23:26 Uhr
SMS am Steuer: Shockvertising, abendfüllend
Während das Hantieren mit Mobiltelephonen am Steuer in vielen europäischen Ländern mittlerweile verboten ist, nimmt das Erstellen von Text Messages bzw. SMS am Steuer als Todesursache unter Teenagern in Teilen der USA und auch in England (wo es ebenfalls verboten ist) in letzter Zeit dramatisch zu. Das sollte nicht verwundern. Eine ganze Reihe von Tests belegen, daß “texting and driving” von allen ablenkenden Aktivitäten am Steuer am ehesten geeignet scheint, die Kontrolle über ebenjenes Steuer zu verlieren:
Als eine Art abendfüllendes Shockvertising haben die Polizei im walisischen Gwent und die Schule Tredegar Comprehensive den Film COW gedreht, in Zusammenarbeit mit dem Filmemacher Peter Watkins-Hughes und Schauspielstudentinnen und -studenten. COW erzählt die Geschichte der Teenagerin Cassie Cowan, die bei einem durch “driving and texting” verschuldeten Unfall vier Menschen tötet. Wenn die Produktion abgeschlossen ist, hoffen die Initiatoren, diesen Film als Unterrichtsmaterial in den Schulen plazieren zu können, zunächst in Wales und dann in ganz UK.
Zwei Teaser (“Taster”) dieses Films sind auf YouTube verfügbar, aber der erste wurde bereits “geflaggt” und nervt mit einer Altersabfrage. Andrew Thomas von TGDaily kommentiert ganz richtig:
Unfortunately, some imbecile at YouTube, where the video is posted, has decreed that “This video may contain content that is inappropriate for some users, as flagged by YouTube’s user community. To view this video or group, please verify that you are 18 or older by signing in or signing up.”
This means that the schoolchildren at whom the video is aimed will be unable to watch it.
YouTube has so far failed to respond to calls from TG Daily.
Beide Clips sind “hinter dem Sprung” eingebunden.
Ich bin Shockvertising gegenüber gewöhnlicherweise eher kritisch eingestellt, und auch hier auf dem Werbeblogger hatten wir das Thema neulich bereits diskutiert anläßlich des “Stripping Spots” und der “Bleeding Billboards”. Aber ein Film geht über Shockvertising natürlich weit hinaus. Insbesondere gibt es hier, im Gegensatz zu 30- oder 45-Sekunden-Clips, nicht bloß eine gute Portion Special Effects, sondern echten Kontext: Charaktere, emotionale Entwicklungen, unterschiedliche Perspektiven und Identifikationsangebote.
Ich könnte mir vorstellen, daß es funktioniert.
19 Kommentare
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- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...
- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...

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Am 18. August 2009 um 01:33 Uhr
Texting While Driving ist nicht nur unverantwortlich & gefährlich – es nervt einfach, wenn ein Texter an der Ampel stehen bleibt oder extrem langsam fährt.
Am 18. August 2009 um 05:11 Uhr
Ich bin der Meinung das das Telefonier-Verbot dazu beiträgt das mehr SMSe getippt werden… weil man dabei eben nich so leicht gesehen werden kann… also… telefonieren wieder erlauben und härtere Strafen fürs Texten! Das is wirklich gefährlich!!!
Sorry ich find die den Clip trotzdem totaler Müll weil ich nichts von Shockvertising halte! Wer den Clip gut findet, findet wohl auch an Notruf und GZSZ gefallen :D
Am 18. August 2009 um 09:09 Uhr
Ohne den ganzen Film gesehen zu haben und wie das ganze dann in Schulen eingesetzt wird ist das schwierig zu sagen. Das grosse Problem bei all diesen Kampagnen ist meines Erachtens der “Mir wird das schon nicht passieren”-Effekt. Seien wir doch mal ehrlich, glaubt nicht im Geheimen fast jeder dass ihm/ihr “das schon nicht passieren wird”? Wir Menschen sind einfach so gepolt dass wir unangenehme Dinge und Sachen die selten passieren verdraengen und denken es wird schon gutgehen. Bis es halt doch mal schiefgeht.
Ich habe meine Zweifel dass Shockvertising da viel dran aendern kann und wird.
Am 18. August 2009 um 09:37 Uhr
Im Grunde sind die beiden Filme oben nur völlig unübertriebene Sachverhaltsdarstellung. So ist das halt, wenn so ein Unfall passiert. Da fließt Blut, da sterben Leute, da gibt es Schuld. Jetzt ist die Realität schon Shockvertising… Was das Wegschauen verhindert, ist vor allem die Länge. 30-Sekündern würde ich jede Wirkung absprechen, die sind zu schnell verdrängt.
Am 18. August 2009 um 09:39 Uhr
Eigentlich habe ich etwas ganz anderes gesucht. Google wird schon wissen, warum ich hier gelandet bin… ;) Interessanter Beitrag über ein Thema, welches von vielen leider noch nicht ernst genommen wird. Schlimm ist es erst, wenn man sich als Beifahrer dieses Drama ansehen muss… PS.: Cooler Blog!
Am 18. August 2009 um 10:13 Uhr
“Ich könnte mir vorstellen, daß es funktioniert.”
Ich auch. Und das, obwohl ich normalerweise die gleichen Vorbehalte gegen Sockvertising habe, wie oben angeführt. Dieses Mir-passiert-das-schon-nicht-Ding. Im Gegensatz zu friedrich bin ich aber der Meinung, dass es in diesem Fall gerade wegen der Länge funktionieren kann.
Wie läuft denn Shockvertising im normalen 30-Sekünder ab? Heile Welt wird aufgebaut, heile Welt endet mit Crash. Botschaft wird eingesupert, Zuschauer wird allein gelassen. Und da setzt der Clip (hab nur den einen gesehen) ja an. Wann ich das letzte Mal eine so realistische Darstellung der Folgen eines Unfalls gesehen habe, weiß ich nicht.
Das ist doch der eigentliche “Witz” bei der Sache. Jeder kann nachvollziehen was abseits von Schock und physischem Schmerz gerade in dem Mädel vor sicht geht. Und das mal schön unentspannte zwei Minuten lang. Das bleibt hängen und wirkt zumindest bei mir wesentlich stärker als der Crash selber.
Am 18. August 2009 um 10:15 Uhr
Sorry, hab mich verlesen: Natürlich stimme ich mit friedrich 100% überein.
Am 18. August 2009 um 10:26 Uhr
Ein Film über SMS am Steuer…
Normalerweise finden sich hier im weblog nicht oft Videos und Youtubeclips. Da ich gerade einmal wieder an drei Leuten vorbeigeradelt bin, die alle nicht wirklich mit Aufmerksamkeit am Verkehr teilnahmen muss ich diesen Film über SMS am Steuer doch mal…
Am 18. August 2009 um 10:28 Uhr
Jeder kann nachvollziehen was abseits von Schock und physischem Schmerz gerade in dem Mädel vor sicht geht. Und das mal schön unentspannte zwei Minuten lang. Das bleibt hängen und wirkt zumindest bei mir wesentlich stärker als der Crash selber.
@ramses101 Genau so geht es mir auch. Ich denke, Du hast da den Dreh- und Angelpunkt getroffen.
Am 19. August 2009 um 14:17 Uhr
Ich bin gespannt ob es am Ende eine Möglichkeit geben wird, das ganze werk online zu sehen
Am 20. August 2009 um 18:42 Uhr
@ramses101: manchmal ist es putzig, wo man sich begegnet … :)
den walisischen Film werde ich beruflich einsetzen, weil ich aus Erfahrung weiß, dass solche Filme Eindruck hinterlassen.
Ein weiterer harter Film ist
“Nur ein Augenblick”:
myvideo.de/watch/503...
Ich habe den Film mehrfach bei Unterweisungen über Persönliche Schutzausrüstung gezeigt – und bekomme selbst immer noch einen Kloß im Hals …
Was halten Sie davon?
Am 21. August 2009 um 11:05 Uhr
@A.R.N: Jaja, das Internet ist ein Dorf ;-)
Zum Augenblick-Film: Erfüllt seine Aufgabe sicherlich gut, aber die Ausgansposition ist m.E. nicht ganz zu vergleichen mit der SMS-Geschichte. Die Mir-passiert-schon-nichts-Einstellung dürfte im Umgang mit gefährlichen Gerätschaften eher weniger verbreitet sein. Aber es kann natürlich nicht schaden, das Bewusstsein dafür zu stärken.
Am 21. August 2009 um 16:05 Uhr
[...] Shockvertising: SMS am Steuer (Achtung harter Stoff!, via werbeblogger) [...]
Am 9. September 2009 um 13:09 Uhr
[...] Well done, YouTube. Again. [...]
Am 3. März 2010 um 20:57 Uhr
[...] zu denen gehört auf jeden Fall der halbstündige walisische PSA-Film COW, den ich bereits mehrfach | ansprach. In COW wird mittels Storytelling echter Kontext geschaffen mit [...]
Am 13. Juni 2010 um 03:49 Uhr
Eine ziemlich dumme idee, da siehst ja noch weniger was passiert als beim reinen telefonieren :)
Am 19. Juni 2010 um 20:27 Uhr
Egal ob SMS oder telefonieren, hat schon sein Gründe warum es verboten ist… und habe auch schon oft genug erlebt das man es sein lassen sollte.
Am 21. Juni 2010 um 15:54 Uhr
Naja bei den neuen touchscreen handys geht das eh nicht. bzw ist man noch viel mehr abgelenkt, als beim telefonieren.
Am 22. November 2010 um 19:34 Uhr
hab das schon oft gesehen, dass ein Touchscreen handy irgendwo links neben der A-Säule klebt und dann der fahrer gaaanz weit nach vorne gebeugt an dem ding rumhantiert. Keine Ahnung was sowas soll