20.10.09
12:10 Uhr

Die Fans von Jack Wolfskin

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Ein (ehemaliger) Fan von Jack Wolfskin Produkten hat seinen Brief an die JW-Geschäftsführung veröffentlicht. Er schildert sehr anschaulich, welche emotionalen Bewegungen die Handlungen und Entscheidungen von Jack Wolfskin bei Markenanhängern auslösen können

Mit Befremden musste ich lesen, dass eine meiner liebsten Marken, Jack Wolfskin, unter die Abmahner gegangen ist. Mein erster Gedanke war, dass Sie endlich gegen die Fälscher im grossen Stil vorgehen, die hier in der Ukraine, meinem Wohnort, ihr Unwesen treiben und Ihre Marke massiv schädigen. Das Entsetzen wurde gross, als ich gelesen habe, dass Sie mitnichten gegen diese Fälscher vorgehen, sondern kleine Leute kostenpflichtig abmahnen lassen, die eine Katzenpfote auf ihre selbstgebastelten Sachen sticken. Mir war bislang nicht bewusst, dass Ihre Firma das alleinige Recht am Abbild einer Katzenpfote hat. Und selbst wenn, hätten Sie sich einen Zacken aus der Krone gebrochen, den betreffenden Personen eine Mail oder einen kostengünstigen Brief zu schreiben und so auf Ihre Markenrechte hinzuweisen? Stattdessen hetzen Sie diesen Leuten, die wahrlich kein Vermögen (wenn überhaupt) mit den Produkten verdienen Anwälte auf den Hals, die überzogene Kostennoten produzieren.

Ich war bislang sehr überzeugt von Ihren Produkten. So überzeugt, dass ich einmal im Jahr extra von Kiew nach Moskau fahre, um mich dort mit Ihren Produkten einzudecken. In der Ukraine gibt es leider keinen Shop, wo man Ihre Produkte Original erhält. Billige Kopien gibt es aber massenhaft an jeder Strassenecke (die scheinen Sie aber zu tolerieren…). Bei meiner jährlichen Shoppingtour nach Moskau in Ihren Laden lasse ich regelmässig 1500-2500 Euro liegen, da ich für Freunde und Bekannte gleich mit einkaufe und die Sachen in die Ukraine bringe.

Der Grund für meine Markentreue zu Ihnen war bislang die Tatsache, dass ich mich mit Ihrer Marke identifiziere. “Draussen zu Hause” ist ein Lebensgefühl, das ich lebe. Auf vielen Wanderungen in der Karpaten oder dem Gebirge auf der Krim waren Ihre Produkte stete Begleiter. Ich kann mich aber nicht mit einer Firma identifizieren, die meint, “kleine Leute von der Strasse” kostenpflichtig abmahnen zu müssen, die lediglich eine Katzenpfote für Bastelarbeiten verwenden. Sie müssen Ihre Marke schützen, keine Frage. Aber wo bitteschön fängt Ihre Marke an und wo endet sie? Meine Katze verletzt Ihre Markenrechte ständig, wenn sie mit dreckigen Pfoten nach Hause kommt und ihre Pfotenspuren überall im Haus auf dem Teppich und den Fliesen hinterlässt. Bewahren Sie sich doch Augenmass und gehen Sie gegen die echten Schädlinge vor, die massenweise gefälschte und minderwertige Waren mit Ihrem Logo auf ukrainischen Basaren vertreiben. Bei diesen Produkten herrscht eine echte Verwechslungsgefahr mit Ihren Produkten und nicht bei gehäckelten Kissen mit einer Katzenpfote drauf.

Ich sage es Ihnen offen, ich schäme mich für Ihr Verhalten! Ich habe bislang Ihre Produkte mit Stolz getragen, da sie auch für ein bestimmtes Lebensgefühl standen und gerade hier in der Ukraine habe ich gerne Freunden und Bekannten Ihre tollen Produkte gezeigt, die hier ja nicht zu haben sind. Ihr Verhalten hat so dermassen negativ medial eingeschlagen, dass ich von Bekannten sogar hier in Kiew heute darauf angesprochen wurde: “Du bist doch der Jack Wolfskin Freak hier, findest Du etwa gut, was die da in Deutschland treiben? Sowas unterstützt Du?” Nein! Ihr Verhalten kann ich mit gutem Gewissen nicht unterstützen! Meine einzige Möglichkeit, meine Meinung Kund zu tun ist, Ihnen eine Mail zu schreiben mit meinem Unmut und in Zukunft auf Ihre Produkte zu verzichten. Die Mail wird sie wohl nicht gross interessieren, vielleicht geht sie auch unter. Aber meine jährliche Fahrt nach Moskau im Dezember wird dieses Jahr ausfallen. Sie werden an mir dieses Jahr keine 2000 Euro Umsatz machen. Ich bin überzeugt, dass viele andere treue Kunden ähnlich handeln werden. Der Schaden, den Sie sich selber zugefügt haben mit dieser Aktion ist weitaus grösser als was irgendwelche Leute mit dem Verkauf von gehäckelten Kissenbezügen mit Katzenpfote drauf jemals hätten tun können.

Ihre Stellungnahme zu dieser Sache auf Ihrer Webseite ist mir bekannt. Mich würde ganz persönlich Interessieren, warum eine so grosse Firma wie Sie gegen die kleinen Fische vorgeht, die grossen Haie (die Fälscher im grossen Stil) aber weiter schwimmen lässt.

Mit freundlichen Grüssen

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75 Kommentare

  1. rab

    zur ergänzenden information zu JW:
    „Firmen-Chef im Interview.Warum tragen so viele Städter Wolfskin Klamotten?“ aus welt.online 10.07.2009
    welt.de/wirtschaft/a...
    und
    „Wolf frißt Naturschutzgebiet“ aus taz.de 23.07.2008
    taz.de/1/archiv/prin...

  2. Jack Wolfskin und die Dawanda-Abmahnungen - wie es weiter geht | Gongmeditation.de

    […] Manfred Hell, Geschäftsführer von Jack Wolfskin. Was mich viel mehr beeindruckt hat, ist der emotionale Brief eines JW-kunden aus der Ukraine. Dieser Kunde fährt  jedes Jahr einmal von Kiew bis nach Moskau in den Original-JW-Store zum […]

  3. Blocksatz

    Causa Jack Wolfskin: Wo Anwälte scheitern, da braucht es PR…

    Mit dem Griff zum Telefon fängt es an. Am einen Ende der Leitung: der Marketing-Chef, am anderen: die Rechtsabteilung. Fortan geht alles ganz schnell. Die Unternehmensmarke wurde beschädigt, hört der Justiziar, eine Markenrechtsverletzung. Man müsse di…

  4. Corinna

    Vielen Dank für diesen Brief! Sehr gut geschrieben! Ich habe versucht, auf der Homepage von JW im Gästebuch meiner Empörung ebenfalls Ausdruck zu verleihen, aber die wird natürlich nicht veröffentlicht……

    Ich für meinen Teil habe das letzte JW-Produkt vor ca. 4 Wochen erworben. Wenn das Geschäftsgebahren der Firma JW in der Öffentlichkeit stärker publik wird, handeln hoffentlich noch mehr Menschen so. Denn am Geldbeutel trifft´s auch die Firma Jack Wolfskin am direktesten…….

  5. Michel

    ich finde es gut was JW gemacht hat – super endlich kommt mal der Abmahnwahn in Deutschland fett in die Presse – bislang hat es leider immer nur die Interessiert die durch die (vielleicht manchmal fragwürdige?) Tätigkeit von Anwälten blechen mussten. Wenn JW durch die Aktion einen schönen Umsatzeinbruch verzeichnen kann den Sie zeitlich in Zusammenhang bringen können tut sich ja vielleicht irgendwann auch beim Gesetzgeber etwas, dahingehend dass dieser oftmals sehr wiedersinnige Markenschutz nicht mehr zur Abzocke genutzt werden kann (und bisher leider auch wird).

  6. B. Pape

    Ich selbst war auch jahrelanger Jack Wolfskin Fan. Habe gerne die Sachen und Schuhe für meine Kinder gekauft. Das war wohl ein riesen Fehler, den ich wieder gut mache, in dem ich in Zukunft von dieser Ware die Finger lasse. Schämt Euch.

  7. ist der Ruf erstmal versaut … | Das Prinzip Begeisterung® : Business & Marketing Management

    […] Infos Stellungname Jack Wolfskin (pdf) Kognitive Dissonanz, Klappe, die Zweite Jack Wolfskin Stellungnahme Jack Wolfskin eröffnet den Abmahn-Herbst! Jack Wolfskin bei Adage in den USA angekommen Die Fans von Jack Wolfskin […]

  8. ERIN

    Well…der Typ aus der Ukraine ist wahrlich der Hit!

    Wer IMAGE verauft sollte sich auch demnach verhalten!
    Warum brauchen wir eigentlich noch so Sticker auf dem T-Shirt?

    Eigentlich sollte man nur noch bei Hobbybastlerinnen kaufen…

  9. Kromi-Shop

    Ist es nicht schon äußerst fragwürdig, dass ein Pfotenabdruck von einem Hund (Wolf) und die gleichen sich alle, zu einem Markenzeichen geworden ist? Schöne Welt voller Markenzeichen? Ist nicht ein Herbstblatt auch schon wieder ein Markenzeichen?

  10. martinus

    @Kromi-Shop

    Herbstblatt? Vorsicht, hier droht Verwechslungsgefahr! Hütet euch also vor der Verwendung von z. B. Ahornblättern in jeder Art, Form und Farbe. Man könnte sie für eine Tatze halten.

  11. fliegenpilzle

    Ihr könnt Euch sicher sein wir Abgemahnten vom Pfötchenclub sind Roland und Ralf unendlich dankbar für ihren Einsatz.
    Ohne die beiden hätten wir niemals so viel erreicht.
    Sie haben bei der ganzen Sachen nie Bezug zu uns Menschen (Bastelmuttis) verloren.
    Leider stecken hinter dieser „großen“ Sache 9 Frauen (Mütter) denen diese 1 1/2 Horrorwochen niemand mehr gut machen kann.

    Vergesst das bei all eurer Argumentation bitte auch nicht!

  12. googlehupf

    Ich finde in dem vorliegenden Fall darf man ausnahmsweise schon mal ein bisschen nachtragend sein.

    Der Wolf verfolgt seine bissige Tour ja auch schon seit Jahren. Und von einer Entschuldigung oder ein paar freundlichen Worten las ich nirgends…

  13. Sascha

    Ich finde es schon komisch, dass hier _gewerblich handelnde_ Personen offenbar wenn man so einige Kommentare liest einfach von Ihrem Verstoß freigesprochen werden. Gesetz ist Gesetz und wem das nicht passt, der kann jederzeit eine Gesetzesinitiative starten, um das zu ändern. Es ist nun einmal geschäftliche Nutzung einer fremden Marke.

    Jack Wolfskin hat m.W. nach niemanden abgemahnt, der nicht geschäftlich (gleich welchen Ausmaßes) gehandelt hat.
    Und auch die ganze „Tatze als Marke, wie kann das sein“ Argumentation geht m.E. in die völlig falsche Richtung, weil eine Marke immer nur für eine bis mehrere Klassen registriert werden kann. Wenn jemand nun mit einer ähnlichen Tatze Pneumatikventile herstellt, kann (und will vermutlich) JW gar nichts dagegen haben, weil es nicht zu den registrierten Klassen passt.
    Und selbst wenn JW für X Bereiche Marken registrieren würde müssten sie nach 5 Jahren für jeden Bereich nachweisen, dass sie die Marke dort auch geschäftlich genutzt haben, sonst verfällt der Markenanspruch wieder.

    Und bitteschön: wer beschwert sich denn, dass der simple Nike-Haken als Marke geschützt ist? Also bitte? So einen Haken verwendet man schon seit Ewigkeiten zum Kennzeichnen von Arbeiten, die erledigt wurden. Wie kann man das nur als Marke schützen?

    Ich hoffe das Problem wird klar. Wer abmahnt, klagt erst mal nicht, denn genau dafür ist eine Abmahnung da – Verhinderung einer – für beide Seiten – teuren Klage.

    Inwieweit JW hierbei auf die „kleinen“ (aber immer noch gewerblich handelnden, so ist das Gesetz) Anbieter zu heftig reagiert hat, kann jeder sehen wie er will.

    Ich hoffe nur, dass irgendwann einmal „wer abmahnt, begeht einen Fehler“ durch „wer abmahnt, meint, er sei im Recht“ ersetzt wird, denn genau das ist es.

    „Unwissenheit schützt vor Strafe nicht“ ist genauso im deutschen Gesetz geregelt wie das Markenrecht Marken schützt.
    Anstatt wie andere seriöse Magazine wie Spiegel auch darauf einzugehen, dass JW gegen solche Markenverstöße vorgehen muss, weil sonst der Schutz der Marke verloren gehen könnte und so nicht mehr gegen „echte“ Markenpiraten vorgegangen werden kann, wird hier nicht erwähnt.

    Meiner Auffassung nach wird hier „Jack Wolfskin Bashing“ betrieben und das finde ich weder seriös noch akzeptabel.

  14. ramses101

    „Gesetz ist Gesetz“ – du vergisst dabei aber, dass JW zunächst mal Recht bekommen müsste. Und den Richter will ich sehen, der bestätigt, dass die Rechte an eine Wolfstatze die Rechte einer Katzenpfote mit einschließen. Das Problem sind die Kosten, die dir kein Mensch bezahlt, wenn, mal angenommen, JW im Falle einer sich anbahnenden Niederlage die Klage zurückzieht, um einen Präzedenzfall zu verhindern. Ist ja nicht so, dass das noch nie gemacht worden ist.

  15. ramses101

    Nachtrag, falls jemand nicht weiß, worauf ich anspiele: Der Fall Kreutz vs. Telekom. Telekom klagt, Kreutz nimmt Herausforderung an, Telekom zieht kurz vor der Entscheidung den Schwanz ein, Kreutz muss 58.000 zahlen:

    reklamehimmel.typepa...

    Ergo: Nur weil etwas vor Gericht geht, heißt es noch lange nicht, dass auch der Richtige (oder überhaupt jemand) jemand Recht bekommt. Gezahlt werden muss trotzdem.

  16. Sascha

    @ramses101 Eine Abmahnung dient ja gerade einer außergerichtlichen Einigung! Einer Abmahnung liegt üblicherweise eine Unterlassungserlärung bei, in der man vertraglich zusichert, eben diesen Verstoß nicht mehr zu begehen und wenn man es doch tut eine Vertragsstrafe zu zahlen.
    Einfachster Fall: man zahlt die Abmahnungskosten (die sich übrigens aus dem Streitwert berechnen und nicht willkürlich sind), unterschreibt die Unterlassungserklärung und es ist normalerweise Ruhe, sofern man den Verstoß nicht wiederholt. Es gibt dann keine gerichtliche Auseinandersetzung!
    Mit der Abmahnung ist die Sache erledigt und der Zweck, eine Gerichtsverhandlung möglichst zu verhindern, erfüllt.
    Nur wenn man die Unterlassungserklärung nicht unterschreibt oder nach Unterschrift einen weiteren Verstoß begeht trifft man sich üblicherweise vor Gericht wieder.
    Es liegt also am Abgemahnten abzuwägen, ob er es auf eine Gerichtsverhandlung (bei der er im Falle des Verlierens alle Kosten – auch die der Gegenseite – tragen muss) ankommen lassen möchte oder nicht. Wenn er meint er sei im Recht und ein Richter sieht es später anders dann muss er eben mit der Konsequenz leben, nicht einfach mit der Abmahnung die Sache erledigt zu haben. Richter machen auch Fehler und ein Risiko ist immer vorhanden.
    Wer meint, er sei im Recht, kann es aber auf eigene Gefahr darauf ankommen lassen und den gerichtlichen Weg wählen.
    Aber dass es ein Präzedenzfall wäre glaube ich nicht. Es geht sicher nicht darum, eine „Tatze“ als grundsätzlich (nicht) schützbar anzusehen.

  17. ramses101

    @Sascha: Bei einer Abmahnung entscheidet aber der Anwalt der abmahnenden Partei, ob hier ein Verstoß gegen die Markenrechte vorliegt oder nicht. Ich wäre bereit, einen hohen Geldbetrag darauf zu setzen, dass dieser Verstoß tatsächlich nicht stattgefunden hat, wenn man eine Tasche mit Katzenpfoten bestickt.

    Und das wäre dann in der Tat ein Präzedenzfall – wenn es denn zu einem Urteil kommen würde, was nicht zwingend der Fall ein muss. Dazu hatte ich nach meinem ersten Posting noch einen Nachtrag gepostet, der wohl wegen des Links vom Spamdings gefressen wurde.

    Darin geht es um die Telekom und die Farbe Magenta. Da hat es nämlich jemand drauf ankommen lassen und sich auf Unterlassung verklagen lassen. In erster Instanz gewonnen, Telekom geht in die Berufung. In letzter Instanz zeichnet sich ab, dass die Telekom den Prozess verlieren wird. Und was passiert? Sie zieht die Klage zurück, um eben dieses Urteil zu vermeiden, auf das sich zukünftig alle Magentanutzer bei einer Abmahnung hätten berufen können.

    Thema durch? Im Prinzip schon – nur haben die „Gewinner“ des Prozesses eben kein rechtskräftiges Urteil ereicht und damit zahlt jede Parte ihre Kosten selbst. In diesem Fall waren das knapp 58.000. Bei deinen „gewerblich handelnden Personen“ dürfte das existenzvernichtend sein, bei JW ist es ein Posten in der Kriegskasse.

  18. meylenstein

    @ ramses101

    Wenn jemand eine Klage zurücknimmt, trägt er auch alle Kosten. Und man kann seine Klage auch nicht beliebig zurücknehmen. Der Gegner hat das Recht auf ein Urteil, wenn die mündliche Verhandlung erst einmal vorbei ist (§ 269 Abs. 1 ZPO: „Die Klage kann ohne Einwilligung des Beklagten nur bis zum Beginn der mündlichen Verhandlung des Beklagten zur Hauptsache zurückgenommen werden“).

    Mich ärgert es, wenn Sie solche Behauptungen einfach so auf blauen Dunst aufstellen. Das wäre nämlich zu einfach, dann könnte man immer ohne Kostenrisiko klagen, wenn man die Klage einfach so zurücknehmen könnte.

    Im übrigen zeigen gerade die Beispiele der Tatze und der Farbe Magenta, dass die Blogsphäre sich mehr vom Bauch als vom Kopf leiten lässt und dabei nicht immer konsequent ist.

    Werbestrategen investieren viel, um bestimmte Merkmale – eine Tatze, eine Farbe, eine Reihe von Quadraten – in einem bestimmten Marktumfeld zu Erkennungszeichen zu machen. Und wenn dies gelungen ist, sei es durch viel Geld, sei es durch eine geschickte Kampagne, dann hat der Betreffende an diesem Merkmal in erhebliches wirtschaftliches Interesse. Wenn – wie bei JW – noch dazukommt, dass mit dem Merkmal auch ein Statusgefühl vermittelt und Menschen bereit sind, hierfür Geld auszugeben, dann kann man nicht einfach das Kind mit dem Bade ausschütten und fordern, dass solche Zeichen nicht mehr geschützt werden dürfen.

    Wo soll denn da die Grenze sein? Bei einem dreizackigen Stern im Kreis? Bei einem Blitz im Kreis? Bei einem angebissenen Apfel? Bei drei Streifen? Bei einem diagonalen Strich im Quadrat?

    Dies alles sind Beispiele für einfache, ja einfachste Zeichen, die berühmte Markenzeichen sind. Einfachheit ist kein Kriterium, sondern entscheidend ist, erkennt es der Markt als das Erkennungsmerkmal eines Unternehmens. Und das gilt für die Tatze allemal.

    Oder machen wir doch mal die Gegenprobe für Wortmarken: TEMPO ist als Wortzeichen noch viel banaler als die oben genannten Bilder. Darf es daher nicht mehr als Marke geschützt werden?

    Dass JW in seinem Schutzwahn völlig über das Ziel hinausgeschossen ist, bleibt unbestritten. Nicht jede Marke muss gegen jede noch so geringe vermeintliche Verletzung verteidigt werden; anders lautende Behauptungen sind dummes Zeug.

    Aber es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, solche Zeichen schützen und für sich beanspruchen zu können. Und wenn man es geschafft hat, mit einem solchen Zeichen ein wertvolles Stück Identifikation zu schaffen, dann muss es auch geschützt werden.

    Abmahnanwälte mag niemand. Aber hat schon einmal jemand versucht, sich als kleiner Produktdesigner oder sonst innovativer Produktpionier dagegen zu wehren, dass Tchibo, Aldi oder OBI das eigene Produkt kannibalisieren und massenhaft auf den Markt bringen und dadurch den Markt für das Originalprodukt auf Jahre – in der Regel für immer – kaputtmachen?

    Klar, hier schlägt das Herz für den Markeninhaber, den Kleinen. Und was, wenn er von Anfang an konsequent vorgeht und dadurch groß wird? Verdient er dann keinen Schutz mehr?

    Die Crocs sind nicht nur die Geschichte eines One-Trick-Pony ohne Gespür für den Markt. Sie sind auch die Geschichte eines Unternehmens, das sich nicht rechtzeitig darum gekümmert hat, sein Design zu schützen, und das in der Folge nichts mehr gegen Nachahmer machen konnte, die seine Preise, seine Marge und seine Vertriebskanäle kaputtgemacht haben, bis das Unternehmen selbst vor die Hunde ging.

    Ein guter Schutz und ein paar „Abmahnanwälte“ hätte helfen können, das Unternehmen am Leben zu halten.

    Schon mal drüber nachgedacht?

  19. ramses101

    @meylenstein: Das ist keine Behauptung, sondern tatsächlich passiert. Den Link hatte ich gepostet, der Kommentar muss nur noch freigeschaltet wird. Bis es soweit ist, googeln Sie einfach nach

    Bernd Kreutz telekom

    … und klicken dann im Fontblog oder direkt im Reklamehimmel auf den Artikel „Die Farbe Magenta und das Verhältnis von Macht und Recht.“

  20. meylenstein

    Stimmt trotzdem nicht, siehe oben. Auch die Telekom ist nicht über das Gesetz erhaben. Ich kenne den Fall gut.

    Und wenn Herr Kreutz meint, sich eine Luxuskanzlei leisten zu müssen (58.000 EUR sind ja kein Pappenstiel), die (geschätzte) EUR 400,00 in der Stunde kostet, und diese Kanzlei (offensichtlich) eine hohe dreistellige Stundenzahl an dieser Sache arbeitet, kann er sich nicht beschweren. Es gibt eine Menge renommierter Kanzleien, die solche Streitigkeiten bei den üblichen Telekom-Streitwerten gerne zum gesetzlichen Tarif abrechnen.

    Der zitierte Blog betreibt kräftig Legendenbildung und nimmt es dabei mit den Tatsachen nicht sonderlich genau. Und ein kritischer Blick auf solche Geschichten schadet nicht. Auch wenn man es gerne glauben möchte, weil ja schließlich die böse Telekom auf der anderen Seite ist.

  21. ramses101

    Was meinen Sie mit „siehe oben“? Der von Ihnen zitierte Paragraph stammt ja nun aus dem Zivilrecht. Markenrecht sehe ich da noch in einer anderen Ecke, aber da kann ich mich natürlich irren, ich bin kein Jursit.

    Ich kann Ihr Wissen was den Fall angeht natürlich schlecht einschätzen. Vielleicht lassen Sie uns teilhaben und schildern kurz, wie sich die Sache denn tatsächlich abgespielt hat?

  22. meylenstein

    Der oben zitierte Paragraph gilt für alle Arten von Zivilprozessen und natürlich auch für alle Markenrechtsstreitigkeiten, die ebenfalls vor den Zivilgerichten ausgetragen werden.

    Tatsächlich war es ganz einfach so: Telekom klagt, verliert die erste Instanz. Telekom legt Berufung ein, der Richter deutet in der mündlichen Verhandlung an, dass er die Klage nicht für begründet hält, und die Telekom denkt sich, soweit schlüssig, besser ein erstinstanzliches als ein zweitinstanzliches Urteil gegen sie und nimmt die BERUFUNG zurück.

    Damit kann Herr Kreutz die Kosten der ersten und der zweiten Instanz vollständig von der Telekom zurückverlangen.

    ES SEI DENN, er hat sich als Dreimann-Startup mit den handelsüblichen Dot-Com-Zahlen (Umsätze gegen Null, Geschäftsergebnise in Tiefrot) eine Luxuskanzlei geleistet, die erstens auf Stundenbasis abrechnet und zweitens kräftig Stunden aufschreibt, wie das jede Großkanzlei tut, wenn sie erst einmal die Honorarvereinbarung in der Tasche hat.

    Die behaupteten Kosten von Herrn Kreutz sind kaum nachvollziehbar. Selbst wenn die Telekom einen (exorbitant hohen) Streitwert von EUR 500.000 angenommen hätte, hätten seine Anwaltskosten bei knapp unter EUR 6.000 für die erste Instanz gelegen, für die Berufung wären noch einmal EUR 8.000 dazugekommen. Und all das musste die Telekom zahlen und hat sie auch.

    Und wie es zu dem Fall gekommen ist? Ganz einfach: Da hat ein übereifriger Junganwalt, der mit Magenta sein Meisterstück machen wollte (und auch gemacht hat, aber erst später), nennen wir ihn unverfänglich Dr. L., der Telekom geraten, unbedingt gegen MyFavouriteBook vorzugehen, weil er den Fall strategisch für passend hielt. War er aber nicht, weil der Bezug zu den Produkten der Telekom, für die Magenta tatsächlich bekannt war (seinerzeit: Festnetz, T-Online, T-Mobil), nicht groß genug war.

    So war das.

  23. ramses101

    Dann versteh ich zwar nicht, warum überall nur die eine Version verbreitet wird, aber seis drum, danke für die Einblicke. Nur: egal wie man es wendet, zeigt der Fall, dass das Mittel der Abmahnung eben nicht zwingend dann angewandt wird, wenn ein Verstoß vorliegt (was ja richtig ist und sein muss), sondern gerne auch wenn der Anwalt der abmahnenden Partei der Meinung ist, es würde sich (in welcher Form auch immer) für das Unternehmen lohnen. Darum ging es mir in erster Linie.

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