13:29 Uhr
Authentizität bei Testimonials: Generation Upload
Die “Generation Upload”-Kampagne, über die Roland in seinem Beitrag „Kognitive Dissonanz mit Vodafone“ schrieb, hört nicht auf, Nachbeben zu erzeugen. Zwar habe ich einen längeren Eintrag zu diesem Thema in der Pipeline, aber im Moment stolpere ich noch mehr schlecht als recht hinter einer Reihe von Arbeitsverpflichtungen her, die sich seit den Vorbereitungen für die remix09 bis zu meinem eigenen Endspurt letzte Woche angesammelt hatten.
Aber zum Fall „Schnutinger“ möchte ich direkt ein paar Worte sagen, weil es auch zum Thema meines gestrigen Beitrags „Authentizität bei Testimonials“ paßt — in den Kommentaren dazu wurde der Fall auch schon angesprochen. Der Vorgang ist an sich kurz umrissen, aber einige Begleiterscheinungen sind zusätzlich erwähnenswert. Die unter dem Alias Schnutinger bekannte Ute Hamelmann gehört zu den Menschen, die an Vodafones “Generation Upload”-Kampagne beteiligt sind, und sie plazierte einen Eintrag mit dem Titel „Twittermom“ im Vodafon-Blog, für dessen letzten Absatz das Attribut „unauthentisch“ schon fast wie ein Euphemismus wirkt.
Um diesen Absatz für sich selbst sprechen zu lassen:
Seit drei Monaten habe ich ein neues Handy, das HTC Magic mit Internetanschluss. Tolles Ding, mit wenig Knöpfen dran, das ist äußerst praktisch. Mein altes Handy hatte viel zu viele Knöpfe. Zu viele Knöpfe sind nicht gut, da gibt es für mich zu viele Möglichkeiten, versehentlich an ein Knöpfchen zu kommen. Mit dem neuen Handy geht das alles zum Glück leichter, ich erwische immer das richtige Knöpfchen und ich kann die Fotos sogar direkt auf die Plattform Flickr ins Internet hochladen und in mein Blog stellen. So geht mir nichts mehr verloren und meine Handyrechnung beschert mir seitdem auch keine böse Überraschung mehr.
In den über 200 Kommentaren wurden viele Aspekte, die sich hier anbieten, bereits durchdekliniert — einschließlich solcher Kleinigkeiten, daß die „Handyrechnung“ bei einem von Vodafone bereitgestellten HTC Magic in der Tat keine bösen Überraschungen bescheren sollte oder die Tatsache, daß sich auf Flickr gar keine Photos finden, die Ute Hamelmann mit ihrem Vodafone HTC Magic hochgeladen hätte. Auch die Verteidigungsbemühungen seitens der Beteiligten — Ute Hamelmann selbst, Vodafone-PR, Scholz & Friends-Vertreter und Kampagnen-Kollegen — machen es nicht wirklich besser; von abstrusen Begründungen, sie habe ihre Flickr-Photos zu Beginn der Kampagne „verständlichweise herausgelöscht“ (habe nur ich eine “Who can see these items? | Only You (Private) | Your Friends | Your Family”-Option auf Flickr? Und läge die Idee nicht nahe, ein oder zwei Nicht-Baby-Photo hochzuladen, wenn ich solche Behauptungen in einem Blog aufstelle?) bis zu solch kruden Strohmännern zum Umsäbeln wie dem folgenden, aufgestellt und umgesäbelt von Nico Lumma, Social Media-Berater für Scholz & Friends für Vodafone, der es ebenfalls verdient, zitiert zu werden:
Ernsthaft, man mag den Artikel nicht gut finden, aber gleich mit Unterstellungen zu kommen, die die Ernsthaftigkeit von Vodafone anzweifeln, finde ich auch nicht ok. Wir werden es garantiert nicht hinbekommen, daß die Autoren nur Artikel posten, die alle 100% gut finden. Jeder Autor hat eine andere Schreibe und andere Themen, aber die Bandbreite an Themen wird dieses Blog interessant halten.
Und als es bereits längst überfällig war, zuzugeben, daß hier die völlig falschen Noten gespielt wurden, die Zähne zusammenzubeißen und vor die Tür zu gehen und die Scherben der eigenen Glaubwürdigkeit aufzukehren, machte Ute Hamelmann lieber Türen und Fenster von innen zu mit den Worten „Eine Erfahrung mehr im Leben, auf die ich allerdings mit einem fünf Monate alten Babysöhnchen durchaus gerne verzichtet hätte, tja selbst schuld, ich weiß“, wobei mich das dabei hochgehaltene „fünf Monate alte Babysöhnchen“ spontan erinnerte an Sarah Palins legendären “How dare they boo Piper!”-Stunt oder Kentucky Fried Movie’s satirisches “Buy this car or I’ll shoot this puppy”-Commercial.
Sorry, But.
Was, wenn wir uns nun die Frage stellen, ob es sich bei Ute Hamelmanns Engagement für die Vodafone-Kampagne um ein Celebrity Endorsement oder ein Testimonial handelt? Hier, und auch bei den anderen Leitfiguren für die Vodafone-Kampagne, würde ich in der Tat eher von einem Celebrity Endorsement sprechen. Gewöhnlicherweise würde dies vieles entschuldigen — ist irgendjemand jemals auf die Idee gekommen, die berühmt-berüchtigten Suntory-Commercials für bare Münze zu nehmen? — und würde statt dessen die Erwartungshaltungen und die Maßstäbe der Kritikerinnen und Kritiker in Frage stellen, und zwar zu Recht. Das Problem liegt eher darin, daß wir von den Netizens speziell auch des (Social) Web 2.0 erwartet hätten und konkret erwartet haben, sich in der Testimonial-Kategorie zu bewegen, wenn sie sich schon für ein Produkt stark machen. Deren Engagement für ein Produkt würde auch dann kritisch betrachtet bis angefeindet werden, wenn es ehrlich und authentisch wäre, da bin ich mir sicher — aber ich könnte absolut nichts Verwerfliches darin sehen, in „meinem Medium“ ein Produkt zu bewerben, das ich selbst benutze und toll finde und an dem ich auch Kritik üben darf, wo es nötig ist. Und das genau ist auch der Anspruch, die Erwartungshaltung und der Maßstab, um den es hier geht. Nicht zuletzt auch aus der Geschichte des Mediums selbst heraus erwarten Netizens von anderen Netizens, speziell den berühmteren Exemplaren, Authentizität, und das läßt sich nicht einfach vom Tisch wischen mit einer “hey, it’s not like I owe you somethin’”-Attitüde. Wenn Leitfiguren aus dem Web 2.0 für die Vodafone-Kampagne ohne mit der Wimper zu zucken die echten und gefühlten Grenzen vom Testimonial zum Celebrity Endorsement überschreiten, ihre private (wie in diesem Falle) bis politische (wie im Falle Sascha Lobos) Integrität öffentlich demontieren, und das alles noch unter einer spektakulär unterirdischen choreographischen Leitung, finde ich es durchaus legitim, dies als Vertrauensbruch zu sehen. Ob die oft überaggressiven Reaktionen „angemessen“ sind oder nicht, ist dabei nicht die Frage — auch hier spielt die Geschichte des Mediums selbst eine große Rolle und, nun wirklich, was habt ihr denn erwartet?!?
Auch auf YouTube tobt im Moment der Kampf um Authentizität im Umfeld von Product Endorsements, und hier möchte ich noch ein paar Beispiele vorstellen, bevor ich das Thema zur Diskussion an die Kommentare weiterreiche. Eine der bekannteren Videobloggerinnen, Kristina Horner, hatte sich für die Ford Fiesta Movement-Kampagne wie folgt erfolgreich beworben (Achtung: mit etwa 3000 Wörtern/Minute ist Kristina Horner die Minigun unter den Videobloggern):
Supercool Ford Fiesta Movement
Ein anderer Videoblogger, Alex Day, postete einen Beitrag mit dem Titel “Selling Out” über Angebote, die er abgelehnt hat (u.a. Sanyo):
Worauf Kristina Horner eine Antwort postete unter dem Titel “Re: Selling Out”:
Was Alex und Kristina (gemeinsam) befürworten ist genau das, worum es geht: Authentizität und die native, sinnvolle, interessante, bereichernde und mediengerechte Nutzung des Social Web für Werbezwecke. Testimonials, nicht Celebrity Endorsements. Enthusiastische-plus-kritische Auseinandersetzung mit dem Produkt, keine Werbeschaltung. Authentizität, nicht Spin-Doctoring.
Vodafone hat sich im Rahmen dieser “Generation Upload”-Kampagne mit einem Schlag hochkatapultiert auf die Glaubwürdigkeits-Etage der Deutschen Telekom, die bis vor kurzem noch als unerreichbar galt. Und alle Social-Media-Enthusiastinnen und -Enthusiasten wissen nun, daß es immer auf jeden und jede Einzelne ankommt, wenn es um Authentizität, Sensibilität, Vertrauen geht. Die mediale Herkunft und die mediale Geschichte spielt dabei keine Rolle. Doch das sollte ohnehin längst gelernt sein aus der Mediengeschichte und der Geschichte überhaupt.
Zum Schluß aber noch ein Caveat. Daß ein großer Teil der Netzgemeinde Vodafones “Generation Upload”-Kampagne für ein Desaster hält, heißt noch nicht, daß die Kampagne nicht erfolgreich sein kann. Wir sollten nämlich nicht vergessen, daß die Zielgruppe eben gerade nicht wir sind, sondern Onkel Fritz und Bäuerin Brummig, die solche modernen Gadgets noch gar nicht besitzen! Und bei denen hat sich in dieser Hinsicht keine Vertrauenserwartung gebildet, die subjektiv und objektiv den Unterschied ausmacht zwischen Testimonials und Celebrity Endorsements, weder hinsichtlich der Geschichte des Mediums selbst noch hinsichtlich dessen zelebrierterer Vertreterinnen und Vertreter. Werbung ist dazu da, um zu verkaufen, und darüber ist für Vodafones “Generation Upload”-Kampagne das letzte Wort noch nicht gesprochen. Aber sich als Netizen von Vodafones “Generation Upload”-Netizens „verkauft“ zu fühlen bzw. deren Verhalten als Ausverkauf zu empfinden, halte ich für absolut, völlig, hundertprozentig, enthusiastisch legitim.
EDIT 22.7.09 23:45
Als Ergänzung zu diesem eher induktiven Eintrag (vom Speziellen zum Gesamtbild) möchte ich den eher deduktiven Eintrag (vom Gesamtbild zum Speziellen) “PRevanchisten und die Erfindung des Mobs” von Don Alphonso auf Blogbar zur Lektüre empfehlen, den ich für ganz ausgezeichnet halte. Und auch der dazugehörige Kommentarstrang ist lesenswert.
23 Kommentare
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 22. Juli 2009 um 14:07 Uhr
alles richtig, muss dir aber zu deinem letzten absatz widersprechen. mal abgesehen vom social media desaster ist die kampagne als WERBEkampagne schlicht und einfach… schlecht. die botschaft ist für onkel fritz unverständlich (wer sind diese leute und warum singen sie so schlecht?), was hat das “es ist deine zeit” (oder so ähnlich;) mit handys zu tun? und warum ist das sich selbst filmen mit einem vodafone-handy (wenn ich mal wieder vom hochhaus springe) besser als mit einem anderen?
ok, es ist eine marken-/imagekampagne, aber wenn nicht mal die BOTSCHAFT klar ist, und der emotionale schleim, der drüber gelegt wird auch noch irrelevant und verwirrend, dann wollen wir lieber gar nicht erst davon sprechen, dass auch eine imagekampagne schliesslich einen zweck hat, nämlich den markenwert zu erhöhen, also zu VERKAUFEN. und die unglaublich grottig gephotoshopten printmotive reissen es leider auch nicht mehr raus. schon gar nicht, weil onkel fritz iros schon immer suspekt fand und das mit dem “mehr erleben” eher mit hacking und molotowcocktails schmeissen verbinden dürfte.
wo sind nur die guten alten S+F tage der “wir können alles außer hochdeutsch” geblieben?
Am 22. Juli 2009 um 14:37 Uhr
“Ob die oft überaggressiven Reaktionen „angemessen“ sind oder nicht, ist dabei nicht die Frage — …”
Doch, das ist sie. Beziehungsweise war sie. Zumindest für Ute Hamelmann.
Finde ich übrigens wunderbar, das genau diese Diskussion nicht geführt wird.
Oder wo finde ich die selbstkritischen Blogeinträge zum Umgang mit einem solchen Fall?
Am 22. Juli 2009 um 14:55 Uhr
Ja, ja, und ja. Trotzdem ist das für mich auch eine ethische Diskussion. Manche Menschen nutzen des Web rein privat, nämlich um ihre Meinung in die Welt zu blasen, unabhängig davon ob es interessiert oder nicht. Andere »Netizens«, wie Du das trefflich formulierst, hingegen, nutzen die Dienste rund um Social-Media (fast) rein beruflich und zwar, um sich selbst zu promoten. Mit dem – meiner Meinung nach – klar gesteckten Ziel, letztendlich Geld damit zu verdienen oder Waren abzugreifen. Das ist leider nicht bei jedem »Netizen« auf Anhieb erkennbar, Stichwort Authentizität. Für eine weithin erfolgreiche Nutzung des Mediums mischen sich außerdem private und berufliche Interessen dermaßen, dass Leute wie Lobo oder Schnutinger kräftig eins auf die Mütze bekommen, wenn sie bei einer (vielleicht nicht ganz cleveren, für Otto Müller oder Lieschen Schmidt nicht verständlichen)»Hä? Wer ist das denn?«-Kampagne mitmachen und damit zumindest finanziellen Erfolg haben (ob klein oder groß entzieht sich meiner Kenntnis). Ob nun Testimonial oder Celebrity Endorsement, es bleibt wahrscheinlich für den Anarcho-Ich-War-Schon-Immer-Dabei-»Netizen« verwerflich. Das man dazu seine Meinung kundtut ist gut und wichtig, aber ich wünsche mir an dieser Stelle, weniger Pubertät und mehr gute Manieren beim kommentieren. Nicht verbunden mit Spießigkeit sondern mit dem Respekt vor dem Menschen der hinter dem User steckt.
PS: Ich werde Schnutingers Cartoons trotzdem vermissen.
PPS: vodafone hat das erste Kampagnenziel zumindest erreicht, denn das Unternehmen ist in aller Web-Munde ;)
Am 22. Juli 2009 um 17:20 Uhr
Sobald jemand für was bezahlt wird (und alle das auch noch wissen), ist Schluss mit absoluter Glaubwürdigkeit der Lobhudeleien. Ganz einfach.
Sollten sich Word-Of-Mouth-Praktikanten hinter ihre Ohren schreiben, wenn es schon die Werber und die PR-ler nicht kapieren. Ist doch so einfach. Ich wundere mich nur, weshalb sich jetzt von den Verantwortlichen gewundert wird, ist wohl anderer Planet.
Ansonsten
ist mir das alles zu kompliziert: Wer wann wo was gesagt hat und wer jetzt beleidigt ist und warum und wohin er seine nicht vorhandenen Sachen dennoch upgeloadet hat, das ist fuzzy, mag ich nicht. Interessiert mich nicht. Babykram auch nicht, ob von Schnutinger oder von …x. Auch Männer versuchen gern, die Tatsache, das sie kleine Kinder haben, für sich entweder subtil oder ganz vordergründig auszuschlachten. Mag ich auch nicht. Kinder sind Kinder und keine Marketing – oder Entschuldigungs objekte.
Am 22. Juli 2009 um 17:46 Uhr
“Sobald jemand für was bezahlt wird (und alle das auch noch wissen), ist Schluss mit absoluter Glaubwürdigkeit der Lobhudeleien. Ganz einfach.”
Nicht wirklich. Als mir Michael Jordan damals in der Werbung Nike Air “empfohlen” hat, war er absolut glaubwürig. Warum? Weil er und das Produkt in perfekter Relevanz mit einander verbunden waren. Und dafür hat er eine Menge Geld bekommen. Geld ist kein Ausschluss-Kriterium für Glaubwürdigkeit. Relevanz schon. Und daran hapert es ja eigentlich bei der Vodafone-Kampagne…
Am 22. Juli 2009 um 19:25 Uhr
Ich denke die “Weisheit der Masse” wird es langfristig richten und aufzeigen, was im Internet wünschenswert ist oder nicht bzw. was als authentisch gelten darf und was nicht. Dazu gibt es übrigens ein interessantes Buch bei Amazon “Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne”.
Viele Grüße
Tobias
Am 22. Juli 2009 um 19:42 Uhr
Nur im Spaß gekontert – ein Zitat von David Ogilvy:
“Haben Sie jemals ein Denkmal für ein Gremium gesehen?”
Am 22. Juli 2009 um 22:25 Uhr
[...] spaltet die Kampagne von Vodafone Blogger-Gemeinde. Schön nachzulesen unter werbeblogger. Nach dem Motto: Wie kann es sein, dass sich freie Geister wie Sascha Lobo derart [...]
Am 22. Juli 2009 um 23:49 Uhr
@ Tobias
Nix gegen Mike “Air” Jordan.
Er ist deswegen etwas glaubwürdiger, weil er als Leistungssportler vom Fach ist.
Dennoch weiß jeder: a) Er trommelt, weil er dafür bezahlt wurde. b) Evtel sind andere Schuhe als der Nike Air auch nicht wirklich schlecht. Wir rennen damit doch eh nur durch Pfützen zum Bus, wenns hochkommt.
Ich halte daher wenig von allzu feinen Differenzierungen, wer jetzt etwas glaubwürdiger oder doch etwas weniger glaubwürdiger sei. Zu fein. Das verlangte Insiderkenntnisse. Das Volk differenziert aber nicht, wenn es von solchen Mobbing-Quatsch wie dem Vodafone-Desaster hört oder wenn Boris Werbung für ein Handy macht. Das Volk denkt höchstens, dass solchen Bloggern mal ordentlich der Hintern versohlt gehört und macht null Differenzierung. Wozu? Weil es eh kaum weiß, wer Blogger sind. Das Volk denkt höchstens: Die spinnen! Und: Auwehzwick, der Boris hat wohl kein Geld mehr?
Glaubwürdigkeit leidet grundsätzlich bei Bezahlung:
Wes Brot ich ess`’ des Lied ich sing!
Am 22. Juli 2009 um 23:59 Uhr
Am Schluß des Beitrags habe ich unter „Edit“ gerade einen Link hinzugefügt zu einem anderen Blogbeitrag, den es sich zu lesen lohnt.
Am 23. Juli 2009 um 10:33 Uhr
Letztlich ist das doch eine Grundsatzeinstellung, ob ich die Kommerzialisierung in meinem Kulturkreis anerkenne, oder halt nicht. Man kann hier immer Analogien ziehen, zu Punk, Skateboard und Snowboard. Das trifft dann mal mehr mal weniger zu. Und je nach Einstellung werden dann manche Geld verdienen, und andere fühlen sich reich an Authentizität und Glaubwürdigkeit. Und wie Emotional das ganze Thema ist, sieht man ja an den heftigen Reaktion.
Letztlich Positioniert sich doch gerade jeder, und der gute – oben verlinkte – Don Alphonso funktioniert als Kunstfigur auch nicht nach anderen Gesetzen, als z.B. der Lobo. Aufmerksamkeit ist die Währung!
Am 23. Juli 2009 um 10:50 Uhr
Deinen letzten Absatz finde ich sehr gut! Generell zu behaupten die Kampagne ist sch…, weil Onkel Fritz die Leute nicht kennt und die Botschaft nicht gänzlich versteht, ist ein wenig kurz gesprungen. Denn wie wir ja alle wissen findet kommunikative Wirkung auf verschiedenen Ebenen statt – nicht nur im Verständnis der Botschaft (was zum Teufel hat ein trommelnder Affe mit Schokolade zu tun?)!
Es geht um Bekanntheit und Sympathie. Denn wenn Onkel Fritz Frau Hamelmann oder die Frisur von Sascha Lobo – dem verückten Hund – einfach super findet, assoziiert er positives mit der Marke, sie landet im relevant Set und er schaut vielleicht beim nächsten Vertrag auch mal im Vodafone Shop vorbei. Dann hat die Kampagne den Job gemacht. Ja, das bleibt die Kampagne noch schuldig, aber wir werden sehen, wie die Masse entscheidet, und ob die werten kritischen Blogger dieser Welt recht behalten.
Am 23. Juli 2009 um 11:38 Uhr
@tobsen – bin voll d’accord, aber: ein trommelnder affe ist wenigstens lustig – stockphotoähnliche posen wie die ute mit dem kind (heiliges! blechle), der turmspringer (gähn), oder der iro mit handy (onkel fritz fragt sich jetzt bestimmt, ob das geklaut ist), sind’s dagegen nicht. der kampagne ist weder relevant noch umgekehrt seltsam genug um’s zu werden, sondern nur schlichtes déjà vue. und das reicht auch für onkel fritz nicht mehr.
Am 23. Juli 2009 um 13:17 Uhr
no comment
(aus dem vodafone marketingleiter interview der horizont):
“Sascha Lobo macht keine Werbung für Vodafone… Wir wollen echte Typen, echte (!) Werbung (!!) mit authentischen Menschen.”
Am 23. Juli 2009 um 16:24 Uhr
[...] Kosmar – Vodafone Patrick – Was der Vodafone “Corporate Blog” Case wirklich kaputt macht J – Authentizität bei Testimonials: Generation Upload Udo – Surfpaket, ungefragt Bulo – Erste Erfolge der Vodafone-Kampagne: Herr Kruse und die Krise Don [...]
Am 24. Juli 2009 um 09:21 Uhr
Ok, holt alle eure Knüppel und Fakeln raus. Wir werden alle Leute die ganz böse sind und sich für Geld ihre Glaubwürdigkeit an den Teufel verkaufen, jagen und Mundtod machen. Wir werden alle Testimonials, inkl Heidi Klum, Michael Schumacher, Boris Becker, Iris Berben sowie Schweini und Poldi (und zig tausende mehr) schnappen und auf dem medialen Scheiterhaufen solange bequatschen, bis Sie vom Kapitalismus und Konsumzwang unserer Gesellschaft befreit sind. Was glauben den die da oben, wer wir sind? Uns kann man doch nicht durch Werbung und gekauften Testimonials emotional berühren. Seit auf der Hut liebe Freunde, der Feind (Marketeer) lauert hinter jedem Plakat und Spot, er versucht euch mit fairen und unfairen mitteln sich eurer Seele zu bedienen. Seit immer auf der huht und fallt nicht auf die banalen Kapagnen rein, die große Industrien euch aufzwingen wollen.
Hört auf eurer inneres und beherzigt folgenden Rat:
Wenn Ihr irgendwo eine Werbung seht und dort ist eine mehr oder weniger bekannte Person abgelichtet der ein Produkt anpreist, wo ihr ganz genau wisst “der bekommt Geld dafür” dann reißt das Plakat nieder, schaart euch noch mehr “anders denkende” um euch, lauft rebelierend und skandierend durch die Straßen und überzeugt noch mehr Leute davon, das die Werbung euch belügen möchte. Das Werbung eure Sinne vernebelt bis ihr kein Geld mehr in der Tasche habt.
Looos meine freunde, es ist eure zeit!
(Das ist eine Kritik an alle Blogger, die sich nicht mehr authentisch zu diesem Thema äußern. Dieses Thema ist durchgekaut und ausgespuckt, nochmal gekaut und nochmal ausgespuckt. Ich brauche nur 10min TV schauen und kann in jedem Spot euch ein gekauftes Testimonial zeigen (Promi oder nicht). Also warum verdammte scheiße wird dieser Kampagne soviel Aufmerksamkeit zugesprochen? Warum wird den nicht darüber geschrieben, das Michael Jordan für Nike Werbung macht und nicht für Reebook? SKANDAL! Und das er privat auch liber Adidas trägt. Er ist zu 100% ein Testimonial.
Testimonials sind IMMER (I M M E R) gekauft!!!
Am 24. Juli 2009 um 10:47 Uhr
Eine Kollegin von mir war letzte Woche im Kino. Als der Vodaphone Spot lief begann das ganze Kino zu stöhnen. Die Reaktanz gegenüber dieser Kampagne ist nicht nur auf das Medienumfeld beschränkt, sondern betrifft auch Onkel Fritz und Bäuerin Brummig.
Am 24. Juli 2009 um 12:01 Uhr
@sebastian brunner du warst bestimmt in nem arthousekino, wo lauter blogger sassen, die sich mal vom internet erholen wollten ;))
scherz beiseite, eine auch rein unter klassischen gesichtspunkten be******ene kampagne
Am 24. Juli 2009 um 19:52 Uhr
Danke für den Beitrag!
Und ebenso für die Diskussion.
Die Reaktion ist wie bei einem richtigen Overload. Und das betrifft beide Seite: Social Users und Unternehmen.
Unternehmen, da sie nicht immer den Mediumwechsel in ihren Marketingkonzepten schaffen.
Am 26. Juli 2009 um 18:05 Uhr
Ich finde die tolle Vodafone-Kampagne genial. Da waren Top Kreative am Werk, die eine innovative und starke partnerschaftliche Marke wie Vodafone neu und spannend inszeniert und damit den Kunden die Produktvorteile nahebringt und gleichfalls Identifikationspotenzial bietet. Die starke internationale Marke Vodafone trumpht hier mit Topstars der Szene auf und spricht genau die Sprache der Kunden. Auch der Titel “Heroes” ist ein zeitlos gewähltes Stück, das den Nagel der Aussage exakt auf den Kopf trifft. Vodafone spricht damit auf Augenhöhe der Kunden und ist ein starker und trendsicherer Partner rund um die digitale Kommunikation von heute und von morgen. Vodafone bedient die komplette Klaviatur der digitalen Welt. Web 3.0. Ein Top-Treffer für die Kreativen von Scholz und Friends. Die hohe Resonanz spricht klar für sich. Natürlich hat so ein starker interdisziplinärer Auftritt Neider.
Am 26. Juli 2009 um 18:09 Uhr
@jf *kicher*
Am 26. Juli 2009 um 23:17 Uhr
@J.Martin
Lieber Martin, da brauchst du gar nicht zu kichern. Das Angebot der Premiummarke Vodafone hat es nämlich faustdick hinter den Ohren. Ich habe mich soeben selbst unter vodafonelive.de davon überzeugen können, dass die Produkte neue Dimensionen der digitalen Epoche einleiten werden. Sogar Lobo ist begeistert. Jetzt kannst du mit dem neuen BlackberryStorm exklusiv via Vodafone auch via xing und facebook online bleiben und kannst rund um die uhr unabhängig bloggen. Die neue Freiheit. Das ist nicht mehr 2.0. Das ist einfach nur der oberhammer! Erzähle es gleich deinen Freunden. Auch werde jetzt zunächst mal meine Großmutter via Voiceover anrufen und ihr erklären, wie kinderleicht sie nun twitten kann. MfG
Am 27. Juli 2009 um 11:53 Uhr
@jf Sehr schön. Diesmal war sich sogar unser Spam-Filter nicht sicher, der oft einen überraschend guten Sinn für Subtiles hat.
Jetzt kann ich es mir doch nicht mehr verkneifen, auf dieses Kommunikationsjuwel zu verlinken; die Realität ist insgesamt letztendlich doch unschlagbar.