota Hybrid Synergy Drive—Better Together