23:29 Uhr
„Ach! könnten diese bleichen Blätter doch nur sprechen!“, oder: Video Is the New Print
Wie Caroline McCarthy auf cnet news (a unit of CBS) und Kenneth Li in der Financial Times (free registration required) gestern berichteten, werden die Leserinnen und Leser der nächsten Print-Ausgabe des Entertainment Weekly-Magazins im Raum New York und Los Angeles die ersten sein, die mit einer Philip-K.-Dickschen Innovation der Werbemittel konfrontiert werden:
When some readers of Entertainment Weekly open their magazines next month, they will discover characters from US television programmes speaking to them from a wafer-thin video screen built into the page.
Und worüber sprechen die TV-Charaktere? Über das Primetime-Programm von CBS und über Pepsi Max!
Die Aktion ist ein gemeinsames “Marketing Experiment” des amerikanischen Broadcasters CBS und PepsiCo. Die “Full Motion Video Ad” in der Größe eines modernen Mobiltelephon-Displays beruht auf Technologie von Americhip, die sich selbst als “The Leader of Multisensory Marketing” bezeichnen:
Americhip’s patented, revolutionary Video-in-PrintTM is the first ever digital print technology that delivers true video in print and allows consumers to download content from the Web directly into their print media.
[E]ach ad can handle about 40 minutes of video. [T]he screen, which is 2.7 millimeters thick, has a 320x240 resolution. The battery lasts for about 65 to 70 minutes, and can be recharged, believe it or not, with a mini USB cord--there’s a jack on the back of it. The screen, which uses thin film transistor liquid crystal display (TFT LCD) technology, is enforced by protective polycarbonate.
Hier ein Americhip Demo-Clip:
Die Kosten für die CBS/Pepsi-Anzeige wurden nicht veröffentlicht, und die Kosten-pro-Ausgabe sind schon allein deswegen schwer zu schätzen, weil Entertainment Weekly noch nicht darüber entschieden hat, in wievielen Ausgaben die Anzeige insgesamt geschaltet werden soll. Die Financial Times zitiert aber eine Schätzung:
One magazine industry executive with knowledge of the technology estimated that running one video ad in 100,000 copies would cost in the low seven-figure range. That would translate into a cost of several dollars per copy. By contrast, a full-page colour ad in Entertainment Weekly costs about 9 cents a page per copy.
Jetzt und hier ist es natürlich nur ein teurer Publicity-Stunt, aber bei der enormen Beschleunigung der technologischen Beschleunigung, die wir zur Zeit erleben, könnte diese Werbeform schneller zum alltäglichen Werbemittel werden, als wir denken. Überhaupt, zu Theodorus Nitz-Werbemaschinen ist es nicht mehr wirklich weit.
8 Kommentare
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- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...
- Brian: Der Titel ist genial. Danke :).

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Am 21. August 2009 um 07:40 Uhr
Hallo!
Ich bin ja nicht oft kritisch gegenüber neuen Ideen und Techniken, aber:
Haben die Produzenten / die Firmen, die damit werben wollen, darüber nachgedacht, dass sie ein neues Wegwerfprodukt entwickelt haben, dass die Umwelt richtig stark schädigen könnte?
Fakt ist:
- Zeitungen/Zeitschriften werden über kurz oder lang weggeschissen. Entweder man hat keine Lust mehr auf die Inhalte, das Papier ist verschlissen oder, wie bei diesem neuen Produkt, das Display ist kaputt, Akku defekt.
- Die Akkus dieser Bildschirme sind wahrscheinlich nicht gerade umweltfreundlich. Sie werden dann wohl im normalen Hausmüll?, Papiertonne? oder sonstwo landen nach Gebrauch…
- Die Ressourcen, die für ein solches Wegwerfprodukt benötigt werden, sind wohl nicht gerade gering. Der ökologische Rucksack (de.wikipedia.org/wik...) dieses Produktes wird wohl sehr groß sein.
Ich mag neue Technik, aber solch sinnfreie Wegwerfprodukte darf es nicht geben.
Gruß
Am 21. August 2009 um 10:33 Uhr
@DonP: Spontan ging mir auch dieser Gedanke durch den Kopf. Apropos “weggeschissen” in deinem Kommentar: Freudscher Lapsus, Stilmittel oder einfach nur ein Tippfehler? :-)
Am 22. August 2009 um 07:14 Uhr
@Roland Kühl-v.Puttkamer:
Ob hier wohl eine automatische Rechtschreibkorrektur geholfen hätte? Also: Ich habe ein “m” besorgt und bitte hiermit, es an die entsprechende Stelle einzufügen…
Mich wundert, dass es hier noch keine weiteren Meinungen zu diesem Produkt gegeben hat.
Gruß
Am 22. August 2009 um 11:29 Uhr
@DonP Ja das wundert mich auch. Vielleicht habe ich ja zwischen den Zeilen schon zu dystopisch vorgelegt? Vor allem hätte mich aber auch eine Medien-Diskussion über Sinn und Unsinn von Video-in-Print erfreut.
Interessant finde ich, was aus der Zukunft geworden ist, wie wir sie uns vorgestellt haben! „Multimediale“ Zeitungen spielten seit jeher eine starke Rolle in Science Fiction, Cyberpunk, moderner Fantasy und allgemeinen Gesellschaftsvisionen. Und jetzt, wo wir sie kriegen, interessiert es nicht bloß keinen, sondern das erste, an das wir denken, ist das Müllproblem.
Irgendwie entzaubert, würde ich sagen … ;-)
Am 22. August 2009 um 21:04 Uhr
Tja, die Zukunft ist auch nicht mehr was sie mal war. If you are hit by a picture, go back to the utopian workbench.
Am 23. August 2009 um 15:55 Uhr
[...] Mehr darüber erfahren Sie beim Werbeblogger! [...]
Am 5. September 2009 um 11:25 Uhr
[...] Der Screen hat eine Auflösung von 320 x 240 px – die Batterien halten ca. 60-70 Minuten und können per USB wieder aufgeladen werden – aber wer will das schon? Überhaupt wird der Sinn einer solchen Entwicklung bezweifelt: – das Ad ist laut und lässt sich nicht mal eben in der Lautstärke runterregeln – das wird den Sitznachbarn in der Bahn freuen – überhaupt wirkt es angesichts der Möglichkeiten von iPhone und Co. eher wie ein unbeholfener Versuch, das Medium Print doch noch irgendwie zu retten – die Schäden für die Umwelt sind bei einem solchen Wegwerfprodukt enorm – der ököologische Rucksack des Produkts dürfte wohl allen aktuellen Wünschen nach nachhaltiger umweltfreundlicher Produktion und Entsorgung arg widersprechen …und so haben “Multimediale Zeitungen” in Science-Fiction-Romanen zwar oft eine tragende Rolle gespielt – nur jetzt, wo wir sie haben, interessiert´s keinen mehr, oder? Quelle: Werbeblogger [...]
Am 8. September 2009 um 13:23 Uhr
[...] zu meinem Video Is the New Print-Eintrag fand ich auf japan marketing news einen Artikel über bewegte Papierwerbung in Japan [...]