19.08.09
13:31 Uhr

Skype TV-Spot irreführend?

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Manch einer hat sich schon gewundert, wenn er beim Burgerladen seines Vertrauens nach den schönen Bildern auf der Speisekarte auf sein Tablett schaut. Mit der food-gestylten, wohlproportionierten und appetitlich anmutenden Burgerablichtung  hat das fleischgekloppste, fettige Trauerspiel in seinen Händen nichts mehr zu tun. Michael Douglas regt sich in dem Film „Falling down“ u.a. auch darüber so auf, dass er den ganzen Laden aufmischt

Aber wer käme auch als Werber oder beauftragter Fotograf auf die Idee, die  kalte Realität abzulichten?! Außerdem: Wer würde denn als Privatperson sein Bewerbungsfoto morgens, direkt nach dem Aufstehen schießen lassen, ungewaschen, mit Schlaf in den Augen und fettigen Haaren?! Eben.

Werbung schönt. In etwa so wie Schminke. Wer schon einmal einen One-Night Stand mit gemeinsamem morgentlichen Erwachen erlebt hat, kennt den Effekt nur zu gut. Spätestens die gemeinsame Dusche offenbart: Die ganze oberflächliche Schönheit fließt -wenn man Pech hat- in einem tristen Rinnsaal Richtung Abfluss.

Skype macht auch Werbung, im konkreten Fal für seinen Videodienst und zeigt eine Familie, die vor einem großen Display im Vollformat das Neugeborene seinen Großeltern vorstellt.


Die ASA findet den Spot irreführend, weil die dort dargestellte Video- und Soundqualität nicht der Realität entspräche. Genauer: Skype wird aufgefordert, die Verbraucher deutlich darauf hinzuweisen, dass eine dem Spot vergleichbare Sound- und Videoqualität nur mit der letzten Version der Software (bei allen Clients) und einer sehr stabilen Breitbandinternetverbindung (bei allen Clients) realisierbar ist.

Leute, es ist Werbung! Was ist denn mit der Getränkewerbung, die in Großaufnahme z.B. ein eisgekühltes Bier zeigt, welches herrlich prickelnd und schäumend in das Glas läuft? Sollten wir den Verbrauchern nun im Spot erklären, dass ein vergleichbares Trinkerlebnis nur gewährleistet ist, wenn das Getränk auch zu Hause professionell vorgekühlt ist und auch das Glas nur frei von Fettresten eine schöne Bierblume ermöglicht? Oder vielleicht gleich erläutern, dass die Aufnahmen so intensiv geschönt und nachberarbeitet sind, dass Food-Stylisten daran einen ganzen Tag werkeln mussten?! Ich jedenfalls möchte das „Produkt“, welches als Torten-Bildmotiv z.B. bei Koppenrath & Wiese für die Shootings benutzt wird, nicht essen wollen…

Natürlich sollte nicht mit völlig falschen Tatsachen und Angaben geworben werden. Aber ein bisschen Schminke darf doch noch erlaubt sein, oder was ist eure Meinung?!

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10 Kommentare

  1. Thomas

    Wobei das Argument mit „Koppenrath & Wiese“ nicht ganz passt – die Produkte sehen dem Verpackungsaufdruck erschreckend ähnlich ;-)

  2. Armin

    Also sooo viel Schminke ist das gar nicht finde ich. Ich habe schon im Dezember 2006 einen „Full Screen“ Video call mit meinen Eltern gemacht, soweit ich mich entsinnen kann ging das schon damals erstaunlich gut.

    Klar haengt das ein bisschen von der Ausstattung und der Verbindung ab, aber dass das in der Werbung ein bisschen uebertrieben ist weiss doch sowieso jeder.

  3. Alex

    Naja, bis 4 Sekunden vor Ende des Clips wusste ich wirklich nicht, worüber das Video geht und was es bezwecken soll. Sicherlich kann man Werbespotts aufpeppen, aber diese haben dann auch etwas, das mitreist -> T-Mobiel Werbung vom Opernsänger. Da wurden zig Mal Leute mit Handy gezeigt, die sich darüber verständigt haben.

  4. André

    Ich denke, dass man hier zwei verschiedene Dinge voneinander trennen muss, um solche unterschiedlichen Bewertungen nachvollziehen zu können.

    D.h. es ist wichtig, dass das dargestellte Produkt die dargestellten Funktionen erfüllen muss, aber es grundsätzlich natürlich Abweichungen geben kann. Um einfach mal die obigen Beispiele aufzugreifen:

    Wichtig ist z.B., dass ein mit Käse dargestellter Burger auch wirklich bei jedem Kunden mit eben diesem Käse belegt, nicht jedoch, ob er exakt wie auf dem Bild zerlaufen ist.

    Oder: Wie das Bier schäumt ist von vielen Faktoren abhängig, aber es ist wichtig, dass bei jedem Kunden eben das versprochene Bier aus der Flasche kommt und nicht etwa Cola.

    Nehmen wir ein aktuelles Beispiel aus der Werbung in Deutschland: Wenn ein großer Telekommunikationsanbieter sein tolles, neues Multimediaangebot anpreist, dann wird der Kunde (wenn auch klein) darauf hingewiesen, dass er über bestimmte Grunddienste verfügen und in einer versorgten Region leben muss. Es ist aber kein Hinweis darauf nötig, dass z.B. die in der Werbung dargestellten Sportereignisse nicht immer so torreich ablaufen, wie es in dem Werbespot der Fall ist.

    Lange Rede, kurzer Sinn: Man kann in der Werbung vieles machen, um sein Produkt im besten Licht darzustellen. So kann man ein ansprechendes Ambiente wählen (chices Zimmer mit tollem Bildschirm), eine emotionale Situation konstruieren (stolze Eltern präsentieren das Neugeborene, viele Torszenen im Fußballspiel zeigen), das Produkt selbst optimal aufbereiten (gekonnt einschenken, liebevoll belegen) oder ausstellen (mit ansprechender Lichtfarbe anscheinen, passenden Hintergrund wählen) und vieles mehr.

    Nur wenn eine nicht vorhandene oder bei zumindest absehbar den meisten Kunden nicht verfügbare Funktionalität ohne Einschränkungen so angepriesen wird, dass sich dies dem Kunden nicht klar erschließt (das man von Redbull nicht wirklich fliegen kann bedarf hoffentlich keiner gesonderten Einblendung), dann ist ein Hinweis in meinen Augen mehr als angebracht.

    Man darf ja nicht vergessen: Diese Skype-Werbung spricht nicht bzw. nicht nur die Netzjunkies an, denen die Einschränkungen klar sein sollten.

  5. °flo

    Und kein künstliches Licht und kein Grading und Musik nur im On bitte! Ach und Dolly und Kran sind auch verboten. Ab jetzt alles aus der Hand! ;)

    Ich fand Dogma 95 schon albern.

  6. Martin

    na dann verklag ich Mc Donalds auch, der Burger kommt bei weitem nie so aus der Packung wie er in den Hochglanzbildern über der Verkaufstheke angepriesen wird – aber das ist wahrscheinlich das gleich wie bei Red Bull – McDonalds Burger können in der Realität einfach nicht lecker aussehen

  7. shibumi

    werbung ist doch immer übertrieben. zudem weiss man am anfang gar nicht worum es geht.

  8. axxelerate

    werbung sollte einfach sein. die meisten haben einfach besseres zu tun als über die „kreativität“ von leuten zu rätseln , die sie nicht kennen…und nicht interessieren.

  9. Mario

    so youtube.com/v/5O16C1...; könnte man das auch mache. Nur wo soll das alles hinführen ;)

  10. °flo

    „… zudem weiss man am anfang gar nicht worum es geht.“

    We bei einem guten Film. Man nennt es „Dramaturgie“.

Eure Kommentare

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  • WERBOU: Ich denke es ist in der Werbebranche sehr unterschiedlich. Gerade was in Sachen Grafik geht, wird meistens der Preis ziemlich gedrückt, was...
  • Thomas Beichel: Wirklich geschmackvoll ist der Werbebanner wirklich nicht, aber jede Werbeagentur wird ihnen recht geben, denn die Werbung erfüllt...
  • Sebastian: Was ich nie verstehen werde warum die nicht wirkliche Kulanz walten lassen. 10€ Guthaben tun dem Anbieter nicht weh.. für ihn bedeutet...
  • Roland Kühl-v.Puttkamer: Nein, tot nicht, wir leben und arbeiten ja alle und auch der Werbeblogger ist online ;-). Für die nähere Zukunft der...
  • Tina: Ist der Blog tot? Wäre echt schade
  • Gatzetec flashlights for friends: Wir denken der Auftrag wurde erfüllt. Gute Werbung für das Produkt und man schaut zweimal hin :-) Gibt es...
  • Detlef Arndt: Als Marketing Experte müsste man auch wissen, warum das so ist. Angebot und Nachfrage sind hier nicht im Einklag. Klare Sache. Daher...
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