21.10.09
14:09 Uhr

Mensch, Leidenschaftler und Werber

Was haben Werber und Politiker als Berufsgruppe gemeinsam? Wenn man dem GfK-Vertrauensindex folgt (Quelle: pdf), dann liegen beide Gruppen auf dem letzten Platz im Ansehen der Bürger, übrigens noch hinter den Rechtsanwälten. Am meisten Vertrauen genießt die Feuerwehr, gefolgt von Ärzten und Lehrern.

Woran liegt das? Ist diese Erkenntnis irrelevant für das was wir tun, oder sollten auch unsere Berufsgruppe fundamental darüber nachdenken, wie sie selbst in der Wahrnehmung der Öffentlichkeit dasteht? Amir Kassaei hat ganz sicher recht mit seinem Statement aus der w&v, Ausgabe 44/2007:

Die Werbebranche sollte langsam aber sicher anfangen, sich und ihre Denk- und Arbeitsweise in Frage zu stellen. Denn unser schlechtes Image in der Gesellschaft – aber auch zunehmend bei unseren Auftraggebern – ist zur Gänze selbst verschuldet. Der Grund: Wir entwickeln kein Verständnis für das Leben und die Sorgen und Wünsche der Verbraucher, stattdessen nerven wir sie mit immer banalerer und langweiliger Reklame, die sie nicht wollen.

Und wir lösen keine Probleme mehr für unsere Auftraggeber, weil wir immer noch und immerzu Werbeideen produzieren statt kreative Lösungen für Marketing- und Business-Probleme.

Denn ganz sicher ist: Der Konsument ist sich völlig darüber im Klaren, dass Werbung durch Werbeagenturen gemacht wird. Dass wir es sind, die einen Großteil von dem verzapfen, was zunehmend Verbraucher stört, unterbricht, langweilt, nervt. Warum? Weil viel zu viele der Agenturen und die in ihr arbeitenden Menschen -übrigens ganz ähnlich zu Politikern- zu weit von den wirklichen Bedürfnissen und Sorgen der Menschen entfernt sind.

Konsequenterweise treffen wir oft genug den Ton nicht, wirken mit unseren Botschaften seltsam entrückt, was einen Hauptgrund darstellt, warum Menschen sich von Marken distanzieren.
Selbstverständlich sind auch Agenturen Marken. Offensichtlich aber ist es ihnen allzu oft viel mehr Wert, selbstreferenziell ihr Ansehen im Vergleich zum Wettbewerb zu stärken als Arbeit abzuliefern, die wirklich die Menschen anspricht.

Aber natürlich gibt es sie, die Werber, die den richtigen Ton treffen – augenzwinkernd, intelligent, menschlich, humorvoll, rethorisch gewandt und nicht zuletzt auch auf die eigene positive Wirkung bedacht, dabei aber nicht zur reinen PR-Show verkommend.

Sie erzählen Geschichten, nutzen Metaphern, zeigen Analogien und die Kraft und Bedeutung für ein wirtschaftliches Zusammenleben auf, welches eben auch durch Werbung und Wettbewerb beflügelt wird. Eine dieser Personen ist Rory Sutherland.

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9 Kommentare

  1. André

    Das impliziert mir ein wenig zu sehr, dass es ausschließlich an den Agenturen und deren fehlender Nähe zum Konsumenten liegt. Ist es nicht auch so, dass Agenturen vielfach sehr wohl wissen, was nervt, was langweilt und was begeistert, der Kunde sich aber häufig mit maximaler Kraft, Ignoranz und vehementer Renitenz gegen Logik, Bauchgefühl und Erfahrung, ja sogar gegen Studienergebnisse, Befragungen und eigene Meinungen wehrt? Einfach, weil die fest verlegten Unternehmensschienen eben auch bei vorhandener Einsicht der Entscheider nicht so leicht zu verlassen sind – unabhängig davon, WIE falsch oder widersinnig manche Kommunikationsansätze sind.

  2. Jogga

    Soviel zur Nähe zum Konsumenten:
    Allein die Wortwahl strotzt von einer Arroganz…

    horizont.net/aktuell...

    Mich würde Werbung begeistern, die mich nicht verarschen will. “Das ist unser Produkt, deshalb ist es besonders.”
    Weil die meisten Produkte aber nichts besonderes haben wird alles emotional aufgeladen oder die Besonderheiten erfunden (mit Probiotik).

  3. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @André Ja, das ist völlig richtig und folgt in dem Beitrag mit dem Titel: Mensch, Leidenschaftler, Unternehmer. ;-)
    Einverstanden?

  4. Timo Beil

    Tatsache ist doch, dass sowohl auf Kunden- als auch auf Agenturseite zu viele Menschen sitzen, die zwar ihr Handwerk verstehen (Marketing-Tools, Photoshop, Ideen-Entwicklung, etc.), aber eben nicht die Menschen da draußen.

    Und um ehrlich zu sein interessiert es die wenigstens auch. So meine Erfahrung aus 11 Jahren Werbung.

    Häufig genug wird das gemacht, was am wenigsten beim Chef aneckt – in der Agentur ebenso wie beim Kunden. Das ist menschlich, aber zu guten Lösungen führt das nicht.

  5. AndreasK

    Tja, und am ende steht da doch wieder nur einer, der erklärt, wie der Konsument verar…t werden kann.

    In sehr humorvoller, vor Metaphern strotzender Weise, keine Frage. Aber das Thema des Vortrags ist, wie man den Wert eines Gutes steigert, ohne daran selbst irgendetwas zu verändern.

    Und genau deshalb stehen wir auf der Liste halt so weit unten.

    Trotzdem: geiler Vortrag!

  6. Markus Roder

    Grossatige Präsentation – mit den Basiserkentnisse von Neuroökonomie “built in” :).

  7. Roland Kühl-v.Puttkamer

    AndreasK Das Mittel der Verführung ist erlaubt. Auch Verpackung und Plazebo darf sein. Tanzen, nicht Bellen. Und aus dem Maul sollte man nicht müffeln.

  8. AndreasK

    @Roland: Na klar “darf” Verführung “sein”. Und es ist der Grund für die Sicht der Gesellschaft auf Werber. Ich sehe keinen Widerspruch, du?

    Und woher weißt du überhaupt das mit meinem Atem?

  9. Verlagsstudie ermittelt: Die Werbeakzeptanz bei den Verbrauchern steigt | Werbeblogger – Weblog über Marketing, Werbung und PR » Blog Archiv » Verlagsstudie ermittelt: Die Werbeakzeptanz bei den Verbrauchern steigt

    [...] der Verbraucher bestellt ist, wie es vielleicht den Anschein haben könnte. Trotz schlechter Imagewerte der Werbebranche erreiche das zentrale Produkt, nämlich die Werbung selbst, hohe Zustimmungsraten bei der [...]

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Eure Kommentare

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  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
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