30.10.09
14:38 Uhr

Beginnt der Dialog? Jack Wolfskin nimmt alte Abmahnfälle wieder auf

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Nachdem sich zwischenzeitlich in den vielen Kommentaren im Werbeblogger anlässlich der aktuellen Abmahn-Debatte auch mehrere Personen gemeldet haben, die bereits früher von Jack Wolfskin abgemahnt worden sind, haben wir mit den betroffenen Personen Kontakt aufgenommen.
Auch aus der Redaktion der taz kamen Anfragen, ob wir zu diesen „Fällen“ bereits tieferen Einblick hätten bzw. den Kontakt vermitteln könnten. Außerdem teilte uns die Redaktion der taz mit, dass in Kürze ein Artikel zu den aktuellen Entwicklungen veröffentlicht wird und sie sich um eine Stellungnahme seitens der Pressestelle von Jack Wolfskin bemühen.

Heute vormittag telefonierte ich nun u.a. mit Melanie B., die ihre „Geschichte“ erläutert:

[…]Ich bin Studentin und habe kein wirkliches Einkommen, also musste ich mir das Geld von meinen Eltern leihen, um meine Schulden zu begleichen. Diese zahlen nun monatlich 200 € um meinen Arsch zu retten. Wie unangenehm…
Jeden Tag, wenn ich andere Studenten am Campus mit Jack Wolfskin Klamotten/Rucksäcken rumlaufen sehe, steigt in mir der pure HASS auf!
Ob ich wohl noch Chancen habe mein Geld zurück zu bekommen, was ich bisher gezahlt habe (oder besser gesagt meine Eltern)? Ich rege mich da wirklich jeden beschissenen Tag darüber auf![…]

Melanie B. bestätigte, dass Jack Wolfskin bzw. seine beauftragten Personen oder Mitarbeiter sich direkt an sie gewandt hätten und auf einen Rückruf warten. Melanie B. hatte im Frühjahr 2009 T-Shirts mit bedruckten Katzenpfötchen via Spreadshirt angeboten.

Auf meine direkte Nachfrage bei Spreadshirt bestätigte mir das Unternehmen, dass neben diesem konkreten Fall auch weitere Abmahnungen von anderen Speadshirt-Shopbetreibern vorlägen und auch Spreadshirt selbst sich einer juristischen Inanspruchnahme von Jack Wolfskin ausgesetzt sieht. (Störerhaftung).

Da es sich aber derzeit noch um ein „schwebendes Verfahren“ handelt, steht eine offizielle Stellungnahme seitens Spreadshirt noch aus. Angeblich seien aber neben dem rein formalen Schriftverkehr auch Gespräche in Gang, um die Angelegenheit möglichst gütlich zu regeln.

Zu den auch öffentlich bekanntgewordenen Abmahnungen bei Spreadshirt zählt weiterhin die niederländische Website „bearwear.nl„, die für die „Bärencommunity“ entsprechende T-Shirts mit einer „Bärentatze“ als Grafik via Spreadshirt vertreibt.
Laut uns vorliegenden Angaben des Betreibers von „bearwear.nl“ wurde auch dort seitens Wolfskin das Gespräch direkt aufgenommen. Möglicherweise deutet sich also an, dass Jack Wolfskin tatsächlich genauer laufende und vergangene Abmahnfälle sichtet und zumindest teilweise den Dialog beginnt. Es bleibt natürlich für weitere abmahnkostengeschädigte Kleingewerbetreibende die Hoffnung, dass nicht nur die aktuell jeweils im medialen Fokus stehenden Fälle geprüft werden, sondern grundsätzlich umgesetzt wird, was die letzte Pressemitteilung als Ankündigung vermittelt:

Darüber hinaus wird Jack Wolfskin sein Vorgehen in Fällen von kleingewerblichen Angeboten verändern.

Tatsächlich bleiben aber auch nach unseren weiteren Recherchen in dieser Angelegenheit Fragen offen, die einer Klärung und Position durch Jack Wolfskin bedürften. So sind z.B. die abgemahnten „Dawanda-Damen“ mit der Rücknahme der Abmahnung keineswegs „kostenneutral“ aus dieser Angelegenheit entlassen, denn es stehen die Kosten für die eigene Rechtsberatung im Raum. Viele Menschen fragen sich zudem grundsätzlich, ob Jack Wolfskin weiterhin beabsichtigt, gegen jede Art von Tatzen oder Pfoten auf diese Weise konsequent vorzugehen, sofern die Motive sich auf Kleidungsstücken oder anderen sich im Markenregister befindlichen und kürzlich ausgeweiteten Produktklassen zu finden sind.

Noch ein Wort in eigener Sache: Wir empfinden die Rücknahme der Dawanda-Abmahnungen nicht als „Sieg“, freuen uns aber, dass eine große Öffentlichkeit und irritierte Markenfans Jack Wolfskin dazu bewegen konnten, ihr Vorgehen auch im Sinne ihrer eigenen Markenreputation zu überdenken und -im Fall der Dawanda-Damen- konkret zurückzunehmen.
Auch ist es für uns mehr als verständlich, dass Marken geschützt werden müssen und Abmahnungen nicht grundsätzlich das falsche Instrument sind. Wie das Web zeigt, ist es allerdings aus Gründen des „Markenschutzes“ ebenso sinnvoll und notwendig, das bestehende Recht mit Augenmaß einzusetzen.

Update: Wie soeben von Melanie B. in den Kommentaren vermeldet, zieht Jack Wolfskin die Kosten in diesem Fall zurück, nicht aber die Abmahnung als solche…

Update II: Die taz hat nun auch ihren Artikel zum Thema veröffentlicht.

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