14.10.09
15:42 Uhr

Burda´s Kernzielgruppen im Web 2.0

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Folgt man den Erkenntnissen des Hauses Burda und ihrer Studie über “die Web 2.0 Typologie” (pdf), dann kann man als Planer und Targeter endlich wieder aufatmen. Man kann diese amorphe Masse namens Webuser eben doch kategorisieren, in Zielgruppen verorten, sie besser einschätzen, Werbung effizienter auf sie ausrichten und auswerten.

Was macht also nun die jeweiligen Gruppen aus?

Die Relaxten

“schlichte Unterhaltungsorientierte”
Oder wie ich es nenne: Die Bespaßungsfraktion. Und alle so “yeah!”.

Die Denkenden

“anspruchsvolle Strategen”
Früher sagte man dazu die “intellektuelle Elite”, aber diese liest und verliest lieber Bücher und eigene Werke im Reallife. Der Rest, der diese Meriten verdienen und auch endlich einmal auf der Couch vom “philosophischen Quartett” sitzen will, müht sich im Social Web, Aufmerksamkeit herzustellen und das Wissen der anderen für sich zu nutzen.

Die Sehnsüchtigen

“kontaktsuchende Mitläufer”
Genau die Typen, die seit ihren ersten verzeifelten Versuchen, in der hippen Schulclique Anschluß zu finden, jetzt ihre große Chance sehen, das Ganze via Facebook und optimierter digitaler Selbstdarstellung nachzuholen.

Die Skeptiker

“bodenständige Passanten”
Sind in der Statistik nur als Randgruppe präsent, denn denen ist das ganze “Socialmediagedöns” sowas von  Banane. Sie leben aber trotzdem und stellen als Verbraucher nicht selten die größte Kaufkraft.

Die Getriebenen

“informationsgetriebene Realisten”
Sind zwar Realisten, können diesen Realismus im realen Leben aber nur selten anwenden, weil die endlosen Web-Sessions ihnen alle Zeit rauben.

Die Freien

“konsumorientierte Individualisten”
Nennen sich zwar frei, sind aber zunehmend auch frei von Arbeitsplatz, Arbeit und Geld, was sie für ihre Lieblingsmarken zunehmend uninteressanter macht.

Die Fuehlenden

“emotionale Optimisten”
Sie fühlen das Web, trinken seine Seele, predigen allerdings eher das Wasser, während ihnen Wein, Weib und Gesang viel lieber sind. Das ihnen zur Verfügung stehende Bauchgefühl täuscht nicht, denn diese virtuelle Eigenschaft kann man zumeist als fleischgewordenes reales Wohlstandsbäuchlein tatsächlich auch fühlen.

Die Ruhenden

“Konservative Beobachter”
Herzlich willkommen bei der Kernzielgruppe von ARD und ZDF. “Die “Ruhenden” sind zwar nicht unmittelbar zu verwechseln mit denen, die im Ruhestand leben oder aber in Ruhe der Pension entgegensehen; das Lebensalter ist aber in der Regel ähnlich. Web 1.0-Fragen wie Reisebuchungen oder Mailverkehr erledigt meistens der Enkel im Auftrag.

Anlässlich der letzjährigen Medientage in München wurde diese Studie einführend als Basis genutzt (Videolink), um den Erfolg und das Konzept von “Ehre und Karriere” aufzuzeigen, welches inkl. TV-Kampagne als Musterbeispiel für “User generated advertising” entwickelt wurde. Laut Serviceplan hat man insgesamt gut 80.000 Unique Vistors und über 150.000 Page Impressions gezählt. Damit bewegt sich die “digitale Aufmerksamkeit” ca. in der Größenordnung des monatlichen Traffics eines einzelnen größeren deutschen Blogs…

6 Kommentare

  1. Dieter Schneider

    Gibt es auch Die Rasierten;-) Danke, lieber Roland, für den Link zur Studie und die Kurzfassung.

  2. Chris

    Sehr schön… :)

    [devil] Und wie würde der Werbende aussehen? [/devil]

  3. Brett

    Kann man machen. Kann man aber sein lassen. Es bringt offenkundig nichts, weil es einen Schubladenschrank aufstellt, zu dem es mindestens 10 Modelle als Alternativen gibt. Dieses Modell ist eher verhaltensorientiert. Schon wenn man mehr über Motivationen redet, kommt man zu anderen Einteilungen und würde z.B. feststellen, dass der Denkende und der Sehnsüchtige vom gleichen “Fieber” getrieben sind. Die größten Differenzen sehe ich darin, wie weit bei den Usern ihr “reales” Leben und ihre 2.0-Existenz integriert sind bzw. auseinanderdriften… Aber mal wieder schönes Beispiel für die Suggestivkraft des Rasterns. Da hat dann Burda ein ganz tolles System – und von nahem betrachtet hilft es den Targeting-Managern nur, kein schlchtes Gewissen zu haben, wenn sie das weitere Nachdenken und Beobachten beenden. “Und ist es auch Wahnsinn, so hat es doch Methode.”

  4. Nikolai Schulz

    ch versuche ein gemeinnütziges Projekt memoro.org/de zu pushen, in welche Schublade darf ich nun :-)?

  5. Thorsten

    Tja die Sinus-Milieus der nächsten Generation. Hut ab vor so einem Vorstoß.

    Manche lernen nicht und andere verstehens nicht.

  6. Raoul

    Nach der Klassifizierung habe ich mehrere Persönlichkeiten. Die Quadratur des Kreises kann nicht gelingen, ist aber zumindest ein Anhaltspunkt. Als Marketier braucht man halt die Schubladen, auch in den klassischen Medien ist die Streubreite vorhanden.

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