04.11.09
10:09 Uhr

Die Musikdateien auf diesem Medium enthalten durchschnittlich:

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Der Bach-iPod

Stellvertretend für das Grundproblem der fehlenden Angaben zur Beschaffenheit angebotener Audiodateien zum Kauf oder zum Download möge der „BachPod“ dienen: Das Bachsche Œuvre in der Bachakademie-Edition von Hänssler im Wert von 172CDs als digitale Audiodateien einschließlich eines Apple 120GB iPod Classic für 499 EUR. Das klingt interessant. Abzüglich iPod bleiben etwa 300 EUR für die Audiodateien. Ein Schnäppchen, denn selbst der Straßenpreis der CD-Box dieser Edition liegt in der Nachbarschaft von 1.000 EUR. Und den „Echo Klassik 2008“-Preis hat der BachPod ebenfalls gewonnen.

Aber was, bitte, ist denn genau drin in dem Paket? Was genau ist „aufregende Qualität“?

Und hier wird es dunstig. Auf der BachPod-Website finden sich alle möglichen Informationen einschließlich umfangreicher Projektinformationen, Pressemeldung, namentlicher Nennung der Mitarbeiter für „Realisierung und ID3 Tags“ im Impressum, vollständiger Dateiliste, PDF mit iPod-Bedienungsanleitung, Screenshots der Bach-Edition in iTunes und vielem mehr. Aber nicht ein Wort zur Qualität der Audiodateien und zu deren Kopierbarkeit. Die einzige Information, die sich zu den digitalen Inhalten findet, ist diese: „175 Stunden hochwertigster klassischer Musik“, und das kann viel bedeuten.

Auch beim Klassik-Magazin Crescendo, dem Medienpartner des Echo Klassik-Preises, findet sich kein Hinweis. Hänssler-Shop: Fehlanzeige. Dito Zweitausendeins. Die Telephon-Hotline von Zweitausendeins zeigt sich zunächst überfordert, wartet aber dann mit der Information „mp3-Format, 128kbps“ auf. Das klingt wenig wahrscheinlich. JPC erwähnt immerhin ganz von selbst ein Format: AAC. Anfragen via E-Mail bei JPC und Hänssler warten noch auf Antwort. Und niemand erwähnt oder hat eine Idee, ob die Dateien nebst Backup (3 DVDs) mit Abspielsperren versehen sind.

Weiteres Googeln fördert zwei Amazon-Rezensionen der Pilotausgabe auf einem 80GB iPod zutage sowie einen Wissen-verbindet-Artikel. Diesen Schnipseln zufolge soll der tatsächliche digitale Raum, den die 172 CDs als Audiodateien im Format AAC auf dem iPod einnehmen, bei 17 bzw. 15GB liegen.

Wait, what?!?

Das klingt nach AAC mit 128kbps. Auch wenn AAC qualitativ hochwertiger ist als mp3: Es handelt sich hier um ein verlustbehaftetes (und möglicherweise sogar proprietäres) Format bei einer für musikalisch geschulte Ohren inakzeptablen Komprimierungsrate (auch wenn AAC bei 128 kbps bereits als „HiFi-transparent“ durchgeht). Und ob die Dateien mit Abspielsperren versehen sind (Apples “FairPlay”), ist immer noch nicht klar.

Die downloadbaren Hörbeispiele, nebenbei, liegen dagegen im mp3-Format vor und sind kodiert mit — 320kbps! Ein Schelm, wer Böses dabei denkt.

Doch sei es, wie es sei. Selbst gesetzt den Fall, die Bach-Edition-Dateien stellen sich wirklich als abspielsperrenfrei heraus, und bei der Komprimierung ins AAC-Format wurde so herkulische Feinarbeit geleistet, daß das Hörerlebnis bei 128kpbs selbst für Musikerinnen und Musiker nicht von verlustfreier Komprimierung zu unterscheiden ist — selbst wenn wir das alles annehmen, fände ich es trotzdem dringend an der Zeit, daß beim Verkauf von digitalen Audiodaten generell auch präzise draufsteht, was drin ist. Und das gilt selbstverständlich nicht nur für den BachPod, sondern für alle Angebote, die Audiodateien zum Kauf oder zum Download anbieten.

EDIT 5.11.09 9:10
Die Antwort von JPC ist eingetroffen auf meine Frage nach Dateiformat, Komprimierung und etwaiger Abspielsperren:

[…]
Die gewünschten Information liegen uns nicht vor.

Wir haben den Artikel und das Bedienungsheft einmal geprüft und keinerlei Angaben hierzu finden können.

Bitte wenden Sie sich doch einmal direkt an den „Hänssler-Verlag“.
[…]

Jetzt fehlt, in der Tat, noch die Antwort von Hänssler. Ich bin gespannt.

EDIT 5.11.09 16:30
So, hurra! Nachdem Stefan David von JPC (vielen Dank!) bei Hänssler nachgebohrt hat, hier die Zutaten der Bachakademie-Edition auf dem BachPod: AAC, 128kbps, abspielsperrenfrei (kein FairPlay).

Nun wissen wir, was drin ist. Und Hänssler weiß nun, daß es hier draußen Leute (Kunden ebenso wie Händler) gibt, die das tatsächlich interessiert.

EDIT 4.12.09 15:30
Und nun hat auch Hänssler Classic sich gemeldet, mit einer E-Mail vom 26.11., einschließlich einer Entschuldigung, daß es so lange gedauert hat:

Die Dateien liegen im 128 kbit aac Format vor, was ungefähr 192 kbit mp3 Format entspricht. Die Dateien sind nicht mit DRM versehen.
Obwohl die 3 DVDs auf denen die Bachedition digital noch einmal hinterlegt ist mit einem Passwort versehen sind. Dieses finden Sie aber im Booklet und danach ist die Verwendung im (gesetzlichen) Rahmen völlig flexibel.

Mit anderen Worten: Eine sehr gute (DRM) und eine mittelgute (kpbs) Nachricht. Nun müßten diese Informationen nur noch ihren Weg auf die Bachpod-Website und zu den Produktinformationen bei den Vertriebspartnern finden, denn das ist es, worum es in diesem Beitrag ging.

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8 Kommentare

  1. Thorsten

    Wo ist schon drin, was drauf steht? Und: Audiophile und iPod-Träger haben eh noch nie zusammengepasst.

  2. J. Martin

    @Thorsten Beides wahr :-)

  3. Thorsten

    Nachtrag: Nun, stilistisch gesehen, wäre so eine Bach-Sammlung auf einem Zune auch interessanter. Der kommerzielle Siegeszug von Apple ist fast vollzogen, wird wohl noch lange anhalten und da denke ich mir: so einen Zune hat auch nicht jeder. Zumindest kann ich mir beim besten Willen nicht vorstellen zum Beispiel die 50-Years-Of-Kind-Of-Blue Box von Miles Davis auf einen iPod zu laden. Das passt nicht – will nicht mehr passen.

    Vielmehr stellt sich mir die Frage, warum ein solch engagiertes Projekt nicht Platz auf einem BeoSound 6 findet. Das hätte Stil, Klang und einen Hauch von Einmaligkeit und das ist doch das, was wir alle wollen. Ein Produkt und gute Werbung. Bang!

    Aber shuffeln wir uns ruhig weiter durch die Misere.

  4. J. Martin

    Die Antwort von JPC ist da, siehe Beitrag (EDIT 5.11.09 9:10). Was soll ich dazu sagen.

  5. Stefan David (jpc)

    Wir haben selbst nochmal bei Hänssler nachgefragt und von dort wurde uns bestätigt, dass es sich um AAC mit 128 kbit/s handelt. Die Bachakademie selbst hat sich um die Digitalisierung gekümmert und kommuniziert klar, dass man zwischen Files und CD keinen Unterschied hören kann.

    Um einen vernünftigen Höreindruck zu bekommen, sollte man eh die bekanntermaßen mäßigen iPod-Kopfhörer gegen geeignete Modelle austauschen. Dann sollte dem Hörgenuss nichts im Wege stehen. Bleibt natürlich auch immer noch die Möglichkeit, den iPod an eine geeignete Anlage anzuschließen.

    Liest denn hier jemand mit, der das Set zu Hause hat und eventuell von seinen Erfahrungen berichten kann? Ein persönlicher Eindruck brächte doch mehr als trockene Zahlen.

  6. J. Martin

    @Stefan David Nun ja, nicht ganz: meist ist ja genau das Gegenteil der Fall. Mit qualitativ hochwertigen Kopfhörern oder gar an einer guten Stereoanlage können die Schwächen einer 128kbps-Komprimierung sich erst so richtig gut entfalten. „Hifi-Transparenz“ ist ein geduldiger Begriff.

    Aber was immer Hänsslers eigene (und nicht völlig unerwartet gute) Meinung zur Klangqualität auch sei: „aufregende Qualität“ und „hochwertigste klassische Musik“ qualifizieren nicht als ausreichende Produktinformation. Apropos: Sind die AACs nun „frei“ oder mit FairPlay versehen?

  7. Stefan David (jpc)

    So, das hatte nochmal einen Moment gedauert, aber jetzt habe ich die Nachricht von Hänssler, dass es sich komplett um DRM-freie Musik handelt. Zumindest in dieser Hinsicht ist die Qualität also nicht angreifbar.

    Insgesamt kann man natürlich trefflich darüber streiten, ob 128er AAC qualitativ ausreicht. Das muss wohl jeder für sich selbst entscheiden. Feststellen kann man das sicher nur mit guten Kopfhörern oder einer angemessenen Anlage, das meinte ich mit meinem Hinweis von vorhin.

  8. J. Martin

    @Stefan David Ah, okay. Das ist natürlich völlig richtig. Und vielen Dank fürs Nachfragen! Nun sind wir schlau, und ich habe den Eintrag um ein weiteres Update erweitert. LiGr, J.

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