11:52 Uhr
Werber über 50. Ein urbaner Mythos?
Unser Leser Mark fragt sich und uns via E-Mail folgendes:
Ich arbeite seit drei Jahren als Texter. Um eine langfristige Perspektive in der Werbung richtig(er) einschätzen zu können, würde ich gerne erfahren, wo die “alten” Texter sind? Ich selbst (30) kann die mir bekannten über 45-jährigen Texter an einer Hand abzählen.
Fragt man Kollegen, erhält man die üblichen Antworten:
1. … haben alle eine eigene Agentur
2. … fahren Taxi oder betreiben eine Pommesbude
Falls ersteres wahr ist, wäre die Berufswelt eine einzige Werbeagentur – was zum Glück nicht stimmt.
Falls letzteres stimmt, sollte ich mit meinen 30 Jahren schleunigst einen anderen Weg einschlagen: Ich würde gerne auch mit 50+ einen Job ausüben, der mir Spaß macht. Schließlich kann nicht jeder eine eigene Agentur etablieren.
Gibt es also noch die Best-Ager-Texter in wahrnehmbarer Größenordnung oder hat die reifere Schreibergilde im angestellten Werbeumfeld keine Chance? Erwartet ggf. der Werbekunde ein “junges” Umfeld an Kreativen in seinen Agenturen oder ist es eher der Wunsch der Agenturen selbst, nach außen stets jung und frisch zu erscheinen?!
13 Kommentare
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- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
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- Ralf Hillmann: Da kann ich nur sagen, die Bezeichnung Video-Perle passt einfach perfekt. Da soll noch einmal jemand behaupten Werbung habe nichts...
- ralf schwartz: @Gerry K. Ich selbst rege mich immer am meisten über irgendwelche Tricks der Agenturen und Werbungtreibenden auf, aber die Angabe...

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Am 3. Juli 2009 um 12:20 Uhr
Die Sorge beschäftigt mich ab und an auch für die Zukunft.
Fünf Best-Ager-Texter kenne ich. Vier sind Werbeagenturen tätig und eine davon (die absolute Koryphäe für mich) ist selbstständig.
Als Grund für den eher jugendlichen Schnitt in Agenturen könnte ich mir auch vorstellen, dass die Älteren lieber solidere Arbeitsplätze für sich suchen. Wobei die Selbstständigkeit nun nicht zwingend als solide zu betiteln ist…
Am 3. Juli 2009 um 13:06 Uhr
Dieser Sorge kann ich mich nur anschließen. Junges Image hin oder her, ich fand es schon immer komisch, dass man in Agenturen so gut wie nie auf die Erfahrungen älterer Mitarbeiter setzt. Leider werden eben diese in der Praxis eher belächelt als beworben.
Wobei ich mir als Marketingleiter doch lieber einen erfahrenen Werber als Markenverantwortlichen wünschen würde als einen 25-jährigen Jungspund.
Aber vielleicht haben ältere Werber auch einfach keine Lust mehr auf 18h-Tage und eher schlechte Bezahlung. Aber da stellt sich doch direkt die Frage “Wohin mit 50?”. Welche Alternativen hätte wir als Texter denn?
Am 3. Juli 2009 um 13:41 Uhr
Alte Hasen mit Lebenserfahrung wären mir schon lieber
als junges Gemüse was noch nichts erlebt hat.
Am 3. Juli 2009 um 14:35 Uhr
Siehe dazu auch
designerdock.de/desi...
Am 3. Juli 2009 um 14:44 Uhr
Unterschlagen wurden die Varianten 3, 4 und 5.
3….sind als Manisch-Depressive gerade in einer dieser Phasen
4… warten auf den nächsten Hartz IV Scheck
5… erfreuen sich am aktuellen 1 Euro Job.
Weiterhin good luck in der Werbung.
Am 3. Juli 2009 um 17:16 Uhr
Vor fünf oder sechs Jahren bin ich genau einmal bei einem Stammtisch für freiberufliche Werbetexter aufgetaucht, aus Neugier. Da waren dann so um die 10 Kerle, die alle etwa 20 Jahre älter waren als ich oder mir zumindest so vorkamen. Die Texter in den Werbeagenturen, auf die ich so treffe, sind dagegen nahezu alle deutlich jünger. Diskriminieren Agenturen in Deutschland gegen ältere Jahrgänge oder fallen ältere Jahrgänge aus den Agenturen heraus, weil sie den Streß nicht mehr aushalten und/oder Routine ihre Texte ebenfalls zunehmen älter aussehen läßt? Keine Ahnung. Aber was die Statistik hierzulande sicherlich zusätzlich verzerrt ist die weitverbreitete Idee, daß ein „guter Texter“ letztendlich gar kein guter Texter sein soll, sondern ein guter Konzeptioner. Und die eigentliche Textarbeit dann an
den Kindertischdie Junior-Texterriege delegiert wird, die da natürlich auch nicht ewig sitzen bleiben wollen und sich darum nicht wirklich im Texten üben, sondern im Konzeptionieren.(Und so sehen die (Text-)Ergebnisse in der Regel dann auch aus ;-))
Am 3. Juli 2009 um 20:13 Uhr
Unsinn! Natürlich gibt es die mittelalten Texter. Aber eben gereift und damit zumeist in Funktionen, die dann eher leitender denn ausführender Art sind. Mit anderen Worten: aus Textern werden – wenn sie gut sind – irgendwann CDs. Nicht unbedingt, weil sie das wollen, sondern häufig, weil sie sonst (also “nur” als Texter) zu teuer werden.
Am 3. Juli 2009 um 20:42 Uhr
Sitzen zuhause und tun Geld zählen, weil sie nach all den Überstunden und Wochenenden nie mehr arbeiten müssen.
Am 6. Juli 2009 um 15:56 Uhr
Natürlich gibt es auch ältere Texter – und nicht nur Reinhard Siemes (sorry Reinhard). Nur sind jüngere mitunter gerngesehener, da diese viel arbeiten und wenig verdienen. Und natürlich auch noch formbarer als welche mit mehr Lebenserfahrung (mitunter mehr Erfahrung als die Agenturchefs selbst). Und es ist wahr: Gute Texter steigen in der Regel zum CD auf (wo sie je nach Agentur neben Präsentation und Konzeptionen auch noch Texte schreiben). Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel.
Am 6. Juli 2009 um 16:03 Uhr
Ein gutes Beispiel ist (bzw. war) auch Carlos Obers. Der hat bei RG Wiesmaier in München noch als fast 60-jähriger viele Texte selbst geschrieben. Feinsinnig und mit viel Sprachgefühl, z. B. für Strellson. Und dass obwohl er schon zig Jahre CD war.
Der gute Carlos hat sich heute einer anderen Branche (googelt mal Greta Brentano) verschrieben (und textet immer noch gnadenlos gut für die entsprechende Website).
Aber der reinen Texter bzw. reine AD mit über 50 wird heute eher als Unikum betrachtet und dementsprechend mit undankbaren Tagesjobs überschüttet.
Nur: Jeder ist sich selbst der nächste – oder wie ich immer sage:
“Love it – change it – or leave it!”
Am 7. Juli 2009 um 09:22 Uhr
[...] Werber über 50 Ein urbaner Mythos? Werbeblogger.de [...]
Am 7. Juli 2009 um 12:41 Uhr
Ich bin 41, hab’ Awards in Cannes, London und NY gewonnen und suche seit über 2 Jahren einen festen Job – als Texter, Stratege, CD, ganz egal. Ich habe lange frei gearbeitet und gut gelebt … aber mir fehlt ein Team, wo ich mich wohlfühle, wo ich auch mal Feedback zu meiner Arbeit bekomme (und nicht nur einfach Feuerwehrjobs abliefer’ und nie wieder was höre), darum will ich wieder irgendwo fest anfangen.
Dabei gibt’s 4 Probleme: 1) mit so viel Erfahrung stellt mich kein 32-jähriges Yuppie-CD als Texter ein, denn ich könnte ihm locker die Butter vom Brot nehmen. 2) “Alten Hasen”, die damit umgehen könnten, mache ich zu viel Internet. Damit können die nichts anfangen und sehen auch nicht die Relevanz für integrierte Kommunikation (selbst wenn die Kunden inzwischen über 50% online ausgeben und ihre Agentur deswegen gerade den Bach runtergeht) 3) Obwohl ich mich von vornherein mit wenig Gehalt zufrieden geben würde, falle ich durch’s Bewerber-Raster, das da lautet “Mitte bis Ende zwanzig, max. 3-5 Jahre Berufserfahrung”. Ich kriege dann nach 8 Wochen eine Absage “passt leider nicht 100%-ig zu unseren Vorstellungen blabla …”. Aber wer passt schon 100%?
Zu Bewerbungsgesprächen werde ich darum eher selten eingeladen: 2x durch Headhunter, 1x durch einen HR-Azubi, bei dem ich kein Alter angegeben habe.
Warum? a) um als CD geeignet zu sein, müsste ich einen “proven track record” haben und 100 Jahre als CD gearbeitet haben. Gleichzeitig sind CDs aus dem Textbereich online ultraselten, dort sind Ideen und Konzept eher designgesteuert. b) als Texter müsste ich idealerweise in den letzten 2 Jahren 20 Awards eingefahren haben. Während sich in Festanstellung noch jeder verfügbare Typ auf dem Flur für Awards eintragen lässt, ist das bei Freien “eher selten”. c) Strategie müsste ich als “Planner” lange Zeit gemacht haben. Und vielleicht mehr didaktisch als kreativ unterwegs sein ;)
Tipps für ein langes Werberleben? a) Vor allem dabei bleiben, langen Atem zeigen. Wäre ich in irgendeiner Agentur hängengeblieben, wäre ich heute schon 10x CD. b) neugierig bleiben, die Nase in den Wind halten und alle neuen Entwicklungen aufnehmen. Wer heute noch Online-Banner in Quark XPress in 300 dpi layoutet, kann sich morgen nach einem neuen Job umsehen. c) ein Team finden, wo man sich wirklich wohl fühlt. Oder versuchen, entsprechende Strukturen selbst zu schaffen und sich nicht darauf verlassen, dass das “schon irgendwie läuft”. d) Präsent sein (auch online) und Networking betreiben. Never eat alone ;)
Am 17. Oktober 2009 um 18:45 Uhr
Wenn ich TV-Spots sehe, den Spiegel oder stern durchblättere oder
Texte im Netz lese, kriege ich Pickel und splitternde Fußnägel.
Doch die jungen Texter, die das verursachen, tun das nicht aus Mangel an Begabung und Eifer. Sie werden gezwungen, Schwachsinn zu produzieren. Darum dieser Ratschlag, den ich selbst befolgt habe:
Schreibt Eure Texte zweimal. Einmal einen guten für Euch selbst.
Danach den Mist, zu Ihr vom Kunden oder Agentuchef gezwungen werdet.
Zeigt aber beide Versionen. Es ist durchaus möglich, dass ein Werbeleiter den guten Text nimmt, weil er besoffen ist.