11:56 Uhr
Publicis – Entlassungen in ein eigenes Job-Center?
Die Meldungen über die Pläne einer Transfergesellschaft für Entlassungen kamen fast zeitgleich zu einem Zeitpunkt, als Wolfgang Hünnekens, Chef von Publicis Berlin, auf der remix09 seine Gedanken zu “Crowdsourcing” ausführte.
Das Einverständnis der von Kündigung bedrohten Mitarbeiter vorausgesetzt, werden die betroffenen Menschen bei Publicis in eine eigene Gesellschaft “ausgegliedert”, bis zu einem Jahr mit 80% ihres bisherigen Nettoeinkommen bezahlt und bei ihrer Suche nach einem neuen Arbeitsplatz unterstützt.
Während viele Agenturen alternativ zumindest das Modell der Kurzarbeit in Erwägung ziehen, geht Publicis hier einen für die Kommunikationsbranche sehr ungewöhlichen Weg, wirtschaftlich nicht vermeidbare Entlassungen sozial zu organisieren.
Das Signal an die in die Transfergesellschaft entlassenen Mitarbeiter ist allerdings sehr unterschiedlich zu den Mechanismen und Prinzipien der Kurzarbeit: die Mitarbeiter dürfen sich wohl wenig Hoffnung machen, in eine Vollzeitbeschäftigung bei der Publicis zurückkehren zu können. Anderseits dürfte auch zeitweise Kurzarbeit nicht jedem Mitarbeiter garantieren, mittelfristig seinen Arbeitsplatz behalten zu können.
4 Kommentare
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- ralf schwartz: @Markus Danke. Und: Interessant. In allen Altersgruppen? Eher von Männern oder von Frauen?
- Markus: toller Artikel. “Erstmal zu Penny” ist für mich ein gutes Beispiel für einen erfolgreichen Slogan aus der jüngeren...
- ralf schwartz: @Hen Du unterstellst also, da gäbe es noch Hirn!? Ich habe manchmal wirklich nicht mehr den Eindruck. Wenn man sich allein diese...
- ralf schwartz: @Marcel Hast Du ein Blog? Kann man irgendwo die Arbeit lesen? Wäre doch bestimmt spannend …
- ralf schwartz: @AndreasK @Armin Hehe, danke für die Links! Cool.
- Hen: In diesen Kommunikations-Etagen scheint ein Virus umzugehen, der rasende Kopfschmerzen verursacht, sobald sich im Hirn ein eigenständiger...
- Marcel: Interessanter Artikel. Ich bin auch der Meinung, dass hinter den angeblich so tollen Slogans nichts dahintersteckt. Wobei ich sagen muss,...
- Sascha: Danke für den Beitrag, ein schönes Fazit – ich bin ganz bei Euch!

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Am 16. Juni 2009 um 13:04 Uhr
Meine “andere Meinung”:
das Verfahren erinnert ein wenig an den Windows-Papierkorb (Recycle Bin), bei dem man einen Löschvorgang rückgängig machen kann. Offenbar scheut da jemand eine klare Ansage mit klaren Konsequenzen (schlechtes Gewissen?)
Positiv daran finde ich den neuen Lösungsansatz – sofern der Ankündigung “bei [der] Suche nach einem neuen Arbeitsplatz [zu unterstützen]” auch konkrete, hilfreiche Taten folgen. Hoffentlich macht sich der Name der Transfergesellschaft auch im Lebenslauf gut.
Am 16. Juni 2009 um 14:22 Uhr
Das “eigene Job-center” ist eine gut abgefederte Entlassung. Die Ausgelagerten sollen im Gegensatz zur Kurzarbeit nicht zurück-, sondern woanders unterkommen.
Das Transferkurzarbeitergeld wird wie Kurzarbeitergeld und ALG 1 von der Agentur für Arbeit finanziert. Der Arbeitgeber spart vom ersten Tag an Gehalt (und ggf. Abfindungen, Prozesse etc.), während die ausgelagerten Mitarbeiter ein Jahr Zeit haben, was anderes zu suchen, wobei ich nicht sicher bin, wie viel sie noch inhaltlich arbeiten.
Bei Wiki steht’s so:
de.wikipedia.org/wik...
[...] bieten sich den Unternehmen mit dem Instrument der Transfergesellschaft folgende Vorteile:
* Imagegewinn trotz betrieblich notwendiger Personalanpassung
* Vermeidung von Kündigungsfristen, denn die Arbeitnehmer treten sofort über, die ansonsten zu bezahlenden Auslauflöhne/-gehälter werden in die Finanzierung der Arbeitsverhältnisse in der Transfergesellschaft umgewandelt
* Verbesserung der Liquidität, weil die Auslauflöhne/-gehälter in der Regel über einen wesentlich längeren Zeitraum ausgereicht werden als bei bloßer Weiterzahlung während der Kündigungsfrist
* Vermeidung von Kündigungsschutzklagen einschließlich der bilanzrechtlichen Konsequenzen
* Bessere Kalkulierbarkeit der Kosten des Personalabbaus
Für die von der Kündigung betroffenen Mitarbeiter bedeutet der Eintritt in eine Transfergesellschaft:
* Vermeidung bzw. zeitliche Verschiebung von Arbeitslosigkeit (Aufschub des Arbeitslosengeld I-Bezugs für die Dauer der Transfergesellschaft)
* Ununterbrochener Verlauf von Entgeltpunkten in der Rentenversicherung
* Bezug von Transferkurzarbeitergeld für maximal zwölf Monate
* Professionelle Betreuung in der beruflichen Neuorientierung
* Finanzierung von Weiterbildungsmaßnahmen
* Teilnahme an innerbetrieblichen Qualifizierungsmaßnahmen (Probearbeit)
* Bewerbungen aus einem Beschäftigungsverhältnis heraus
* Risikolose Arbeitserprobung bei einem potentiellen neuen Arbeitgeber durch Ruhendstellung des Arbeitsverhältnisses in der Transfergesellschaft
Am 19. Juni 2009 um 21:10 Uhr
Ein Bedingungsloses Grundeinkommen ist die einzig menschenwürdige Lösung. Natürlich kann ein Unternehmen das alleine nicht durchziehen, das ist schon Staates Sache.
Am 21. Juni 2009 um 19:20 Uhr
Will jetzt nicht zynisch klingen, aber Kurzarbeit in der Agentur klingt für mich wie “Full-Time bei halbem Gehalt”. Den “Kurzarbeiter” will ich sehen, der um 14 Uhr den Griffel fallen lässt, obwohl gleich ein Brainstorming o.ä. ansteht und der Kunde morgen Ergebnisse sehen will. Gerade in schweren Zeiten (vulgo: bei nackter Existenzangst) ist ja Engagement ganz besonders gefragt! Es sei denn, die Agentur hat eh nichts zu mehr tun. Dann hilft aber auch Kurzarbeit nicht lange weiter. Ich gebe dem Modell kein halbes Jahr.