15:04 Uhr
Hartz IV wird abgeschafft?
Wird der Werbeblogger jetzt zum Polit-Blog?! Nein, aber: Politik ist Kommunikation. Sie lebt von der Vermittlung von Inhalten und verlässlichen Aussagen, die in Konsequenz real nachvollziehbar sind. Ganz wie in der Werbung entstehen die größten politischen Fehler dann, wenn ” Verpackung” (Werbung, PR) und gelebtes Handeln (Inhalt, Angebot, Produkt) nicht kongruent sind. Die dann bei den Bürgern entstehende “kognitive Dissonanz” beschädigt das Vertrauen in Politik und Parteien (Marken) maßgeblich. Daher nehmen wir hier im Werbeblogger in loser Folge auch Formen der Parteienkommunikation (im Web) auf und verfolgen kritisch die (Werbe-)Versprechen.
Das Lieblingsthema der Linken und des linken Flügels der SPD ist Hartz IV. Nach deren Meinung sollte dieser Dolchstoß sozialer Grundprinzipien umgehend rückgängig gemacht werden. Es könnte nun durchaus sein, dass die FDP diese Aufgabe in der neuen Regierung übernehmen will, unter maßgeblicher Beteiligung von Hermann Otto Solms, der als kommender Finanzminister gehandelt wird.
Alle sozialen Transferleistungen sollen dabei zentral vom Finanzamt verwaltet und ausgezahlt werden. Das Projekt firmiert unter dem Schlagwort “Bürgergeld” und könnte tatsächlich neue Bewegung in die Hartz-Diskussionen bringen. Denn egal wie man die Hartz IV Diskussionen bewertet: der Begriff ist verbrannt und besetzt praktisch auf keiner politischen Seite mehr viele positive Assoziationen, von den Bürgern ganz zu schweigen.
Daher ist es von der FDP kommunikativ durchaus geschickt, einen neuen Begriff im Kontext von Sozialleistungen ins Spiel zu bringen, den sie in Form eines Erklärbär-Videos erläutern:
Auch wenn das Video einige Längen hat, gefällt es mir. Betrachtet man nämlich die Parteien als “Marken”, dann ist die bisher größte Schwachestelle in der Außenwahrnehmung der FDP, dass sie bei vielen Menschen als “Klientel-Partei der Besserverdiener” angesehen wird, mit großen Defiziten bei Fragen der sozialen Gerechtigkeit.
Es gelingt der FDP mit der Besetzung des Themas “Bürgergeld” ziemlich gut, sich diesen sozialen Themen neu zu öffnen ohne ihr Grundprinzip der Leistungsgerechtigkeit zu verlassen. Die FDP ist damit eine der wenigen Parteien, die offensiv einen strukturell neuen Entwurf zu Fragen des sozialen Ausgleichs aufzeigen. Ob damit allerdings soziale Gerechtigkeit für alle Teile der Gesellschaft tatsächlich gelebt werden kann, hängt vor allem von den absoluten Zahlen ab, die sich im Video so schön hinter den wachsenden Balkendiagrammen verbergen.
Wenn das Bürgergeld z.B. gering genug wäre, könnte es natürlich für die Darstellung im Video schon ausreichen, im Niedriglohnsektor Geld zu verdienen, ohne aber tatsächlich eine wirklich brauche Grundlage für das Bestreiten des eigenen Lebensunterhaltes zu schaffen. Oder anders gesagt: wenn es die FDP beim Bürgergeld nur darauf anlegt, in der Substanz Sozialleistungen zu kürzen, dann bricht das grundsätzlich völlig richtige Konzept schnell in sich zusammen.
Für den längerfristigen Erfolg der FDP und den dokumentierten Willen der Führung, keine Klientelpartei sein zu wollen, wird es von entscheidender Bedeutung sein, wie diese Frage in konkreten Zahlen aufgelöst wird.
4 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 6. Oktober 2009 um 15:26 Uhr
Well done. Das Bürgergeld lenkt gut vom Hauptproblem ab, daß es eine Umverteilung von unten nach oben gibt und die soziale Marktwirtschaft, Wohlstand für jeden, abgeschafft wurde.
meudalismus.dr-wo.de...
+ 370.000 deutsche Millionäre.
Am 7. Oktober 2009 um 04:09 Uhr
Zurück mit dem Filmchen in die Revision und pidde prüfen auf Widersprüche in der Logik. Wie diesen Widerspruch da:
“Wer arbeitet soll auch immer mehr Geld haben, als der der nicht arbeitet!”
Fein, feine Ja-Kette aufgebaut (Staubsaugerverkäufer wissen was das ist, ehrbarer Beruf verglichen mit dem Beruf FDP-Politiker). Wer wollte dan nicht Ja sagen.
Aber was war da noch damit, dass “Ina” Bürgergeld dazu bekommen soll zu ihrem Job im Blumenladen, der doch fürs Leben nicht reicht? Ha.
Sie arbeitet zwar, aber bekommt eben nicht mehr Geld “als die, die nicht arbeiten” (ich zitiere nur).
Klartext:
Was mich an diesem Film heftigst stört, ist, dass er es als gottgegeben annimmt, dass es halt Arbeit gibt, die nicht nur schlecht entlohnt ist, sodnern saumäßig schlecht entlohnt ist.
Das ist klassisch FDP: Anstatt dafür zu kämpfen, dass jeder auch von seiner Hände Arbeit leben kann, unterstützt diese Zahnwalts- und gutverdienende Selbständigenpartei mit dieser bewussten Passivität doch alle die, die einen Vorteil davon haben, Jobs schlecht zu bezahlen.
Grund meines Grolls: Mir passt die ganze verlogene Richtung dieser FDP nicht. Denn ich bin für Mindestlohn. Und zwar so festgelegt, dass jeder davon leben kann. Dann braucht es dieses neue Plüschmonster “Bürgergeld” nicht. Da wird populistisch der Kampf gegen den “Bürokratie-Dschungel” versprochen, aber die Finanzämter dafür im Gegenzug aufgebläht. Wers mog, Milchmädchen-Spiel.
Im Grunde also Umverteilung: die Arbeitenden finazieren mit ihren Steuern indirekt die, die zwar “neue Jobs” produzieren und sich dicke tun, aber mies bezahlen. Zur Hölle damit. Und bevor ich bairisch lospoltere wie der Don, höre ich auf. 4 Jahre Wespen-Koalition (schwarz-gelb ist Wespe), Tauchstation ist angesagt.
Piratengrüße
Ach ja: Tendenziös ganz nebenbei, dass “Ina” auf dem Sofa dargestellt wird und Zeitung liest während neben ihr die ganzen” Unterstützungen” in Menge (sic!) hereinflattern. Nachtigall,…
Werber/Filmer wissen ahtl, wie sie was aufziehen müssen, um implizite und subtile Manipulation, äh Information reinzupacken.
Am 8. Oktober 2009 um 14:51 Uhr
Hippe Firma, die anscheinend so mies bezahlt, dass es sich nicht lohnt zu arbeiten (Siehe FDP-Spruch von “Arbeit muss sich lohnen” …):
stern.de/politik/deu...
Am 19. Oktober 2009 um 12:57 Uhr
@Vroni
Ohne das jetzt zur politischen Diskussion werden zu lassen nur ein Einwand: das Bürgergeld ist die Alternative zum ALG II. Bei diesem wird jeder Hinzuverdienst durch übermaäßige Abgaben quasi bestraft. Eigenständiges Hinzuverdienen lohnt sich ergo nicht – das ist doch unsere Ausgangslage. Im Bürgergeldsystem kann man bis zu einem maximalen Gesamteinkommen hinzuverdienen, ohne daß einem Abzüge drohen. Hinzuverdienst wird also belohnt. Ist durch eine bessere Bezahlung ein Einkomensgrad erreicht, der einem anhand regionaler Maßstäbe ein eigenständiges Leben ermöglicht, wird kein Bürgergeld mehr bezahlt.
Ziel ist es also, die Mobilität der ALG II Empfänger zu erhöhen, ihnen wieder mehr Anteil an der selbstbestimmten Gesellschaft zu geben, was auch goutiert wird, nimmt man den erheblichen Zuwachs an Stimmen für die FDP aus dem Bereich der ALG II Bezieher. Weniger staatliche Bevormundung ist das Ziel. Mindestlöhne machen dies auf eine andere Art.