10.07.09
12:18 Uhr

Im Bauch von Twitter

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Sysomos Twitter Friends

Über Twitter als eine der wichtigsten und, in vieler Hinsicht, auch interessantesten aktuellen Social Media-Plattformen ist es notorisch schwer, aussagekräftiges Zahlenmaterial zu gewinnen — abgesehen natürlich von den Mengen unterhaltsamen Unsinns, die periodisch die Runde machen. Letzten Monat erschien von Sysomos eine interessante Studie:

Inside Twitter: An In-Depth Look Inside the Twitter World plus Appendix

Die habe ich dann auch prompt verpaßt, weil ich beruflich und akademisch im Moment am Hügel 937 kämpfe, bis ein Retweet meiner Twitter-Freundin Naomi mich gestern auf diese zusammenfassende Analyse stieß.

Leider habe im Moment nicht die Zeit und die Muße, die Studienbedingungen selbst zu analysieren, aber die Zusammenfassung legt den Finger gleich auf das übliche Problem: die zu geringe “sample size”. Allein schon deswegen sind alle Ergebnisse mit Vorsicht zu genießen.

Zwei Ergebnisse finde ich besonders interessant, das erste davon aber persönlich wenig überraschend: Die hohe Anzahl von Twitter-Accounts, die überhaupt nicht oder so gut wie nicht genutzt werden. Von der untersuchten Stichprobe twitterten 50,4% so gut wie nicht (kein Tweet im Verlauf der letzten sieben Tage vor dem Untersuchungszeitpunkt), und davon wiederum waren 21% der Accounts unbenutzt (die „Platzhalter“). Dies sind offenbar die „nackten Zahlen“ ohne Korrektive, was das Endergebnis in Richtung pi-mal-Daumen rückt, aber 50% regelmäßig genutzter Accounts ist ein nicht unplausibler Anhaltspunkt; ich könnte mir vorstellen, daß die Zahl der kaum oder gar nicht genutzten Accounts sogar noch deutlich höher liegt, wenn zum Beispiel für multiple Accounts pro User korrigiert wird. Was mich im Umfeld des kürzlichen #fixreplies-Desasters darin bestätigt, daß die 3%-Rechtfertigung von Biz Stone — “nur 3% aller accounts (sic!) benutzen diese Funktion” — hinsichtlich des Abschaltens der Option, auch Antworten der eigenen Follows an unverfolgte Twitterer zu verfolgen, die Microsoft-Trophäe für korporierte Wieselei verdient.

Das zweite und für meinen Geschmack interessanteste Ergebnis, zitiert aus der Analyse:

150 followers is the magic number. In a particularly interesting data point from the survey, Sysomos found that Twitter users tended to “follow back” all their followers up until about 150 connections. Then the reciprocation rate fell off dramatically, which seems to indicate that this number may be the crossover point where people shift from using Twitter for more personal use to using it more for “lifecasting” their thoughts and actions to a community of people who they feel varying levels of connection to.

„Interessantestes“ Ergebnis für mich nicht nur im Sinne der Auswertung, sondern auch im Sinne der Validität der Studie selbst. Denn hier sehe ich ein ganzes Bündel von Problemen im Umfeld von Zahlen, Methode und Auswertung: Die erwähnte mangelhafte Stichprobengröße; die Methode, wie herausgefunden wurde, daß es sich bis zum Abfallen um eine kontinuierlich ansteigende Kurve handelt ohne signifikante Fluktuationen; und die atemberaubende Bandbreite der Interpretation.

Hinsichtlich dieses Punktes will ich mich in den nächsten Tagen noch einmal in die Studienzahlen und -methoden graben.

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Ein Kommentar

  1. Johann

    Ja, die 150 Follower scheint Blödsinn zu sein. Nur mit Blick auf das Histogramm – „Twitter users tended to “follow back” all their followers up until about 150 connections“ erklärt überhaupt nicht, warum bei 150 eine echte Spitze ist. Um Sysomos These zu stützen würde ich eine gleichmäßige Kurve (egal ob linear, logarithmisch…) bis ca. 150 erwarten, dann einen Knick (schnelleres abfallen).

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