13:54 Uhr
Kooperation der Freiwilligen?

Es ist schon ein wesentlicher Unterschied, ob Unternehmen oder auch Personen sich aus Überzeugung dem kollaborativen Prinzip der Kooperation nähern, oder ob vorwiegend aus rein wirtschaftlichen Notwerwägungen heraus eine Partnerschaft gesucht wird. Zu stark wiegt oft der pure Wettbewerbsgedanke und das Streben nach alleiniger Marktführung und Marktmacht, um für die Basis einer erfolgreichen Kooperation das Fundament zu legen.
Diese Fundament heißt “Share” oder ganz einfach gesagt: “Man muss auch abgeben können!”. Nicht jedem Unternehmer oder Manager liegt das wirklich im Blut, obwohl 10% von einem Wert immer noch die viel bessere Wahl sein kann als 100% von etwas Wertlosem…
Zu sehr richten sich die traditionellen Managementregeln außerdem danach aus, wie gut man im Vergleich zum Wettbewerb dasteht, zu üppig ist der belliköse Wortschatz der Marketinglehre, um den Gedanken der Kooperation einen offenen und neuen Interpretationsraum zu geben.
So bleiben nach außen proklamierte “Kooperationen” oft nur taktische Zweckbündnisse auf Zeit gegen einen Dritten. Historisch belegt ist diese Haltung auch in der Politik, als sich z.B. die Allianz von USA und der Sowjetunion nach dem Gemeinschaftsziel der Vernichtung Nazi-Deutschlands allzu schnell in einen Jahrzehnte andauernden kalten Krieg wandelte. Das Denkmodell “Der Feind meines Feindes ist mein Freund” scheint also eher der Antrieb zu sein, sich gemeinschaftlich zu organisieren, vor allem, wenn die ersten Versuche, den Gegner alleine zu besiegen, scheitern.
Kooperationen sollten aber nicht von einem gemeinschaftlichen Feindbild geleitet sein, die aus der Not entstehen. Fruchtbare Kooperationen -vor allem im Umfeld der digitalen Kultur und Medien- besinnen sich auf die gemeinsamen Stärken, die sie nachhaltig zum Nutzen der Partner und nicht zuletzt zum Nutzen ihrer Kunden! in die Gemeinschaft einbringen.
Übertragen wir diese Überlegungen nun auf die deutsche (und internationale) Verlagswirtschaft, dann wird deutlich, warum es den Verlagen und Medienunternehmen nicht wirklich gelingt, den dramatisch sich wandelnden Märkten eigene, konstruktive Geschäftsmodelle entgegenzusetzen.
Google als Stellvertreter und böses Kind der Internet-Wirtschaft ist das Feindbild und damit nur kleinstes gemeinsames Kooperationsmotiv, welches die Verlage scheinbar zusammenrücken lässt. Warum haben die Verlage es nicht selbst verstanden, alternative Suchmaschinen für eigenen Content ins Leben zu rufen?! Wie hilflos und bigott wirkt der Ruf nach der Regulierungsmutter Staat von einer Industrie, die wie keine andere Branche über Jahre die Möglichkeit gehabt hat, mit erherblicher Marktmacht, Öffentlichkeitswahrnehmung und Geld eigene Modelle zu entwickeln und zu publizieren?!
Wie beschämend muss es jetzt wirken, wenn ausgerechnet das Feindbild Google nun einen Vorschlag zum Micropayment macht?!
Ein Kommentar
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 7. April 2010 um 13:36 Uhr
[...] zur Schaffung eines gemeinsamen Genpools war eigentlich nicht vorstellbar oder beabsichtigt, aber irgendwie fühlt man sich nun doch “existenziell” [...]