24.09.09
12:33 Uhr

Seth Godin schafft vollendete Tatsachen

brandsinpublic

Folgende Situation: Etlichen Kunden hat man als Berater oder Agentur schon einmal erklärt, dass es sich auf viele Ebenen lohnen kann, teilzunehmen am Social Web, Fans und Kritikern ihrer Produkte zuzuhören und mit ihnen das Gespräch zu suchen.

Wie oft wurde schon heruntergebetet: “Ihre Kunden sprechen über Ihre Produkte und Marke, ob Sie nun dabei sind oder nicht – ob Sie es wollen oder nicht”, aber der Kunde zieht stur seine reine Senderstrategie im Web durch und kultiviert die gepflegte interaktive Ignoranz seiner Webpräsenzen auf hohem Designniveau.

Kommt man also bei bestimmten Kundengruppen so nicht weiter, muss man sie mit anderen Mitteln überzeugen. Einige Agenturen beginnen alternativ, ohne Auftrag etwas für einen Wunschkunden zu entwickeln. Das Problem: Findet der Kunde es immer noch nicht überzeugend, bleibt die Agentur auf der Arbeit und den teils großen Vorlaufkosten sitzen.

Ein neues Geschäftsmodell hat nun Seth Godin ausgerufen:

There are already monitoring tools online (like Radian6) that allow big brands to watch from behind the scenes. That’s great, but what are you doing in front of your audience? Is there a low-cost, easy way to let one of your non-technical marketing people lead and engage with people who are already in the conversation?

Logischerweise denkt er bei “low cost, easy way” an sein eigenes Unternehmen “Squidoo”, eine Publishing Plattform, mit der man einfach und schnell zu einem speziellen Thema eine Online-Präsenz generieren und pflegen kann.

Das neue Geschäftsmodell mit dem Namen “Brands in Public” setzt komplett auf diesem System auf und das Prinzip ist wirklich ziemlich pfiffig: Für Hunderte von Marken hat Seth ohne expliziten Auftrag des Kunden quasi “Präsenzen auf Verdacht” entwickelt und online gestellt, welche im Anschluss für einen monatlichen Sponsoring-Betrag von 400 US $ von der Marke übernommen werden können – wenn sie es denn will. Der Aufwand für die Erstellung individueller Contents wären natürlich enorm, aber Godin bedient sich dabei eines anderen Prinzips: Er (Squidoo) aggregiert bestehende Markenkonversationen und Artikel automatisch aus den bekannten Quellen des Web wie z.B. Twitter, Facebook, Google News, Blogsposts, Youtube, Flickr etc. und führt sie auf einer einzigen Page zusammen. Der zukünftige Kunde findet somit bereits eine brauchbare interaktive und mit dynamischen Inhalten versehene Markenplattform vor, die er dann gegen monatliches Entgelt in Eigenregie begleiten und ausbauen kann. Hat der Kunde daran (noch) kein Interesse, hält Squidoo via “Brands in Public” eben den Auftritt als “unofficial Brand Dashboard” vor und zieht durch die suchmaschinenrelevanten Schlagworte User auf das eigene Angebot.

Besonders gefällt mir, dass der Kunde nicht alle Teile des Auftritts “beeinflussen” kann, womit die Inhalte eben auch kritischer Natur sein können:

And once you take the page over, the left hand column belongs to you. You can post responses, highlight blog posts, run contests or quizzes. You can publicly have your say right next to the constant stream of information about your brand (information that’s currently all over the web-and information you can’t “take down” or censor). You can respond, lead and organize.

400 US$ im Monat ist natürlich ein Wort, aber für eine bekannte Marke ein vergleichsweise kleiner Betrag im Gesamtbudget. Was passiert wohl, wenn man diesen Konzept in Facebook mit “Facebook pages” und “Facebook groups” übertragen würde?!

Hinter “Brands in Public” steht neben Seth Godin und Squidoo ein weiterer bekannter Player im Mundpropaganda- und Empfehlungsmarketing-Geschäft: BzzAgent. Vergleichbar mit trnd.com in Deutschland versteht sich BzzAgent als Impulsgeber für Mundpropaganda-Marketing und liefert für die “Brands in Public”-Kunden ihr Produkt “BzzScape” gleich mit.

Tatsächlich ist die Basisidee von “Brands in Publicabsolut nicht neu, wohl aber die Tatsache, dass sich hier nachweislich Kenner des Word-of-Mouth Marketings zusammenschließen.

Praxistest

Natürlich musste ich zur näheren Recherche dieses Themas auch in die Funktionalitäten von Squidoo einsteigen. Um es praxis- und markennah zu halten, habe ich einfach ein Testprojekt aufgesetzt, dass ähnlich wie “Brands in Public” die Plattform von Squidoo nutzt. Die automatischen Werbeeinblendungen sind in diesem Fall “zwingend”, wobei diese Werbeschaltungen offensichtlich entfallen, wenn die Marke selbst Sponsor bei “Brands in Public” wird. Auch sind die freien Themes zur Gestaltung des Contents nicht zweispaltig wie bei “Brands in Public”, womit sämtliche Module bei diesem Beispiel untereinander stehen.

Das Prinzip wird aber deutlich und theoretisch kann nahezu jeder markenrelevante Inhalt aus dem Web mit eigenen Modulen aggregiert werden, auch ohne “Brands in Public”. Übrigens: Sollten die Kollegen drüben bei Daimler Interesse an dieser TestSite haben, gebe ich sie gerne weiter. Mail genügt, Preis Verhandlungssache ;-).

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3 Kommentare

  1. hiwelt

    Hm, bei aller Euphorie über diese “neue” Idee – es fühlt sich nie gut an, mit der Pistole auf der Brust zu seinem “Glück” gezwungen(!) zu werden. Aber vielleicht bin ich (als möglicher Kunde) einfach zu “old school”.

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @hiwelt Deswegen der dezente Hinweis von mir, dass das alles im Prinzip auch ohne Brands in Public bei Squidoo, aber z.B. auch mit netvibes und anderen Tools machbar ist.

  3. Kennstdueinen.de Blog

    KennstDuEinen auf Squidoo…

    Squidoo.com ist eine Plattform, die es bequem ermöglicht sog. “Hub-Pages” zu einem ganz bestimmten Thema zu erstellen. Dabei gibt es natürlich verschiedene Ansätze eine derartige Seite aufzubauen.
    Diese reichen von der professionellen Selbs…

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  • Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
  • ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
  • sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
  • iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
  • ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
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