11:52 Uhr
Die Kunst des Scam-Ad-Jutsu in drei einfachen Schritten
Schritt 1
Die Übung für Anfänger. Anzeigen entwerfen, einmal im Shitville Chronicle, Louisiana, auf der Kleinanzeigenseite schalten und für Kreativwettbewerbe einreichen. Das ist einfach, rasch gelernt und schnell gemacht.
Schritt 2
Die Übung für Fortgeschrittene. Anzeigen entwerfen, die der Kunde stehenden Fußes ablehnt, und sie mit dem Logo des Kunden für Kreativwettbewerbe einreichen.
Wer? Ogilvy, Johannesburg. Für? History Channel. Wo? Clio Awards.
Die ganze Geschichte gibt es von Herman Manson auf BizCommunity:
Last week it came to light that Ogilvy Johannesburg had submitted ads created for AETN’s South African broadcast partner, MultiChoice, to numerous trade publications and blogs, as well as having entered it into numerous international ad awards—in spite of it never receiving approval from client.
Die Anzeigenserie bekam einen Silver Clio, war Finalist in “The One Show”, ein Motiv davon wurde in einer Ausgabe von Migrate veröffentlicht, dem offiziellen Loerie Awards-Magazin, und das Marketing blog MarkLives.com veröffentlichte die von Ogilvy eingereichten Motive “in good faith”.
Das lud zu einstweiligen Verfügungen geradezu ein:
Then, last week, MarkLives.com received a cease and desist letter from AETN, parent company of The History Channel, demanding it remove advertising material for the channel from this site. It seems MarkLives was not the only site targeted by AETN’s lawyers; Adsoftheworld.com removed the material from its site on the same day MarkLives received the threat of legal action.
When contacted for comment, Graham Pfuhl, marketing and sales director at MultiChoice, stated that the campaign in question had in fact been rejected outright by MultiChoice, and confirmed “no History Channel ads can be published without the prior authorisation of AETN.”
Herauswieseln gehört zwar nicht mehr direkt zum Lernprogramm von Schritt 2, aber wer Mansons Eintrag zur Gänze liest, wird auch zu diesen Nebentechniken weiterbildend fündig. Und einen Screenshot von der Clio-Page mit den einst dort plazierten Motiven gibt es bei Pajamasmedia.
Aber wartet! Das ist noch nicht alles! Denn apropos Wingnut-Blogging Pajamasmedia: die Anzeigenmotive, ihre Verursacher und alle Mitgefangen-Mitgehangenen werden von der, uh, konservativen Bloggerszene wegen „Antiamerikanismus“ anhaltend zu blutigen Fetzen zerkaut. Und wer keinen empfindlichen Magen hat und Mut, kann zwischen Michelle Malkins Racist Rants Blogeinträgen zu einem Kommentar navigieren, der zu den Originalmotiven mit History-Channel-Logo auf der Clio-Domain verlinkt, die dort öffentlich aber schon lange nicht mehr sichtbar sind.
Womit ich nicht sagen will, daß die Motive nicht antiamerikanisch wären — sie sind. Aber ich habe etwas Mühe, sie als weiteres Mosaiksteinchen in einer weltweiten sozialistischen Verschwörung gegen den American Conservatism zu identifizieren.
Schritt 3
Die Übung für Experten. Anzeigen entwerfen, Anzeigen schalten und für Kreativwettbewerbe einreichen. Jedoch, als Steigerung, ohne den Account für das Produkt oder das Unternehmen überhaupt als Kunden zu haben.
Wer? FP7 (Promoseven Network/McCann Affiliate). Für? Samsung SL310W. Wo? Dubai Lynx Awards. Die ganze Geschichte gibt es unter anderem hier bei Adland.
Bei den Dubai Lynx Awards gewann FP7 eine ganze Reihe von Preisen einschließlich den “Ad Agency of the Year Award”, die der Agentur aber alle wieder entzogen wurden nach Abschluß der Untersuchung.
Um das Lernprogramm mit den Worten von “Dabitch” auf Adland ausklingen zu lassen:
At what point is it ever a good idea to create, and actually run campaigns for clients that you don’t have?
Auf der luftigen Höhe des Scam-Ad-Jutsu-Expertenlevels, zumindest, kann es offenbar für eine gute Idee gehalten werden.
Ein Kommentar
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- Prozentewunder: @ralf Klar steht es da. Und wenn der Bildschirm groß genug ist, kann man´s sogar lesen. Nur: Die, die da anrufen zahlen das nicht,...
- ralf schwartz: @sososo Erzähl mehr. Hast Du Links? JPGs? So, dass man mal was sehen kann? Das wäre doch schön.
- sososo: die “pianistin” ist auch auf haarfärbemitteln in polen abgedruct.. welch witz… und die “juristin” soll...
- iuhzl: jaja fühlen sich da mal wieder irgendwelche leute persönlich angegriffen? scheiß nationalstolz!
- ralf schwartz: @Biene Hm, guter Gedanke. Keine Ahnung. Aber wenn, hätten die von mir Gefragten genau dies ja als Grund angeben können. Oder in dem...
- Biene: Vielleicht Datenschutzgründe? Das Daten ohne Einwilligung nicht zwischen unterschiedlichen Unternehmen übertragen werden dürfen?
- Hundeschule: Tja Abmahnungen gehen weiter, Hundeschule wurde abgemahnt, weil ein gekauftes Logo verwechslungsgewahr beinhaltet. Und nun? Die Pfote...
- InternetMarketing | Jens Srowig: Hallo an euch! Das ist wirklich ein tolles Video. Auch wenn es schon ein wenig spät ist, alles Gute für das neue...

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Am 9. September 2009 um 16:25 Uhr
[...] in Erscheinung trat, war für Kreativpreis-Wettbewerbe mit Arbeiten ohne jeden Kundenauftrag (Schritt 3). Ich kann für Faber Castell nur hoffen, daß FP7 dieser Tradition weiterhin treu [...]