11.08.09
13:30 Uhr

Kolle Rebbe und Shipyard retten die Ärsche der CDU?

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„Wir retten ihren Arsch“. So soll es geschrieben stehen in der Imagebroschüre von Shipyard, neben Kolle Rebbe ( Leadagentur) verantwortlich für die Plakatkampagne der CDU, die bereits eifrig auf die Hörner genommen wird.

Auf der agentureigenen Website macht Shipyard dann auch gleich visuell ganz deutlich, welche Botschaft ihnen zur Zeit am wichtigsten ist. Den Kopf der Startseite ziert CDU-Wirtschaftminister und CSU Parteimitglied Guttenberg; die Agentur selbst hinterlässt den Eindruck eines PR-Hofberichterstatters, der das Branding seines Auftraggebers noch über das eigene stellt.

„Wir haben die Kraft“ ist also das Leitthema der Kampagne (wie auch schon zur Europawahl), wobei diese eingedeutschte „Yes We Can“-Variante von  Generalsekretär Ronald Pofalla im eigenen Youtube-Kanal so emotions- und saftlos präsentiert wird, dass die konzeptionelle Grundidee bereits ad absurdum geführt wird.

Bereits zur Vodafone-Kampagne schrieb ich über die kognitive Dissonanz, die auftreten kann, wenn Werbung bzw. Inszenierung und Realität zu sehr auseinanderdriften.

Kaum eine Branche hat so dauerhaft und vor allem markenübergreifend an ihrer eigenen Image-Demontage gearbeitet, die sich durch einen dramatischen Kontrast von Werbung und schönen bunten Bildern einerseits und gelebtem Markenversprechen bzw. Service andererseits Ausdruck verleiht.

Ich muss mich korrigieren. Vermutlich wird der Wahlkampf 2009 und die Werbung in der Politik in diesem Kontext alles in den Schatten stellen. Die Kampagne ist austauschbar, beliebig und übrigens nicht geeignet, den Wertekern der CDU zu thematisieren. Den drastischsten Kontrast liefern dann auch CDU-Persönlichkeiten wie Wolfgang Schäuble oder Ursula von der Leyen, die in der Netzgemeinde nun wirklich nicht mehr viele Freunde haben.  Die Botschaften und Headlines erzeugen perfekte Steilvorlagen für viele enttäuschte und irritierte Bürger, die diese „kognitive Dissonanz“ postwendend durch eigene „Remixe“ aufzulösen versuchen.

Am Ende aber wird die Agentur wieder sagen: „Ist doch alles gut. Es wird darüber geredet und wir sind in aller Munde. Ziel also erreicht.“
Die CDU kuschelt sich dann vermutlich auch in alter Kohl-Manier zum knappen Wahlsieg. Die Kampagne ist dabei dermaßen entrückt von den drängenden Problemen, dass es schon fast weh tut. Aber was zählt das schon, wenn damit der Wahlsieg eingefahren wird.

Update: Markus von netzpolitik.org sieht sich wegen seines Aufrufes zum Remix der Kampagnenmotive diversen Fragen bezüglich des Urheberrechtes ausgesetzt und ist unschlüssig, ob er den Forderungen der Fotografin entsprechen soll.

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7 Kommentare

  1. o. bama

    „Am Ende aber wird die Agentur wieder sagen: “Ist doch alles gut. Es wird darüber geredet und wir sind in aller Munde. Ziel also erreicht.”
    Die CDU kuschelt sich dann vermutlich auch in alter Kohl-Manier zum knappen Wahlsieg. Die Kampagne ist dabei dermaßen entrückt von den drängenden Problemen, dass es schon fast weh tut. Aber was zählt das schon, wenn damit der Wahlsieg eingefahren wird.“

    sorry, aber: genau. darum ist es werbung. sie soll darum werben, den wahlsieg einzufahren. wo ist das problem? schon mal ein fundamental ehrliches wahlplakat gesehen?

    und was netzpolitik angeht: da pocht ein fotograf, der davon lebt, diese (ganz nebenbei ziemlich guten) bilder zu verkaufen, auf seine rechte. wiederum vollkommen in ordnung. was immer so schwer daran ist, sich damit abzufinden…?

  2. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @o.bama:
    „sorry, aber: genau. darum ist es werbung. sie soll darum werben, den wahlsieg einzufahren. wo ist das problem? schon mal ein fundamental ehrliches wahlplakat gesehen?“

    Die Plakatwerbung wird ganz sicher nicht dazu beitragen, den Wahlsieg einzufahren. Aber Agentur und Auftragsverantwortliche bei der CDU werden sich gerne mit den Lorbeeren schmücken, auch wenn die Schwäche des politischen Hauptgegners SPD der Hauptgrund für die „Stärke“ der CDU ist.
    Was die Rechte der Fotografin betrifft: Wer findet sich wo damit nicht ab?

  3. o. bama

    „Die Plakatwerbung wird ganz sicher nicht dazu beitragen, den Wahlsieg einzufahren. Aber Agentur und Auftragsverantwortliche bei der CDU werden sich gerne mit den Lorbeeren schmücken, auch wenn die Schwäche des politischen Hauptgegners SPD der Hauptgrund für die “Stärke” der CDU ist.“

    das ist ja auch nichts neues ;-)

    „Was die Rechte der Fotografin betrifft: Wer findet sich wo damit nicht ab?“

    hast recht, das gehört weniger hier hin als in die kommentarspalte auf netzpolitik. da stehen die kommentarspalten schon wieder auf „lasse doch klagen“. finde ich relativ unangenehm

  4. Claus Thaler

    Bin ich eigentlich der einzige, der bei Roland Pofallas Stimme immer an Theo Lingen in den guten, alten Paukerschreck-Filmen denken muss?

  5. dermachtdieworte

    Danke, Klaus! Und du bist nicht allein. Wobei ich spätestens, wenn er aufgeregt lispelt, das, schon mal das gefühl, der Herr wäre sowas wie der Quotenbehinderte in der CDU.
    Aber den Job hat ja wer anders.

  6. Roland Kühl-v.Puttkamer

    @o.bama: Nun bin ich kein Jurist, aber andere, die es wissen sollten…
    lawblog.de/index.php...

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    […] Wirklichkeit und dem rosaroten PR-Gedudel ist daher vielmehr eine erneute Einladung an alle, den nächsten kritischen Remix ins Leben zu rufen. Eine Instrumental-Version liegt dafür auch gleich bereit. Wir haben Euch […]

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