10.09.09
14:49 Uhr

Mach dein Kreuz!

Fast hätte ich “Trage dein Kreuz” gelesen, als ich von der Aktion des Deutschen Bundestages erfuhr und ich mir die von Serviceplan Public Opinion (nettes Flash-Video Intro, warum kein Video zum Einbetten?) gestaltete Kampagne näher anschaute.

Tatsächlich ist es eine gute und wichtige Maßnahme, die Jung- und Erstwähler bewusst zu adressieren, um sie zur Wahl zu motivieren. Sie sind es, die am allermeisten die Last zu schultern haben, die die mittlere und ältere Generation ihnen als Staatsschulden hinterlässt und die durch die demoskopischen Entwicklungen von immer weniger Nachwuchsschultern getragen werden müssen.

Es geht um die Mobilisierung derer, die im ungünstigsten Fall einen Wohlfahrtsstaat finanzieren müssen, den die Heilsversprecher praktisch aller Parteien und politischen Lager gerne wieder ausrufen, wenn es zu großen Wahlentscheidungen kommt und sie ihre Klientel und Lobbys bedienen wollen.

Beeindruckend ist übrigens auch, was zum Beispiel diese junge politische Truppe mit Namen PETO auf die Beine stellt, die in ihrer Region (Monheim) tatsächlich rund 30% der Wählerstimmen erhielten und damit den Bürgermeister stellen. Für die Bundestagswahl kann sich die PETO noch nicht aufstellen, aber es zeigt, dass Politik auch die jungen Wähler berührt, vor allem wenn realpolitische und im Lebensumfeld relevante Themen gesetzt werden.

Alle Unterstützungskampagnen und Aktionen, die ggf. helfen, das Durchnittsalter der Wahlbeteiligten zur kommenden Bundestagswahl in Deutschland zu senken, sind daher sinnvoll. Frische Ideen braucht unser Land -- frische Kräfte -- und eine starke junge Stimme.

Auch Pro7 mit einem hohen Anteil an jungen Zuschauern aktiviert sich mit der Aktion “Geh wählen!”

Genau. Geht wählen!

Update: Auch das ZDF möchte eine Debatte…

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6 Kommentare

  1. Ex M

    Ich weiß nicht, ich stehe diesen ganzen Kampagnen, die junge Leute dazu motivieren sollen, wählen zu gehen, zwiespältig gegenüber. Weil sie eben immer bei dieser Aufforderung stehen bleiben.

    Sowohl diese alberne Kreuz-Aktion und der Pro7-Spot sagen an keiner Stelle (oder hab ich die übersehen), warum man denn als junger Mensch wählen soll. Weil Kreuze machen irgendwie lifestylig ist? Weil irgendwelche PRO 7-Nasen das auch tun (und offensichtlich auch keine Ahnung haben, warum?) Weil man sonst nichts “verändern” kann (und das ist noch die politischste Aussage)?

    Müsste man nicht Kampagnen machen, die jungen Leute klarmacht, dass es politische Themen gibt, bei denen es um ihren Arsch und ihre Zukunft geht und dass es sich lohnt, eine Meinung dazu zu haben?

    Das ist meiner Meinung nach das primäre Problem. Junge Leute sind doch nicht Nicht-Wähler weil sie mit ihren dezidierten Meinungen zu Mindestlohn, Gesundheits- und Rentenpolitik und Bundeswehreinsätzen im Ausland zu Hause sitzen und dann nur zu faul sind zum Wahllokal zu gehen. Sie gehen nicht hin, weil sie wirklich überhaupt keinen Anlass dazu sehen, sich mit diesen Themen auch nur oberflächlich zu befassen.
    Und diesen Leuten sagt man immer wieder: Geht wählen! Egal, was! Egal, warum!

    Überspitzt gesagt, wären mir 18jährige Nichtwähler lieber als eine Zufalls-Regierung, die von lauter desinteressierten Ahnungslosen gewählt wurde, die jetzt auch mal probieren wollten, wie sich das mit dem Kreuzemachen so anfühlt.

  2. thies

    nun ja. wolke und ihr regisseur sind ja noch irgendwie ganz nett, was aber hier, wie auch bei den prosiebenern am ende bleibt, ist das gefühl, die bundestagswahl wäre halt einfach so eine art castingshow, deren sieger und verlierer heut begleitet und morgen vergessen sind. wahrschienlich wäre die beteiligung größer, wenns per telefon über festnetznummern ginge (mobil wird teurer…)
    ich hoffe nur immer, stefan raabs erstwähler-cehck ist NICHT repräsentativ.

    und von den werbebloggerern wünsch ich mir mal eine übersicht über all die bemühungen von markenartikleren und unternehmen, aus dem event wahl ihren werbehonig zu saugen. die “bundeskampsler”-wahl einer großen bäckereikette ist momentan mein liebling.

  3. Six

    ad Ex M: Ich halte es für legitim, die Leute auch mit unpolitischen Kampagnen zum Wählen einzuladen. Das Kreuz ist für viele vielleicht der erste Schritt, sich mit Politik auseinanderzusetzen.

    Davon abgesehen, wieviel Ahnung muss man denn haben, um zum Wählen qualifiziert zu sein? Demkratie bedeutet die Herrschaft des Volkes und nicht der Universitätsprofessoren ;-)

  4. ramses101

    Ich glaube nicht, dass Jugendliche sich weniger für Politik interessieren. Ich glaube eher, dass sie nicht glauben, dass die Münteferings, Westerwelles, Gysis, Roths und Pofallas dieser Welt außer viel zu quatschen auch tatsächlich was bewegen können/wollen.

    Und das sind immerhin noch Politiker, die mit einigermaßen Herzblut am Start sind. Wenn ich mir die nächste Generation der Karrieristen anschaue, wird mir Angst und Bange. Der wichtigste Schritt wäre mal die Abschaffung der Drecksparteilisten, die bestimmen, welcher Speichellecker gewählt wird ohne gemeint zu sein und welcher Querdenker gefälligst draußen zu bleiben hat.

  5. joe

    @ex M:
    ich glaube, die problematik, dass “sie wirklich überhaupt keinen Anlass dazu sehen, sich mit diesen Themen auch nur oberflächlich zu befassen” ist eine grundsätzliche, alle sozialen schichten- und altersübergreifende.
    sehr viele nicht-erstwähler befassen sich auch nicht mit themen und wählen das sympathischste plakat-gesicht oder die einfachste aussage. wie erklären wir sonst die wahlerfolge der cdu/csu… ;)

    gleiches recht für alle.

  6. joe

    und machen wir uns mal nicht vor die jugend von heute wäre weniger an politik interessiert als vor 10 oder 20 jahren. im gegenteil. ich habe das gefühl, dass sich wieder MEHR junge leute engagieren. mit freundlicher unterstützung des internets.

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