16:06 Uhr
Palm Pre Flow Commercial: Daumen hoch!
Das (von mir noch ungelesene) Gegenstück von Markus zu diesem Eintrag findet sich hier:
Palm Pre Flow Commercal: Daumen runter!
Palm Pre Flow Commercial
Spot von Modernista, choreographiert von Sun Yupeng, Choreograph (oder einer der Choreographen) für die Eröffnungszeremonie der Olympischen Spiele 2008 in Peking:
Palm Pre — Flow
Zu Beginn des Spots mußte ich grinsen, als die Hauptdarstellerin mit ihrem Pre als allererstes eine erhöhte Position anstrebt: Sprint, an den der Palm Pre in den USA gebündelt ist, bietet zwar modernste Technik an, hat in Sachen Abdeckung aber noch deutlich aufzuholen gegenüber Verizon Wireless and AT&T Mobility. Das war dann aber schnell vergessen, denn ich fand den Spot insgesamt gelungen und ausgesprochen ansprechend. Kurz darauf las ich dann diesen Tweet von Markus, er meinen Antwort-Tweet darauf, und schon war dieser Doppelpost geboren.
Punkt 1: “iPhone-Killer”. Ich persönlich habe den Palm Pre nie als iPhone-Killer gesehen, und ich glaube auch nicht, daß Palm sich dieses Ziel gesetzt hat oder setzen sollte. Ich sehe Palm Pre und WebOS vielmehr aufgestellt als Konkurrenz und Alternative im Flaggschiff-Markt des Mobile Internet — RIM, Apple, Android. Da ist noch eine Menge zu holen, ohne daß sich irgendeiner der Kontrahenten als “Killer” betätigen müßte. Außerdem, eine der wesentlichen Charakteristiken eines solchen “Killers” wäre es, fokussiert und konsequent tatsächliche oder potentielle Kunden aus der Zielgruppe der Konkurrenz herauszulösen. Das wäre zum jetzigen Zeitpunkt sicherlich für keinen der Beteiligten besonders sinnvoll.
Punkt 2: Zielgruppen. Palm stellt sich im Moment „breit“ auf, wie es so schön heißt, und daran kann ich nichts Verkehrtes sehen. Das Flow-Commercial geht eindeutig in Richtung Lifestyle, Ease-of-Use, Connectedness; mit der Tastatur punktet der Pre im Business-Segment; und die Fan/Geek-Ecke ist gut bedient und wie üblich auch ganz von selbst aktiv — hier ein Review-Roundup auf bbg und eine Fülle von Videos und Feature-Besprechungen auf pre|central. Dazu hat @gruber noch eine weitere Beobachtung gemacht:
The Pre will let you run too many apps at the same time and suffer the consequences. The iPhone will not.
Palm has chosen a different trade-off than Apple in this regard, and it might help them carve out a segment of the market that the iPhone does not, and probably never will, appeal to—the “don’t treat me like a child, let me shoot myself in the foot if I want to, I despise artificial constraints imposed upon me” crowd. Some expert users will see the Pre’s stance as a huge win.
Hinzu kommt, daß für die App-Entwicklung wesentlich mehr Freiheiten und Möglichkeiten zur Verfügung stehen werden und sich niemand mit dem einerseits zwar unheimlich bequemen, andererseits aber kapriziösen, willkürlichen und für viele Entwicklerinnen und Entwickler frustrierenden und zahlungszähen iPhone App Store herumschlagen muß.
Von daher finde ich, daß das Flow-Commercial sich mit seiner Lifestyle-Ausrichtung sehr gut einfügt in den Ansatz einer breitbandigen statt fokussierten Zielgruppe in einem Markt, der gerade erst angefangen hat, sich zu entwickeln.
Punkt 3: Features. Ich bin sicher, daß Feature-Rich-Commercials in der Pipeline sind (dazu auch gleich noch mehr von Gary Koepke von Modernista). Aber wäre es sinnvoll, clever und weise, damit anzufangen? Hier ein Zitat auf AdAge dazu von Herrn Kaiser:
“They’re leading with an emotional offering, which I think will be a disconnect[.] People are emotionally attached to their phones, but they also have a rational set of criteria about a phone’s features set, its applications and functionalities. [Palm has] taken a metaphoric and emotional approach to introduce the product. I think people will say, ‘What a pretty ad,’ but later they won’t remember what it’s for[.]”
Jon Kaiser ist laut AdAge “a former ad executive turned independent consultant” und ich wünsche ihm viel Glück auf seinem freiberuflichen Weg, denn mit solchen Allgemeinweisheiten wird er das auch brauchen. Herr Kaiser tut so, als wäre dieses Eröffnungs-Commercial die gesamte Palm-Kampagne, als wäre der Highend-Markt für das Mobile Web bereits randvoll mit Anbietern und Me-Too-Produkten und als wäre die Marke Palm ein Newcomer, die Menschen sich erst mühsam merken müßten. Dazu Gary Koepke, der Mitgründer und Executive Creative Director von Modernista, zitiert aus dem gleichen AdAge-Artikel:
“The first salvo was meant to relaunch the Palm brand, hence the high-concept approach[.] It’s a good-feeling ad [...] We’re not trying to be everyone else. It’s celebrating that Palm is back and they have something new. We’re trying to make a splash.’ Future spots will provide more close-ups of the phone and its features, Mr. Koepke said, since the fan base naturally will want to see a features-driven campaign.
Eben. Wer als allererstes die “Features” sehen will, ist die Fan-Base. Und ich denke nicht, daß diese Gruppe als allererstes bedient werden muß als Eröffnungszug, zumal das Internet in Sachen Palm Pre-Features geradezu explodiert. Überhaupt: Wo sind all die Stimmen und Kritiken, die Apple vorwerfen, keine “Feature-Driven-Campaigns” zu führen? Habe ich da etwas verpaßt? Hier das erste iPhone-Commercial von Apple zum Vergleich:
First iPhone Commercial from the Oscars
Fazit. Das Flow-Commercial ist in erster Linie eine Lifestyle-Anzeige mit Schwerpunkt “Image” und “Benefits”. Dazu werden Elemente der Handhabung sehr sparsam gezeigt und eingesetzt, gerade genug, um zu verdeutlichen, daß die Handhabung einfach und der Palm Pre nicht als Super-Gadget für Über-Geeks aufgestellt ist. In den Worten von Brodie Keast, Senior Vice President Marketing von Palm, zitiert aus USA Today:
“The idea is that Pre is ‘a little more human and a little more approachable and about making your life better’[.] This is not really for work or play but for one life with many dimensions.”
Ob das alles so funktionert, wie Palm und Modernista sich das vorstellen, sei dahingestellt — beim augenblicklichen Stand (und Zustand) des Marktes und bei der augenblicklichen Aufstellung von Palm und Sprint ist jede Strategie riskant. Aber ich hätte, unterm Strich gesehen, eine Feature-Driven-Campaign für den Palm Pre zur Zeit für riskanter gehalten als eine Kampagne, die mit Lifestyle einsteigt und die Features im Kampagnen-Verlauf nachzieht.
4 Kommentare
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- Daniela über die Arbeitszeit: Mit dem Alter werde ich immer tagaktiver… Während ich in meiner Schulzeit zwischen 8 und 16.00 (Schule) in...
- ralf schwartz: @Selket Interessant, danke.
- Selket: Es hat noch einen weiteren Grund, weshalb Katzen 9 Leben haben sollen: im Alten Ägypten – für Katzen wohl die beste Zeit ;-), war die...
- ralf schwartz: @AndreasK Ich kann die Härte, die Du in den Post hineininterpretierst, nur schwer nachvollziehen. Nichtmal die w&v selbst sieht...
- AndreasK: Weil jetzt das Internet nun mal da und total hip ist, muss die eigene w&v-Idee natürlich brachial digital gedacht, erstellt und...
- ralf schwartz: Ah, “LEAD digital”, dieses “14-tägliche Magazin für Digital-Professionals und Online-Marketer”. So reisst...
- Annette Mattgey: Dafür hat W&V doch LEAD digital. Da kann man all diese komischen Sachen mit dem Netz nachlesen, sogar auf ner eigenen Website....
- daniel: also erst mal, coole Grafik im oberen bereich :-) und der verdienst, hängt sicherlich von jedem selbst ab, viele faktoren spielen da eine...

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Am 8. Juni 2009 um 16:08 Uhr
[...] Das (von mir noch ungelesene) Gegenstück von Jay zu diesem Eintrag findet sich hier: Palm Pre Flow Commercal: Daumen hoch! [...]
Am 8. Juni 2009 um 19:06 Uhr
Hey Jay,
Gut argumentiert. Aber natürlich hast Du trotzdem unrecht ;).
Wie wär’s, wenn wir dazu ein spontanes Panel auf der remix09 machen?
Am 8. Juni 2009 um 19:10 Uhr
Hi Markus,
coole Idee! Bieten wir im “Ad Hoc Session Pitch” am Freitag an und lassen uns überraschen, wieviele sich dafür interessieren.
Ich bin dabei. Von wegen unrecht :-))
Am 29. Juli 2009 um 11:24 Uhr
[...] dies das iPhone; einige der Gründe streifte ich ganz kurz im Rahmen meines Beitrags zum Palm Pre Flow-Commercial (Punkt 2: Zielgruppen, vorletzter [...]