27.10.09
11:49 Uhr

FTC ABC (1): Full Disclosure

Anfang Oktober gab die amerikanische Federal Trade Commission eine Reihe neuer Richtlinien heraus. Zwar war ich nun urlaubsmäßig zu lange unterwegs, um mir mehr als einen skizzenhaften Eindruck zu den Reaktionen zu verschaffen, aber mir scheint, als stünden die Reaktionen auf die drei wesentlichen Änderungen zum Verbraucherschutz in umgekehrt proportionalem Verhältnis zu ihrer jeweiligen Wichtigkeit.

Die größte Aufmerksamkeit zog auf sich, daß Bloggerinnen und Blogger nun offiziell zu einem “Full Disclosure“ verpflichtet sind hinsichtlich Produkte oder Services, über die sie schreiben. Das umfaßt natürlich, ob für einen Blogeintrag bezahlt wurde und ob (Test-)Produkte zur Verfügung gestellt wurden. Es umfaßt aber auch das Offenlegen jeglicher Kontakte zu Unternehmen und Agenturen:

The F.T.C. said that beginning on Dec. 1, bloggers who review products must disclose any connection with advertisers, including, in most cases, the receipt of free products and whether or not they were paid in any way by advertisers, as occurs frequently. [meine Hervorhebung]

Trotzdem: Big Deal. Ethische Richtlinien holen die Neuen Medien ein, zumindest auf dem Papier. So sieht es auch die F.T.C.: Zum einen werde es Zeit, “to explain the principles of transparency and truth in advertising and apply them to social media marketing”, zum anderen solle dies aber nicht heißen, “that we saw a huge problem out there that was imperative to address”. Nicht viel mehr, letztendlich, als eine Selbstverständlichkeit. Das bedeutet aber natürlich nicht, daß Interessenverbände nicht mit gewohnter Chuzpah ihre Kritik an solch Selbstverständlichem spinnen könnten. Linda Goldstein, Repräsentantin einer Rechtsanwaltskanzlei, die mehrere Marketinggruppen vertritt, zitiert in der New York Times:

We would have preferred the F.T.C. to work closer with the industry to learn how viral marketing works.

Blogsöldnertum als Mittel des viralen Marketing? Da muß ich wohl grundsätzlich etwas mißverstanden haben.

(Mehr zu den Änderungen in den FTC-Richtlinien in Teil 2 und Teil 3.)

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4 Kommentare

  1. FTC ABC (2): Celebrity Disclosure | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » FTC ABC (2): Celebrity Disclosure

    [...] Endorsements. Auch wenn diese neue Regel nicht ganz so viele Reaktionen hervorrief wie die Full-Disclosure-Regel für Blogs und eigentlich ebenso wie diese eine Selbstverständlichkeit sein sollte, halte [...]

  2. Jan Schulz-Hofen

    Hallo Jay,

    spannender Artikel, danke! Viel Wirbel gab es auch um die neuen FTC Richtlinien in Zusammenhang mit Twitter Advertising, also Word of Mouth Marketing in Social Media.

    Ich hab auf dem Magpie Blog auch einen kleinen Artikel dazu geschrieben, den man hier nachlesen kann:

    be-a-magpie.com/blog... (in englischer Sprache)

    Macht weiter so, ich freu mich immer hier und da was vom werbeblogger zu lesen!

    Gruß

    Jan

    Disclosure: Ich bin Gründer von Magpie, dem Twitter Advertising Network.

  3. J. Martin

    @Jan THX, auch für den Link zu Deinem Artikel: aufschlußreich, wie ihr das Disclosure in Tweets handhabt, und gut geschrieben.

    p.s. Ich bin nicht sicher, ob der Link zum be-a-magpie-Blog unter “About” wirklich glücklich untergebracht ist … ;-)

  4. FTC ABC (3): Quack Disclosure | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » FTC ABC (3): Quack Disclosure

    [...] zu den Änderungen in den FTC-Richtlinien in Teil 1 und Teil 2.) Trackback-URL dieses Beitrages Schlagworte (Tags): celebrity endorsement, FTC, [...]

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Eure Kommentare

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
  • Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
  • Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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